Eine Vielzahl von Zeitungsartikeln beschäftigt sich seit Jahren mit der Bildung und den Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Nicht zuletzt durch die von Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ geschaffenen Thesen ist das Thema der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit getragen worden und damit verbunden die Bildung und die Bildungschancen dieser Bevölkerungsgruppe als Lösung der Integration. Insgesamt kann festgehalten werden, dass sich Deutsche genauso wie Migrantinnen und Migranten ein besseres Bildungssystem für alle Kinder und Jugendliche und Bildungsangebote, die der Integration dienen, wünschen. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage, warum die Umsetzung dieses Wunsches in den letzten Jahren noch nicht in dem erhofften Maße funktioniert hat. Mit dieser Problematik soll sich diese Hausarbeit auseinandersetzen.
Nach einem Blick auf Migration im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen wird der Fokus zunächst auf den Bildungserwerb von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gelegt. Anschließend wird der Integrationskurs untersucht, sowie beispielhaft Bildungsangebote für erwachsene Migrantinnen und Migranten in Köln vorgestellt. Abschließend soll in einem Fazit die aufgeworfene Frage beantwortet und mögliche Verbesserungen eingebracht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Migration
2.1 Definition
2.2 Geschichte der Migration weltweit
2.3 Geschichte der Migration in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg
3. Schule und Migration
3.1 Bildungsbenachteiligung durch Migrationshintergrund
3.2 Umgang mit Mehrsprachigkeit
4. Bildungsangebote für erwachsene Migrantinnen und Migranten
4.1 Der Integrationskurs
4.2 Bildungsangebote am Beispiel der Stadt Köln
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem gesellschaftlichen Wunsch nach besserer Integration durch Bildung und der mangelnden praktischen Umsetzung in Deutschland. Dabei wird analysiert, ob das Integrationsdefizit auf fehlende Angebote in Schule und Erwachsenenbildung zurückzuführen ist oder auf deren unzureichende Nutzung.
- Historische Einordnung von Migrationsbewegungen weltweit und in Deutschland.
- Analyse der strukturellen Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund.
- Bewertung von Mehrsprachigkeit als Bildungsressource versus Stigmatisierung.
- Untersuchung des Integrationskurses als staatliches Instrument zur Erwachsenenbildung.
- Beispielhafte Vorstellung kommunaler Integrationsangebote am Standort Köln.
Auszug aus dem Buch
3.2 Umgang mit Mehrsprachigkeit
In der Migrationsdebatte wird des Öfteren auf kulturelle Vielfalt als eine Ressource hingewiesen. Diese Vielfältigkeit macht sich unter anderem bemerkbar in der eigenen Geschichte, den Werten, den Erfahrungen und auch in der Mehrsprachigkeit. Die optimale Nutzung dieser Ressource wird an vielen Stellen gefordert und angestrebt. Die Mehrsprachigkeit, auf die sich im Folgenden konzentriert werden soll, kann als gutes Beispiel angesehen werden, da sie noch große potentielle Nutzungsmöglichkeiten bietet.
Unter Mehrsprachigkeit versteht man einen Zustand, aber auch eine Eigenschaft, ein Produkt, einen Erwerbsprozess und einen Verwendungsprozess. Als Eigenschaft kann sie entweder Personen zugesprochen werden, die mehr als zwei Sprachen beherrschen, oder Personengruppen, bei denen mehrere Sprachen offiziell anerkannt werden beziehungsweise diese auch tatsächlich verwendet werden. Ein Bildungsprodukt ist die Mehrsprachigkeit dann, wenn eine Person eine weitere Sprache erworben hat. Dabei ist darauf zu achten, dass Mehrsprachigkeit mehr sein kann als Einsprachigkeit in verschiedenen Sprachen. Im Erwerbsprozess werden sprachlich vernetzte Kompetenzen erworben und vermittelt, die durch Ähnlichkeiten zwischen Sprachen entstehen. Schließlich entstehen im Prozess der Verwendung Reibungsverluste, da eine mehrsprachige Person Fachwissen, kulturelles Wissen oder auch Situationswissen besitzt und abrufen kann.
Die aktuelle Forschung belegt, dass mehrsprachig aufgewachsene Kinder geistig flexibler und leistungsfähiger sind in ihrer Wahrnehmung. Für Menschen, die von Geburt an zweisprachig aufgewachsen sind, sprechen Forscher mittlerweile sogar vom „doppelten Erstspracherwerb“. Dabei ist bei Kindern eine klare Abgrenzung der beiden Sprachen sinnvoll, zum Beispiel in Familien- und Umgebungssprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die öffentliche Debatte um Bildungschancen für Migranten und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach den Ursachen für die mangelnde Integration im Bildungswesen.
2. Migration: Dieses Kapitel liefert eine soziologische Definition von Migration und einen historischen Abriss über globale Wanderungsbewegungen sowie die spezifische Geschichte der Migration in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.
3. Schule und Migration: Der Abschnitt untersucht die Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern innerhalb des deutschen Schulsystems und diskutiert den problematischen Umgang mit Mehrsprachigkeit.
4. Bildungsangebote für erwachsene Migrantinnen und Migranten: Hier werden der staatliche Integrationskurs sowie kommunale Bildungsangebote, illustriert am Beispiel der Stadt Köln, detailliert vorgestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein stärkeres ehrenamtliches Engagement sowie eine Professionalisierung der Pädagogik, um die bestehenden Hürden in der Integration zu überwinden.
Schlüsselwörter
Migration, Bildungschancen, Integration, Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung, Mehrsprachigkeit, Integrationskurs, Schulpflicht, Deutschland, Interkulturelle Zentren, Chancengleichheit, Sprachbarrieren, Soziale Ungleichheit, Einwanderung, Kommunalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Situation der Bildung und den Bildungschancen für Migrantinnen und Migranten im deutschen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Migrationsgeschichte, den Bildungsdefiziten im Schulsystem, der Rolle der Mehrsprachigkeit und den konkreten Bildungs- sowie Integrationsangeboten für Erwachsene.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit primär?
Das Ziel ist es, zu klären, warum die Integration durch Bildung trotz vorhandener Forderungen und Angebote in Deutschland in den letzten Jahren nicht in dem erhofften Maße erfolgreich war.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Literaturrecherche, Analyse statistischer Daten und der Auswertung öffentlicher Debatten und Medienberichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Migration, eine Untersuchung der schulischen Benachteiligung, eine Betrachtung der Mehrsprachigkeit sowie eine Vorstellung staatlicher und lokaler Integrationsangebote.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Migration, Integration, Bildungschancen, Bildungsbenachteiligung, Mehrsprachigkeit und gesellschaftliche Chancengleichheit.
Wie unterscheidet sich die Situation der Integration heute von der Situation in den 1980er Jahren?
Während früher von einer Rückkehr der Gastarbeiter ausgegangen wurde, hat sich die Zielsetzung heute zu einer langfristigen Teilhabe und Integration in allen Lebensbereichen gewandelt.
Welche Rolle spielt die Stadt Köln im Kontext dieser Untersuchung?
Köln dient als praktisches Beispiel für die Umsetzung kommunaler Integrationsarbeit, insbesondere durch die Förderung von 38 interkulturellen Zentren zur Begegnung und Bildung.
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- Christoph Kurth (Author), 2013, Bildung und Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272225