In den beiden vorliegenden Gedichten „Nachts“ von Joseph von Eichendorff und „Um Mitternacht“ von Johann Wolfgang von Goethe geht es um die Verarbeitung des Nachtmotives zur Zeit des 19. Jahrhunderts. Dabei scheint die Thematik, die Goethe 1818, demnach in der Zeit der Klassik, aufgriff, auch 23 Jahre später bei Eichendorff, zur Zeit der Spätromantik, keineswegs an Aktualität verloren zu haben.
Gegenstand dieser Arbeit wird es demnach sein, beide Gedichte die Motivik betreffend und die kunsttheoretischen Auffassungen jener Zeiten mit einbeziehend zu vergleichen, wobei der analytische und interpretatorische Schwerpunkt der Untersuchungen auf „Nachts“ von Joseph von Eichendorff gelegt wird. Abschließend gilt es, die Aktualität zu prüfen und einen Ausblick zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Nachts“ von Joseph von Eichendorff
3. „Um Mitternacht“ von Johann Wolfgang von Goethe im Vergleich
4. Fazit
5. Aktualität und Ausblick
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verarbeitung des Nachtmotivs in der Lyrik des 19. Jahrhunderts anhand der Gedichte „Nachts“ von Joseph von Eichendorff und „Um Mitternacht“ von Johann Wolfgang von Goethe, um die unterschiedlichen künstlerischen und weltanschaulichen Auffassungen der beiden Epochen zu vergleichen.
- Vergleichende Analyse des Motivs der „Nacht“ bei Eichendorff und Goethe.
- Untersuchung der zeitgeschichtlichen Einflüsse auf die literarische Gestaltung.
- Kontrastierung der positiven Sicht auf die Nacht als Freiraum mit den individuellen Sorgen der Dichter.
- Diskussion über die gesellschaftliche Bedeutung und aktuelle Relevanz des Naturerlebens.
Auszug aus dem Buch
2. „Nachts“ von Joseph von Eichendorff
In dem von Eichendorff 1841 geschriebenen Werk „Nachts“, das aus zwei sechsversigen Strophen besteht, lässt bereits der Titel auf die Verarbeitung der Nachtmotivik schließen. Die Nacht wird dabei als sehr positiv, als ein Freiraum der Gedanken und Gefühle und somit als Ort der Gesundung gesehen. Das gewisse Ruhe ausstrahlende Adjektiv „stille“ (Vers eins) und nicht zuletzt das Motiv des Weges durch das reduzierte Verb „wundre“ (Vers eins) sorgen für eine gleichsam musikalisch belebte, aber auch eine wohlige Stimmung in der Nacht. Im Vers zwei wird langsam aufkommende Mond als sehr angenehm dargestellt. Dies wird durch den in den Versen eins und zwei verwendeten Paarreim und die Personifikation des Mondes deutlich. Das durch die Nacht wandernde lyrische Ich scheint sehnsüchtig auf jenen Moment gewartet zu haben. Der Mond als Zeichen des Nachtanbruches wird stark von der „dunklen Wolkenhülle“ (Vers drei) abgegrenzt, erscheint hierbei hell und erlösend. Auffällig bei Eichendorffs lyrischem Ich ist dabei der vertikale Blick – hier werden, wenn auch nicht vordergründig, die romantische Religiosität und nicht zuletzt auch die Person Eichendorffs als Pietist deutlich. So heißt es in seiner Werke: „Wahrlich, wen Gott liebhat, den stellt er einmal allen Plunder auf die einsame Zinne der Nacht, daß er nichts als Glocken von der Erde und vom Jenseits zusammenschlagen hört [...]“ (aus: Dichter und ihre Gesellen, Eichendorff). Das „hin und her“ im vierten Vers könnte eine Erklärung für die Nachtsehnsucht und Wehmut sein: Eichendorff selbst konnte seine Familie nicht von seiner Kunst ernähren und musste deshalb ein philiströses Leben in Kauf nehmen, das ihn unterforderte und zutiefst unglücklich machte. Oft wird dies auch als „Sehnsucht nach entgegengesetzter Wirklichkeit“ bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Nachtdarstellung bei Eichendorff und Goethe ein und legt den Fokus auf den literaturwissenschaftlichen Vergleich.
2. „Nachts“ von Joseph von Eichendorff: Der Abschnitt analysiert die romantische Sicht auf die Nacht bei Eichendorff und beleuchtet die biographischen sowie stilistischen Hintergründe des Gedichts.
3. „Um Mitternacht“ von Johann Wolfgang von Goethe im Vergleich: Dieses Kapitel untersucht Goethes klassische Perspektive auf das Nachtmotiv und stellt sie in den Kontext seiner persönlichen Lebenserfahrung.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Dichter hinsichtlich ihrer Lebenswelt und künstlerischen Verarbeitung herausgearbeitet werden.
5. Aktualität und Ausblick: Dieser Teil reflektiert die heutige gesellschaftliche Bedeutung von Natur und Nacht vor dem Hintergrund moderner Lebensbedingungen.
6. Literaturverzeichnis: Hier werden die für die Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen dokumentiert.
Schlüsselwörter
Nachtmotiv, Eichendorff, Goethe, Lyrik, Romantik, Klassik, Naturerleben, Sehnsucht, Literarischer Vergleich, Zeitgeist, Personifikation, Lyrisches Ich, Naturdarstellung, Gedichtanalyse, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht das literarische Motiv der Nacht in zwei bedeutenden Gedichten der deutschen Literaturgeschichte aus der Zeit der Klassik und der Romantik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die menschliche Sehnsucht, der Rückzug in die Natur, die Verarbeitung von Lebenskrisen durch die Literatur sowie der Kontrast zwischen bürgerlichem Alltag und poetischem Freiraum.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Eichendorff und Goethe die Nacht als positiven Ort für Gedanken und Gefühle nutzen und inwiefern sich ihre unterschiedlichen Epochen in diesen Werken widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine analytische und interpretatorische Methode angewandt, die den Textbestand der Gedichte in den Kontext der zeitgenössischen Literaturtheorie und der Biographien der Autoren stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei ausführliche Analysen der Gedichte „Nachts“ (Eichendorff) und „Um Mitternacht“ (Goethe), wobei jeweils Form, sprachliche Mittel und inhaltliche Symbolik untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Nachtmotiv, Lyrik, Romantik, Klassik, Naturerleben, Sehnsucht und literarischer Vergleich.
Inwiefern beeinflusst das politische Klima der Zeit die Gedichte?
Die Arbeit zeigt auf, dass Eichendorffs Resignation teilweise durch die politischen Umstände der Zeit nach dem Wiener Kongress beeinflusst wurde, während bei Goethe verstärkt existenzielle und lebensalterbedingte Reflexionen im Vordergrund stehen.
Was ist das Ergebnis des Vergleichs?
Beide Dichter nutzen die Nacht als einen Ort der Gesundung und des Freiraums, wobei Eichendorff radikaler-subjektiv und Goethe gefasster agiert; dennoch reflektieren beide Texte die tiefe Unglücklichkeit der Dichter in ihren bürgerlichen Lebensumständen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2010, Die Nachtmotivik in den Gedichten Eichendorffs und Goethes "Nachts" und "Um Mitternacht", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271454