Vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Situation der gemeindlichen Körperschaften wird verdeutlicht, dass es erforderlich ist die herkömmliche Kameralistik flächendeckend durch das doppische Rechnungssystem zu ersetzen, um eine zukunftsfähige wirtschaftliche Steuerung der Kommunen zu ermöglichen. Praxisorientiert wird dargelegt, was die Umstellung auf eine kaufmännische Rechnungslegung für die Städte und Gemeinden bedeutet. Als ein Schwerpunkt erfolgt die zusammenfassende Darstellung der Bewertungsmethoden des Vermögens und der Schulden als Grundlage der
kommunalen Eröffnungsbilanz - ein wesentliches Element der praktischen Einführung des neuen kommunalen Rechnungswesens. Die Einordnung des deutschen Reformprozesses in die internationale Entwicklung rundet die Argumentation ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Ausgangssituation
2.1 Verwaltungsstruktur
2.2 Kameralistik
2.3 Doppik
3 Speyerer-Verfahren
3.1 Entstehung des Neuen Kommunalen Rechnungswesens
3.2 Rechnungskonzept
3.3 Drei-Komponenten-System
3.3.1 Ergebnisrechnung
3.3.2 Vermögensrechnung
3.3.3 Finanzrechnung
4 Inventur am Beispiel der Samtgemeinde Dannenberg
4.1 Bestandsaufnahme
4.2 Inventurgrundsätze
4.3 Inventurplanung
4.4 Inventar
4.5 Immobilienerfassung
5 Bewertung in der kommunalen Eröffnungsbilanz
5.1 Ansatz- und Bewertungsregeln
5.1.1 Bewertungsgrundsätze
5.1.2 Bewertungsvereinfachungsverfahren
5.1.3 Wertbegriffe
5.1.4 Verfahren der Zeitwertermittlung
5.2 Schulden
5.2.1 Geldschulden und Verbindlichkeiten
5.2.2 Rückstellungen
5.3 Verwaltungsvermögen
5.3.1 Immaterielles Vermögen
5.3.2 Sachvermögen
5.3.3 Finanzanlagen
5.4 Realisierbares Vermögen
5.4.1 Sachvermögen
5.4.2 Finanzvermögen
5.5 Abgrenzungsposten und Nettoposition
6 Entwicklungsstand des Umstellungsprozesses
7 Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung eines doppisch geprägten öffentlichen Rechnungswesens, das sogenannte „Speyerer-Verfahren“, als Alternative zur traditionellen Kameralistik. Das primäre Ziel ist es, die Notwendigkeit und den Nutzen eines integrierten Rechnungssystems für die kommunale Verwaltung aufzuzeigen, um eine effiziente und zukunftsfähige ökonomische Steuerung zu gewährleisten, insbesondere durch eine präzise Vermögensbewertung.
- Vergleich der kameralistischen Haushaltsführung mit dem kaufmännischen Rechnungswesen (Doppik).
- Einführung und Aufbau des Drei-Komponenten-Systems im Rahmen des „Speyerer-Verfahrens“.
- Methodik der Inventur am praktischen Beispiel der Samtgemeinde Dannenberg.
- Detailbetrachtung von Bewertungsgrundsätzen und Verfahren der Wertermittlung in der Eröffnungsbilanz.
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Vermögensrechnung
Die Vermögensrechnung, auch kommunale Bilanz genannt, ist ein wesentliches Element zur praktischen Einführung des „Neuen Kommunalen Rechnungswesens“, sie baut auf der Inventur auf. Es ist zweckmäßig die Vermögensrechnung genau wie die Ergebnisrechnung in Staffelform zu führen. So zeigt die Abschlussrechnung Zwischensalden auf, wie beispielsweise den Ausweis der Nettogesamtschulden. Neben der Darstellung der Bilanz in Staffelform ist die Kontoform möglich.
Die Rechnung beginnt mit der Auflistung der Schuldenpositionen, da die Differenz zwischen dem realisierbarem Vermögen und den Schulden in der Regel negativ ist. In der Vermögensrechnung wird das öffentliche Vermögen den öffentlichen Schulden gegenübergestellt. Gemäß dem Vollständigkeitsgebot nach § 11 BHO (Bundeshaushaltsordnung) sind alle Vermögensgegenstände und Schulden zu erfassen. Die Differenz zwischen Vermögen und Schulden wird als Nettoposition bezeichnet. Ist dieser Wert positiv, kann die Nettoposition als Reinvermögen ausgelegt werden. Entsteht auch nach Abzug der Bewertungsrücklage ein positives Reinvermögen, kann daraus in längerfristiger Betrachtung angenommen werden, dass laufende Ausgaben nicht kreditfinanziert wurden.
Das Verbindungsglied zur Ergebnisrechnung ist die Veränderung des Reinvermögens. An ihr lässt sich der Nettoressourcenverbrauch oder das Nettoressourcenaufkommen einer Periode ablesen. Damit ist in der Vermögensrechnung auch der Periodenerfolg erkennbar. Im Vordergrund steht die Dokumentation der periodenübergreifenden körperlichen Ressourcen, geldmäßigen Ressourcen und Ansprüche (Forderungen) sowie der Verpflichtungen der Gebietskörperschaften.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit begründet die Notwendigkeit einer Abkehr von der traditionellen Kameralistik hin zum modernen doppischen Rechnungswesen in Kommunen.
2 Ausgangssituation: Eine Analyse der bestehenden Verwaltungsstruktur und der Unzulänglichkeiten der Kameralistik bei der Erfassung der wirtschaftlichen Lage.
3 Speyerer-Verfahren: Vorstellung des Neuen Kommunalen Rechnungswesens (NKR) als integriertes System mit Ergebnis-, Vermögens- und Finanzrechnung.
4 Inventur am Beispiel der Samtgemeinde Dannenberg: Praktische Darstellung der Bestandsaufnahme und Planung einer ordnungsgemäßen Inventur.
5 Bewertung in der kommunalen Eröffnungsbilanz: Vertiefende Auseinandersetzung mit Regeln zur Vermögensbewertung und der Behandlung von Schulden sowie Rückstellungen.
6 Entwicklungsstand des Umstellungsprozesses: Ein Überblick über die Fortschritte der Reformbemühungen in den deutschen Bundesländern und im internationalen Vergleich.
7 Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale des Speyerer-Verfahrens für die zukünftige kommunale Steuerung.
Schlüsselwörter
Speyerer-Verfahren, Doppik, Kameralistik, Neues Kommunales Rechnungswesen, Vermögensrechnung, Ergebnisrechnung, Finanzrechnung, Inventur, Bewertungsregeln, Eröffnungsbilanz, Haushaltsführung, Ressourcenverbrauch, öffentliche Verwaltung, kommunale Bilanzierung, Verwaltungsmodernisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Reform des kommunalen Rechnungswesens in Deutschland, insbesondere mit der Einführung des doppischen Rechnungssystems („Speyerer-Verfahren“) als Ersatz für die veraltete Kameralistik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Umstellung der kommunalen Buchhaltung, das Drei-Komponenten-System (Ergebnis-, Vermögens- und Finanzrechnung), die Durchführung einer Inventur sowie die spezifischen Bewertungsregeln für kommunales Vermögen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Städte und Gemeinden durch ein doppisch geprägtes Rechnungssystem eine zukunftssichere finanzielle Basis und eine effektivere wirtschaftliche Steuerung erreichen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie auf praktische Erfahrungen, die während einer Mitarbeit bei der Einführung der Doppik in der Samtgemeinde Dannenberg gewonnen wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Speyerer-Verfahrens, beschreibt den Prozess der Inventur am Beispiel Dannenberg und erörtert detailliert die Ansatz- und Bewertungsvorschriften für kommunale Aktiva und Passiva.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Speyerer-Verfahren, Doppik, Kameralistik, NKR, Vermögensbewertung, Eröffnungsbilanz und Ressourcenverbrauch.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Verwaltungsvermögen und realisierbarem Vermögen so wichtig?
Die Unterscheidung ist entscheidend, da sie unterschiedliche Bewertungsansätze erfordert und Transparenz darüber schafft, welche Teile des Vermögens für die Aufgabenerfüllung genutzt werden und welche zur Deckung von finanziellen Risiken oder zur Veräußerung bereitstehen.
Welche Rolle spielen Rückstellungen im Speyerer-Verfahren?
Rückstellungen dienen im NKR der periodengerechten Zuordnung künftiger finanzieller Belastungen, deren Höhe oder Zeitpunkt zum Bilanzstichtag noch unsicher ist, was in der klassischen Kameralistik bisher vernachlässigt wurde.
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- Grit Ulrich (Author), 2004, Das Konzept eines doppisch geprägten öffentlichen Rechnungswesens (Speyerer-Verfahren), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27170