Von der Tafel über den Overhead-Projektor bis hin zur Wissensvermittlung durch das Bildungsfernsehen in den 1970er Jahren, führte die technische Entwicklung in den letzten Jahren dazu, dass Gegenstand und Mittel, Massenmedien und Einzelmedien zusammengewachsen sind (Nuissl, 1996, S. 7). Den genannten primären Visualisierungsmöglichkeiten der Vergangenheit folgte schließlich das Internet mit seinem enormen Informationsangebot und zahlreichen Kommunikationsmöglichkeiten. Bezüglich der Zukunft von Kommunikationstheorie erläutert McQuail (1999, p. 11) „New communication technology is making more things possible, new knowledge and culture accessible, and it is increasing the speed, power and efficiency of all organised activities.“ Nicht nur die Kommunikationstheorie hat sich demnach verändert, auch die Unterstützung der Didaktik durch Medien hat sich in den letzten 20 Jahren auf rasante Art und Weise entwickelt (Boos, 2009, S. 89). Kommunikation mittels Neuen Medien wird demzufolge für die Lehre zu immer größerer Bedeutung. Somit bietet sich Lernenden gegenwärtig der Zugang in der virtuellen Welt der Medien, der Welt von Bildern und Informationen (Nuissl, 1996, S. 7), die Möglichkeit Wissen modern und innovativ zu erwerben. E-Learning hat im Hochschulsektor und Fernstudium in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Entwicklung erfahren und ist im Mainstream angekommen (Zawacki-Richter, 2011, S. 5). Auch wenn der Einsatz von Multimedia zu einer Erhöhung der Qualität der Lehre führen kann, bringt nach Boos (2009, S. 90) der bloße Einsatz und die Verfügbarkeit von Multimedia und e-Learning noch keine didaktische Innovation. Ebenso vertritt Brandhofer (2012, S. 141) den Standpunkt das Technik alleine keinen pädagogischen Erfolg garantieren kann. „Das Lehren und Lernen über die Distanz erfordert grundsätzlich eine konzeptionelle Vorstellung davon, wie trotz fehlender räumlicher und sozialer Nähe gelehrt und gelernt werden kann“ (Dieckmann & Lehmann, 2011, S. 45). Neben einem fundierten Konzept sind Struktur und Dialog der Lernumgebung sowie eine aktive Beteiligung der Studierenden gemäß Dieckmann und Lehmann (2011, S. 45) unabdingbar für erfolgreiches Lernen im virtuellen Raum. Lernen als Individuum versus lernen in der Gruppe - Soziale Interaktion und Kommunikation sind maßgeblich für Lehr- und Lernkontexte. Sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich sind Gruppenentscheidungen wesentlich, da diese eine größere Wissensbasis aufweisen als ...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Computervermittelte Kommunikation (cvK) in virtuellen Lernumgebungen
2.1 Kollaborative und kooperative Gruppenarbeit
2.2 Synchrone und asynchrone Kommunikation
2.3 Computer-Supported Collaborative Learning (CSCL)
2.4 Selbstgesteuertes Lernen im Kontext virtueller Gruppenarbeit
2.5 Besonderheiten virtueller Gruppenkommunikation
3 Kommunikationstheorien im Kontext kollaborativer Gruppenarbeit
3.1 Die Funktionen der Sprache – Karl Bühlers Organon-Modell
3.2 Kommunikologie nach Vilém Flusser
3.3 Die Theorie des kommunikativen Handelns - Jürgen Habermas
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert die spezifischen Herausforderungen und Potenziale der computervermittelten Kommunikation innerhalb kollaborativer virtueller Gruppenarbeit. Dabei wird untersucht, wie theoretische Ansätze von Bühler, Flusser und Habermas auf moderne digitale Lehr- und Lernszenarien übertragen werden können, um die Qualität der Wissenskonstruktion zu optimieren.
- Grundlagen computervermittelter Kommunikation (cvK)
- Abgrenzung von kollaborativen und kooperativen Lernformen
- Rolle des selbstgesteuerten Lernens in virtuellen Räumen
- Anwendung des Organon-Modells von Karl Bühler
- Flussers Kommunikologie in digitalen Diskursstrukturen
- Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns im Online-Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Funktionen der Sprache – Karl Bühlers Organon-Modell
Der deutsche Karl Bühler zählt zu den bedeutendsten Psychologen und Sprachtheoretikern des 20. Jhdt. Laut ihm ist Kommunikation als „sozialer Prozess aufzufassen, an dem mindestens zwei Menschen beteiligt sind, die mittels Zeichen, Medien und Sprache in ein wechselseitiges Mitteilungs- und Verständigungshandeln eintreten, um sich aktuell aneinander zu orientieren, etwas Bestimmtes zu erreichen oder gemeinsam auf ein zukünftiges Ziel hin tätig zu sein“ (Krallmann & Ziemann, 2001, S. 48). Philosophische Ansätze von Humboldt, Husserl, de Saussure und Platon sind Grundlage für Bühlers Sprachtheorie (1934), deren wohl bekanntestes Kapitel das des Organonmodells der Sprache ist (Krallmann & Ziemann, 2001, S. 48), mit dem er eine handlungstheoretische Sprachauffassung konstruiert. Der Name seines Organon Modells rekurriert auf Platons ursprünglichem Werk, dem Kratylos, in dem Platon die Sprache als ein sog. Organum bezeichnet (Sprache verwendet „einer“ um „dem anderen“ etwas mitzuteilen). Enthält innerhalb eines Kommunikationsprozesses jede Mitteilung einen inhaltlichen, einen sozialen und einen personalen Aspekt (Reinmann, 2013, S. 96) stellt für Bühler (1999, S. 24) die sprachliche Mitteilung die an Grundbezügen ergiebigste Erscheinungsform des gegenständlichen Sprechereignisses dar. Angesichts der Tatsache hat er zur Kenntnis von Kommunikation sein eingängiges Organon-Modell entwickelt. Er unterscheidet im Organon-Modell die dreifache Funktion von Sprache und beschreibt den Kommunikationsprozess anhand von drei grundlegenden Elementen:
Die Sprache weist als Medium kommunikativen Handelns eine dreifache Zeichenhaftigkeit auf: sie ist Symptom, Symbol und Signal. Ihre spezifische Leistung liegt aber nicht nur in der symbolischen Beschreibungs- und Darstellungsmöglichkeit beliebiger Gegenstände und Sachverhalte, sondern vielmehr im funktionalen Zusammenspiel von Ausdruck, Darstellung und Appell in jedem Sprechereignis. (Krallmann & Ziemann, 2001, S. 49)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Medientechnologien ein und begründet die Relevanz virtueller Gruppenarbeit für moderne Lehr- und Lernszenarien.
2 Computervermittelte Kommunikation (cvK) in virtuellen Lernumgebungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der digitalen Zusammenarbeit, wie kollaboratives Lernen und synchrone Kommunikation, und erläutert die notwendigen Anforderungen an Lernende.
3 Kommunikationstheorien im Kontext kollaborativer Gruppenarbeit: Hier werden die Theorien von Bühler, Flusser und Habermas detailliert dargestellt und ihre Anwendbarkeit auf die digitale Gruppenkommunikation kritisch geprüft.
4 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung von Medienkompetenz und sozialer Interaktion für eine erfolgreiche, computergestützte Wissenskonstruktion.
Schlüsselwörter
Virtuelle Gruppenkommunikation, Computervermittelte Kommunikation, cvK, Kollaboratives Lernen, CSCL, Selbstgesteuertes Lernen, Organon-Modell, Karl Bühler, Kommunikologie, Vilém Flusser, Theorie des kommunikativen Handelns, Jürgen Habermas, Medienkompetenz, Wissenskonstruktion, Online-Lernszenarien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Besonderheiten und Herausforderungen virtueller Gruppenkommunikation in Lernkontexten auf Basis klassischer Kommunikationstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die computervermittelte Kommunikation (cvK), kollaboratives und kooperatives Lernen, Medienkompetenz sowie die Anwendung soziolinguistischer Theorien auf digitale Räume.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Konsequenzen kollaborativer Gruppenarbeit durch die theoretischen Brillen von Bühler, Flusser und Habermas zu beleuchten und auf ihre praktische Relevanz in E-Education-Szenarien hin zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der etablierte Kommunikationstheorien auf den aktuellen Kontext virtueller Lernumgebungen übertragen und interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Begriffsbestimmung der virtuellen Kommunikation sowie eine tiefgehende Analyse der Sprachfunktionen nach Bühler, der Kommunikologie nach Flusser und der Theorie des kommunikativen Handelns von Habermas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie virtuelle Gruppenkommunikation, Wissenskonstruktion, CSCL, Kommunikologie und kommunikatives Handeln.
Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit von rein technischen Abhandlungen über E-Learning?
Die Arbeit fokussiert nicht nur auf die Technik, sondern primär auf die menschliche Kommunikation und die soziologischen Bedingungen, die ein Gelingen von Gruppenprozessen in virtuellen Räumen erst ermöglichen.
Welche Rolle spielt die Theorie von Habermas für die Schlussfolgerung?
Habermas' Forderung nach Wahrhaftigkeit und Richtigkeit dient als normativer Rahmen, um die Qualität der in virtuellen Gruppen generierten Wissensbestände kritisch zu bewerten.
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- BEd Nora Ulbing (Author), 2014, Besonderheiten virtueller Gruppenkommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271585