Es wird sich mit der Parodie im Tagelied beschäftigt. Im Blickfeld der Untersuchungen stehen dabei Steinmars „Ein kneht, der lag verborgen“ und Oswalds von Wolkenstein „Stand auff, Maredel!“. Beide Lieder zeichnen sich durch das Zusammenbringen der Tageliedsituation mit dem bäuerlichen Milieu aus und sind demnach vergleichbar. Herauszustellen sei, ob es sich bei beiden Texten wirklich um Tageliedparodien handelt, sowie die Art und Weise des Ineinandergreifens von traditionellen und parodistisch veränderten Elementen.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Erkennen einer Tageliedparodie
2. Steinmars „Ein kneht, der lag verborgen“
2.1 Autor und Werk
2.2 Analyse
2.3 Beurteilung
3. Oswalds von Wolkenstein „Stand auff, Maredel!“
3.1 Autor und Werk
3.2 Analyse
3.3 Beurteilung
4. Vergleich der Tageliedparodien
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Tageliedparodie im Mittelalter, wobei der Fokus auf dem Vergleich zweier Werke liegt: Steinmars „Ein kneht, der lag verborgen“ und Oswalds von Wolkenstein „Stand auff, Maredel!“. Ziel ist es herauszuarbeiten, wie beide Autoren traditionelle Elemente des Tageliedes mit bäuerlichen Milieudarstellungen verknüpfen und inwiefern diese Texte als Parodien oder kritische Auseinandersetzung mit den Gattungskonventionen zu verstehen sind.
- Parodiebegriff in der mittelalterlichen Literaturforschung
- Die Transformation der höfischen Tageliedsituation in ein bäuerliches Milieu
- Analyse der parodistischen Techniken bei Steinmar
- Untersuchung der satirischen Elemente und der Aufführungspraxis bei Oswald von Wolkenstein
- Vergleichende Gegenüberstellung der intendierten Wirkung und Gattungskritik
Auszug aus dem Buch
2.2 Analyse
Im Gegensatz zu der Kontroverse um Walthers Tagelied, ist sich die Forschung einig, dass es sich bei Steinmars „Ein kneht, der lag verborgen“ um eine Parodie handelt. Dennoch wird der parodistische Charakter des Liedes sehr unterschiedlich bewertet. Bevor hierauf näher eingegangen wird, sollen jedoch zunächst in einer Analyse die Mittel der Parodie aufgedeckt werden.
Steinmar überträgt das bäuerliche Milieu auf die Tageliedsituation, was ihm völlig neue Möglichkeiten in Bezug auf die Elemente des Tageliedes eröffnet. Zwar ruft er, wie bei Borck nachzulesen, die wesentlichen strukturellen Merkmale der Gattung ab, jedoch sind diese gegenüber dem traditionellen Tagelied inhaltlich stark verändert. Am offensichtlichsten ist wohl der Austausch des Personals. Statt „riter“ und „vrouwe“ sind bei Steinmar der „kneht“ und die „dirne“ die Protagonisten. Dieses hat zunächst noch keine weitreichenden Konsequenzen. Das Wort „kneht“ wird im 13. Jhdt. für einen „Bauernknecht“, wie auch für einen „jungen Ritter“ verwendet. Ebenso verhält es sich mit dem Wort „dirne“, welches ein „unverheiratetes junges Mädchen“ bezeichnet, jedoch ebenfalls die ursprüngliche Bedeutung der „Bauernmagd“ beibehalten hat. Nach Borck spielt Steinmar so mit den Erwartungen des Publikums, da zunächst noch keine offensichtliche Diskrepanz zwischen Struktur und Inhalt besteht und bestenfalls die für ein Tagelied ungewöhnliche Verwendung des Wortes „dirne“ statt „vrouwe“ ein wenig Verwirrung stiftet. Erst mit dem Auftauchen des „hirte“, welcher den Weckruf des „wahtaer“ übernimmt, wird die Änderung des Milieus und somit der Parodiecharakter eindeutig kenntlich gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Erkennen einer Tageliedparodie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Schwierigkeiten bei der Definition von Parodien im mittelalterlichen Kontext und führt in die wissenschaftliche Debatte um die Gattung ein.
2. Steinmars „Ein kneht, der lag verborgen“: Hier wird Steinmars Werk analysiert, wobei besonders die subtile Übertragung der Tageliedstruktur auf ein bäuerliches Milieu unter Beibehaltung höfischer Grundzüge untersucht wird.
2.1 Autor und Werk: Ein Überblick über das bisher ungeklärte Identitätsbild des Autors und eine Einordnung seines literarischen Schaffens in das 13. Jahrhundert.
2.2 Analyse: Detaillierte Untersuchung der parodistischen Mittel bei Steinmar, insbesondere durch den Austausch des Personals und die Neuinterpretation des Urloup-Motivs.
2.3 Beurteilung: Darstellung der unterschiedlichen Forschungspositionen zur Intention Steinmars, von der Kritik an einer „entleerten Gattung“ bis hin zur konstruktiven Deutung als „reine froide“.
3. Oswalds von Wolkenstein „Stand auff, Maredel!“: Dieses Kapitel widmet sich Oswalds Werk und stellt die deutlich rauere, satirische Darstellung des bäuerlichen Milieus in den Vordergrund.
3.1 Autor und Werk: Vorstellung von Oswald als vielseitig geprägtem Dichter und Musiker, dessen Erlebnisse und Auslandsaufenthalte seine Lieder maßgeblich beeinflussten.
3.2 Analyse: Untersuchung der sprachlichen Spielereien und der direkten Milieubeschreibung, die Oswald von der subtileren Vorgehensweise Steinmars abhebt.
3.3 Beurteilung: Diskussion darüber, ob das Lied primär als bloße Satire auf die Bauern oder als komplexe Parodie zu verstehen ist, wobei der Aufführungskontext eine zentrale Rolle spielt.
4. Vergleich der Tageliedparodien: Zusammenfassender Vergleich, der aufzeigt, dass beide Autoren die Tageliedkonventionen nutzen, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte auf inhaltliche Diskrepanz oder satirisch-aufführungstechnische Effekte legen.
Schlüsselwörter
Tageliedparodie, Mittelalter, Steinmar, Oswald von Wolkenstein, Parodiebegriff, Bäuerliches Milieu, Gattungskritik, Minnesang, Literaturwissenschaft, Urloup-Motiv, Satire, Aufführungspraxis, Diskant, Mehrstimmigkeit, Literarische Tradition
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zwei mittelalterliche Autoren, Steinmar und Oswald von Wolkenstein, die Gattung des klassischen Tageliedes durch das Zusammenführen mit bäuerlichem Milieu parodistisch verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Parodiebegriff im Mittelalter, der Wandel von Gattungskonventionen, das Verhältnis zwischen höfischem und bäuerlichem Milieu sowie die Bedeutung der Aufführungspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist ein vergleichender Nachweis darüber, ob und wie die beiden untersuchten Lieder durch Parodie die Konventionen des traditionellen Minnesangs und Tageliedes kritisch hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die neben der Textanalyse auch den Forschungsstand zu Autor, Werk und zeitgenössischem Verständnis von Parodie sowie die musikalische Aufführungspraxis einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen von Steinmars und Oswalds Texten, wobei jeweils Autor/Werk, die parodistischen Mittel und eine beurteilende Interpretation der Forschungsdebatte im Mittelpunkt stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tageliedparodie, Mittelalter, Gattungskritik, bäuerliches Milieu, Satire und literarische Tradition zusammenfassen.
Warum wird bei Oswald von Wolkenstein besonders die Aufführungspraxis hervorgehoben?
Im Gegensatz zu Steinmar ist bei Oswald der Inhalt laut Forschung weniger wichtig als die atmosphärische und komische Wirkung, die erst durch das mehrstimmige Singen und die Interaktion mit dem Publikum voll zur Geltung kommt.
Wie unterscheidet sich Steinmars Ansatz von dem Oswalds?
Steinmar bleibt strukturell näher am traditionellen Tagelied und verknüpft höfische und bäuerliche Elemente subtiler, während Oswald das bäuerliche Milieu sehr plakativ, rau und satirisch überzeichnet.
- Citation du texte
- Jana Katczynski (Auteur), 2013, Die Tageliederparodie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272472