Der Arbeitsbegriff unterliegt einem inflationären Gebrauch (Beziehungsarbeit, Trauerarbeit, Familienarbeit, Hausarbeit, etc.), sodass unterschiedliche Tätigkeiten unter dem Begriff 'Arbeit' zusammengefasst werden. Der Begriff 'Arbeit' ist auf diesem Wege selbst unklar geworden. Dies erkennend bemüht sich die gegenwärtige Philosophie um eine Differenzierung des Arbeitsbegriffs, so wie auch im ersten Teil dieser Studienarbeit eine eingehendere Begriffsfindung und Definition des Arbeitsbegriffs stattfinden wird. Hierfür sollen Angelika Krebs' Ausführungen in Arbeit und Liebe (Angelika Krebs: Arbeit und Liebe. Die philosophischen Grundlagen sozialer Gerechtigkeit. Suhrkamp Verlag (Frankfurt/M) 2002.) als Vorlage dienen. Weiterhin soll hier die besondere Rolle von Arbeit als grundlegendes Mittel zur Aufrechterhaltung einer gewissen Lebensqualität und zur gesellschaftlichen Integration herausgearbeitet werden. Die besondere Bedeutung von Arbeit soll anschließend als Anstoß für die Herleitung eines Rechts auf Arbeit innerhalb Deutschlands (ausgehend von vorhandenen Rechtsvorschriften) dienen. Hierbei wird auch untersucht, ob dieses hergeleitete Recht auf Arbeit den Aufgaben, die sich aus der besonderen Rolle von Arbeit ergeben, gerecht wird oder ob ergänzende Maßnahmen notwendig sind. In diesem Zusammenhang wird auch ein Model des Grundeinkommens als eine mögliche Alternative zur Arbeit geprüft, die die Notwendigkeit von Arbeit zur Aufrechterhaltung einer gewissen Lebensqualität und zur gesellschaftlichen Integration soweit abschwächen könnte, dass es zumindest zu diesen Zwecken verzichtbar sein könnte zu arbeiten. Abschließend wird dann auf eine Auswahl an Gegenargumenten bzgl. eines Rechts auf Arbeit eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung unterschiedlicher Arbeitsbegriffe nach Angelika Krebs
a) Arbeit als zweckrationales Handeln
b) Arbeit als Mühe
c) Arbeit als entlohnte Tätigkeit
d) Arbeit als Güterproduktion
e) Arbeit als Güterproduktion bei der der Produzent durch eine andere Person ersetzbar ist
f) Arbeit als gesellschaftlich notwendige Tätigkeit
g) Arbeit als Tätigkeit für andere
h) Arbeit als Tätigkeit im Rahmen des gesellschaftlichen Leistungsaustauschs – institutioneller Arbeitsbegriff
3. Die Bedeutung von Arbeit als grundlegendes Mittel zur Aufrechterhaltung einer gewissen Lebensqualität und zur gesellschaftlichen Integration
4. Herleitung eines Rechts auf Arbeit für die Bundesrepublik Deutschland
5. Zulänglichkeit der deutschen Umsetzung des europarechtlichen Rechts auf Arbeit
6. Grundeinkommen als Alternative zur Arbeit
7. Zusammenfassung
8. Einwände gegen die Begründung eines Rechts auf Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen und die rechtliche Herleitung eines Rechts auf Arbeit in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwiefern der aktuelle Rechtsrahmen den existenziellen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird und ob alternative Modelle, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, zur sozialen Integration beitragen können.
- Analyse verschiedener Arbeitsbegriffe nach Angelika Krebs
- Existenzielle Bedeutung von Arbeit für die gesellschaftliche Teilhabe
- Rechtliche Herleitung eines Anspruchs auf Arbeit im deutschen Grundgesetz
- Kritische Bewertung der aktuellen Umsetzung europarechtlicher Vorgaben
- Diskussion von Alternativmodellen zur Arbeit
Auszug aus dem Buch
3. Die Bedeutung von Arbeit als grundlegendes Mittel zur Aufrechterhaltung einer gewissen Lebensqualität und zur gesellschaftlichen Integration:
Besonders eindrücklich wird die Bedeutung von Arbeit, wenn der Zustand betrachtet wird, in dem sich eine beliebige Person in Deutschland befindet, die arbeitslos ist und keine sonstigen finanziellen Rücklagen hat, also die Situation einer völlig mittellosen Person. Die offensichtlichste Konsequenz von Arbeitslosigkeit für eine ansonsten mittellose Person ist die, dass sie sich nicht selbst versorgen kann, weil der Lohn, mit dem die Mittel zur Selbstversorgung erworben werden könnten, ausbleibt. Arbeit ist somit als bedeutsame Einkommensquelle zu verstehen und die besondere Rolle von Arbeit, die sich daraus ergibt, besteht in erster Linie darin die Befriedigung von existenzrelevanten Grundbedürfnissen (wie z.B. Nahrung, Kleidung, Obdach, medizinische Versorgung) zu ermöglichen – bis hin zur Befriedigung etwaiger nachrangiger Luxusansprüchen.
Die negativen Folgen von Arbeitslosigkeit greifen allerdings noch weiter. Schlothfeldt schreibt in Ein Recht auf Beteiligung an der Erwerbsarbeit, dass Langzeitarbeitslose häufig Schamgefühle gegenüber Erwerbstätigen entwickeln, dass sie mit einem Gefühl der Nutzlosigkeit und Überflüssigkeit konfrontiert werden und dass verstärkt psychische Beschwerden wie Ängstlichkeit, Depressionen und mangelndes Selbstvertrauen auftreten. Ebenso könnten auch psychosomatische Erkrankungen, Drogenkonsum und Suizidversuche vermehrt beobachtet werden sowie die Aufgabe eines Tagesrhythmus' und anderer Aktivitäten. Die finanzielle Notlage für den Arbeitslosen bedeute auch, dass er an wichtigen sozialen Aktivitäten erst gar nicht teilnehmen könne. Das Nachgehen einer Arbeit ist somit nicht nur grundlegend für das physische Wohl des Einzelnen, sondern auch für das seelische Wohl wie auch für ein bestimmtes Maß der Teilhabe am sozialen Leben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den historischen Wandel des Arbeitsbegriffs von der Antike bis hin zu Marx und führt in die Relevanz von Arbeit als gesellschaftlichem Integrationsfaktor ein.
2. Darstellung unterschiedlicher Arbeitsbegriffe nach Angelika Krebs: In diesem Kapitel werden acht verschiedene Definitionen von Arbeit nach Angelika Krebs vorgestellt und kritisch auf ihre Eignung zur Bestimmung ökonomischer Arbeit untersucht.
3. Die Bedeutung von Arbeit als grundlegendes Mittel zur Aufrechterhaltung einer gewissen Lebensqualität und zur gesellschaftlichen Integration: Das Kapitel analysiert die psychosozialen und existenziellen Folgen von Arbeitslosigkeit und verdeutlicht die zentrale Rolle von Erwerbsarbeit für das Selbstwertgefühl und die Teilhabe.
4. Herleitung eines Rechts auf Arbeit für die Bundesrepublik Deutschland: Es wird untersucht, ob und in welcher Form ein Recht auf Arbeit durch Landesverfassungen, internationale Abkommen und das Grundgesetz in Deutschland herleitbar ist.
5. Zulänglichkeit der deutschen Umsetzung des europarechtlichen Rechts auf Arbeit: Hier wird die Wirksamkeit der staatlichen Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt evaluiert und deren Unzulänglichkeit bei der Bewältigung von Langzeitarbeitslosigkeit aufgezeigt.
6. Grundeinkommen als Alternative zur Arbeit: Dieses Kapitel prüft das Modell eines arbeitsunabhängigen Grundeinkommens daraufhin, ob es die Notwendigkeit von Erwerbsarbeit und die soziale Stigmatisierung von Arbeitslosigkeit verringern könnte.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass ein stärkeres Recht auf Arbeit in Deutschland problematisch wäre und schlägt stattdessen die Kombination aus Grundeinkommen und sozialen Substituten vor.
8. Einwände gegen die Begründung eines Rechts auf Arbeit: Abschließend werden klassische Gegenargumente wie der Ideologievorwurf oder die Befürchtung überflüssiger Arbeit entkräftet und diskutiert.
Schlüsselwörter
Arbeitsbegriff, Angelika Krebs, Erwerbsarbeit, Recht auf Arbeit, gesellschaftliche Integration, Arbeitslosigkeit, Grundeinkommen, soziale Anerkennung, Existenzsicherung, Statusverlust, Menschenwürde, Arbeitsgesellschaft, Sozialstaat, Lebensqualität, Schamgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und rechtlichen Voraussetzungen für ein Recht auf Arbeit in Deutschland und analysiert die Möglichkeiten zur sozialen Absicherung in einer sich wandelnden Arbeitsgesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung des Arbeitsbegriffs, der Bedeutung von Erwerbsarbeit für die soziale Identität sowie der rechtlichen Verankerung staatlicher Fürsorgepflichten.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es zu prüfen, wie das Bedürfnis nach Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe befriedigt werden kann, ohne eine problematische Ausweitung staatlich erzwungener Beschäftigung vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-normative Analyse, die sich primär auf die philosophischen Ausführungen von Angelika Krebs sowie auf rechtswissenschaftliche Diskursanalysen stützt.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Arbeit, der Analyse der Folgen von Arbeitslosigkeit sowie der kritischen Prüfung von Modellen eines Grundeinkommens als Ersatz für die klassische Erwerbsbiografie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Arbeitsbegriff, gesellschaftliche Anerkennung, soziale Integration und das Modell des Grundeinkommens geprägt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Grundgesetzes in Bezug auf ein Recht auf Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Grundgesetz zwar kein direktes, einklagbares Recht auf einen Arbeitsplatz bietet, aber im Verbund mit dem Sozialstaatsprinzip eine Pflicht des Staates zur Förderung von Erwerbsmöglichkeiten begründet.
Warum wird ein Grundeinkommen als mögliche Lösung diskutiert?
Das Grundeinkommen wird als Instrument gesehen, um die Verknüpfung von Erwerbsarbeit und gesellschaftlichem Status zu schwächen und somit das Schamgefühl sowie die soziale Degradierung von Langzeitarbeitslosen abzumildern.
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- Roman Krüger (Author), 2013, Unterschiedliche Arbeitsbegriffe nach Angelika Krebs und die Formulierung eines Rechts auf Arbeit in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272192