George Perec sagt über sich als Schriftsteller selbst: «presque aucun de mes livres n'échappe tout à fait à un certain marquage autobiographique (par exemple en insérant dans un chapitre en cours une allusion à un événement survenu dans la journée)». Er sagt weiter, dass er der Ansicht ist « que la somme de mes livres pourra fonctionner aussi comme autobiographie.» Es sind vor allem seine Kindheitserlebnisse und Traumata, die er in seinen Büchern integriert und dadurch verarbeite. Die folgende Ausarbeitung versucht daher, die bereits angesprochenen biografischen Elemente, die in jedem seiner Werke zu finden seien, in dem Buch La Vie mode d’emploi anhand ausgewählter Szenen herauszustellen, wobei ich mich auf die Kellerszenen beschränken möchte. Anhand dieser Abschnitte möchte ich eine gewisse Chronologie herausarbeiten, die Perecs Kindheit vor, während und nach dem Krieg widerspiegelt. Nach einer biografischen Zusammenfassung der Kindheitszeit und Jugendphase von Georges Perec erfolgt ein kurzer Einblick in den Oulipo und die Auswirkung dieser Vereinigung auf Perec.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Elemente seiner Kindheit vor, während und nach dem Krieg
2.1. Perecs Vorüberlegungen in seinem „Cahier des charges“ und der Übertrag auf die Kapitel im Buch
2.2. Zusammenhänge der Kellerräumen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht autobiografische Elemente in Georges Perecs Roman „La Vie mode d’emploi“, wobei der Fokus gezielt auf den Kellerszenen liegt, um eine Verbindung zwischen Perecs Kindheitserlebnissen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg und seiner literarischen Gestaltung zu erarbeiten.
- Biografische Prägung durch Kindheit und Kriegstraumata
- Einfluss der Oulipo-Methodik und literarischer Zwänge (contraintes)
- Analyse der Kellerszenen im Werk als Spiegel der Erinnerungsarbeit
- Verhältnis zwischen Realität, Fiktion und dem „organisierten Durcheinander“
Auszug aus dem Buch
2.1. Perecs Vorüberlegungen in seinem „Cahier des charges“ und der Übertrag auf die Kapitel im Buch
Für sein Werk La Vie mode d‘emploi hat er sich ein sogenanntes cahier des charges geschrieben. So heißt es auf den ersten Seiten des cahiers: «Nous présentons ici un de ces univers de « listes », très certainement l’un des plus importants dans l’œuvre de Perec, celui qui a régi la conception, la construction et la rédaction de la Vie mode d’emploi» (vgl. Perec, Georges. Cahier des charges, S.7). Dieses umfasst Vorüberlegungen und contraintes, die er sich vor dem Schreiben auferlegt hat. Er beschreibt darin die Struktur des Buches und erstellt Tabellen, wie er jedes einzelne Kapitel aufteilt, wie diese in den Gesamtkontext passen, wie er die Kapitel aneinander reiht und was diese inhaltlich enthalten. Man könnte sagen, dass es eine Art mode d’emploi für die Leser seines Buches La Vie mode d’emploi darstellt. Auch wenn in diesem Buch laut Anita Miller die „fiktiven und fiktionalen Formen der Memoria dominieren“ sei jedoch auch „sehr viel Persönliches inskribiert, […] Persönliche Erinnerungen an die Kindheit bzw. anamnestische Erinnerungen manifestieren sich dagegen lediglich in Details.“ Diese Details sind es, die ich versuchen werde zu entdecken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Georges Perecs autobiografische Ambitionen dar und formuliert das Ziel, durch die Analyse der Kellerszenen eine Chronologie der Kindheitsereignisse im Roman aufzuzeigen.
2. Elemente seiner Kindheit vor, während und nach dem Krieg: Dieser Teil untersucht die Übertragung von Perecs persönlichen Kindheitserinnerungen und traumatischen Erfahrungen in die fiktive Struktur seines Romans.
2.1. Perecs Vorüberlegungen in seinem „Cahier des charges“ und der Übertrag auf die Kapitel im Buch: Hier wird analysiert, wie Perec sein „Cahier des charges“ als Werkzeug nutzt, um Strukturvorgaben und autobiografische Details in die Kellerszenen zu integrieren.
2.2. Zusammenhänge der Kellerräumen: Dieser Abschnitt identifiziert den roten Faden zwischen den verschiedenen Kellerszenen, der als Bindeglied zwischen den chronologischen Einheiten und Perecs persönlicher Aufarbeitungsstrategie dient.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die bewusste Verflechtung von Realität und Fiktion in Perecs Werk einen breiten Interpretationsspielraum eröffnet, der eine eindeutige Zuordnung autobiografischer Fakten erschwert, aber nicht ausschließt.
Schlüsselwörter
Georges Perec, La Vie mode d’emploi, Oulipo, Autobiografie, Kindheitserinnerungen, Trauma, Kellerszenen, Cahier des charges, contraintes, literarische Analyse, Fiktion, Erinnerungsarbeit, Nachkriegsliteratur, Zeitgeschichte, Schreibprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den autobiografischen Zügen in Georges Perecs Roman „La Vie mode d’emploi“ und untersucht, inwieweit reale Kindheitserfahrungen in die fiktiven Kellerszenen des Buches einfließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verarbeitung von Kriegstraumata, das Konzept des autobiografischen Schreibens unter literarischen Zwängen und die Analyse von Strukturen innerhalb der Kellerszenen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand der Kellerszenen eine Chronologie herauszuarbeiten, die Perecs Kindheit vor, während und nach dem Krieg widerspiegelt und die Verbindung zur Fiktion aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische Methode angewandt, die den Romaninhalt mit biographischen Daten und theoretischen Aspekten des Oulipo sowie dem „Cahier des charges“ des Autors in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Vorüberlegungen im „Cahier des charges“ und die detaillierte Analyse der Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Kellerszenen und biografischen Elementen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Georges Perec, Autobiografie, Oulipo, Kellerszenen, Kindheitstrauma und literarische Struktur.
Inwiefern beeinflusst das „Cahier des charges“ Perecs Schreiben?
Es dient als technisches Regelwerk („contraintes“), das Perec erlaubt, Struktur, Listen und Tabellen vorzugeben, wodurch ein „organisiertes Durcheinander“ von Realität und Fiktion entsteht.
Welche symbolische Bedeutung haben die „Kellerszenen“?
Die Kellerszenen dienen als Spiegel verblassender oder versteckter Erinnerungen, in denen Perec biografische Details (wie Fotos oder Gegenstände) subtil in sein fiktives Gesamtwerk einbettet.
Was bedeutet das „1 personne“ in Perecs Listen?
Es fungiert als Indikator für Perecs Einsamkeit oder die Reduktion seines unmittelbaren familiären Umfelds in verschiedenen Phasen seiner Kindheit.
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- Maria Betsch (Author), 2013, Georges Perec. Autobiografische Elemente in "La vie mode d’emploi", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271990