Strategiegetriebene Geschäftsarchitekturen


Bachelorarbeit, 2010

55 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition, Einordnung und Nutzen der Business Architecture
2.1. Begriffsklärung und Einordnung
2.2. Frameworks zur Gestaltung von Unternehmensarchitekturen
- Zachman Framework©
- Extended Enterprise Architecture Framework
- The Open Group Architecture Framework & Architecture Development Method
2.3. Nutzen aus dem Einsatz der Geschäftsarchitektur

3. State of the Art im Bereich der Gestaltung von Geschäftsarchitekturen
3.1. Whittle & Myrick
3.2. Reynolds
3.3. Moser
3.4. Weitere Ansätze
3.5. Vergleich der Ansätze von Whittle, Reynolds und Moser

4. Die strategiegetriebene Geschäftsarchitektur – Anforderungen, Bestandteile, Vorgehen
4.1. Mindestanforderungen an die Geschäftsarchitektur
4.2. Bestandteile einer optimal gestalteten Geschäftsarchitektur
4.3. Vorgehensweise zur Erstellung strategiegetriebener Geschäftsarchitekturen
4.4. Geschäftsarchitektur als Projekt
4.4.1. Projektkosten
4.4.2. Business Architecture Scorecard – Mess- und Warnsystem
4.4.3. Probleme und Hindernisse

5. Schlussbetrachtung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abb. 1 Architekturpyramide

Abb. 2 Ordnungsrahmen für Unternehmensarchitekturen

Abb. 3 Einordnung Geschäftsarchitektur (frei nach Reynolds)

Abb. 4 Struktur und Inhalt des Zachman-Frameworks

Abb. 5 TOGAF Enterprise Architecture Framework

Abb. 6 EBA als Bindeglied zwischen Strategie und Umsetzung

Abb. 7 EBA-ML Übersicht

Abb. 8 Business Architecture nach Reynolds

Abb. 9 Modulare Geschäftsarchitektur am Beispiel des Beschaffungsprozesses

Abb. 10 Bestandteile der Geschäftsarchitektur

Abb. 11 Fünf Schritte zur strategiegetriebenen Geschäftsarchitektur

Abb. 12 Kontextdiagramm am Beispiel des Bauamts

Abb. 13 Ausschnitt BPMN Diagramm Baugenehmigung IST (oben) SOLL (unten)

Abb. 14 Ausschnitt BPMN Diagramm Beratungsprozess (Soll)

Abb. 15 Verbindung von Schlüsselkompetenzen, Prozessen und Geschäftseinheiten

Abb. 16 Organigramm Abteilung Bauwesen und Umweltschutz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Vergleich der Ansätze zur Erstellung einer Geschäftsarchitektur

Tabelle 2 Strategien, Ziele und Lösungsansätze am Beispiel des Bauamtes

Tabelle 3 Geschäftsobjekte in den Prozessen des Bauamtes

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das einzig Konstante in der heutigen Welt ist die kontinuierliche Veränderung und Adaptation. [1 S. 49] Immer kürzere Innovations-, Produkt- und Technologielebenszyklen stellen eine Herausforderung dar und erfordern das Überdenken und das Anpassen der bestehenden Geschäftsmodelle an die Marktanforderungen. Daher ist es wichtig für Unternehmen flexible und anpassbare Strukturen zu haben. Hier setzt die Idee der gezielten Erstellung von Unternehmens- und vor allem Geschäftsarchitekturen an.

Die strategische Unternehmensführung spielt in dieser Zeit des schnellen und stetigen Wandels eine entscheidende Rolle, um auf dem Markt erfolgreich zu sein und es zu bleiben. Die Hauptaufgaben des Managements sind dabei neben der Pflege der Unternehmenskultur, vor allem die Entwicklung einer unternehmensweiten Vision, die Planung und Gestaltung darauf aufbauender Strategien und Ableitung von Zielen, sowie die Planung von strategischen Maßnahmen. [2 S. 13] Die meisten Unternehmen haben Ziele und Strukturen der einzelnen Abteilungen dokumentiert und haben ein grundsätzliches Verständnis der Prozesse und Funktionen, die sie ausführen. Es fehlt jedoch eine standardisierte Dokumentation, die Sicht auf das gesamte Unternehmen und vor allem der Blick in die Zukunft, wenn auch die meisten Manager eine Vision für die Zukunft haben bzw. diese als selbstverständlich ansehen, obwohl aktuelle Studien belegen, dass Führungskräfte Strategien und Ziele des eigenen Unternehmens insgesamt nicht vollständig kennen. [3 S. 7][4 S. 4] Die Strukturen der Wertschöpfungsketten bzw. Geschäftsprozesse entscheiden heutzutage aufgrund einer in allen Branchen zu findenden Umfelddynamik über den unternehmerischen Erfolg oder Misserfolg. Mit der Steuerung, Gestaltung und Weiterentwicklung der betrieblichen Abläufe und der dazugehörigen organisatorischen Einheiten soll die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen und gleichzeitig der Kunde zufrieden gestellt werden. [5 S. 4] In der Praxis sind häufig uneinheitlich dokumentierte, veraltete und unvollständige Prozesslandschaften zu finden, die fast ausschließlich von den Verfassern verstanden werden. [6 S. 19] Die Modellierung der Geschäftsprozesse im Ist-Zustand wird in den meisten Fällen durch Qualitätsmanagement-Zertifizierungen, Compliance-Anforderungen oder Business-Process-Reengineering-Vorhaben initiiert und nach der Zertifizierung wieder zur Seite gelegt und es wird dem Tagesgeschäft nachgegangen ohne die Optimierungspotenziale weiter zu entwickeln. [7 S. 91] Somit wird das Management von Geschäftsprozessen immer stärker zum Wettbewerbsfaktor und kritischem Erfolgsfaktor und steht damit immer mehr im Mittelpunkt der strategischen Unternehmensführung. [5 S. 4]

In den letzten Jahren wurde viel über die Unternehmensarchitekturen (engl. Enterprise Archi-tecture) geschrieben, geforscht und diskutiert. Es wurden mehrere Definitionen, Modelle und Frameworks entwickelt. Eindeutig wächst die Bedeutung einer optimal gestalteten Unternehmenslandschaft, was auch verschiedene Befragungen unter den Führungskräften bestätigen. Das gesamte Spektrum an Vorteilen einer Enterprise Architecture und ihrer Bestandteile wird jedoch noch nicht genügend ausgenutzt. [1 S. 15 f., 263 ff.] Es gibt nur wenig Literatur, die sich eingehend mit dem Thema der Business Architecture beschäftigt, meistens, wenn überhaupt, wird es grob bei der Besprechung der Unternehmensarchitektur mit abgehandelt. Das Interesse an dieser Thematik ist jedoch deutlich gestiegen, was in verschiedenen Initiativen und Artikeln zur Geschäftsarchitektur, deren Nutzen, Erstellung und Planung, mündete. Leider haben sie alle eins gemeinsam – nämlich das Fehlen eines konkreten Bebauungsplans und Vorgehensweise zur Erstellung einer auf der Unternehmensstrategie basierenden, konsistenten Business Architecture.

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es daher ein Standardverfahren zur Erstellung einer strategiebasierten Geschäftsarchitektur vorzustellen. Es findet eine Einordnung der Geschäftsarchitektur in die Unternehmensarchitektur statt, eine Übersicht über die Frameworks zur Erstellung einer Unternehmensarchitektur mit Bezug zur Geschäftsarchitektur wird gegeben, die bestehenden Ansätze zur Business Architecture werden kurz vorgestellt und verglichen und es wird auf den Nutzen und die Relevanz einer optimal gestalteten Geschäftsarchitektur eingegangen. Die damit zusammenhängenden Begriffe werden erklärt und ein Anstoß zur Schaffung einer Business-Architecture-Kultur gegeben.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zuerst werden die wichtigsten Begriffe geklärt, der Nutzen einer Geschäftsarchitektur erläutert und die Geschäftsarchitektur in den Gesamtbebauungsplan des Unternehmens, also die Unternehmensarchitektur, eingeordnet. Danach werden die bestehenden Ansätze zur Erstellung einer Geschäftsarchitektur von Whittle & Myrick, Reynolds sowie Moser beschrieben und miteinander verglichen. Im dritten Teil wird ein Framework zur Erstellung einer strategiegetriebenen Business Architecture vorgestellt und an einem Praxisbeispiel näher erläutert.

2. Definition, Einordnung und Nutzen der Business Architecture

2.1. Begriffsklärung und Einordnung

In der Architekturpyramide werden idealtypisch die unterschiedlichen Architekturen eines Unternehmens abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Architekturpyramide (frei nach [8 S. 39])

Die Geschäftsarchitektur nimmt einen hohen Stellenwert in der Hierarchie ein (Siehe in Abb. 1), sie wird von der Strategie beeinflusst und steht über allen anderen Architekturen im Unternehmen. Die Pyramide verdeutlicht jedoch noch etwas sehr typisches für viele Unternehmen – die Vision und Strategie stehen zwar sehr weit oben, nehmen jedoch am wenigsten Platz ein und es wird am wenigsten in die Erarbeitung dieser investiert. Dabei ist die richtige Strategie die Grundlage für alle weiteren Überlegungen, im speziellen für den Bebauungsplan, die Geschäftsarchitektur, die technische Architektur und die Infrastruktur.

Eine treffendere Darstellung der Stellung der Geschäftsarchitektur, wie sie sein sollte, stellt der Ordnungsrahmen für Unternehmensarchitekturen dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Ordnungsrahmen für Unternehmensarchitekturen [9 S. 641]

Die Geschäftsarchitektur beschreibt die grundlegenden Strukturen und Anforderungen des Geschäfts und bestimmt somit die Anforderungen für die IT-Landschaft. Die Unternehmensstrategie wird von der Geschäfts- und IT-Architektur gleichermaßen getragen und geteilt. Sie steht im Zentrum aller Überlegungen und ist die Grundlage für die Bebauungsplanung der einzelnen Architekturen und der gesamten Unternehmensarchitektur. [9 S. 641] Der direkte Einfluss der Business Architecture auf die technische Architektur zeigt sich in den Unternehmensfunktionen und Prozessen, die direkt den Ertrag des Unternehmens beeinflussen und unmittelbar mit dem Kunden zusammen hängen. Aus der Prozesslandschaft können wichtige Anforderungen an die Anwendungsarchitektur abgelesen werden, wie z.B. welche Daten wann benötigt werden und wie die Datenflüsse im gesamten Unternehmen aussehen müssen. [10] Jede Veränderung der Geschäftsarchitektur führt zu einer Veränderung der technischen Seite, ob es sich um neue Hardware, Software, Telekommunikationssystem oder nur parametrische Anpassungen handelt. [11 S. 5]

Um ein besseres Verständnis dessen, was die einzelnen Architekturen sind und woraus sie bestehen, zu schaffen, werden nachfolgend diese definiert und erläutert.

Eine Geschäftsarchitektur (in der Literatur auch Facharchitektur genannt, engl. Business Architecture) ist eine Darstellung dessen, was das Unternehmen macht, wie es mit seinem Umfeld interagiert und wie es sich in der Zukunft entwickeln will. [3 S. 7] Sie beinhaltet u.a. Geschäftsprozesse, Aufgaben, Geschäftsobjekte, Organisationsstrukturen, Richtlinien und die Leistung (Produkte/Dienstleistungen) eines Unternehmens und beschreibt die Umsetzung des Geschäftsmodells. [4 S. 2 ff.] Das Geschäftsmodell umfasst die Leistungserstellung, also Produkte oder Dienstleistungen, und beinhaltet die Mission, Vision, Strategie und Ziele des Unternehmens. Die Prinzipien und Handlungsweisen werden durch festgelegte Unternehmensrichtlinien und Regeln festgesetzt und sind eine Ergänzung zu den rechtlichen Rahmenbedienungen. Die Organisationsarchitektur beschreibt Strukturen, Kooperationen und Beziehungen innerhalb des Unternehmens, sowie die Verknüpfungen mit dem Unternehmensumfeld. Den Kern der Geschäftsarchitektur stellt die Prozessarchitektur dar, die die betrieblichen Geschäftsprozesse und deren Beitrag zur Leistungserstellung abbildet. [12 S. 426 ff.] Das Unternehmensprozessmodell kann als Teil der Geschäftsarchitektur gesehen werden. Es bildet die Gesamtheit aller Geschäftsprozesse ab, verdeutlicht die betriebliche Leistungserbringung aus ablauforientierter Sicht, beschreibt die benötigten Ressourcen und stellt die Ausgangsbasis für die Gestaltung, Steuerung und Entwicklung eines auf Prozessen basierten Organisationsrahmens. [5 S. 41] Eine Geschäftsarchitektur kann als eine Blaupause des Unternehmens, die ein gemeinsames und ganzheitliches Verständnis einer Organisation wieder gibt und die dazu verwendet wird strategische Ziele und operative Anforderungen zusammen zu bringen, verstanden werden. [13 S. 6]

In der Anwendungsarchitektur (engl. Application Architecture) werden Applikationen also Anwendungen und ihre Wechselwirkungen sowie deren Beziehungen zu den Geschäftsprozessen beschrieben. Die logischen Strukturen der Daten, deren Nutzung, Verarbeitung, Speicherung und Datenmanagement werden in der Informationsarchitektur abgebildet. Die technische Architektur oder Infrastrukturarchitektur beschreibt die zum Betrieb der Applikationsarchitektur benötigte Soft-, Hardware und Netzwerkinfrastruktur. [12 S. 428] Die Daten-Architektur stellt die Schnittstelle zwischen den fachlichen Inhalten aus der Geschäftsarchitektur und der Informationstechnologie dar. Hier werden die beteiligten Geschäftsobjekte, Informationen und Daten abgebildet. [14 S. 13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Einordnung Geschäftsarchitektur (frei nach Reynolds) [3 S. 134]

Die Enterprise Architecture stellt einen Mechanismus dar, der die Kommunikation über die wichtigsten Elemente und die Funktionsweise des Unternehmens befähigt. [15 S. 14] Hinter der Unternehmensarchitektur steht die Idee, die wichtigsten Artefakte eines Unternehmens und deren Beziehungen in Form von Modellen abzubilden. Die Modelle beschreiben auf einer aggregierten Ebene die gegenseitigen Abhängigkeiten der Gestaltungsgegenstände im Ist-Zustand zum Zwecke der Dokumentation und Analyse oder im Soll-Zustand, um eine zukunftsorientierte Planung zu ermöglichen. [16 S. 292] Sie helfen durch Dekomposition in Einzelteile das gesamte Unternehmen zu verstehen und sind wichtig, um komplizierte Sachverhalte zu visualisieren und diese zu kommunizieren. Durch eine Unternehmensarchitektur werden vor allem zwei Ziele verfolgt: Das eine ist das Business/IT-Alignment, also der Abgleich der Geschäftsstrukturen und -ziele mit den IT-Zielen und das andere und wahrscheinlich sogar wichtigere Ziel ist es nicht nur das Unternehmen heute, sondern das Unternehmen, wie es in der Zukunft aussehen sollte und aufgestellt sein sollte, abzubilden. Für das Business/IT-Alignment ist es wichtig, dass von beiden Seiten eine und dieselbe Vision und die zukunftsgerichtete strategische Ausrichtung des Unternehmens, verfolgt wird. Die technische Seite sollte die Businessseite unterstützen und nicht wie es heute oftmals ist, diese beherrschen und steuern. Es soll eine Sicht auf das Unternehmen geschaffen werden, die von allen geteilt wird. [1 S. 51 ff.] Es ist von entscheidender Bedeutung für Unternehmen, um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben, die Anforderungen des Business mit der IT zu verknüpfen. [1 S. 29] Um das zu bewerkstelligen, reicht es nicht aus, nur die technische Seite zu planen und eine vollständige und gut funktionierende Architektur für diesen Teil zu bauen, sondern es muss eine Geschäftsarchitektur mit entsprechenden Schnittstellen zur IT, den Anwendungen und Daten etc. erstellt werden. [10] Die Enterprise Architecture kann als Metamodell zur Herstellung eines Business/IT-Alignments, das gewährleistet, dass es zwischen der Business und der IT-Architektur gleiche Modellelemente und Verbindungen gibt, gesehen werden. [13 S. 8] Das Alignment kann u.a. auch über die Kostenstruktur des Unternehmens geschaffen werden, wenn die IT-Kosten den Prozessen und Produkten zugeordnet werden können, und eine Transparenz über die IT-Kosten geschaffen wird. Die ursachengerechte Aufteilung der Kosten trägt nicht nur zur stärkeren Vernetzung der IT mit dem Business, sondern führt auch weg von der Sicht der IT als Kostenfaktor. [17]

Schließlich ist es die Rolle der Enterprise Architecture die Geschäfts- und die technische Architektur durch das Enterprise Architecture Management zusammen zu führen. [7 S. 61]

Das Enterprise Architecture Management (EAM) umfasst die Entwicklung, Auswahl und das Management von Architekturen – hierzu gehört sowohl die Gesamtunternehmensarchitektur, die Geschäftsarchitektur als auch die technische Architektur. [8 S. 42] Eines der Hauptziele des EAMs ist dabei die Herstellung des „Alignments“ zwischen der Business und der IT-Seite, also des optimalen Zusammenspiels zwischen beiden Seiten und das gemeinsame Verfolgen der Unternehmensziele. [18 S. 14] Das fachliche Bebauungsmanagement als Teil des EAMs ist ausgerichtet auf die Geschäftsprozesse, Produkte und die Organisationsstrukturen des Unternehmens mit der Ausrichtung auf Unternehmensziele und wird häufig eng mit dem Prozessmanagement verknüpft.

Das fachliche Bebauungsmanagement oder Geschäftsarchitekturmanagement (engl. Enterprise Business Architecture Management) befasst sich mit der Gestaltung der fachlichen Landschaft des Unternehmens – den Geschäftsprozessen, Funktionen, Produkten, Geschäftseinheiten und Geschäftsobjekten im Ist- und Sollzustand, also mit der Planung, Steuerung und Entwicklung der Businessseite. Entscheidend sind hierbei die Strukturen der fachlichen Bebauung, die Rollen, sowie Prozesse und ihre Integration in die Organisation. Eine Schlüsselrolle im Enterprise Business Architecture Management kommt dem Bebauungsplaner, der für die Dokumentation, Analyse und Gestaltung der Prozesse, fachlichen Funktionen, Produkte, Geschäftseinheiten und -objekte, sowie deren Zusammenspiel verantwortlich ist. Diese Aufgaben können mehreren Personen zugeteilt werden, es sollte jedoch dabei stets darauf geachtet werden den Abstimmungsaufwand so gering wie möglich und den Kreis der Verantwortlichen eng zu halten. [7 S. 91 ff.]

Business Process Management (BPM) ist die Gesamtheit der Aktivitäten, die notwendig sind um eine effektive Gestaltung und Weiterentwicklung der Organisation zu gewährleiten und um fachliche Prozesse zu bearbeiten und zu messen. Es wird ein fachliches und ein technisches BPM unterschieden. Im fachlichen BPM werden Geschäftsprozesse aus betriebswirtschaftlicher Sicht gestaltet, dies beinhaltet Themen, wie Prozessstrategie, -gestaltung, -implementierung und -controlling. Die technische BPM befasst sich hingegen mit der IT Unterstützung der fachlichen Prozesse. [14 S. 15 f.] Vor allem das fachliche BPM spielt in der Gestaltung, Implementierung und Wartung der Geschäftsarchitektur eine wichtige Rolle. Das BPM kann als Teil der Business Architecture gesehen werden.

Eins der wichtigsten Bestandteile der Geschäftsarchitektur stellen demnach die Prozesse dar. Ein Prozess wird dabei definiert als ein durch ein Ereignis ausgelöster Ablauf von Aktivitäten und/oder Zuständen, der Auswirkungen hat und Ergebnisse liefert. [19] Prozesse können in Schlüssel- bzw. Primär- und Support- bzw. Sekundärprozesse eingeteilt werden. Schlüsselprozesse repräsentieren die Kernkompetenz des Unternehmens und sind direkt wertschöpfend, sie richten sich auf den Kunden aus und generieren unmittelbar einen Wert für diesen. Supportprozesse, wie der Name schon sagt, sind unterstützende Prozesse, die unmittelbar oder mittelbar für die betriebliche Wertschöpfung notwendig sind. [5 S. 29 f., 40] Ein Geschäftsprozess ist ein durchgängiger Prozess (Schlüssel- oder Supportprozess), der einen Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens leistet und sich am Kunden orientiert. [7 S. 73]

Grundsätzlich können Prozesse in drei hierarchisch zusammenhängende Ebenen eingeteilt werden. Die Makroebene hat den höchsten Abstraktionsgrad, somit auch den geringsten Detailierungsgrad. Sie gibt nur einen groben Überblick über die betrieblichen Abläufe des Unternehmens und beinhaltet eine Kategorisierung in Schlüssel- und Supportprozesse. Sie beschreibt faktisch den Gegenstand des Unternehmens. Die Mesoebene gehört zu dem Bereich des strategischen Managements und bildet die Prozesse (Schlüssel- und Supportprozesse) kategorisiert nach Geschäftsobjekten, ab. Die dritte Ebene ist die Mikroebene, die einen operativen Charakter hat, sehr detailliert ist und die tatsächlichen Ablaufstrukturen abbildet. Sie stellt die Konkretisierung der Mesoebene dar. [5 S. 36 ff.] Die Mesoebene der Prozesse ist der Idee der Geschäftsarchitektur am nächsten und stellt den Detaillierungsgrad dar, auf dem diese modelliert werden sollte.

2.2. Frameworks zur Gestaltung von Unternehmensarchitekturen

Ein Framework ist eine Sammlung von Elementen, die zusammengefügt werden um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. [6 S. 38] Es ist ein Konstrukt, das an unterschiedliche Gegebenheiten angepasst werden kann, um bestimmte Anforderungen und Bedürfnisse zu erfüllen und komplexe Sachverhalte darzustellen. [3 S. 125]

Die meisten Ansätze zur Gestaltung von Unternehmensarchitekturen befassen sich hauptsächlich mit der technischen Seite dieser. Es gibt jedoch auch welche, die explizit und ausführlich auf die Business Architecture eingehen. Um den Zusammenhang zwischen der Architektur des gesamten Unternehmens und der Geschäftsarchitektur aufzuzeigen und einen Anstoß zur Gestaltung des Metamodells (hier der Enterprise Architecture), werden nachfolgend die wichtigsten Frameworks kurz beschrieben:

- Zachman Framework ©

Das Framework wurde bereits in den 1980ern vorgestellt und ist nicht nur das bekannteste, sondern auch der Grundstein für alle weiteren und aktuellen Überlegungen zur ganzheitlichen Betrachtung von Architekturen.[7 S. 61]

Das Unternehmen wird im Zachman-Framework aus sechs Perspektiven betrachtet: Daten, Funktionen, Architektur, Organisation, Zeiten und Motivation. Dies wird auch unter den sechs W-Fragen zusammengefasst: Was? Wie? Wo? Wer? Wann? Warum? Jede dieser Perspektiven ist unterteilt in sechs Ebenen, die einen unterschiedlichen Detaillierungsgrad der Inhalte haben. [14 S. 11 f.] Die Inhalte der Geschäftsarchitektur finden sich vor allem in den ersten beiden Zeilen: der Zielsetzung des Geschäftsbereichs und dem betriebswirtschaftlichem Modell des Geschäfts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Struktur und Inhalt des Zachman-Frameworks [14 S. 12]

Für die Füllung der Matrixfelder gibt es kein standardisiertes Verfahren, dadurch entsteht eine Ansammlung von Informationen und Modellen, die relativ unabhängig voneinander gestaltet werden und nicht miteinander abgestimmt sind. Es ist ein statisches Framework, das vor allem für die Erstellung eines Ist-Zustands der Unternehmensarchitektur verwendet werden kann, um eine Basis für weitere architektonische Überlegungen zu liefern. [14 S. 11 f.]

- Extended Enterprise Architecture (E2A) Framework

Das E2A-Framework hat vier Schichten: Business, Informationen, Informationssysteme und technologische Infrastruktur, die ähnlich dem Zachman-Framework in einer Matrix mit sechs dazugehörigen Fragen zusammengefasst werden und worin die wichtigsten Aspekte der Unternehmensarchitektur beleuchtet werden. In der Business-Schicht werden Geschäftsstrukturen, Relationen, Beziehungen, Aktivitäten und Aufgaben definiert. Die zweite Schicht beschreibt die Informationsflüsse und Charakteristika innerhalb des Geschäftsbereiches, sowie eine Beschreibung der Informationsbewegungen und Sicherheitsbedingungen, die von den Informationssystemen und der technischen Architektur gefordert werden. Die Informationssystem-Schicht definiert Strukturen, Funktionen, Eigenschaften und Standards der Informationsstruktur, die sich aus den beiden ersten Schichten ergeben und die technologische Infrastruktur definiert die für die Erfüllung der anderen Sichten benötigte Technologie. [15 S. 29 ff.] Ziel dieses Frameworks ist es eine strategiegetriebene und zukunftsorientierte Unternehmensarchitektur zu schaffen, die u.a. die Komplexität abbaut, die Flexibilität erhöht, kundenorientiert ist, sowie integrierte Prozesse hat, und vor allem die Business und IT Seite zusammenbringt. [15 S. 93 f.]

- The Open Group Architecture Framework (TOGAF) & Architecture Development Method (ADM)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 TOGAF Enterprise Architecture Framework [20 S. 1]

TOGAF stellt einen Standard zur Definition von Prinzipien zur Umsetzung der Vision und Über-setzung dieser in eine strategische Sprache. Das Framework besteht aus drei Teilen – der Architekturentwicklungsmethode (ADM), der Basisarchitektur und den Ressourcen. [15 S. 122 f.] Die TOGAF Architecture Development Methodology (ADM) beschreibt Teile der Geschäftsarchitektur, wie die Organisationsstruktur, Unternehmensziele, Geschäftsfunktionen, Geschäftsprozesse, Rollen und das Geschäftsdatenmodell. [21 S. 6] Die Unternehmensarchitektur nach TOGAF besteht aus vier Architekturen: der Geschäftsarchitektur, der Datenarchitektur, der Anwendungsarchitektur und der Technologiearchitektur. Die Geschäftsarchitektur basiert auf der Vision und beinhaltet die Themen der Produktstrategie, Organisationsstruktur, Funktionenstruktur, der Prozesse, Informationsstruktur und der geografischen Lokation. [3 S. 132] In der Phase B: Business Architec-ture (im Bild gelb eingefärbt) wird genauer auf die Modellierung der Geschäftsarchitektur eingegangen. Es wird eine Vorgehensweise zu deren Erstellung gegeben und UML als Modellierungssprache vorgeschlagen.

Weitere bekannte Frameworks sind: IAF (Integrated Architecture Framework), JTA (Joint Technical Architecture), C4ISR (Command, Control, Communications, Computer, Intelligence, Surveillance and Reconnaissance), DoDAF© (Department of Defence Architecture Framework), POLDAT (Process, Organization, Location, Data, Applications, Technology). [15] Elemente der Geschäftsarchitektur, wie z.B. Ziele, Organisationsstrukturen und Prozesse, werden desweiteren in Frameworks, wie SAM (Strategic Architectural Model), CAM (Crompton Architectural Model), AM (Avancier Methodology) und JEA (Japanese Government Enterprise Architecture) behandelt. [21 S. 7] Diese Frameworks sprechen jedoch nur marginal die Thematik der Geschäftsarchitektur an und sind für die strategische Anwendung in Unternehmen weniger geeignet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Strategiegetriebene Geschäftsarchitekturen
Hochschule
Hochschule München
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
55
Katalognummer
V272403
ISBN (eBook)
9783656640752
ISBN (Buch)
9783656640745
Dateigröße
2864 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Business Architecture, Enterprise Architecture, TOGAF, Geschäftsarchitektur, Zachman, Balanced Scorecard, Prozessarchitektur, Prozessoptimierung, Unternehmensarchitektur, Unternehmensorganisation
Arbeit zitieren
Monika Sadowska (Autor), 2010, Strategiegetriebene Geschäftsarchitekturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272403

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