Stottern ist eine Unterbrechung im Fluss des verbalen Ausdrucks, die charakterisiert ist durch unwillkürliche, hörbare oder stille Wiederholungen und Dehnungen bei der Äußerung kurzer Sprachelemente […]. Diese Unterbrechungen geschehen in der Regel häufig oder sind deutlich ausgeprägt und sind nicht ohne Weiteres kontrollierbar. (Windgate, 1964; zit. in Kuhr, 1991, S. 3)
Diese häufig verwendete deskriptive Definition für das Störungsbild Stottern gilt als sog. Standard Definition of Stuttering. In der Bundesrepublik Deutschland weisen 3-5 % aller Kinder eine Stottersymptomatik auf (Ochsenkühn, Thiel & Ewerbeck, 2010). Diese tritt bei ca. 800.000 Personen noch im Erwachsenenalter auf, was mit einer Prä-valenz von ca. 1% angegeben wird (Iven & Kleissendorf, 2010). Die Behandlungsmöglichkeiten für stotternde Kinder, Jugendliche und Erwachsene und die Veröffentlichungen zum Stottern nehmen stetig zu (Sandrieser & Schneider, 2008). So gibt es aktuell z. B. zahlreiche Veröffentlichungen evaluierter Verfahren in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Dies macht eine Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis möglich (Bürki, Kempe, Kohler & Steiner, 2011).
Die Internationale Klassifizierung zur Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF), fasst das Syndrom unter dem Punkt „Funktionen des Redeflusses und Sprechrhythmus“ (b33) zusammen (WHO, 2001) und bietet sich als einheitlicher Rahmen für den Umgang mit der Redeflussstörung Stottern an.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Phänomen Stottern
2.1 Kern- und Begleitsymptomatik sowie Copingstrategien
3 Grundgedanken zu Diagnostik und Therapie
3.1 Diagnostik
3.2 Therapie des Stotterns
3.2.Therapierichtungen und Behandlungsformen
3.3 Stottern und die ICF
4 Rahmenbedingungen der Therapieforschung
4.1 Studientypen - Studienverlauf
4.2 Effektivität und evidenzbasierte Medizin
4.2.1 Evidenzklassifikation
5 Effektivität von Stottertherapie
5.1 Methodische Vorgehensweise
5.1.1 Einschlusskriterien
5.1.2 Suchmethoden für die Identifizierung von Studien
5.2 Darstellungen der Ergebnisse
5.2.1 Beschreibung der eingeschlossenen Studien
6 Diskussion der Ergebnisse und Einordnung der Studien in Evidenzklassen
6.1 Kritik der eigenen Studie
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Effektivität von Gruppentherapien für stotternde Jugendliche und Erwachsene, indem sie systematisch recherchierte Evaluationsstudien aus dem deutschsprachigen und angloamerikanischen Raum darstellt und nach Evidenzstufen einordnet.
- Wirksamkeit von Stottertherapie
- Klassifizierung nach Evidenzstufen
- Vergleich von Gruppentherapiekonzepten
- Methodik der Therapieforschung
- Langzeitwirkung von Therapiemaßnahmen
Auszug aus dem Buch
Successful Stuttering Management
Das im Jahr 1989 erstmals dargestellte „Successful Stuttering Management Program“ (SSMP) von Breitenfeld und Lorenz ist eine Stottermodifikationstherapie und wurde 1998 (Eichstädt, Watt & Girson) und 2005 (Blomgren, Roy, Callister & Merrill) evaluiert. Das Ziel dieser Therapie ist eine Reduktion der Begleitsymptomatiken sowie eine Kontrolle der verbleibenden Stottersymptomatik (Eichstädt et al., 1998). SSMP wird an der Eastern Washington University in Cheney bereits seit 1962 durchgeführt, jedoch ist dessen Effektivität noch nicht empirisch nachgewiesen (Blomgrenet al., 2005, S. 510). In der 1998 veröffentlichten Studie von Eichstädt et al. wurde die Methode als Gruppentherapie mit 3½-wöchiger Intensivphase im Jahre 1994 durchgeführt. Aufgrund der Datenerhebung von fünf Patienten wurden die Daten als Einzelfallstudie analysiert, was nicht den Einschlusskriterien der eingeschlossenen Studien entspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Störungsbild Stottern, die Relevanz evidenzbasierter Therapiemethoden und die Zielsetzung der Arbeit.
2 Das Phänomen Stottern: Erläuterung der Kern- und Begleitsymptomatik sowie der Abgrenzung von Copingstrategien.
3 Grundgedanken zu Diagnostik und Therapie: Überblick über gängige Diagnostikverfahren und verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze.
4 Rahmenbedingungen der Therapieforschung: Darstellung verschiedener Studiendesigns und der Einordnung in Klassifikationssysteme zur Evidenzbewertung.
5 Effektivität von Stottertherapie: Systematische methodische Vorgehensweise zur Auswahl der Studien und detaillierte Beschreibung der eingeschlossenen Evaluationsstudien.
6 Diskussion der Ergebnisse und Einordnung der Studien in Evidenzklassen: Kritische Analyse der Studienergebnisse und Bewertung der Evidenzqualität einzelner Therapiekonzepte.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit über die aktuelle Studienlage und Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Stottern, Gruppentherapie, Stottertherapie, Effektivität, Evidenzbasierte Medizin, Stottermodifikation, Fluency Shaping, ICF, Langzeitergebnisse, Evaluationsstudien, Kommunikation, Sprechflüssigkeit, Diagnostik, Nachsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit von Gruppentherapien zur Behandlung von Stottern bei Jugendlichen und Erwachsenen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Stottersymptomatik, Methoden der Stottertherapie, evidenzbasierte Bewertungskriterien sowie die Analyse spezifischer Evaluationsstudien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine systematische Zusammenstellung und Einordnung wesentlicher Forschungsergebnisse zu Stottergruppentherapien nach klinischen Evidenzstufen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die nach den Richtlinien des Cochrane Handbook für systematische Reviews vorgeht und die Studien anhand von PICO-Modellen und Evidenzleveln klassifiziert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Therapieprogramme wie das SSMP, die Kasseler Stottertherapie und das Comprehensive Stuttering Program detailliert analysiert und bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Stottern, Effektivität, Gruppentherapie, Evidenzbasierung, Sprechflüssigkeit und Diagnostik.
Wie werden die verschiedenen Stottertherapien in der Arbeit bewertet?
Die Therapien werden anhand ihrer Langzeitdaten, der methodischen Qualität der zugrunde liegenden Studien und ihrer Wirksamkeit bei der Reduktion von Stottersymptomen in evidenzbasierte Stufen eingeteilt.
Welche Rolle spielt die ICF in diesem Kontext?
Die Internationale Klassifizierung der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) dient als Rahmen, um Stottern über die reine Sprechflüssigkeit hinausgehend auch im Kontext von Aktivität und Partizipation zu bewerten.
- Citar trabajo
- Juana Golla (Autor), 2011, Effektivität von Stottertherapie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272058