Zwischen Freiheit und Ordnung - Satzgliedabfolge im deutschen Mittelfeld

Ein Vergleich der Regelvermittlung in drei Grammatiken


Seminararbeit, 2014

50 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 einleitung

2 das mittelfeld
2.1 Abfolgeregeln und -faktoren
2.2 Herausforderungen bei der Didaktisierung

3 darstellung der mittelfeldabfolge in ausgewählten gramma- tiken
3.1 Eisenberg (2013) - Grundriss der deutschen Grammatik: der Satz
3.2 Fandrych (2012) - Klipp und Klar
3.3 Kars/Häussermann (1997) - Grundgrammatik Deutsch

4 vergleich und zusammenfassung

literaturverzeichnis

a anhang
a.1 Eisenberg (2013) - Grundriss der deutschen Grammatik: der Satz
a.2 Fandrych (2012) - Klipp und Klar
a.3 Kars/Häussermann (1997) - Grundgrammatik Deutsch

1 EINLEITUNG

Nebenberuflich korrigiere ich für einen niederländischen Verlag Lehrbuchtexte und Übungsaufgaben, die von nicht-muttersprachlichen Deutschlehrern verfasst werden. Während meiner Korrekturarbeiten ist mir aufgefallen, dass meine niederländischen Kollegen andere Satzgliedabfolgen im Mittelfeld bevorzugen als ich. Neben ungram- matischen Abfolgen wie (1) begegne ich oft Abfolgen, die zwar grammatikalisch kor- rekt sind (2), die ich aber aufgrund meines eigenen Sprachgefühls anders anordnen würde (3).

(1) *Wie gefällt das Buch euch?

(2) a. Warum trinkst du nie Bier auf Partys?
b. Ich wasche mir noch schnell die Hände vor dem Essen.
c. Ich muss jetzt gehen, sonst machen meine Eltern sich Sorgen.

(3) a. Warum trinkst du auf Partys nie Bier?
b. Ich wasche mir vor dem Essen noch schnell die Hände.
c. Ich muss jetzt gehen, sonst machen sich meine Eltern Sorgen.

Nicht nur diese Beobachtung hat mich dazu bewogen, der Satzgliedfolge im Mittelfeld auf den Grund zu gehen. Auch die Tatsache, dass die deutsche Sprache in diesem Bereich einerseits viele Freiheiten gewährt (4), andererseits aber das Befolgen fester Regeln verlangt (5), machen das Thema für eine Seminararbeit interessant1.

(4) a. Ich habe meiner Freundin gestern die Blumen geschenkt.
b. Ich habe die Blumen gestern meiner Freundin geschenkt.
c. Ich habe gestern die Blumen meiner Freundin geschenkt.
d. Ich habe gestern meiner Freundin die Blumen geschenkt.

(5) a. Dass Rosen schöne Blumen sind, ist richtig.
b. *Dass schöne Blumen Rosen sind, ist richtig.

Gerade weil sich Sprachen in der Freiheit ihrer Wortstellung stark unterscheiden kön- nen, stellen die Wortstellungsregeln, die für das deutsche Mittelfeld existieren, si- cherlich für einige Deutschlernende eine Herausforderung dar. Willkop (vgl. 2004: 134) stellt fest, dass Deutschlernende in diesem Bereich auf jeder Stufe häufig Fehler machen. Von Grammatikbuch-Autoren sollte dieses Thema darum aufgegriffen und adäquat vermittelt werden.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich untersuchen, wie genau die Autoren der von mir ausgewählten Grammatiken die Mittelfeldabfolge darstellen. Zuerst zeige ich dazu auf, was man unter dem Mittelfeld versteht, welche Satzglieder/-funktionen darin auftreten können und welche Faktoren die Satzgliedabfolge im Mittelfeld be- einflussen (Kapitel 2). Im Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) beschäftige ich mich damit, wie die Mittelfeldabfolge in den drei von mir gewählten Grammatiken - Eisenberg (2013), Fandrych (2012) und Kars/Häussemann (1997) - vermittelt und geübt wird. Abschließend (Kapitel 4) fasse ich die Untersuchungsergebnisse vergleichend zusam- men, wobei ich auch auf Vor- und Nachteile der einzelnen Grammatikdarstellungen eingehen werde.

2 DAS MITTELFELD

2.1 abfolgeregeln und -faktoren

Das Mittelfeld - das sich zwischen linker und rechter Satzklammer befindet - ist nicht nur das „am häufigsten realisierte Stellungsfeld“ (Zifonun et al., 1997: 1505), es ist auch das Stellungsfeld, in dem Reihenfolgebeziehungen überhaupt erst zutage treten. Denn im Gegensatz zum Vorfeld und zum Nachfeld, die meist von einem Element besetzt sind, können im Mittelfeld mehrere Satzglieder vorkommen (vgl. Eisenberg, 2013: 381; Fandrych, 2005: 15, Zifonun, 1997: 1505). Mit Ausnahme einiger syntakti- scher Funktionen (wie bspw. dem Vorfeld-füllenden es) können im Mittelfeld grund- sätzlich alle Satzglieder positioniert werden; bestimmte syntaktische Funktionen (z. B. Modalpartikeln) können sogar nur im Mittelfeld auftreten (vgl. Altmann/Hofmann, 2008: 98/99).

Sobald mehr als ein Satzglied im Mittelfeld realisiert wird, bestimmen zahlreiche Regeln und Faktoren die Abfolge dieser Satzglieder. Da es - wie Eroms (vgl. 2004: 460) treffend feststellt - einen enormen Aufwand erfordert, all diese Regeln vollstän- dig zu erfassen und befriedigend zu systematisieren, finden sich in den Grammatiken die unterschiedlichsten Darstellungen der Mittelfeld-Abfolgeregeln.2 Einig ist man sich allerdings darüber, dass die Mittelfeld-Abfolge am besten erfasst werden kann, wenn man sich die Dichotomie von Ergänzungen und Angaben zu Nutze macht (vgl. Fandrych, 2005; Eroms, 2004; Willkop: 2004; Zifonun: 1997). Während Ergänzungen nämlich meist am linken oder rechten Rand des Mittelfelds stehen, wo die Abfolge relativ fest ist, treten Angaben im Zentrum des Mittelfelds auf, wo die Stellung frei- er wird (vgl. Vorderwülbecke, 2012 - Gesamtabfolge der Komplemente und Supplemente; Fandrych, 2005: 15). Die Abfolge von Ergänzungen und Angaben wird dabei einer- seits von grammatisch determinierten Regeln bestimmt (dazu gehören u. a. Regeln wie: Subjekt vor allen anderen Satzgliedfunktionen, Pronomina vor nominalen Satzgliedern, belebt vor unbelebt), andererseits von Regeln, die die Informationsstruktur festlegen. Solche Informationsstruktur-Regeln (z. B.: Was bekannt ist, tendiert nach rechts; neue Informationen tendieren nach links.) spielen bei der Satzgliedstellung im Mittelfeld ei- ne wesentliche Rolle und können in nahezu alle grammatisch determinierten Regeln eingreifen (vgl. Zifonun et al., 1997: 1506).

Wie genau die genannten Linearisierungsfaktoren miteinander interagieren ist nur teilweise geklärt (vgl. Eisenberg, 2013: 381). Interaktionsmodelle, wie das von Usz- koreit (vgl. Altmann/Hofmann, 2008: 136-138), versuchen ihr Zusammenwirken in einem gesamtgrammatischen Ansatz zu erklären: Uszkoreit schlägt für das Mittelfeld eine aus fünf Regeln bestehende, komplexe linear precedence-Regel vor, die „sowohl auf morphologischer Markierung [...] als auch auf Diskursrollen basiert“ (Pechmann et al., 1996: 260). Er geht davon aus, dass in einem Satz nicht alle Linearisierungsre- geln befolgt werden müssen und dass einzelne Ordnungsprinzipien dominanter sind als andere. Der Grad der Grammatikalität eines Satzes hängt demnach davon ab, wie viele der LP-Regeln verletzt werden (vgl. Altmann/Hofmann, 2008: 136; Pechmann, 1996: 260). Mit Hilfe dieses Modells lässt sich auch erklären, warum es klare Abfolge- Präferenzen im Deutschen gibt, obwohl die Sprache z. B. jede Umstellung von Subjekt, indirektem Objekt und direktem Objekt zulässt (vgl. Pechmann, 1996: 260).

Das Aufstellen dieser zahlreichen Abfolgeregeln wirft die Frage auf, ob es so etwas wie eine „normale“ Abfolge von Elementen im Mittelfeld gibt (vgl. Altmann/Hof- mann, 2008: 140). Sowohl Altmann/Hofmann (2008: 141) als auch Eisenberg (2013: 384) verneinen die Existenz einer solchen „normalen“ Basisabfolge, da es durchaus mehrere normale Abfolgen geben kann.3 Daneben existieren mehr oder weniger mar- kierte Abfolgen, die durch den Einfluss mehrerer Faktoren entstehen (vgl. Altmann/ Hofmann, 2008: 140). Fandrych (2005: 15) definiert markierte Abfolgen als solche, die „nur in einen ganz speziellen Kontext“ passen.

2.2 herausforderungen bei der didaktisierung

Das Thema „Satzgliedstellung im Mittelfeld“ für Lernende verständlich didaktisch aufzubereiten, stellt vor allem deshalb eine Herausforderung dar, weil es eine große Fülle an Abfolgeregeln zu berücksichtigen gilt. Selbst Autoren von Spezialgramma- tiken werden dieser „nahezu unüberschaubare[n] Zahl von Regeln und Faktoren“ nur mit Mühe Herr, indem sie beispielsweise versuchen, diese Faktoren zu kompri- mieren und „nach morpho-syntaktischen, semanto-lexikalischen und pragmatischen Gesichtspunkten“ zu sortieren (Altmann/Hofmann: 2008: 110). Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Mittelfeldabfolge „nicht nach einem einzigen, durchgängigen Prinzip regelt, sondern nach einem ganzen Bündel von - unterschiedlich starken - Regeln“ (Zifonun, 1997: 1506). Grammatikbuch-Autoren - vor allem jene, die eine Ler- nergrammatik verfassen möchten - müssen hier eine überschaubare Auswahl treffen, die das Wesentliche wiedergibt, ohne die Lernenden mit einem Zuviel an Information zu erschlagen. Auch wenn man aus diesem Grund gerade bei Übungsgrammatiken notwendigerweise Abstriche an eine linguistisch korrekte (und vollständige) Darstel- lungsweise machen muss, so gilt es dennoch sicherzustellen, dass die „wichtigsten Verwendungsweisen“ aufgenommen sind und „keine falschen Regeln gegeben wer- den, die auf einer späteren Niveaustufe das Weiterlernen behindern, weil sie z.B. zu irreführenden Hypothesen verleiten“ (Willkop, 2004: 135).

Ein weiterer Stolperstein bei der Didaktisierung sind die vielen konkurrierenden Termini, die in den verschiedenen Grammatiken zu finden sind, wenn es um die Mittelfeldabfolge geht. Da sich bis heute noch keine verbindliche, einheitliche Te- minologie etabliert hat (vgl. Eroms, 2004: 459), kursieren Begriffe wie beispielswei- se Satzglied - indirektes Objekt/direktes Objekt - Dativobjekt/Akkusativobjekt - Ergänzung/ Angabe - Komplement/Supplement mehr oder weniger unkommentiert nebeneinander. Zwar hat sich im DaF-Bereich die Valenzterminologie durchgesetzt (vgl. Eroms, 2004: 459; Willkop, 2004: 148) und ist, gerade was die Satzgliedabfolge im Mittelfeld betrifft, auch unabkömmlich, da sich hier die Termini der traditionellen Grammatik als un- zulänglich erwiesen haben. Dennoch müssen Grammatikbuch-Autoren der Tatsache Rechnung tragen, dass das Begriffssystem der traditionellen Grammatik vor allem im Schulunterricht noch sehr lebendig ist. Nach Meinung Willkops (2004: 138) ist es dar- um wenig sinnvoll, wenn Übungsgrammatiken „zu viele Neuerungen gegenüber dem Fremdsprachenunterricht“ aufweisen. Auch hält sie es für „sehr problematisch [...] tra- ditionelle Termini und Valenzterminologie zu mischen“ (Willkop, 2004: 138). Wenn es darum geht, eine geeignete Beschreibungssprache zu finden, müssen Grammatikbuch- Autoren sich notwendigerweise darüber Gedanken machen, welches Begriffssystem sie verwenden möchten. Dieses sollte sowohl dem Anspruch gerecht werden, für Ler- nende verständlich zu sein als auch linguistischen Anforderungen genügen. Autoren sollten sich darüber hinaus die Frage stellen, wie sie mit Konkurrenztermini umgehen und ob sie diese eventuell in das Stichwortverzeichnis ihrer Grammatik aufnehmen.

3 DARSTELLUNG DER MITTELFELDABFOLGE IN AUSGEWÄHLTEN GRAMMATIKEN

3.1 eisenberg (2013) - grundriss der deutschen grammatik: der satz

Dem Thema „Satzgliedfolge im Mittelfeld“ widmet Eisenberg in seiner Gramma- tik sechs Seiten. Ein Blick genügt, um festzustellen, dass die Metasprache im Ver- gleich zu Beispielen und Übungen weit überwiegt. Insgesamt führt Eisenberg 18 nicht- authentische Beispiele an, die durch Einrücken und Fettdruck typographisch deutlich von der Beschreibungssprache abgehoben werden. Verweise im Text auf diese Beispie- le sind für Benutzer eindeutig, da alle Beispiele durchlaufend nummeriert sind und individuellen Sätzen innerhalb eines Beispiels Buchstaben zugewiesen werden.

Obwohl es sich beim Grundriss der deutschen Grammatik um eine linguistische Gram- matik handelt (und daher eine ausführliche, Vollständigkeit anstrebende Darstellungs- weise erwartet werden kann), nimmt auch Eisenberg deutliche Vereinfachungen vor, um die Satzgliedfolge im Mittelfeld zu veranschaulichen: Unter (1)4 führt Eisenberg gerade einmal acht wichtige Faktoren5 auf, die er jeweils mit einem Beispiel anreißt. Für nähere Informationen zu den detaillierten Regularitäten verweist er auf die IDS- Grammatik (Zifonun et al., 1997). Im Gegensatz zu Zifonun et al. (1997) und Alt- mann/Hofmann (2008) ordnet Eisenberg die genannten Faktoren jedoch nicht den Beschreibungsebenen zu, denen sie angehören. Morpho-syntaktische Faktoren (subj vor obj) stehen bei ihm in einer Reihe mit pragmatischen (Thema vor Rhema) und semantischen Faktoren (belebt vor unbelebt). Auch begründet Eisenberg die von ihm gewählte Rangfolge der einzelnen Faktoren nicht. Es bleibt darum offen, ob diese Rangfolge willkürlich gewählt wurde oder ob sie so verstanden werden muss, dass der erstgenannte Faktor der wichtigste ist.

Ferner unterscheidet Eisenberg zwischen Abfolgefaktoren und Abfolgeregeln, „die von solchen Kriterien Gebrauch machen“ (Eisenberg, 2013: 382 - mit „Kriterien“ ver- weist er m.E. auf die zuvor genannten Faktoren). Diese Regeln unterteilt er wiederum in zwei Typen: Regeln, die feste Abfolgen spezifizieren und von denen nicht abge- wichen werden kann, weil ein Abweichen Nichtgrammatizität zur Folge hat - und Regeln, in denen „Präferenzen und Tendenzen so wirksam [werden], wie sie in 1 formuliert sind“ (Eisenberg, 2013: 383). Eisenbergs Ungenauigkeit im Gebrauch der Metasprache lässt hier Verwirrung aufkommen. Ohne andere Grammatiken hinzuzu- ziehen, bleibt die Textstelle unverständlich.

Auch an anderer Stelle mangelt es der Darstellung an der nötigen Genauigkeit. So werden die beiden Begriffe „normale Abfolge“ und „unmarkierte Abfolge“ an einer Stelle synonym verwendet6, an anderer Stelle explizit differenziert7.

Was die verwendete Terminologie betrifft, ist zu bemerken, dass Eisenberg (vgl. 2013: 382/384/44) verschiedene Begriffssysteme mischt. Neben traditionellen Termi- ni (Satzglied - Subjekt - Objekt) finden sich auch Begriffe, die auf dem Begriffssys- tem der IDS-Grammatik basieren (Komplement) sowie - in einem anderen Kapitel - Termini der Valenzgrammatik (Angabe - Ergänzung). Dieser Begriffsmix wird weder begründet noch gibt es Kurzdefinitionen, die einzelne Begriffe erklären und verdeut- lichen inwiefern sie synonym verwendet werden (können). Erst das Nachschlagen im Stichwortverzeichnis klärt Benutzer darüber auf, dass beispielsweise die Termi- ni Komplement und Ergänzung synonym verwendet werden. Unklar bleibt an dieser Stelle auch, warum im Abschnitt zur Mittelfeldabfolge die Dichotomie der beiden Begriffe Ergänzung/Komplement und Angabe/Supplement nicht einmal erwähnt wird. In den meisten Grammatiken gilt diese Zweiteilung als zentral um das Stellungsverhal- ten von Satzgliedern im Mittelfeld zu verstehen (vgl. Fandrych, 2012; Zifonun, 1997: 1522; Kars/Häussermann, 1997).

Inhaltlich widmet Eisenberg die meiste Aufmerksamkeit der normalen und der mar- kierten Satzgliedfolge. In einem eigenen Unterkapitel differenziert er die beiden Be- griffe und veranschaulicht sie mit Hilfe von 13 der 18 Beispiele. Er geht im Zuge dieser Differenzierung auf drei wichtige Aspekte der Mittelgliedabfolge ein: Thema-Rhema- Struktur, Fokus-Hintergrund-Struktur und Satzakzent. Allerdings verwendet er diese Aspekte nicht zur Verdeutlichung pragmatischer Gesichtspunkte der Mittelfeldabfolge. Eisenberg führt sie ausschließlich als Testmöglichkeiten ein, um unmarkierte Abfolgen zu identifizieren. Darüber hinaus versucht er knapp darzustellen, dass bei unmarkierten Abfolgen mehrere Faktoren/Regeln wirksam sind (vgl. Eisenberg, 2013: 384). Verweise zu Regelmodellen (wie bspw. das von Uszkoreit [siehe Altmann/Hof- mann, 2008: 136]), die zu erklären versuchen, welchen spezifischen Einfluss einzelne Regeln auf die Mittelfeldabfolge haben, gibt es nicht.

Zum Thema werden drei Übungsaufgaben angeboten. Es handelt sich dabei um zwei Anwendungsaufgaben (139, 140), in denen Frage- und Akzenttest eingesetzt werden müssen, und eine Analyseaufgabe (141), bei der eine Reihe von Sätzen hinsichtlich ihrer Akzeptabilität bewertet werden soll. Alle Aufgaben beschäftigen sich inhaltlich mit dem Unterkapitel „Normale und unmarkierte Satzgliedfolge“ - zu den eigentlichen Stellungsregeln gibt keine Übungen.

3.2 fandrych (2012) - klipp und klar

Fandrych (2012) widmet in seiner Grammatik der „Stellung von Ergänzungen und Angaben im Mittelfeld“ vier Seiten. Beispiele und Übungen stehen in seiner Darstel- lung im Vordergrund, erklärende Texte werden spärlich verwendet. Doch nicht nur quantitativ ist die Metasprache, die valenzgrammatische Termini mit traditionellen mischt, stark reduziert. Auch qualitativ bemühen sich die Autoren um eine deutliche Beschreibungssprache: Sie fassen sich kurz, wählen einen verständlichen Wortschatz, der nicht durch unnötige linguistische Termini verwirrt, und einfache syntaktische Strukturen. Was die sprachliche Qualität der Beispiele und Übungssätze betrifft, so entsprechen sie m. E. den Kriterien der „didaktischen Authentizität“ (vgl. Kühn, 2004: 30), da sie nicht gestellt wirken und für den Übungszweck adäquat sind. Die Dialoge, mit denen die Abfolge von Angaben im Mittelfeld eingeführt werden, sind nah am echten Sprachgebrauch.

[...]


1 Altmann/Hofmann (2008: 111) bezeichnen die deutsche Satzgliedfolge im Mittelfeld darum als „Mischtyp von freier und fester Satzgliedstellung“.

2 Die wohl ausführlichste Systematisierung der Abfolgeregularitäten im Mittelfeld haben Zifonun et al. (siehe 1997: 1505-1576) erarbeitet. Sie erklären die Linearstruktur des Satzes jeweils getrennt für Komplemente (Ergänzungen) und Supplemente (Angaben), zeigen anschließend, wie diese mitein- ander interagieren und gehen darüber hinaus auf pragmatische Aspekte ein, die auf die Linear- struktur Einfluss nehmen können. Da selbst die komprimierte Wiedergabe dieser Darstellung den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, sei an dieser Stelle allein auf sie verwiesen.

3 Vielmehr geht man inzwischen davon aus, dass im Sprachgebrauch häufigere und weniger häufige Abfolgen existieren. Diese Annahme stützt auch Uzkoreits LP-Modell, das zeigt, dass bestimmte Abfolgen dominanter sind als andere und - wie Pechmann et al. (1996) nachweisen konnten - von Deutschsprechern auch präferiert werden. Altmann/Hofmann (2008: 141) nennen solche dominanten Abfolgen „unmarkiert“; Fandrych (2005: 15) spricht von „’neutralen’ Abfolge[n] [...], die mit den meisten Kontexten verträglich“ sind.

4 siehe Eisenberg, 2013: 381/382

5 Im Vergleich dazu: Altmann/Hofmann (siehe 2008: 112-134) nennen in ihrer Grammatik mehr als zwanzig.

6 „Keine der Abfolgen von Adverbialen ist ungrammatisch, aber die in 4 hingeschriebene ist offenbar anderen gegenüber präferiert, sie ist die normale oder unmarkierte.“ (Eisenberg, 2013: 383)

7 „Wichtig ist, dass man auf die beschriebene Weise zu mehreren normalen Satzgliedstellungen gelangen kann. [...] Von einer normalen ist die unmarkierte Satzgliedstellung zu unterscheiden. Bei sonst gleichen Verhältnissen kann es nur eine unmarkierte geben.“ (Eisenberg, 2013: 384)

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Zwischen Freiheit und Ordnung - Satzgliedabfolge im deutschen Mittelfeld
Untertitel
Ein Vergleich der Regelvermittlung in drei Grammatiken
Hochschule
Universität Leipzig  (Herder-Institut)
Veranstaltung
Grammatikographie
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
50
Katalognummer
V271750
ISBN (eBook)
9783656627678
ISBN (Buch)
9783656627616
Dateigröße
16651 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DaF, Mittelfeld, Satzgliedabfolge;, Herder-Institut
Arbeit zitieren
Andrea Hahnfeld (Autor), 2014, Zwischen Freiheit und Ordnung - Satzgliedabfolge im deutschen Mittelfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271750

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