Aufbauend auf einer neuen Gemeindehaushaltsordnung, beschloss die Innenministerkonferenz im November 2003 eine grundlegende Reformierung des Haushaltswesens. Das Resultat dieser Reformierung war eine Neuordnung des kommunalen Haushaltsrechts.
Auf Basis des modernen, doppischen Finanzmanagements wurde die Kameralistik abgelöst. Diese umfassende Veränderung der Gesamtstrukturen führte parallel zu einer Verschiebung der Anforderungen an die Planung, Durchführung und Kontrolle der kommunalen Haushalte.
Geplante Ziele des Neuen Kommunalen Finanzmanagements sind eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit und der Effektivität sowie eine stärkere Transparenz. Um diese Vorgaben umsetzen zu können, gehört neben der Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen auch eine eigenverantwortliche und aufgabenbezogene Gestaltung der kommunalen Wirtschaftstätigkeiten.
Der Begriff des Controllings tritt in dem Zusammenhang der strategischen Ausrichtung bei dem Aufbau von Kennzahlensystemen in den Vordergrund (5. Handreichung der Kommunen - §12 Gemeindeordnung). Aufgrund grundlegender Neuerungen im Rahmen des Verwaltungsmanagements, richtet sich das Augenmerk auf die verbrauchsorientierte und periodengerechte Bewertung der kommunalen Ressourcen.
Um entsprechend der rechtlichen Rahmenbedingungen eine solide und stetige Verwaltungsorganisation gestalten zu können, ist die strategische Ausrichtung des kommunalen Wesens von entscheidender Bedeutung.
Diese Ausarbeitung befasst sich mit dem konzeptionellen Ansatz des strategischen Controllings auf kommunaler Ebene. Nach einer grundlegenden und umfassenden Einführung in das Neue Steuerungsmodell Nordrhein–Westfalens und den Änderungen und Neuerungen der kommunalen Rechnungslegung, wird der Aspekt des Controllings im Verwaltungsmanagement aufgezeigt. Das Instrumentarium der Balanced Scorecard wird als geeignetes Managementinstrument am Beispiel der Stadt Lemgo dargelegt, um die grundlegende Bedeutung von Controlling-Instrumentarien für das kommunale Management zu verdeutlichen. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der gewonnen Erkenntnisse und eine Stellungnahme und Einschätzung des Autors bezüglich der Einsatzmöglichkeiten der Balanced Scorecard als mögliches kommunales Steuerungsinstrument...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Neue Kommunale Finanzmanagement
2.1. Grundgedanke der Reformierung
2.2. Das Neue Steuerungsmodell
2.3. Das Drei-Komponenten-System des Haushaltswesens
2.4. Der Jahresabschluss
2.5. Das Haushaltssicherungskonzept
3. Controlling
3.1. Definition des Controllings und Bedeutung
3.2. Controlling in der Kommune
3.3. Controlling-Instrumente auf kommunaler Ebene
3.3.1. Die SWOT-Analyse
3.3.2. Die BOSTON-Matrix
3.3.3. Kommunale Nutzwertanalyse
4. Die Balanced Scorecard
4.1. Konzeption der Balanced Scorecard
4.2. Die vier klassischen Perspektiven
4.3. Ursachen-Wirkungsbeziehungen
4.4. Strategische Ziele
4.5. Ausgewogenheit
4.6. Messgrößen
4.7. Zielwerte und Maßnahmen
5. Anwendungsbeispiel: Stadt Lemgo
5.1. Konzept einer Balanced Scorecard für die Kommune
5.2. Organisatorischen Rahmen schaffen
5.3. Strategische Ausrichtung
5.4. Zielvorgaben
5.4. Kommunales Ursachen-Wirkungskonzept
5.5. Messgrößen zu den strategischen Zielen innerhalb der Kommune
5.6. Maßnahmenergreifung
5.7. Kennzahlen
5.8. Berichtswesen
5.9. Der kontinuierliche Einsatz der Balanced Scorecard
6. Zusammenfassung und Perspektive
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendungsmöglichkeiten des strategischen Controllings im kommunalen Sektor, insbesondere durch den Einsatz des Managementinstruments "Balanced Scorecard". Zentrales Ziel ist es, die Eignung dieses aus der Privatwirtschaft stammenden Instruments für die spezifischen Anforderungen und Rahmenbedingungen kommunaler Verwaltungen zu prüfen und anhand des Praxisbeispiels der Stadt Lemgo zu verdeutlichen.
- Grundlagen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements (NKF)
- Methodik des strategischen Controllings und dessen Instrumente
- Konzeption und Aufbau einer Balanced Scorecard
- Übertragbarkeit privatwirtschaftlicher Ansätze auf kommunale Strukturen
- Praktische Implementierung am Beispiel der Stadt Lemgo
Auszug aus dem Buch
3.1. Definition des Controllings und Bedeutung
Nach Horváth ist Controlling ein variables Subsystem der Führung, das Planung, Kontrolle und Informationsversorgung in einem System bildet, intern koppelt und durch Koordination und Adaption die Organisation unterstützt.
Controlling ist in diesem Zusammenhang ein dynamischer Prozess, der eine kontinuierliche Abstimmung und Synchronisation der genannten Subsysteme vorsieht.
Die Basis bilden Informationen, die aus den Größen des internen Rechnungswesens generiert werden. Daher sind insbesondere eine Kosten-Leistungsrechnung und ein ausgearbeitetes Kennzahlensystem und Berichtswesen unumgänglich, um eine sinnvolle Unterstützung der Führungsebene bei Erreichung der definierten strategischen Ziele gewährleisten zu können, wie es im Neuen Steuerungsmodell vorgesehen ist (Kapitel 2.2.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die durch das Neue Kommunale Finanzmanagement initiierte Reform des Haushaltsrechts und die zunehmende Bedeutung des Controllings für die strategische Ausrichtung kommunaler Verwaltungen.
2. Das Neue Kommunale Finanzmanagement: Das Kapitel erläutert die Umstellung der kommunalen Haushaltsführung von der traditionellen Kameralistik auf ein doppisches Rechnungswesen zur Steigerung von Transparenz und Wirtschaftlichkeit.
3. Controlling: Hier werden theoretische Grundlagen des Controllings sowie spezifische Instrumente wie die SWOT-Analyse, die BOSTON-Matrix und die Nutzwertanalyse in ihrem kommunalen Anwendungskontext dargestellt.
4. Die Balanced Scorecard: Dieses Kapitel widmet sich der Konzeption und dem Aufbau der Balanced Scorecard, ihrer vier klassischen Perspektiven sowie der methodischen Bedeutung von Ursachen-Wirkungsbeziehungen.
5. Anwendungsbeispiel: Stadt Lemgo: Das Kapitel bietet eine detaillierte Fallstudie, die den praktischen Implementierungsprozess einer Balanced Scorecard in einer Kommune unter Berücksichtigung spezifischer Zielvorgaben und Maßnahmen darlegt.
6. Zusammenfassung und Perspektive: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung der Balanced Scorecard als probates Steuerungsinstrument, betont jedoch zugleich die Notwendigkeit flexibler Anpassungen und ausreichender personeller Kapazitäten für eine erfolgreiche Umsetzung.
Schlüsselwörter
Controlling, Kommune, Neues Kommunales Finanzmanagement, NKF, Balanced Scorecard, Strategische Ausrichtung, Haushaltssteuerung, Kennzahlensystem, Stadt Lemgo, Ressourcenverbrauchskonzept, Strategische Ziele, Ursachen-Wirkungskette, Verwaltungsmanagement, Zieldefinition, Haushaltskonsolidierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern das strategische Controlling und insbesondere die Balanced Scorecard als Instrumente zur Steuerung kommunaler Verwaltungen unter den Bedingungen des Neuen Kommunalen Finanzmanagements eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Reform des kommunalen Haushaltswesens, die Übertragung von Managementinstrumenten aus der Wirtschaft in den öffentlichen Sektor sowie die praktische Anwendung strategischer Planung in der Stadtverwaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die konzeptionellen Ansätze des strategischen Controllings auf kommunaler Ebene zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie die Balanced Scorecard als Instrument der Haushaltskonsolidierung und Zielsteuerung praktisch genutzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Fundierung durch Fachliteratur und einer praktischen Fallstudie (Anwendungsbeispiel), um die Implementierung von Controllingsystemen exemplarisch nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des NKF und klassische Controlling-Instrumente erläutert, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung des Balanced Scorecard-Ansatzes inklusive Kennzahlenbildung und Ursachen-Wirkungsanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Controlling, Kommunales Finanzmanagement, Balanced Scorecard, Haushaltssteuerung, Zielvorgaben und das Praxisbeispiel Stadt Lemgo.
Wie unterscheidet sich die Balanced Scorecard in der Kommune vom Modell in der Privatwirtschaft?
Während in der Wirtschaft der finanzielle Erfolg im Vordergrund steht, erfordert die Kommune eine Anpassung an politische und soziale Zielsetzungen, was die Einbeziehung weiterer Perspektiven (z.B. Bürgerperspektive) notwendig macht.
Welche Herausforderungen identifiziert der Autor bei der Implementierung in der Stadt Lemgo?
Der Autor nennt insbesondere die notwendige Einbindung der Mitarbeiter, die Sicherstellung stetiger Kommunikation und das Vorhandensein ausreichender personeller Kapazitäten als kritische Erfolgsfaktoren für die praktische Anwendung.
- Arbeit zitieren
- Alexander Kuhn (Autor:in), 2014, Controlling in der Kommune, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272657