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Der zagel als dispositives Phänomen in dem maere „der turnei von dem zers“

Titel: Der zagel als dispositives Phänomen in dem maere „der turnei von dem zers“

Hausarbeit , 2013 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Marissa Duchon (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das maere „der turnei von dem zers“ polarisiert seine Rezipienten aufgrund seiner Direktheit bei der Beschreibung der erotischen und sexuellen Inhalte. So wird beispielsweise die Kastrationshandlung ohne Umschreibungen oder Zensuren thematisiert. Wie bei vielen anderen mittelalterlichen Texten, muss der Leser das Abtrennen des Geschlechtsorgans vom Körper der männlichen Hauptfigur ganz wörtlich nehmen, was auf eine Leserschaft, die größtenteils neuere deutsche Literatur konsumiert, zunächst irritierend, aber auch interesseweckend wirken kann. Dieser inhaltlich-stilistischen Besonderheit ist es geschuldet, dass der Penis ganz ohne Körper agieren und Funktionen innerhalb des maere übernehmen kann. Im Laufe des maere macht sich der zagel verschiedene Eigenschaften und Funktionen zu eigen und wird zu einer selbstständigen und von anderen Figuren unabhängigen Person. Besonders interessant ist es deshalb, die Figur des zagel aus diskursanalytischer Sicht zu analysieren. Folgende Überlegungen sollen
Gegenstand meiner Arbeit sein: Ich werde untersuchen, ob dem maere „der turnei von dem zers“ auf struktureller Ebene spezialdiskursive Bestandteile zugrundeliegen und ob man den Text als
interdiskursiv betrachten kann. Auf der inhaltlichen Ebene werde ich prüfen, ob die Figur des zagel innerhalb der verschiedenen Spezialdiskurse in die er eingebunden ist, jeweils unterschiedliche Eigenschaften aufweist und, ob er seine Rollenfunktionen wechselt. Ziel ist es die Eigenschaften und Funktionen des zagel spezifischen Spezialdiskursen die im Text thematisiert werden zuzuordnen.

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitende Bemerkungen

2. Diskurs, Spezialdiskurs und Interdiskurs

2.1. Definition Diskurs

2.2. Definition Spezialdiskurs

2.3. Definition Interdiskurs und Dispositiv

2.4. Literatur als interdiskursives Phänomen

3. „Der turnei von dem zers“ als interdiskursiver Text

3.1. Spezialdiskurs minne

3.2. Spezialdiskurs riterschaft

3.3. Spezialdiskurs arzatie

3.4. Spezialdiskurs klonster

3.5. Spezialdiskurs hof

4. Der zagel und seine Funktion innerhalb der Spezialdiskurse

4.1. Der zagel und minne

4.2. Der zagel und riterschaft

4.3. Der zagel und arzatie

4.4. Der zagel und Kloster

5. Abschließende Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das mittelalterliche Maere „Der turnei von dem zers“ aus einer diskursanalytischen Perspektive, um zu prüfen, ob der Text als interdiskursiv betrachtet werden kann und wie die abgetrennte Figur des „zagel“ (Penis) innerhalb verschiedener Spezialdiskurse jeweils unterschiedliche Rollenfunktionen und Eigenschaften annimmt.

  • Diskursanalyse nach Foucault und Jürgen Link
  • Interdiskursivität mittelalterlicher Literatur
  • Analyse der verschiedenen Spezialdiskurse (minne, riterschaft, arzatie, klonster)
  • Untersuchung der Funktionalität und Personifizierung der Figur „zagel“

Auszug aus dem Buch

4.3. Der zagel und arzatie

Nachdem der Ritter sich selbst kastriert hat, bestreicht er die frisch operierte Körperstelle mit einem Medikament, das die Wundheilung einsetzen lässt: vil schier wart der zagell entrant herabe von dem leibe gar. Er streich der edeln salben dar; die machten hoher meinster drei mit der kunst von Arabei; […] wart er geheilet zuhant.54

Die Begrifflichkeiten, wie Amputation, Medikament, Wundheilung oder Genesung, sind dem medizinischen Diskurs entnommen. Die Salbe selbst wird dadurch in ihrem Wert hervorgehoben, dass sie von hohen meinstern hergestellt wurde. Ihre Wirkungsweise gilt demnach als erforscht und wissenschaftlich belegt. Solange der zagel im medizinischen Spezialdiskurs eingebunden ist, wird er als 'zu dem Körper gehörendes Organ' betrachtet, das man ohne medizinische Versorgung nicht vom Körper schneiden darf.

Die Dame hat dem Ritter die Salbe gegeben, damit er sich beim Amputieren des Penis nicht in Lebensgefahr begeben muss: wan es gilt nit euwer leben. Ich wölt euch ein salben geben,55

Der zagel ist folglich ein Organ, dessen Amputation nicht frei von Risiko ist. Aus medizinischer Sicht ist es notwendig die Blutung zu stillen und die Wunde mit Desinfektionsmitteln keimfrei zu machen um Infektionen vorzubeugen.56 Wichtig ist dabei, dass der zagel erst durch das Entfernen vom Körper des Ritters physische Selbstständigkeit erfährt. Er wird zwar durch das Abtrennen vom Torso zu einer von anderen Personen unabhängigen Figur, dies erfolgt aber erst, nachdem er nicht mehr in den Spezialdiskurs arzatie eingebunden ist.

An früherer Stelle im Text hat er bereits gesprochen und dadurch eigenes Denkvermögen und einen eigenen Willen zum Ausdruck gebracht57 Auffallend ist, dass der zagel während dem Abschneiden und dem Verarzten der Verletzung keine

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Bemerkungen: Die Einleitung stellt das „Maere“ vor, skizziert die diskursanalytische Fragestellung zur Rolle des „zagel“ und legt das Ziel fest, Eigenschaften und Funktionen des zagel spezifischen Spezialdiskursen zuzuordnen.

2. Diskurs, Spezialdiskurs und Interdiskurs: Dieses Kapitel definiert die zentralen theoretischen Begriffe (Diskurs, Spezialdiskurs, Interdiskurs) auf Basis der Theorien von Michel Foucault und Jürgen Link, um eine Grundlage für die Textanalyse zu schaffen.

3. „Der turnei von dem zers“ als interdiskursiver Text: Hier wird geprüft, ob das Werk Wissensbestandteile aus verschiedenen Spezialdiskursen (minne, riterschaft, arzatie, klonster, hof) integriert, wobei sich „hof“ als Dispositiv herausstellt.

4. Der zagel und seine Funktion innerhalb der Spezialdiskurse: In diesem Hauptteil wird analysiert, wie der zagel in den jeweiligen Spezialdiskursen als Werkzeug, Pokal, Organ oder Sünder unterschiedliche Funktionen und Eigenschaften annimmt.

5. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass der Text interdiskursiv ist und der zagel je nach Einbindung in einen Spezialdiskurs seine Rollenfunktion sowie seine Fähigkeit zu denken und zu fühlen verändert.

Schlüsselwörter

Diskursanalyse, Interdiskursivität, Spezialdiskurs, Der turnei von dem zers, zagel, Maere, Mittelalter, minne, riterschaft, arzatie, klonster, Dispositiv, Literaturwissenschaft, Rollenfunktion, Körperorgan

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das mittelhochdeutsche Maere „Der turnei von dem zers“ unter Verwendung der interdiskursiven Literaturanalyse, um die Rolle und die Funktionen der Figur des „zagel“ zu ergründen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft literaturwissenschaftliche Fragestellungen mit diskursanalytischen Konzepten, insbesondere den Bereichen höfische Liebe (minne), ritterliches Leben (riterschaft), mittelalterliche Heilkunde (arzatie) und klösterliche Strukturen (klonster).

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel besteht darin nachzuweisen, dass der „zagel“ (Penis) innerhalb der verschiedenen Diskurse, in die er im Text eingebunden ist, jeweils andere Eigenschaften und Funktionen einnimmt, anstatt eine statische Figur zu sein.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet die interdiskursive Literaturanalyse nach Jürgen Link und lehnt sich dabei an die diskurstheoretischen Grundlagen von Michel Foucault an.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die Interdiskursivität des Textes anhand verschiedener Spezialdiskurse geprüft und anschließend detailliert analysiert, welche spezifischen Funktionen der zagel in den Bereichen minne, riterschaft, arzatie und klonster ausübt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Diskurs, Spezialdiskurs, Interdiskurs, Dispositiv, Literaturanalyse und die spezifische Auslegung des Begriffs „zagel“ als diskursives Phänomen.

Warum wird der „hof“ in der Analyse von den anderen Diskursen abgegrenzt?

Die Autorin grenzt den Bereich „hof“ als „Dispositiv“ ab, da er eine Vernetzung aus mehreren Diskursen und nicht-diskursiven Praktiken darstellt, während die anderen untersuchten Bereiche als eigenständige Diskurse gewertet werden.

Welche Rolle nimmt der „zagel“ im Spezialdiskurs „klonster“ ein?

Im Kontext des Klosters übernimmt der zagel die Rolle des Sünders, der Buße tut. Dies erklärt laut der Analyse, warum er in diesem speziellen Abschnitt des Textes die Fähigkeiten zum Denken und Fühlen zeigt.

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Details

Titel
Der zagel als dispositives Phänomen in dem maere „der turnei von dem zers“
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Proseminar Theorie und Praxis: Methoden der Literaturwissenschaften
Note
1,3
Autor
Marissa Duchon (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V272315
ISBN (eBook)
9783656638681
ISBN (Buch)
9783656638650
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phänomen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marissa Duchon (Autor:in), 2013, Der zagel als dispositives Phänomen in dem maere „der turnei von dem zers“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272315
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Leseprobe aus  21  Seiten
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