Schimpfwörter - jeder nutzt sie, doch über die ursprüngliche Bedeutung ist man sich meist nicht bewusst. In dieser Arbeit stehen die konventionellen Schimpfwörter im Vordergrund; im zweiten Teil der Arbeit werden einige von ihnen beispielhaft etymologisch untersucht, um ihre Wortwurzel frei von pejorisierenden Sprechakten zu betrachten und um zu sehen, ob bereits dort negative oder positive Bewertungen in der Bedeutung vorhanden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unterschied zwischen Schimpfwörtern und Spottnamen
3. Wirkungsweise von Schimpfwörtern
3.1. Schimpfende und Beschimpfte
4. Forschungslage
5. Untersuchung
5.1. Vorgehensweise
5.2. Datenerhebung
5.3. Analyse
6. Exkurs: Schimpfen und kosen mit einem Wort
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht konventionelle Schimpfwörter auf ihren semantischen und etymologischen Hintergrund, um zu klären, inwieweit ursprüngliche Wortbedeutungen heute noch in pejorisierenden Sprechakten verankert sind und welche soziale Dynamik hinter ihrer Anwendung steht.
- Semantisch-etymologische Analyse ausgewählter Schimpfwörter
- Unterscheidung zwischen Schimpfwörtern und Spottnamen
- Soziale und pragmatische Wirkungsweise von Beschimpfungen
- Verhältnis zwischen Beleidigung und kosender Verwendung (Doppelbelegung)
- Einfluss von Geschlecht und sozialem Kontext auf den Schimpfwortgebrauch
Auszug aus dem Buch
3. Wirkungsweise von Schimpfwörtern
Hornscheidt bewertet die Annahme „von einer den Wörtern inhärenten beleidigenden oder diskriminierenden Dimension, die sich auch in ebendieser Begrifflichkeit pejorative Lexik ebenso wiederfindet wie in dem Ausdruck Schimpfwörter“, als fehlerhaft, denn „inwiefern und warum diese Wörter in der konventionalisierten Lesweise einer Gesellschaft als Beschimpfungen aufgefasst werden, wird dabei nicht weiter thematisiert.“ Er sieht den beleidigenden Akt in der Pragmatik der sprachlichen Handlung: „Aus einer konstruktivisch pragmatischen Perspektive ist es wichtig, dass eine Beschimpfung immer nur im konkreten Handlungszusammenhang zur Beschimpfung wird und nicht den Wörtern oder der Sprache an sich eine Beschimpfungsleistung oder kontextlose –dimension innewohnt.“ Diesem wird hier nur teilweise zugestimmt. Die meisten Schimpfwörter werden unreflektiert gebraucht, da die ursprüngliche Bedeutung inzwischen nicht mehr ersichtlich ist. Ebenso ist zu beachten, dass viele Schimpfwörter auch in wertfreien Kontexten nutzbar sind, wie beispielsweise das konventionalisierte Tierschimpfwort Esel. Ungeachtet dessen „sind darunter auch Worte, die überwiegend in Beschimpfungen gebraucht werden, wie z.B. Hornochse oder Mistkerl,“ wirft Marten-Cleef ein. Bestimmte Wörter beinhalten folglich eine höhere Beschimpfungsleistung als andere. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn bereits die ursprüngliche Bedeutung dieser Wörter negativ besetzt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Grundstein der Untersuchung, definiert das Forschungsinteresse an der Etymologie und dem Funktionswandel von Schimpfwörtern und grenzt die Thematik ein.
2. Unterschied zwischen Schimpfwörtern und Spottnamen: In diesem Kapitel werden die begrifflichen Abgrenzungen zwischen Schimpfwörtern, Spott-, Schelt- und Schmähnamen auf Basis ihrer soziolinguistischen Anwendung und Wirkung analysiert.
3. Wirkungsweise von Schimpfwörtern: Das Kapitel beleuchtet die pragmatische Dimension von Beleidigungen, einschließlich der Konzepte von Face-Verletzungen, sozialer Verortung und dem Einfluss des Geschlechts auf den Wortgebrauch.
4. Forschungslage: Hier wird ein Überblick über bestehende wissenschaftliche Diskurse und die Bedeutung von Schimpfwörterbüchern für die deskriptive Linguistik gegeben.
5. Untersuchung: Der Hauptteil der Arbeit umfasst die methodische Vorgehensweise, die Datenerhebung und die detaillierte semantisch-etymologische Einzelwortanalyse von ausgewählten Schimpfwörtern.
6. Exkurs: Schimpfen und kosen mit einem Wort: Dieser Abschnitt untersucht die sprachliche Doppelbelegung, bei der ein und dasselbe Wort sowohl als Beleidigung als auch als Koseform verwendet werden kann.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Beständigkeit von Schimpfwörtern, deren Situationsabhängigkeit und die Rolle der Etymologie für das Verständnis heutiger Pejorisierungen zusammen.
Schlüsselwörter
Schimpfwörter, Etymologie, Pejorisierung, Sprachhandlung, Semantik, Beleidigung, Kosenamen, Tabuwörter, Soziolinguistik, Face-Verletzung, Diskriminierung, Wortwandel, Konventionalisierung, Pragmatik, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachliche Herkunft und die aktuelle Verwendung von Schimpfwörtern im Deutschen, um deren beleidigende Kraft und deren soziale Funktion zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung von Schimpf- und Spottnamen, die Rolle der Etymologie bei der Entstehung von Schimpfwörtern sowie die psychologische Wirkung von Beschimpfungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Wortwurzeln ausgewählter Schimpfwörter zu untersuchen und zu prüfen, ob negative Bewertungen bereits etymologisch in den Begriffen verankert sind oder durch den Sprachgebrauch entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Einzelwortanalyse durchgeführt, die auf etymologischen Wörterbüchern, Schimpfwörterbüchern und historischen Belegen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Kategorisierung von Schimpfwörtern nach Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Verhalten sowie der detaillierten Untersuchung von Begriffen wie „Fotze“, „Krüppel“ oder „Wucherer“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schimpfwörter, Pejorisierung, Etymologie, pragmatische Sprachhandlung und der Wandel von der Beschimpfung zur Koserelation.
Was unterscheidet ein Schimpfwort von einem Kosenamen?
Während Schimpfwörter der Abwertung des Gegenübers dienen, werden Kosenamen genutzt, um emotionale Nähe auszudrücken, wobei manche Wörter durch Intonation und Kontext in beide Kategorien fallen können.
Warum spielt das soziale Geschlecht bei der Analyse eine Rolle?
Die Untersuchung zeigt, dass sich Schimpfwortgebrauch und Wortwahl oft nach geschlechtsspezifischen Normen und Rollenbildern richten, was die diskriminierende Wirkung einiger Wörter verstärkt.
Können rassistische Begriffe wie „Mohr“ noch heute als Schimpfwörter betrachtet werden?
Die Analyse verdeutlicht, dass Begriffe wie „Mohr“ aufgrund ihrer kolonialen Geschichte rassistisch konnotiert sind und heute wissentlich aus dem aktiven Gebrauch entfernt werden.
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- BA Antonia Riedel (Author), 2013, Schimpfwörter. Eine semantisch-etymologische Untersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272320