EXEGESE Gen 11, 1-9


Seminararbeit, 2009
23 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Ersteindruck

2. Übersetzungsvergleich

3. Untersuchung zur Textgestaltung
3.1 Literarischer Zusammenhang
3.2 Sprachliche Analyse

4. Untersuchung zu geprägten Sprachformen und geprägten Inhalten ihres Textes
4.1 Form- und Gattungskritik
4.2 Die Traditionskritik
4.3 Der religionsgeschichtliche Vergleich

5. Untersuchung zur Entstehungsgeschichte des Textes
5.1 Literarkritik

5.2 Überlieferungskritik
5.3 Redaktions- und Kompositionskritik

6. Der historische Ort
6.1 Datierung
6.2 Sitz im Leben

7. Gesamtinterpretation

8. Bedeutung für die heutige Gegenwart

9. Literaturverzeichnis

1. Ersteindruck

Beim ersten Lesen der Turmbaugeschichte vermittelt diese den Eindruck der Zusammengehörigkeit aller Menschen. Verdeutlicht wird dies durch die eine Sprache, die alle sprechen und, dass sie zusammen eine Stadt mit einem Turm erbauen wollen. Der erwähnte Turm soll bis zum Himmel reichen. Hier kann der Eindruck entstehen, dass sie damit die Nähe zu Gott herstellen wollen, der im Himmel wohnt. Sie wollen sich einen Namen machen vor Gott und den anderen Menschen. Ein weiteres Ziel ist das Zusammenleben aller Menschen in dieser Stadt. Allerdings tritt dieses Vorhaben nicht ein, da Gott sie ab Vers 7 über die ganze Welt zerstreut und ihre Sprache verwirrt.

Der Bau der Stadt wird somit abgebrochen und bleibt unvollendet, hier wird die Macht Gottes verdeutlicht.

Wir fragen uns jetzt was uns der Text mitteilen möchte, erzählt er von dem Turmbau, der Verteilung der Menschen über die ganze Erde oder die Verwirrung der Sprache oder doch von der Macht Gottes über die Menschen?

Diese Fragen sollen im Verlauf dieser Exegese erarbeitet und weites- gehend beantwortet werden.

2. Übersetzungsvergleich

Zum Übersetzungsvergleich habe ich die Einheitsübersetzung von Herder mit der Ausgabe von 1993 und die Zürcher Bibel mit der Ausgabe von 2007, sowie die Luther Übersetzung mit der überarbeiteten Auflage von 1984 herangezogen.

Der Haupttext ist im gesamten identisch und weist nur an wenigen Stellen Abweichungen auf.

Die erste Abweichung lässt sich in Vers 2 entdecken. Während in der Einheitsübersetzung wie auch die Zürcher Bibel die Rede davon ist, dass die Menschen von Osten aufbrachen und sich in dem Land Schinar ansiedelten, ist bei Luther ein Aufbruch nach Osten zu finden. Zwar lassen sich nach allen Übersetzungen die Menschen am gleichen Ort nieder nur scheinen sie aus verschiedenen Richtungen zu kommen.

In Vers 3 ist anzumerken, dass die einzelnen Übersetzungen verschiedene Worte für dasselbe Material benutzen. Hier ist es bei der Einheitsübersetzung „Erdpech als Mörtel“ in der Zürcher Bibel der „Asphalt als Mörtel“ und bei Luther der „Erdharz als Mörtel“. Dies ist nicht wesentlich für das Verständnis des Textes und deutet nur auf neuere Bezeichnungen hin. Es wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

In Vers 4 wird allerdings deutlich, dass wieder eine große Abweichung zwischen Luther und den anderen beiden Übersetzungen besteht. Während Luther mit dem Satz „denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder“, davon ausgeht, dass hier ein Handeln von außen eintritt, sprechen die beiden anderen Übersetzungen davon „wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen“, hier handeln die Menschen aus sich heraus.

Ein ähnlicher Wortlaut wird ebenfalls in Vers 6 deutlich, hier weicht Luther wieder von den beiden anderen Übersetzungen ab, indem er davon ausgeht, dass den Menschen „nichts mehr verwehrt werden“ kann, dementgegen sprechen die beiden anderen davon, „jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.“ (Einheitsübersetzung)

„Nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein, was immer sie sich zu tun vornehmen.“ (Zürcher Bibel)

Während die Zürcher Bibel und die Einheitsübersetzung wieder von einem Handeln aus sich heraus ausgehen, bezieht sich Luther wieder auf ein von außen gesteuertes Handeln (von Gott).

Der letzte deutliche Unterschied findet sich in Vers 8, bei Luther mussten die Menschen aufhören die Stadt zu bauen, was an sich logisch ist, da sie ja über die ganze Welt verteilt wurden. Bei den beiden anderen Übersetzungen ist allerdings ein Wortlaut gewählt, der wieder auf ein freiwilliges aufhören deuten lässt. In der Einheitsübersetzung „und sie hörten auf“ und in der Zürcher Bibel „und sie ließen davon ab“.

Abschließend lässt sich feststellen, dass bis auf wenige Stellen ein einheitlicher Text vorliegt. An den Stellen wo sich Unterschiede feststellen lassen, weicht nur Luther von den beiden anderen Übersetzungen ab.

3 Untersuchung zur Textgestaltung

3.1 Literarischer Zusammenhang

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9) findet sich im ersten Buch Mose (Genesis). Vorangehend sind die Schöpfungsgeschichte, der Sündenfall und die Sintflut.

Die direkte Umgebung meines Textes ist Gen 10 und Gen 11,10-32. Gen 10 befasst sich mit der Völkertafel, hier wird die Geschlechterfolge nach Noah, Sem, Ham und Jafet beschrieben. Hier wird bereits das Thema Trennung nach Sprache angesprochen. Ab Gen 10,5 ist die Rede davon, dass sich jedes Volk nach seiner Sprache und Sippe von den anderen abtrennt. Hier kann entweder ein Widerspruch zu Gen 11,1-9 gesehen werden[1], oder Gen 11,1-9 als ergänzende Erzählung verstanden werden. Denn in Gen 11,1 haben alle Menschen die gleiche Sprache, somit kann hier noch einmal genau auf die Trennung der Sprache und die Verteilung der Menschen eingegangen werden. Gen 11,1-9 kann als Erzählgeschichte verstanden werden, die dazu dient den Menschen unverständliches zu veranschaulichen und deutlich zu machen. Ebenso dient sie als Abschluss der Urgeschichte.

In Gen 11,10-32 beginnt dann eine weitere Völkertafel die eine neue Geschichte beinhaltet, es handelt sich hier um die Geschichte der Erzväter nach Abraham. Somit stellt die Turmbauerzählung eine eigen-ständige Geschichte dar, sie schließt sich an keine der Völkertafeln an oder steht einer neuen Völkertafel voran.

3.2 Sprachliche Analyse

Die Turmbauerzählung stellt das Ende der Urgeschichte dar und geht der Geschichtserzählung voran.

Somit ist die Turmbauerzählung als Übergangstext zu verstehen, dieser verbindet Urgeschichte und Geschichtserzählung. Da in Gen 10 bereits die Verteilung der Menschen auf die ganze Welt angesprochen wird und auch die Teilung nach Sprache, ist es verwunderlich, dass dies in Gen 11,1-9 wieder aufgegriffen wird. Während in Gen 10 die Verteilung nach Geschlechterfolge erklärt wird, ergänzt Gen 11,1-9 dies und erläutert dieses Motiv unter dem Aspekt des Göttlichen. Hier wird die Verteilung der Menschen über die ganze Erde, sowie die unterschiedlichen Sprachen der Menschen durch das Handeln Gottes erklärt.

Zunächst möchte ich mich mit dem sprachlichen Aufbau von Gen 11,1-9 befassen. Bei genauerem betrachten des Textes wird deutlich, dass in Vers 1-4 nur die Menschen handeln und in Vers 5-8 (9) Gott handelt, wobei Vers 9 nur als Ergänzung der Namensgebung des Ortes Babel dient. Hier geht man von einer Zweiteilung des Textes aus. Betrachtet man nun beide Teile nebeneinander, lässt sich erkennen, dass die Verse aus dem zweiten Teil Umkehrungen zu den Versen im ersten Teil bilden.[2] Somit sind die Verse 7-9 Umkehrungen zu den Versen 1-3, während die Verse 4 und 5 parallel zueinander stehen.

Markante Stellen im Text sind zum Beispiel die zweifache Aufforderung „Wohlauf“ in Vers 3 und 4, sowie auch das zweifache Niederfahren des Herrn in Vers 5 und Vers 7, hier spricht Westermann von Dopplungen,[3] diese sollen der Verstärkung dienen.

Ein weiteres wichtiges Merkmal findet sich in Vers 7, hier wird der Plural „uns“ für Gott verwendet. Die Erklärung dafür ist, dass der frühe Monotheismus noch nicht ganz ausgereift war und die Menschen teilweise noch von mehreren Göttern ausgegangen waren. Das zweifache Niederfahren Gottes kann mehrfach gedeutet werden. Zum einen kann davon ausgegangen werden, dass die Stadt und der Turm so klein waren, dass Gott mehrfach niederfahren musste um diese zu sehen oder es wird deutlich, dass Gott so weit von den Menschen entfernt ist, dass er zweimal niederfahren muss um zu ihnen zu gelangen. Eine weitere Deutungsweise wäre, dass Gott beim ersten Niederfahren nur das Handeln der Menschen besehen hat und im nochmaligen Niederfahren dann sein Handeln vollzieht.

Ein weiteres sprachliches Merkmal findet sich in Vers 4, es wird von einer Stadt und einem Turm gesprochen dessen Spitze bis an den Himmel reiche. Hierzu gibt es ebenso mehrere Deutungsmöglichkeiten, zum einen versucht man dies so zu deuten, dass die Menschen versuchen sich Gottgleich zu machen oder in das Gottesreich eindringen wollen, wie es zum Beispiel in Jes. 14,13[4] der Fall ist. Ebenso kann der Ausdruck hier nur der Verdeutlichung dienen, es soll die besondere Höhe des Bauwerkes beschrieben werden, wie es auch im 5. Mose 1,28[5] der Fall ist.[6]

Das Ursprungswort für Turm in Vers 4f. kann ebenso mit „Burg“, oder „Akropolis“ übersetzt werden, wie es im Alten Testament mehrfach gemacht wurde[7], dies würde die Stürmung des Gotteshauses bzw. die Erhöhung zu Gott ebenso entkräften.

Stadt und Turm treten im Textverlauf nicht immer parallel zueinander auf, in Vers 4 und 5 werden beide noch zusammen erwähnt, in Vers 8 allerdings wird dann nur noch die Stadt erwähnt. Der Turm wird nicht alleine benannt, sondern immer nur im Bezug zur Stadt.[8]

Die eigentliche Erwartung der Ausführung des Entschlusses von Vers 3 in Vers 4 entfällt, es wird hier lediglich die Bautechnik beschrieben. Ebenso ist es bei Vers 5, hier folgt nicht die Erzählung von seinem Eingreifen, sondern nur eine Erwägung. Der Höhepunkt der Geschichte bleibt somit

[...]


[1] Vgl. von Rad, Gerhard: Das erste Buch Mose, Genesis, Göttingen 1972, 112.

[2] Vgl. Seebass, Horst: Genesis I: Urgeschichte (1,1-11,20), Neunkirchen-Vluyn, 1996, 271.

[3] Vgl. Westermann, Claus: Biblischer Kommentar AT Gen 1-11, Neunkirchen-Vluyn, 1974, 714.

[4] „Du aber gedachtest in deinem Herzen: Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen…“.

[5] „…Die Städte seien Groß und bis an den Himmel ummauert…“.

[6] Vgl. von Rad, Gerhard: Das erste Buch Mose, Genesis, Göttingen, 1972, 113.

[7] Vgl. Ebd., 115.

[8] Vgl. Westermann, Claus: Biblischer Kommentar AT Gen 1-11, Neunkirchen-Vluyn, 1974, 727.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
EXEGESE Gen 11, 1-9
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V271898
ISBN (eBook)
9783656642107
ISBN (Buch)
9783656642077
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese
Arbeit zitieren
Maren Klingelhöfer (Autor), 2009, EXEGESE Gen 11, 1-9, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271898

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