Bildung und Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

0. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Migration
2.1 Definition
2.2 Geschichte der Migration weltweit
2.3 Geschichte der Migration in Deutschland seit dem 2. Weltkrieg

3. Schule und Migration
3.1 Bildungsbenachteiligung durch Migrationshintergrund
3.2 Umgang mit Mehrsprachigkeit

4. Bildungsangebote für erwachsene Migrantinnen und Migranten
4.1 Der Integrationskurs
4.2 Bildungsangebote am Beispiel der Stadt Köln

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Migranten fordern bessere Bildungschancen“ so lautet die Überschrift zu einem kurzen Zeitungsartikel in der „Nordwest Zeitung“ vom 15.06.2013, in dem beschrieben wird, dass Migrantenorganisationen von der niedersächsischen Landesregierung in Hannover mehr Einsatz für Chancengleichheit in Schule und Bildung fordern, da die Kluft zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund immer noch weit auseinandergehe.[1] Unter demselben Titel ist auch schon zwei Jahre zuvor am 30.08.2011 ein ausführlicherer Artikel in „Die Welt“ erschienen, der vor dem Hintergrund einer repräsentativen Meinungsumfrage von TNS Infratest festgestellt hat, dass der Schlüssel zur Integration und zu einer gerechteren Gesellschaft nach Meinung der Befragten (unterteilt in Deutsche, Türken und Russen) in einem besseren Bildungssystem liegen würde.[2]

Eine Vielzahl von Zeitungsartikeln beschäftigt sich seit Jahren mit der Bildung und den Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Nicht zuletzt durch die von Thilo Sarrazin in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ geschaffenen Thesen ist das Thema der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit getragen worden und damit verbunden die Bildung und die Bildungschancen dieser Bevölkerungsgruppe als Lösung der Integration. Doch auch die populistischen Thesen des Bundesbankers Sarrazin, nach dem beispielsweise die Erbfaktoren muslimischer Migrantinnen und Migranten durch eine lange Tradition der Inzucht in Clans minderwertig seien und letztendlich auch ein Zusammenhang dieser Erbfaktoren mit dem Versagen der türkischen Bevölkerung im deutschen Schulsystem bestehe,[3] haben nach der Veröffentlichung zwar die Stammtische erreichen können, aber in der Gesellschaft scheint der Ruf nach besseren Bildungschancen und eine dadurch zu erreichende Integration immer lauter zu werden. So druckt die „Rheinische Post“ Mitte April 2013 ein Interview mit dem Leiter des Kreisintegrationszentrums Langenfeld unter der Überschrift „Bildung von alten und jungen Migranten verbessern“[4] und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet zwei Wochen zuvor in dem Artikel „Hahn fordert bessere Bildungsangebote für Migranten“ über den hessischen Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn, der kommunale Bildungskonzepte erstellen lassen will.[5] Die beiden letztgenannten Artikel stellen zwar Forderungen von staatlicher bzw. politischer Seite dar, allerdings lassen die Zahlen der Umfrage des eingangs erwähnten Artikels von 2011 nur die gleiche Schlussfolgerung zu, denn für ca. 80 Prozent der Deutschen sind Verbesserungen im Bildungssystem entscheidend nicht nur für wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch für weniger soziale Ungleichheit und 65 Prozent (85 Prozent der befragten Türken; 69 Prozent der befragten Russen) sind der Meinung, dass man dadurch Ausländer besser einbinden könnte.[6]

Insgesamt kann also festgehalten werden, dass sich Deutsche genauso wie Migrantinnen und Migranten ein besseres Bildungssystem für alle Kinder und Jugendliche und Bildungsangebote, die der Integration dienen, wünschen. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage, warum die Umsetzung dieses Wunsches in den letzten Jahren noch nicht in dem erhofften Maße funktioniert hat. Sind es die fehlenden Angebote in der Schule und in der Erwachsenenbildung für Migrantinnen und Migranten oder werden die vorhandenen Angebote nicht genutzt? Mit dieser Fragestellung soll sich diese Hausarbeit auseinandersetzen.

Nach einem Blick auf Migration im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen wird der Fokus zunächst auf den Bildungserwerb von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gelegt. Anschließend wird der Integrationskurs untersucht, sowie beispielhaft Bildungsangebote für erwachsene Migrantinnen und Migranten in Köln vorgestellt. Abschließend soll in einem Fazit die aufgeworfene Frage beantwortet und mögliche Verbesserungen eingebracht werden.

2. Migration

Zu Beginn dieser Ausarbeitung wird zunächst der Begriff „Migration“ definiert. Darauffolgend soll ein kurzer Abriss der Geschichte der Migration gegeben werden, bevor die Situation in Deutschland seit den 1950er Jahren beschrieben wird.

2.1 Definition

Unter dem Begriff „Migration“ versteht man in der Soziologie die „Wanderung ganzer Völker oder großer Bevölkerungsteile aufgrund von wirtschaftlicher Not (Gastarbeiter, Flüchtlinge), Kriegen und anderen Ursachen (Völkerwanderung)“.[7] Dabei wird bei dem Begriff unterschieden zwischen der Emigration (Auswanderung), der Immigration (Einwanderung) und der Binnenmigration (innerhalb eines festgelegten Raumes - meist eines Staates). Da die vorliegende Ausarbeitung Bildung von Migrantinnen und Migranten in Deutschland zum Thema hat, ist der Schwerpunkt auf die Immigration zu legen. Immigrantinnen und Immigranten sind einzelne Menschen oder Gruppen, die ihre bisherigen Wohnorte verlassen, um sich an anderen Orten dauerhaft bzw. für längere Zeit niederzulassen.[8] Eine Einteilung der Migration kann durch die Auswanderungsmotive vorgenommen werden. Formen sind die Arbeitsmigration, die Fluchtmigration oder der Familiennachzug.[9]

Franck Düvell stellt allerdings fest, dass es keine allgemeingültige Definition des Begriffes „Migration“ gibt und lediglich sehr weitgefasste (von der Wortbedeutung her) und moderne, aber besonders enge Definitionen (Überschreitung einer Grenze, Wechsel des Wohnsitzes – nicht nur des Aufenthaltsortes – bestimmte Dauer) bestehen.[10] Dies liegt nach Düvell daran, dass bisher „jeder Versuch, die Erfassung von Migration zu standardisieren, von den Praktiken der Nationalstaaten unterlaufen“[11] wird. Insgesamt gibt es sieben Dimensionen von Migration, die bei einer Definition zu berücksichtigen wären, nämlich die Zeit-Dimension, die Entfernungsdimension, die politische Dimension, die Dimension des Wohn-, beziehungsweise Aufenthaltsortes oder des Arbeitsortes, die Dimension des Charakters der Entscheidung, die Dimension des Zweckes und die Dimension des Akteurs, die bei einer Definition zu berücksichtigen wären.[12]

2.2 Geschichte der Migration weltweit

„Immer war ein erheblicher Teil der Menschheit in Bewegung, auf der Wanderung oder auf der Flucht, aus verschiedenen Gründen, auf gewaltförmige oder friedliche Weise – eine Zirkulation, die zu fortwährenden Turbulenzen führen muß. Es handelt sich um einen chaotischen Prozeß, der jede planende Absicht, jede langfristige Prognose zunichte machen muß.“[13] Dieses Zitat von Hans Magnus Enzensberger beschreibt die Geschichte der Menschheit beziehungsweise die Geschichte der Migration der Menschheit. Seitdem es Menschen gibt, befinden sich diese „auf der Wanderung oder auf der Flucht“.[14]

Wanderungsbewegungen finden sich schon in der frühesten Geschichte, beispielsweise in der Verbreitung der Kimmerier um 700 v. Chr., die vor den Skythen von der Krim aus über den Kaukasus nach Süden vertrieben werden.[15] Eine der bekanntesten historischen Wanderungsbewegungen ist die sogenannte Völkerwanderung der germanischen Völker im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. in Europa.[16] Ab dem 17. Jahrhundert kommt es zu einer Trendwende. Sind es vorher noch Bewegungen großer Gruppierungen (Völker oder Stämme) gewesen, so kommt es nun zur Migration kleinerer Gruppen oder einzelner Menschen. Exemplarisch hierfür ist die Einwanderung nach Nordamerika ab dem Ende des 17. Jahrhundert.

Die Gründe für die Migration im 20. Jahrhundert sind vor allen Dingen in Kriegen zu sehen. So kommt es nach dem Zweiten Weltkrieg zu Zwangsmigrationen in Mittel- und Osteuropa und auch in den 1980er und 1990er Jahren steigt die Zahl der Migrantinnen und Migranten in Folge von Bürgerkriegen in Afrika oder auf dem Balkan. Parallel zur Migration durch Kriege und derartige Konflikte steigt ebenfalls die Migration aus wirtschaftlichen Gründen in Folge der Globalisierung, aber auch religiöse, ethnische und umweltbedingte Faktoren sind zu berücksichtigen.

[...]


[1] Vgl.: http://www.nwzonline.de/schule/migranten-fordern-bessere-bildungschancen_a_6,1,406337042 0.html

[2] Vgl.: http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13573384/Migranten-fordern-bessere-Bildungschancen.html

[3] Sarrazin, Thilo: Deutschland schafft sich ab, S. 316.

[4] http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/langenfeld/nachrichten/bildung-von-alten-und-jungen-migranten-verbessern-1.3328578

[5] http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/hessen-hahn-fordert-bessere-bildungsangebote-fuer-migranten-12134945.html

[6] http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13573384/Migranten-fordern-bessere-Bildungschancen.html

[7] Radler, Rudolf (Redaktionsleitung):Das Bertelsmann Lexikon in 24 Bänden, Band 15, S. 6612 „Migration“.

[8] Ebd. Band 6, S. 2538 „Einwanderung“.

[9] http://www.bpb.de/themen/1AW5S0,0,0,Formen_der_Migration.html

[10] Düvell, Franck: Europäische und internationale Migration, S. 5.

[11] Ebd. S. 6.

[12] Düvell, Franck: Europäische und internationale Migration, S. 7-10.

[13] Enzensberger, Hans Magnus: Die große Wanderung, S. 9f.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Kinder, Hermann: Atlas zur Weltgeschichte, S. 24.

[16] Vgl. Ebd. S. 118.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bildung und Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät - Fachgruppe Erziehungs- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar Die "Popularisierung des Sozialrassismus" im Zeichen von Migrationsdebatten
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V272225
ISBN (eBook)
9783656636168
ISBN (Buch)
9783656636175
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Migration, Migranten, Kinder, Jugendliche, Sarrazin, Sozialrassismus, Migrationsdebatte
Arbeit zitieren
Christoph Kurth (Autor), 2013, Bildung und Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272225

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