Backpack Inspection. Dem Ranzengewicht auf der Spur

Ein Unterrichtsentwurf für bilingualen Matheunterricht in der Grundschule


Unterrichtsentwurf, 2014

37 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhalt

Situationsanalyse
Situation der Klasse
Lehr- und Lernmethoden
Vorerfahrungen zum Unterrichtsgegenstand
Bilingualer Unterricht

Sachanalyse

Didaktische Überlegungen
Verankerung des Themas im Lehrplan
Begründung des Themas
Überlegungen zum bilingualen Mathematikunterricht
Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Ziele dieser Unterrichtsstunde

Methodische Analyse
Begrüßung und Abschied
Motivationsphase
Vertiefungsphase
Sicherungsphase

Verlaufsplan

Literatur

Anhang

Situationsanalyse

Das ### liegt im Süden des Landkreises Heilbronn in ###, einer Gemeinde mit rund ### Einwohnern.

Das Schulzentrum besteht aus einer Grund- und Werkrealschule, die zum Schuljahr 2013/2014 zu einer Gemeinschaftsschule geworden sind. Auch Teil des Schulzentrums ist die ###. Zusammen mit der Grundschule ### und der Förderschule ### ist das Schulzentrum eines der Bildungseinrichtungen in der Gemeinde. 430 Schülerinnen und Schüler aus ### und den umliegenden Orten besuchen die Gemeinschaftsschule, davon 252 die Primarstufe und 178 die Sekundarstufe. An der überwiegend dreizügigen Grundschule und der zweizügigen Werkrealschule mit einzügiger fünfter und sechster Klasse unterrichten 37 Lehrerinnen und Lehrer.

Situation der Klasse

In der Klasse 3a lernen 22 Kinder, 11 Schülerinnen und 11 Schüler. Das Klassenzimmer befindet sich im ersten Stockwerk des Primarschulgebäudes und hat einen fast quadratischen Grundriss, der viele verschiedene Sitzordnungen zulässt. Auf Wunsch der Schülerinnen und Schüler waren die Tische ganz traditionell in Reihen gestellt worden, die spürbar für mehr Ruhe im Klassenzimmer gesorgt haben. Seit den Faschingsferien sind sie nun in Form eines doppelten E‘s angeordnet1, um die Kinder mit verschiedenen Sitzordnungen vertraut zu machen und das Klassengefüge durch wechselnde Arbeitsgruppen zu stärken.

Im Allgemeinen helfen sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a gegenseitig gern aus und zeigen hohe soziale Kompetenzen. Viele Kinder sind auch außerhalb der Schule befreundet. Um die Disziplin im Klassenzimmer zu gewährleisten, müssen die Schülerinnen und Schüler noch oft an die Regeln erinnert werden.

Besonders ###, der das Geschehen im Klassenzimmer gern kommentiert, wird immer wieder darauf hingewiesen, sich erst zu melden und dann zu sprechen. ###, der sich gern ablenken lässt und immer wieder an das Arbeiten erinnert werden muss, saß bisher an einem Einzeltisch in Nähe der Tafel. Seit Kurzem wird auf Anraten der ###2 getestet, ob es besser für sein Arbeitsverhalten wäre, wenn er die Klasse überblicken kann. So sitzt er nun hinten und muss sich nicht mehr zu seinen Klassenkameraden umdrehen, um das Geschehen im Klassenzimmer zu verfolgen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine Aussage dazu getroffen werden, inwiefern diese Maßnahme erfolgreich ist.

Die Leistungsspanne in der Klasse im Fach Mathematik ist sehr groß. Viele Schülerinnen und Schüler in der Klasse wie beispielsweise ### und ### haben eine schnelle Auffassungsgabe und können neu erworbenes Wissen rasch auf andere Sachverhalte übertragen. Andere Kinder, etwa ###, brauchen deutlich länger um neue Inhalte zu durchdringen. ### zeigt dabei besonders große Schwächen im basalen Bereich, etwa bei der Simultanerfassung sowie beim Rechnen im Zahlenraum bis 20. Eine Beratung von Klassenleiterin und Lehramtsanwärterin zur freiwilligen Rückversetzung in Klasse 2 wurde von den Eltern nicht unterstützt. So muss eine sinnvolle Balance zwischen Festigung von Grundkenntnissen sowie dem Verständnis neuer Inhalte bei gleichzeitiger Stärkung des Selbstwertgefühls gefunden werden. Bei der täglichen Übung beispielsweise darf ### derzeit als Hilfe eine Übersicht über das kleine Einmaleins verwenden. Sie sucht darin die Lösung zur angesagten Aufgabe. Dabei muss sie je nach diktierter Aufgabe die passende Umkehraufgabe finden (bei 36 : 6 beispielsweise die Aufgabe 6 6) oder kann die Reihen zum Weiterrechnen verwenden (zum Beispiel muss sie bei 5 11 die Lösung zu 5 10 um 5 ergänzen). Die Hilfe kann nur als kleiner Zwischenschritt zum automatisierten Anwenden der Einmaleins-Reihen angesehen werden. Dennoch hat sich gezeigt, dass diese Maßnahme dazu führt, dass ### die Aufgaben selbstständiger zu lösen versucht und diese nicht von anderen Mitschülerinnen und Mitschülern kopiert. Des Weiteren arbeitet sie seit Kurzem beim Vergleichen der Ergebnisse auch aktiver mit.

Lehr- und Lernmethoden

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a arbeiten besonders gern selbstständig. Lehrerzentrierte Phasen im Unterricht müssen auch auf Grund der Heterogenität kurz gehalten werden, sonst sind die Schülerinnen und Schüler unkonzentriert und unruhig. In Kleingruppen arbeiten die Kinder hingegen zielstrebig an einer Aufgabe.

Im Mathematikunterricht steht es den Schülerinnen und Schülern oft frei, zwischen gegebenen Aufgaben zu wählen und die Arbeitsform sowie den Arbeitsort selbst zu bestimmen. So können die Lernenden ihren Lernprozess selbst regulieren und sind nach und nach in der Lage, Aufgaben zu wählen, die sie an- und ihrem aktuellen Leistungsvermögen entsprechen. Sie lernen, die anstehenden Aufgaben einzuteilen und sich auf ein Problem einzulassen. Die freie Wahl des Arbeitsplatzes im Klassenzimmer ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, sich auch in längeren Phasen der Anspannung zu bewegen. So ist auch eine bewusste Entscheidung für einen Ort der Ruhe (Leseecke) oder einen Ort zum gemeinsamen Bearbeiten einer Aufgabe (Gruppentisch) möglich.

Die Festigung des Einspluseins und Einmaleins hat einen hohen Stellenwert. Dabei kommt der Computer zum Einsatz, an dem die Schülerinnen und Schüler wöchentlich und parallel zu Arbeitsphasen ein bestimmtes Pensum an Aufgaben erledigen. Sie erhalten eine schnelle Rückmeldung zu den gelösten Aufgaben und erleben den Computer dabei als ein nützliches Medium. Durch das langsame Heranführen an das Arbeiten mit Computern erwerben sie zunehmend Medienkompetenz. Gleichzeitig entlastet der Einsatz des Computers die Arbeit der Lehrkraft und erlaubt dennoch eine enge Betreuung der Schülerinnen und Schüler, da deren Performanz abgerufen und zur Diagnose sowie Festlegung weiterer Förderschritte herangezogen werden kann. So ist eine effektive Nutzung der Unterrichtszeit möglich.

Die kritische Selbstkontrolle und damit die Reflexion von Lösungswegen ist ebenfalls ein übergreifendes Ziel im Mathematikunterricht und dient zur Förderung selbstregulierten Lernens. Schülerinnen und Schüler sind täglich dazu angehalten, Aufgaben zu lösen und somit ihre Fertigkeiten auch außerhalb der Unterrichtszeit weiter zu trainieren. Das Übungsheft3 dient dabei als ideale Grundlage. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a arbeiten darin in ihrem individuellen Tempo zu Hause. Nach dem Lösen der Aufgaben kontrollieren sie ihre Ergebnisse selbstständig und korrigieren diese gegebenenfalls. Die zeitnahe Kontrolle ermöglicht dabei eine engmaschige Auseinandersetzung mit der Aufgabe. Die Schülerinnen und Schüler lernen Verantwortung für ihr eigenes Arbeiten zu übernehmen. Der individuelle Fortschritt steht im Mittelpunkt, nicht der Vergleich mit anderen Klassenkameraden.

Im Mathe-Tagebuch reflektieren die Schülerinnen und Schüler zunehmend eigenständig, womit sie sich in der vergangenen Woche im Mathematikunterricht auseinandergesetzt haben und was sie gern noch wissen wollen. Damit lernen sie, metakognitiv über ihr Lernen nachzudenken. Dies ist besonders wichtig, da ein Teil des Mathematikunterrichts in der Fremdsprache Englisch stattfindet.

Bilingualer Unterricht

Seit Beginn des Schuljahres findet der Mathematikunterricht in der Klasse 3a bilingual statt. Dies bedeutet konkret, dass die Schülerinnen und Schüler neben deutschsprachigem Unterricht am Montag, Mittwoch und Freitag (jeweils eine Unterrichtsstunde) donnerstags drei Unterrichtsstunden lang einsprachig in Englisch unterrichtet werden, zwei Unterrichtsstunden davon zu mathematischen Inhalten. Die Festlegung des fremdsprachlichen Mathematikunterrichts (Immersion) auf einen bestimmten Wochentag garantiert zum Einen durch seine Ritualisierung eine Verbindlichkeit Schülerinnen und Schülern, aber auch der Lehrkraft gegenüber und sichert zum Anderen einen regelmäßigen Kontakt der Schülerinnen und Schüler mit fremdsprachlichen Sachfachinhalten.

Die Fremdsprache Englisch wird bereitwillig von den meisten Kindern angenommen und hat sich mit Hilfe von Ritualen gut in den Schulalltag integriert. So beginnt und endet jede gemeinsame Unterrichtsstunde mit einem englischen Lied, welches durch Lautgebärden der American Sign Language (Gebärdensprache) unterstützt wird. Danach ist eine Schülerin / ein Schüler der News Reporter, der - verkleidet in Hemd und Krawatte und ausgestattet mit einem „Mikrofon“ - Jahreszeit, Datum und Wetter verkündet und Froggy, eine Anziehpuppe an der Tafel und eine Art „Maskottchen“ für den englischsprachigen Unterricht - entsprechend des Wetters ankleidet.

Rituale des Mathematikunterrichts werden in englischsprachigen Unterrichtsstunden selbstverständlich in der Fremdsprache durchgeführt. So rechnen die Schülerinnen und Schüler auch dann zehn Aufgaben am Beginn der Stunde, die von der Lehrerin auf Englisch gestellt werden. Schülerinnen und Schüler, die im Umgang mit der Fremdsprache noch unsicher sind, werden unterstützt, indem Mitschülerinnen und Mitschüler diese Aufgaben übersetzen. Im Allgemeinen werden Kinder, die beim Verstehen des fremdsprachlichen Inputs noch Schwierigkeiten haben, neben dem Übersetzen und Erklären durch Mitschülerinnen und Mitschüler auch durch stärkere Visualisierung, Darbietung des Gesagten mit Hilfe von Mimik und Gestik und stärkere Kleinschrittigkeit als im regulären Mathematikunterricht unterstützt.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist festzustellen, dass die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3a im Großen und Ganzen gut in der Lage sind, englischsprachigen Input als sinnhaftig zu dekodieren. Dies wird beispielsweise deutlich, wenn Anweisungen umgesetzt und Fragen beantwortet werden. Zurückhaltend zeigen sich viele Kinder noch bei der eigenständigen Produktion von fremdsprachigen Aussagen. Es ist akzeptiert, Antworten in der deutschen Sprache zu geben, wenngleich die Lehramtsanwärterin auch immer wieder - vor allem Schülerinnen und Schülern, denen dies auf Grund ihrer guten fremdsprachlichen Fähigkeiten zugetraut werden kann - zum Englischsprechen ermuntert.

### ist bisher als einziger Schüler aufgefallen, der englischem Input äußerst skeptisch und häufig ablehnend gegenübersteht. Er begründet Unaufmerksamkeit gern damit, dass er nichts versteht - dies auch, wenn zuvor unmissverständliche Mimik und Gestik oder Übersetzung durch Mitschülerinnen und Mitschüler herangezogen wurden. Die Lehramtsanwärterin bemüht sich um einen Abbau dieser offensichtlich ablehnenden Haltung, indem sie seine individuellen Erfolgserlebnisse im bilingualen Mathematikunterricht besonders hervorhebt und lobt.

Die Herausforderung des bilingualen Mathematikunterrichts besteht darin, durch klar verständlichen Input auf der Anschauungsebene den Schülerinnen und Schülern mit Mathematikdefiziten und durch einfache sprachliche Formulierungen jenen Schülerinnen und Schülern mit Defiziten im fremdsprachlichen Bereich gerecht zu werden. Gleichzeitig müssen die Inhalte so ansprechend und herausfordernd sein, dass sie auch für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler motivierend sind und insgesamt ein Lernzuwachs verzeichnet werden kann.

Sachanalyse

Gewichte

„Eine Größe wird […] als ein Ausdruck zur quantitativen Kennzeichnung einer messbaren Eigenschaft von Körpern, Vorgängen, Zuständen usw. charakterisiert, sie ist also eine Eigenschaft realer Gegenstände.“ (Reuter / Neubert 2010, S. 4)

Neben Stückzahlen, Geldwerten, Zeitspannen, Längen, Flächen und Rauminhalten werden Massen dem mathematischen Bereich der Größen zugeordnet. Jede Größe ist durch eine Maßeinheit festgelegt. Die Grundeinheit der Masse ist Kilogramm (kg), „festgelegt durch den Internationalen Kilogrammprototyp, einen Zylinder aus einer Platin-Iridium- Legierung, der seit 1889 in Paris aufbewahrt wird. Damit ist das Kilogramm die einzige Basiseinheit […], die derzeit noch durch einen makroskopischen Körper repräsentiert wird.“ (Fritzlar 2013, S. 5). Gramm (g) stellt die im täglichen Umgang kleinste gebräuchliche Maßeinheit für die Masse dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gewichtskraft setzt sich zusammen aus der Anziehungskraft zweier Massen (Gravitationskraft).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gewicht ist das Produkt aus Masse und Beschleunigung.

Da die Fallbeschleunigung auf der Erde konstant 9,81 m/s² ist, wird im Alltag meist nicht zwischen Masse und Gewicht unterschieden (Brugger u.a. 2005).

Schulranzengewicht

Bei der Entwicklung von Schulranzen muss in Deutschland eine DIN-Norm (58124) eingehalten werden. Sie beschreibt die Anforderungen an Verkehrssicherheit, Gebrauchstauglichkeit sowie die körperlichen Eigenschaften des Ranzens. Unter anderem ist darin auch geregelt, dass mindestens 20 Prozent mit fluoreszierendem Material ausgestattet sein müssen.

„In Deutschland empfahl die DIN 58124 bis August 2010: „Als Faustregel gilt für normalwüchsige, gesunde Kinder, dass das Gewicht des zu tragenden, gefüllten Schulranzens zehn Prozent des Körpergewichts des Kindes nicht übersteigen sollte.“

Nach einer Novellierung der DIN-Norm im September 2010 wurde diese Empfehlung entfernt.“4

Eine Studie zur Belastung des Kinderrückens an der Universität Osnabrück geht stattdessen davon aus, dass falsche Schulmöbel und Bewegungsmangel zu Schäden führen5. Allerdings berichten Forscher der University of California, in ihren Untersuchungen sei deutlich geworden, dass „schon ab einem Wert von zirka 20 Prozent des Körpergewichtes […] die Bandscheiben zusammengeschoben [wurden] und es traten sogar Seit-Krümmungen der Wirbelsäule auf“6. Viele Autoren empfehlen daher weiterhin ein Ranzengewicht von 10-15% des Körpergewichtes. Moderne Schulranzen haben ein geringes Eigengewicht und sorgen dadurch zusätzlich für weniger Belastung für den Rücken.

Didaktische Überlegungen

Verankerung des Themas im Bildungsplan

Im Zentrum des Mathematikunterrichts soll die Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler „für den mathematischen Gehalt alltäglicher Situationen und alltäglicher Phänomene“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004b, S. 54) stehen, um sie daran anschließend „zum Problemlösen mit mathematischen Mitteln anzuleiten“ (ebd.). Indem die direkte Lebenserfahrung der Kinder genutzt und an deren Vorerfahrungen angeknüpft wird, gelingt es, vorhandene Denkstrukturen für den Mathematikunterricht zu nutzen und diese zu erweitern.

Bei der Inspektion ihres Ranzens setzen sich die Schülerinnen und Schüler „mit Situationen ihrer Lebenswelt auseinander und finden darin authentische Fragen und Probleme, die mathematisch gelöst werden können“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004b, S. 54).

Die Vorstellung über Größen und deren Anwendung und Bedeutung für das tägliche Leben gehören zum mathematischen Grundwissen und somit zu den „unabdingbaren Kenntnisse[n] und Fertigkeiten“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden- Württemberg 2004b, S. 54). „Beim Aufbau von Größenvorstellungen entstehen adäquate Abbilder von Repräsentanten von Größen im Bewusstsein des Menschen. Es kommt darauf an, die aufgebauten Größenvorstellungen aufzubewahren und je nach Bedürfnis immer wieder zu reproduzieren und gedanklich weiterverarbeiten zu können.“ (Reuter / Neubert 2010) Erst durch den handelnden Umgang mit Größen können inhaltsbezogene Kompetenzen, also das fachliche Wissen über sie, zu mathematischen Kompetenzen weiterentwickelt werden, durch welche die Lernenden schließlich in der Lage sind, authentische Fragen und Probleme der Umwelt zu klären (ebd.).

Im Umgang mit Größen entwickeln die Schülerinnen und Schüler Sachrechenkompetenz. Dies „ist die Fähigkeit, eine Sachsituation in einem Modellierungsprozess in ein mathematisches Modell zu übertragen, dieses mithilfe des verfügbaren Wissens und Könnens zu bearbeiten und auf dieser Ebene eine Lösung zu finden“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004b, S. 55).

Nur Unterricht, der verstehenden Umgang mit der Mathematik ermöglicht, führt zur Ausbildung fachlicher und übergreifender Kompetenzen. Ein Wechsel von Handeln und Reflektieren führt zur Bildung von Denkstrukturen. Handlungsorientierung ermöglicht das Arbeiten eines jeden Kindes auf seiner Stufe des Könnens (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004b, S. 56).

Begründung des Themas

Schülerinnen und Schüler bringen zahlreiche Erfahrungen zum Thema Gewichte und dem Wiegen mit in die Schule. Sie begegnen Gewichten in allen Lebensbereichen: beim Backen, beim Einkaufen und Kochen, beim Postamt und beim Kinderarzt. Für den Erwerb neuer Fähigkeiten und Fertigkeiten ist das ein geeigneter Ausgangspunkt, denn oft haben die Kinder nur diffuse Vorstellungen von Gramm und Kilogramm. Zur Bewältigung von Sachproblemen ist es jedoch notwendig, Größenvorstellungen zu entwickeln. Das Ablesen von Waagen sowie das problemlose Umrechnen von einer in eine andere Einheit muss als Grundkenntnis gefestigt werden.

Rückengesundheit ist dabei fächerübergreifend ein zentrales Thema und für das Leben der heranwachsenden Kinder von großer Bedeutung, wobei die Schülerinnen und Schüler dafür erst sensibilisiert werden müssen. Haltungsschäden und Rückenschmerzen sind oft die Folge langfristiger Fehlentwicklungen. Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema sollte also so früh wie möglich erfolgen.

Überlegungen zum bilingualen Mathematikunterricht

Die Herausforderung - auch in didaktischer Hinsicht - der hier vorgestellten Unterrichtsstunde ist das Arbeiten in der Fremdsprache. Auf Grund nachweislich geringer Lernzuwächse in der Fremdsprache wurde nach Wegen gesucht, die Fremdsprachen stärker und sinnhafter in den Unterricht zu bringen. Das Unterrichten einer Fremdsprache bei gleichzeitiger Vermittlung von Sachfachinhalten bietet sich an, um authentische Sprechanlässe zu schaffen, und kann besonders im Mathematikunterricht als erfolgversprechend betrachtet werden, da hier durch das mehrheitliche Arbeiten auf der symbolischen Ebene Sprachkompetenz nicht so im Mittelpunkt steht wie in anderen Sachfächern. Dass bilingualer Unterricht seine Berechtigung hat, wird auch im Bildungsplan klar betont, wenn es heißt: „Die Einbettung der Zielsprache in Sachfächer als Beitrag zum bilingualen Lehren und Lernen ist daher, wann immer möglich, anzustreben.“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004, S. 68) und „Das integrative Lernen in der Fremdsprache schließt den Mathematikunterricht mit ein.“

(Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004b, S. 56)7.

Walker (2009b) hat dazu die Gemeinsamkeiten zwischen der Mathematikdidaktik und der Didaktik des Fremdsprachenunterrichts herausgearbeitet. Drei grundlegende Prinzipien gelten dabei für beide Fächer und können somit im bilingualen Unterricht genutzt werden (ebd.):

- Anschaulichkeit: „Einer Automatisierung auf der symbolischen Ebene sollte immer eine anschauliche Bearbeitung von Inhalten vorausgehen.“ (ebd.)
- Handlungs- und Produktorientierung: Indem konkret mit Material gearbeitet wird, können Vorgänge besser nachvollzogen und Denkfehler schneller identifiziert werden (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2004b,S. 56)
- Spiralcurriculum: Konzepte und Denkstrukturen können sich erst langfristig im Gedächtnis verankern, wenn sie immer wieder thematisiert und mit neuen Informationen verknüpft werden.

Themen aus dem Bereich Messen und Größen, wie sie in der hier vorgestellten Unterrichtsstunde behandelt werden, eignen sich durch ihre immanente Anschaulichkeit und die sich ergebenden Möglichkeiten des handelnden Umgangs mit ihnen in besonderem Maße für den bilingualen Mathematikunterricht. Die Erklärungen der Lehrperson in der Fremdsprache können beim eigenen Handeln verstanden werden. Unterstützt wird der sprachliche Input durch erhöhte Anschaulichkeit, klare Arbeitsanweisungen und Symbole. Gestik und Mimik sowie Wiederholungen helfen den Schülerinnen und Schülern, das Gesagte zu verstehen. Die Lehrkraft ist Sprachvorbild und sollte deshalb jede Handlung kommentieren. Auf die Verwendung der Muttersprache sollte nur in Notfällen zurückgegriffen werden; sie ist nur den Lernenden gestattet.

Elemente des Fremdsprachenunterrichts, denen sich der bilinguale Unterricht ab und zu bedient, wie etwa Storytelling und das Nachsprechen wichtiger Phrasen in der hier vorgestellten Unterrichtsstunde, motivieren die Schülerinnen und Schüler, sich auf die Fremdsprache einzulassen, und sichern einen fremdsprachlichen Lernzuwachs.

[...]


1 Der aktuelle Sitzplan der Klasse befindet sich im Anhang (Seite 34).

2 ###steht für ###. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss von Jugendhilfemaßnahmen, die auf die Unterstützung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ab dem Grundschulalter abzielen. Dabei erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit Eltern und der Schule.

3 Keller, Karl-Heinz / Pfaff, Peter (2013). DasÜbungsheft 3. Denk- und Rechentraining. Offenburg: Mildenberger Verlag.

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Schulranzen (zuletzt aufgerufen am 15.03.2014)

5 http://www.eltern.de/schulkind/grundschule/schulranzen-gewicht.html (zuletzt aufgerufen am 15.03.2014)

6 http://www.schoen-kliniken.de/ptp/medizin/ruecken/verschleiss/rueckenschmerzen/alltag/art/01923/ (zuletzt aufgerufen am 15.03.2014)

7 Eine tiefgründige Diskussion zur Legitimation des bilingualen Mathematikunterrichts allgemein ist nachzulesen in Liebold (2013, S. 23ff.). Walker (2009) arbeitet die Gründe für den bilingualen Mathematikunterricht speziell in der Grundschule heraus.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Backpack Inspection. Dem Ranzengewicht auf der Spur
Untertitel
Ein Unterrichtsentwurf für bilingualen Matheunterricht in der Grundschule
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Grund- und Hauptschulen) Heilbronn
Note
2,5
Autor
Jahr
2014
Seiten
37
Katalognummer
V272048
ISBN (eBook)
9783656663959
ISBN (Buch)
9783656664727
Dateigröße
1864 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
backpack, inspection, ranzengewicht, spur
Arbeit zitieren
M.A. Luisa Liebold (Autor), 2014, Backpack Inspection. Dem Ranzengewicht auf der Spur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272048

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