Öffentlichkeit und Verantwortung anhand der Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann


Bachelorarbeit, 2013
31 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gottfried Benn und seine „Rolle als Schriftsteller in dieser Zeit
2.1. „Können Dichter die Welt ändern?“ – Die erste Debatte um Benn in der „Neuen Bücherschau“
2.2. „Eine Geburtstagsrede und die Folgen“ – Die Kritik an Benns Rede für Heinrich Mann
2.3. „Die Einwirkung der Kritik auf den Schaffenden“ – Benns weitere Entwicklung ab 1932

3. „Auf der Suche nach einem Weg“ – Zum Leben von Klaus Mann

4. Die politische Situation in Deutschland 1929-1933

5. Die Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann
5.1. Der Brief von Klaus Mann an Gottfried Benn
5.2. Benns öffentliche „Antwort an die literarischen Emigranten
5.3. „Gottfried Benn. Oder: Die Entwürdigung des Geistes“ – Manns Reaktion auf Benns öffentliche Antwort
5.4. Die weiteren Entwicklungen nach der Kontroverse und Benns „innere Emigration“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Anmerkung: Teile der Kapitel- und Zwischenüberschriften sind Titel von Gottfried Benns und Klaus Manns Schriften

1. Einleitung

„Benn ist ein großer Poet: Einige seiner dunkel suggestiven, tragisch kühnen Verse haben sich mir für immer eingeprägt, ihr Rhythmus bleibt mir im Blut wie das Echo früh gehörter, früh geliebter Zaubersprüche. Auch persönlich stand ich damals auf herzlichem Fuße mit dem äußerlich so korrekten und konventionellen Visionär, der es nicht unter seiner Dichterwürde fand, neben- oder hauptberuflich als Spezialist für Haut- und Geschlechtskrankheiten in einem Berliner Arbeiterviertel tätig zu sein.“

(Mann, 1981, S. 285)

Mit diesen Worten beschrieb der Schriftsteller Klaus Mann, Sohn von Thomas Mann und Neffe von Heinrich Mann, den expressionistischen Dichter und Arzt Gottfried Benn 1942 in seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“. Mann verehrte den 20 Jahre älteren Benn und sah in ihm ein Vorbild. Die Freundschaft, die beide verband, zerbrach allerdings anlässlich einer etwa neun Jahre zuvor öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung; Grund waren die unterschiedlichen politischen Positionen beider Literaten. Denn Gottfried Benn wandte sich 1933 zunächst den Nationalsozialisten zu und sprach sich mit großer Überzeugung für den „Neuen Staat“ aus, während sich Klaus Mann dagegen wandte und wie viele andere Schriftsteller Deutschland verließ. Benns Haltung konnte er nicht akzeptieren und formulierte seine Enttäuschung darüber in einem persönlichen Brief an Benn, der diesen öffentlich beantwortete. In der Antwort bezog Benn nicht nur Stellung zu Manns Brief, sondern nahm ihn außerdem zum Anlass, seine Meinung zur Emigration von Schriftstellern überhaupt darzustellen. Die Auseinandersetzung beider wurde zu einer öffentlichen Kontroverse, die Thema der vorliegenden Arbeit ist. Dabei steht die Frage im Vordergrund, warum sie eine solche öffentliche Relevanz erlangte und welches Verständnis Benn und Mann von Verantwortung der Gesellschaft gegenüber hatten.

Um die Motive und Positionen von Benn und Mann besser nachvollziehbar zu machen, gehe ich auf einige Ereignisse vor der hier schwerpunktmäßig untersuchten Debatte ein. Denn Benn geriet bereits Ende der zwanziger Jahre von einem „repräsentativen literaturpolitischen Konflikt“ in den nächsten (Ziegler, S. 29), was Auswirkungen auf seine Reaktionen nach 1933 im Allgemeinen und im Konflikt mit Mann im Besonderen hatte.

Anschließend betrachte ich wichtige Ereignisse aus Benns und Manns Leben, wobei ich mich auf die Zeit bis zu der Kontroverse beschränke. Anschließend gebe ich einen kurzen Überblick über die politische Situation in Deutschland vor und während des Konflikts, den ich anschließend nachzeichne. Schließlich erfolgt die Einordnung der Kontroverse in Bezug auf die Relevanz für die Öffentlichkeit.

2. Gottfried Benn und seine „Rolle als Schriftsteller in dieser Zeit“

Bereits Ende der zwanziger Jahre dachte Benn über die politische Entwicklung in Deutschland, genauer über die gesamte Menschheit, tief pessimistisch: „Man lebt vor sich hin sein Leben, das Leben der Banalitäten und Ermüdbarkeiten, in einem Land reich an kühlen und schattenvollen Stunden, chronologisch in einer Denkepoche, die ihr flaches mythenentleertes Milieu induktiv peripheriert“ (Benn, 1927a, S. 12). Kassenärzte hatten es zu dieser Zeit sehr schwer; sie lebten fast am Existenzminimum, und durch die Weltwirtschaftskrise wurde diese Situation noch verstärkt (vgl. Ziegler, S. 31). In seinem Essay „Summa Summarum“ gab Benn zudem an, so gut wie keine Einnahmen als Autor zu haben und erlebte sich als isolierten und von der Öffentlichkeit ignorierten Schriftsteller (vgl. Benn, 1926, S. 15f.). Er war Gegner der Weimarer Republik, das wirtschaftliche Klima empfand er als feindlich und äußerte sich entsprechend negativ: „[S]ublimierter Kapitalismus ist die Kategorie, in der der Staat und die von ihm vertretene Öffentlichkeit die Kunst empfindet und gelten läßt. Hohenzollern oder Republik, das ist Jacke wie Hose […] – der Staat hat nie etwas für die Kunst getan.“ (Benn, 1927, S. 44) Ihn allerdings bis zum Jahr 1932 politisch „links“ oder „rechts“ einzuordnen ist schwierig (vgl. Ziegler, S. 31). Nach Benns eigenen Angaben „hatte [er] mit politischen Dingen nichts zu tun“ (Benn, 1950, S. 70). Demnach verfügte er über wenig politische Erfahrung, die zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Ideologie hätte beitragen können.

2.1. „Können Dichter die Welt ändern?“ – Die erste Debatte um Benn in der „Neuen Bücherschau“

1929 kam es zu einer Debatte um Benns Lyrik und seine Person. Grund dafür war die Veröffentlichung seiner „Gesammelten Prosa“ und deren Rezension von Max Herrmann-Neiße, Redaktionsmitglied der linksliberalen Literaturzeitschrift „Die Neue Bücherschau“, in der er sich äußerst lobend über Benns Werk äußerte. Er bezeichnete ihn als „absonderlichen Ausnahmefall“ eines Dichters, da dieser sich nur dann zu Wort melden würde, wenn er auch tatsächlich etwas zu sagen hätte (vgl. Hermann-Neiße, S. 129). Weitere positive Worte fand er für Benns Stil, „der natürlich mit seiner geistigen Haltung vollkommen Eins ist, groß und überzeitlich, weder Kunstgewerbe noch Gelalle, weder Mache noch Übermut, nicht vulgär und nicht gedrechselt“ (ebd., S. 133).

Die beiden kommunistischen Autoren Egon Erwin Kisch und Johannes R. Becher, ebenfalls Redaktionsmitglieder der „Neuen Bücherschau“, fühlten sich vor allem durch einen Satz zu Beginn des Aufsatzes provoziert: „Es gibt auch in dieser Zeit des vielseitigen, wandlungsfähigen Machers, des literarischen Lieferanten politischer Propagandamaterialien, des schnellfertigen Gebrauchspoeten, in ein paar seltenen Exemplaren das Beispiel des unabhängigen und überlegenen Welt-Dichters“ (Hermann-Neiße, S. 128). Das Lob des „Welt-Dichters“ galt Benn, die Bezeichnung der „literarischen Lieferanten politischer Propagandamaterialien“ dagegen bezogen Kisch und Becher, wohl nicht ganz zu Unrecht auf sich, was sie gegen Benn aufbrachte (vgl. Uecker, S. 163). Herrmann-Neiße rückte Benn mit seinen Aussagen und seinem Lob immer mehr in die Schusslinie der Linksdogmatiker (vgl. Decker, S. 156). In Briefen erklärten beide kurz nacheinander ihren Austritt aus der Redaktion. Kisch fand harte Worte für Benn, dem er „widerliche Aristokratie“ vorwarf, „die aus jeder Zeile des Bennschen Prosabuches stinkt“ (Kisch zit. in Pohl, S. 134). Daraufhin meldete sich der Herausgeber der „Neuen Bücherschau“ Gerhard Pohl in einem Aufsatz „Über die Rolle eines Schriftstellers dieser Zeit“ zu Wort. Seine Antwort fiel zunächst relativ souverän aus: „Wir haben schon so manchen Satz gedruckt, der uns mißfiel – auch manchen von Euch, liebe Freunde. Eine Literatur-Revue ist eben keine Rätselzeitung, die nur drucken kann, was die richtige Lösung erhält.“(Pohl, S. 135) Trotzdem bezog er auch klar Position zu den Vorwürfen: „Als ich Eure Briefe las, Freunde, bin ich erschrocken – über die Dürftigkeit Eurer Argumentation.“ (ebd.). Pohl stand hinter Hermann-Neißes Aufsatz und damit auch hinter dem Lob Benns, den er für einen großen Dichter hielt. Er sprach sich klar für eine Trennung von Literatur und Politik aus, da sie sich grundsätzlich voneinander unterscheiden würden (vgl. ebd.). Die Erwiderung ließ nicht lange auf sich warten, kurze Zeit später äußerte sich Kisch zu Pohls Brief. Erneut geriet Benn darin in die Schusslinie von Beleidigungen seiner Person, die ihn getroffen haben mussten (vgl. Decker, S. 158).

Zunächst beschränkte sich die Debatte, ausgetragen in der „Neuen Bücherschau“, auf Kisch und Becher auf der einen und Herrmann-Neiße sowie Gerhard Pohl auf der anderen Seite. Benn fand sich „plötzlich als Gegenstand eines erbitterten Weltanschauungs- und Parteistreits“ wieder, bei dem es um die vordergründige Frage ging: „Parteiliterat oder unabhängiger Autor“? (Decker, S. 157f.) Ungewollt wurde Benn immer weiter in eine Debatte hineingezogen, die er weder begonnen noch provoziert hatte. Und obwohl er bei der Veröffentlichung seiner Prosa keineswegs auf Streit mit den kommunistischen Autoren aus war, gab er seine stille Beobachterposition nun auf: Kischs Äußerung, Benn sei „ein in seine krankhaften (schizophrenen) Hemmungen eingesponnener Snob, der keine Ahnung von der Welt hat, aber sie behandelt“ (Kisch, S. 136), wollte Benn nicht so stehen lassen. Seine Entgegnungen erschienen ebenfalls in der „Neuen Bücherschau“. Darin äußerte er sich nicht nur zu den Angriffen, sondern erläuterte auch seine Gedanken „Über die Rolle des Schriftstellers in dieser Zeit“. Seine Aussagen machten ihn jedoch weiter unbeliebt, denn der sozialkritischen und engagierten Literatur spricht er jegliche Wirkung ihrer Bemühungen ab: „Becher und Kisch gehen davon aus, daß jeder, der heute denkt und schreibt, es im Sinne der Arbeiterbewegung tun müsse, Kommunist sein müsse, dem Aufstieg des Proletariats seine Kräfte leihen. Warum eigentlich? Soziale Bewegungen gab es doch von jeher. Die Armen wollten immer hoch und die Reichen nicht herunter. […] – schaurige Welt, kapitalistische Welt und immer die Gegenbewegungen […], aber nach drei Jahrtausenden Vorgang darf man sich wohl dem Gedanken nähern, dies sei alles weder gut noch böse, sondern rein phänomenal.“ (Benn, 1929, S. 208f.) Benn lehnte jede Wirkung, jeden Sinn des Geschichtsprozesses grundsätzlich ab und ließ damit auch noch den letzten, der an eine gute Zukunft glaubte und sich dafür engagierte, auflaufen: „[S]o bist du und du wirst nie anders sein, so lebst du, so hast du gelebt und so wirst du immer leben. Wer Geld hat, wird gesund, wer Macht hat, schwört richtig, wer Gewalt hat, schafft das Recht. Die Geschichte ist ohne Sinn, keine Aufwärtsbewegung, keine Menschheitsdämmerung; keine Illusionen mehr darüber, kein Bluff. […] Hier ist das Heute, nimm seinen Leib und iß und stirb. Diese Lehre scheint mir weit radikaler, weit erkenntnistiefer und seelisch folgenreicher zu sein als die Glücksverheißungen der politischen Parteien“ (ebd., S. 210). Klaus Mann erkannte scheinbar bereits die drohende Zuspitzung des Streits zwischen der Linken und Benn. Er versuchte die Situation zu entschärfen, indem er die „Auseinandersetzung als das erklärt[e], was sie im Grunde [war]: ein Scheingefecht (Decker, S. 175). Ein Jahr später schrieb er ebenfalls einen Aufsatz über Benns Prosa, in dem er in den höchsten Tönen von dem Dichter sprach und ihn vor allen Kritikern verteidigte, indem er das „Abseitsstehen Gottfried Benns, seine Verbitterung“ als einen „der Beweise für die Instinktlosigkeit des großen Publikums, für den Mangel an fruchtbarer Aktivität bei der literarischen Presse“ erklärte (Mann, 1930, S. 137).

Im März 1930 wurden Becher und Benn zu einem Rundfunkgespräch eingeladen. Zu einer wirklichen Diskussion kam es dabei allerdings nicht, denn beide lasen größtenteils die vorher angefertigten Aufzeichnungen vor. Unzufrieden mit diesem Verlauf überarbeitete Benn die Aufzeichnungen des Dialogs einige Zeit später. In der neuen Fassung stellte er Becher, den er als A. auftreten ließ, lediglich als Stichwortgeber und ahnungslos Fragenden dar. Benn als B. gab darauf lange ausgefeilte Antworten, schrieb viel hinzu, was er im Rundfunkgespräch nicht gesagt hatte. Er übernahm darin sogar Passagen aus seinem zuvor veröffentlichten Brief an Pohl. Mit dem Titel „Können die Dichter die Welt ändern – Rundfunkdialog“ erschien die überarbeite Fassung in der „Literarischen Welt“, die doppelt so lang war wie die eigentliche Umschrift der Sendung. Für Becher musste diese Darstellung ein herber Schlag sein, wurde doch durch Benns Neufassung seiner Position noch das letzte bisschen Substanz aberkannt. Dazu äußerte sich auch Klaus Mann in einem Essay aus seiner Aufsatzsammlung „Auf der Suche nach einem Weg“, nun mit kritischem Tonfall. Zu Beginn des Aufsatzes bezeichnete Mann Benns politische Einstellung – wenn bei ihm überhaupt davon die Rede sein könne – als „radikal links“, obwohl Benn – wie Mann weiter bemerkte – die Politik eigentlich hasste und der Ansicht war, als Dichter mit ihr nichts zu tun haben zu müssen (vgl. Mann, 1931, S. 150). Mann rechnete Benn zwar nach wie vor zu den „stärksten Sprachschöpfern“ Deutschlands, wandte sich aber gegen seine fortschrittsfeindliche Aussagen, die bereits in „bösartigen Nihilismus“ umschlügen (Mann, 1981, S. 285), und richtete sich zum Schluss direkt an Benn. „Sie stehen selbst links, Gottfried Benn. Warum machen Sie Ideale verächtlich, die für keinen Dichter endgültige Ideale sein werden, aber eben doch für die Stunde die einzig möglichen, die einzig überhaupt praktikablen? Wenn Sie, Dichter, dessen Name bei den Jungen vieles gilt, die Ideale von links verhöhnen, gewinnen Sie damit denen von rechts immer mehr Boden. Sie wollen es nicht, aber Sie tun es trotzdem.“ (Mann, 1931, S. 152)

2.2. „Eine Geburtstagsrede und die Folgen“ – Die Kritik an Benns Rede für Heinrich Mann

Durch Benns Stellungnahme zu Bechers und Kischs Kritik und die verfälschte Darstellung des Rundfunkdialogs mit Becher waren bereits die Weichen für die Kontroverse mit der Linken gestellt. Anlässlich einer Rede von Benn zu Heinrich Manns 60. Geburtstag am 27. März 1931, in der er dessen Werk würdigte, sich aber von seiner politischen Haltung distanzierte, verschärfte sich dieser Konflikt. Benns Rede wurde von einigen Zuhörern als bewusste Kritik an Mann verstanden und löste teilweise ein erhebliches Befremden aus, so auch bei dem Architekten und Schriftsteller Werner Hegemann, der Benn und seine Rede in einem Artikel der Wochenzeitschrift „Das Tage-Buch“ mit scharfen Worte kritisierte: „[V]ieles bei Benn – verzeihe mir, lieber Bruder – wirkt auf mich noch fast wie expressionistisches Rülpsen der Verzweiflung.“ (Hegemann, S. 147). Er meinte, viele Dichterkollegen, darunter Bertolt Brecht und Alfred Döblin, würden die Situation ebenso sehen wie er. Döblin hätte Benn sogar vorgeworfen, dass dieser seit der Auseinandersetzung mit Becher und Kisch „immer weiter ins faschistische Lager gerutscht“ und ihm daher „die liberale Politik Heinrich Manns ein Dorn im Auge“ wäre (ebd., S. 145). Hegemann warf Benn neben faschistischen Gedankengängen zudem Antisemitismus vor und bezeichnete ihn als Geistesgenosse von Hitler (vgl. ebd., S. 146). Benn sah sich erneut zu einer öffentlichen Verteidigung genötigt. In einem persönlichen Brief an Benn nahm Heinrich Mann zwar wenig später Abstand von Hegemanns Äußerung; er würde ihn keinesfalls für einen Faschisten halten, sondern hätte sich über Benns Rede gefreut. Dies machte er aber nicht öffentlich deutlich. Benn musste sich erneut als Einzelkämpfer behaupten, konnte auf keine Verbündeten setzen und musste zu dem Schluss kommen, dass die Linke gegen ihn zusammenhielt. Benn fühlte sich missverstanden, denn er hatte es für seine Aufgabe gehalten, bei der Geburtstagsrede „als Dichter über einen Dichter“ zu sprechen und nicht über den Politiker Heinrich Mann (Benn, 1931, S. 231). Er griff seine Position zum Verhältnis von Kunst und Politik erneut auf und erklärte in seiner Stellungnahme „Eine Geburtstagsrede und die Folgen“ die Überlegenheit der Literatur gegenüber der Politik (vgl. ebd., S. 232). Wie oft, wenn er sich angegriffen fühlte, fand er harte Worte für Hegemann und alle, die dessen Ansichten teilten: „Wessen geistiges Fundament man nicht erfassen kann, den denunziert man politisch. Einer [Benn] steht nicht in der Reihe –, das ist verdächtig; einer hört den aktivistischen Phrasen schweigend zu – das wird ein Spitzel sein! […] Hegemann arbeitet hier nicht allein, er hat, wie ich vernommen habe, geistige Hilfe erhalten. Aber sie alle zusammen fördern keine einzige Tatsache für ihre Behauptung herbei, sie weben, sie murmeln, sie schaffen heran, irgend etwas wird schon hängenbleiben, ja: Läuse aufs Kapitol, Stiefelwichse auf Sonnenschirme zu manipulieren, ist die besondere synthetische Produktivität des Pamphletisten.“ (ebd., S. 232f.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Öffentlichkeit und Verantwortung anhand der Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
31
Katalognummer
V272076
ISBN (eBook)
9783656633204
ISBN (Buch)
9783656633198
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verantwortung, Öffentlichkeit, Gottfried Benn, Klaus Mann
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Öffentlichkeit und Verantwortung anhand der Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272076

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