Ist gleichgeschlechtliche Liebe Sünde? Christliche Kirchen und ihr Umgang mit Homosexuellen


Fachbuch, 2015

183 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

„Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben?“ von Markus Kreißl, 2009
Theologische Sichtung anhand von Leitdifferenzen und unter Einbeziehung von Aussagen der EKD, der ev. luth. Landeskirche Sachsens, der LUST und der VELKD zur Frage „Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben“
Conclusio: „Ist gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft biblisch oder unbiblisch?“
Weitere Stellen der Bibel um Erotik und sexueller sowie homosexueller Lebensbeschreibung ohne besonderer Bewertung der Handlungen
Conclusio finalis
Anlagen Email-Texte und Material verschiedener Institutionen

„Homosexualität in der Literatur katholischer Moraltheologen“ von Lisa Brand, 2009
Die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität
Stellungnahmen in aktueller Literatur
Der Artikel „Homosexualität“ im Lexikon für Theologie und Kirche
Der besondere Beitrag von Martin Steinhäuser
Literaturverzeichnis

„Chancengleichheit? - Über den Umgang mit homosexuellen Beschäftigten in Einrichtungen der katholischen Kirche" von Jana Nitezki, 2011
Abkürzungsverzeichnis
Einleitung
Grundlagen & Rechtliches: Der Arbeitgeber katholische Kirche
Der Begriff „Homosexualität“
Die Einstellung der katholischen Kirche zum Thema Homosexualität 66
Staat und Kirche
Die Caritas als Arbeitgeber
Fallbeispiele: Beispiele für den Umgang der katholischen Kirche mit Loyalitätsverstößen
Schutz vor Diskriminierung
Zur Diskriminierung Homosexueller am Arbeitsplatz
Erfahrungsberichte zum Thema Homosexualität und Kirche
Zusammenfassung & Ausblick
Literatur
Anhang

„HOMOSEXUALITÄT als Herausforderung an die neutestamentliche Gemeinde“ von Sascha Schmuck, 2007
Einleitung
Begriffsdefinition
Zur Entstehung homosexueller Gefühle
Exkurs: Homosexualität und Gesundheit
Exkurs: Homosexualität in der Bibel
Stellungnahme der beiden großen Kirchen zur Homosexualität
Die Schwule Theologie
Umfrageergebnisse
Homosexualität und Seelsorge
Die Verantwortung der neutestamentlichen Gemeinde
Abschließende Worte
Literaturverzeichnis
Anhang
Einzelbände

„Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben?“ von Markus Kreißl, 2009

Theologische Sichtung anhand von Leitdifferenzen und unter Einbeziehung von Aussagen der EKD, der ev. luth. Landeskirche Sachsens, der LUST und der VELKD zur Frage „Können Christen in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben“

Innerhalb dieses Kapitels soll anhand dreier so genannter Leitdifferenzen systematisch theologisch beurteilt werden, ob Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen können. Oder ob eine solche Lebenseinstellung als unchristlich angesehen werden darf.

Ausschlaggebend für die Beurteilung ist die kategorieartige Deklaration, ob eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft evangelisch bzw. unevangelisch, oder biblisch bzw. unbiblisch, oder eben christusgemäß bzw. nicht christusgemäß ist.

Derartige Leitdifferenzen berühren und lenken das Leben eines Christen - sie dienen als normative Vorgabe und Orientierung in Glaubens- sowie Lebensfragen. Aus diesem Grunde dürfen, gar müssen sie in diese Betrachtung mit einbezogen werden. Letztlich beschreiben sie christliches Leben, welches mit der Frage nach gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaft berührt wird.

Eine Reihenfolge oder Priorisierung der drei Leitdifferenzen soll erst im Laufe des Kapitels, insbesondere in einer Conclusio Betonung stattfinden. Demzufolge möchte ich mit einer biblischen Systematisierung beginnen.

Biblische Leitdifferenz

Wie bereits deutlich geworden ist und aus den noch nachfolgenden Beispielen ersichtlich werden wird, ist der Umgang mit homosexuellen Prägungen zu einer besonderen Herausforderung geworden. Dabei soll die Deklaration meinerseits als „besondere Herausforderung“ nicht im Sinne einer Wertung verstanden werden, sondern vielmehr als gesellschaftliche Wandelungserscheinung. („Coming Out“, volle Akzeptanz, Sympathie bis hin zu verstärkter Intoleranz). Viele Homosexuelle und Lesben erwarten eben, dass die Gesellschaft und/oder Kirche ihre Lebensform akzeptiert. Auch wenn einige Wenige das vielleicht hinter dem „Schleier“ der Aussage „Was andere denken ist mir/uns egal.“ tun. Denn letztendlich gehen auch sie mit ihren Aussagen an die Öffentlichkeit, um Akzeptanz zu bewirken.

Homosexuelle und Lesben möchten sich zu ihrer Sexualität bekennen und auch in festen Partnerschaften leben.

Nun stehen Christen vor besonderen Herausforderungen im Umgang mit solchen Lebenspartnerschaften. Insbesondere wenn der Zugang zur Beurteilung anhand biblischer Texte gesucht wird. Zu diesem Zweck möchte ich zu Beginn einige Stellen aus dem Alten Testament zu Rate ziehen. Zum Großteil werden diese Stellen, wie festzuhalten ist, recht naiv ausgelegt und in die Rubrik „Bibel und Homos“ gepresst. Dabei sind viele Stellen viel differenzierter zu betrachten. Ich möchte versuchen Struktur in die Thematik zu bringen, indem ich sowohl eisegetische, exegetische, geschichtliche als auch situationsethische Ansätze in die Betrachtung einbeziehe.

Nun ein paar exegetische Gedanken.

Ob die Homosexualität als Lebensform so vom Schöpfer vorgesehen ist, sollte aus biblischer Sicht anhand Genesis 1, 27-28 zu erkennen sein:

„Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, zum Bild Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde...“1

Daraus ergibt sich logisch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht.“2

Gott hätte problemlos noch einen zweiten Mann schaffen können. Doch er spricht ganz klar von einer „Gehilfin“. Jetzt könnte manch einer hervorbringen, dass auch die Tiere für dem Menschen eine Hilfe darstellen linguistisch gesehen auch eine Gehilfin sind (vgl. Vers 20). Doch diese Darstellung kann klar widerlegt werden denn weiter heißt es in Vers 20:

„Aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden…(unter den Tieren)…“

Gott spricht aber deutlich von einer „Gehilfin“, einem ergänzenden Gegenstück zum Mann.

Dass die Gemeinschaft von Mensch zu Mensch in einer besonderen Einzigartigkeit hervortritt und es sich eben um eine Frau handeln muss, wird in anderen Übersetzungen dieser alttestamentlichen Stelle noch besonders hervorgehoben. So zum Beispiel eine Stelle in der Guten Nachricht, Hoffnung für Alle. Dort heißt es:

„die zu ihm passt“

Die Idee, dass der Mann nicht allein perfekt ist und Gott Mann und Frau bewusst unterschiedlich geschaffen hat, damit sich beide gegenseitig ergänzen, gibt uns zwar keine konkretisierte Aussage über Homosexualität, verdeutlicht aber die grundsätzliche Schöpfungsidee Gottes. Hier erkennt man deutlich, dass, wenn von Partnerschaft die Rede ist, immer eine zwischengeschlechtliche Beziehung zwischen Mann und Frau gemeint ist. Am Ende der Schöpfung sagt Gott:

„Und siehe es war sehr gut“3

Er hat also nicht bereut, wie er es gemacht hat.

In späteren Stellen wird im Alten Testament die Ablehnung homosexueller Neigungen sogar in expliziter Nennung noch deutlicher. So zum Beispiel in Levitikus 18, 22. Dort wird über schwerwiegende Vergehen gegen Gottes Heiligkeit gesprochen.

„Du sollst nicht bei einen Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“4

Danach folgt eine aus unserer heutigen Sicht absolut unhaltbare und drastische Forderung in Levitikus 20, 13:

„Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben“5.

Diese Aussage möchte ich allerdings hier nicht so unreflektiert stehen lassen und vorgreifend doch eine kurze Stellung dazu abgeben. Im Alten Orient wurde die Homosexualität zwischen Männern unterschiedlich beurteilt. In manchen Kulturen galt sie als normale Form der Sexualität. Von solchen Praktiken heidnischer Völker möchte sich Israel allerdings als erwähltes Gottesvolk abgrenzen.

Weiterhin fließt in den nachfolgenden Betrachtungen auch ein eisegetischer Bezug ein.

Eine andere Stelle nicht direkt auf Homosexualität allein bezogen, aber auf transvestite Handlungen findet man in Deuteronomium 22, 5:

„Eine Frau soll nicht Männersachen tragen, und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn wer das tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Greuel.“6

In den nun folgenden Stellen, werden auf den ersten Blick homosexuelle Prägung / homosexuelles Leben aufs Schärfste verurteilt. Geschichtliche und gesellschaftliche Zusammenhänge sollen im Hauptbezugspunkt stehen. Dennoch sollen meinerseits auch einige apologetische Aspekte eingebracht werden, welche eine Deutung der Schrift zulassen. Es muss also nicht unbedingt von einer Verurteilung homosexueller Aussagen ausgegangen werden. In Genesis 19, 4-13 finden wir die Sodom-Erzählung in der von einer versuchten Vergewaltigung an (männlichen / Engeln) Gästen des Lot berichtet wird.

Die Sünden Sodoms und Gomorras schreien zum Himmel, so dass Gott Boten (Engel) auf die Erde schickt, um die Gerichtsreife der beiden Städte zu prüfen (Genesis 18, 20). Diese beiden Engel werden von Lot überredet, seine Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen.

Die Engel kehren bei ihm ein. In der Nacht versammeln sich dann alle Bewohner Sodoms bei Lot und verlangen von ihm, seine Gäste herauszugeben, damit sie von ihnen „erkannt“ werden könnten. In der LutherÜbersetzung fand ich den Ausspruch: „…damit wir uns über sie hermachen.“7

Im hebräischen Urtext ist allerdings der Ausdruck JADA zu finden, der zwar die Bedeutung hat den Geschlechtsverkehr zu praktizieren, allerdings gibt es auch eine andere Auffassung der Bedeutung, welche von Verfechtern einer liberalen Haltung gegenüber der Homosexualität gern angebracht wird.

Die Erzählung berichtet weiterhin, dass die Bewohner Sodoms Lots Gäste homosexuell missbrauchen wollten und Lot das verhindern will, indem er sogar bereit ist, mit Sodoms Einstellung zur Verderbtheit einen Kompromiss zu schließen und den Sodomiten seine beiden jungfräulichen Töchter als Ersatz für seine Gäste zu geben. Die Bewohner Sodoms wollen sich nun an Lot vergehen, jedoch retten ihn die beiden Engel. Sodom und Gomorra werden wegen ihrer zahlreichen Sünden von Gott vernichtet. Nur Lot und einige seiner Angehörigen werden errettet. Für viele Interpretationen spielt bei der Zerstörung Sodoms, als auslösender Faktor, die Homosexualität eine entscheidende Rolle.

Allerdings gibt es auch eine andere Auslegung, wie eingangs bereits erwähnt. Denn das Wort JADA hat ebenfalls die Bedeutung „kennen, kennen lernen“. Nun kann man folgern, dass die Bewohner Sodoms keinen Gedanken daran gehabt hätten, Lots Gäste homosexuell zu missbrauchen. Sie wollten sie einfach „kennen lernen“. Nach Meinung der Bewohner Sodoms hätten die Fremden ja durchaus feindselig sein können und nun hätten die Sodomitter überreagiert. Die Schuld der Bewohner Sodoms wird also allein im Bruch des Gastrechtes gesehen, welches heilig war.

Allerdings deckt dieses Gegenstück zur ersten Interpretation nicht alle Fakten ab. Einige mögliche Fragen dazu möchte ich an diese Stelle setzen.

- Lots Töchter werden als Mädchen bezeichnet „…die wissen von noch keinen Manne… “.8 Der Ursprungstext gebraucht hier auch das Wort JADA und lässt auch keine andere Übersetzung des Textes zu. Folgert man logisch, so muss man zu den Schluss kommen, dass auch im vorangegangen Satz die Vulgata um das Wort JADA eindeutig mit seiner Bedeutung im Geschlechtsverkehr liegen muss.
- Warum sollte Lot die Sodomiter bitten, nichts Übles zu tun, wenn diese nur ganz harmlose Absichten hatten?
- Warum hatte Lot vor den Sodomiten Angst, wenn diese seine Gäste nur „kennen lernen“ wollten?
- Lot bietet seine jungfräulichen Töchter für alles, was die Sodomiter mit ihnen tun wollen, ersatzweise an. Dieser Sachverhalt zeigt schon recht deutlich, dass es um etwas Schwerwiegendes, wie eben sexuelle Absichten gehen musste.

Bei manchem Leser wird jetzt vielleicht der Eindruck entstanden sein, Sodom und Gomorra wurden zerstört, weil dort homosexuelle Begierden geäußert wurden. Doch sei hier klar und deutlich gesagt, dass dies nicht der einzige Grund war. Denn das Alte Testament gibt uns noch viele Stellen, in denen die Vielzahl der Sünden, welche „… zum Himmel schreien …“, genannt werden. So zum Beispiel in Genesis 18 in Abrahams Fürbitten für Sodom:

„Und der Herr sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, das ihre Sünden sehr schwer sind.“9

Diese Sünden wiegen schwer in ihrer bei Gott verursachten Schuld. Das lässt sich auch daran erkennen, dass der Fall von Sodom und Gomorra immer wieder aufgegriffen wird. Wenn es zum Beispiel um die Sünden Ehebruch und Betrug geht, so wird man im Buch des Propheten Jeremia fündig. Dort wird in Kapitel 23 Vers 14 Jerusalems Gesellschaft aufs Schärfste verurteilt und Sodom gleichgestellt:

„Aber bei den Propheten Jerusalems sah ich grauenhafte Dinge: Sie brechen die Ehe, gehen mit Lügen um und bestärken die Bösen, sodass keiner umkehrt von seinem bösen Treiben. Für mich sind alle wie Sodom, Jerusalems Einwohner sind für mich wie Gomorra“.10

Geht es um Hochmut und Habgier werden wir im Buch des Propheten Hesekiel 16 fündig. Dabei ist der Bezug zu Sodom in Vers 46 zu finden, hier dient es als Vergleichsgröße.

Weiterhin ist der Bezug zu Sodom und Gomorra im Falle von Heuchelei und sozialer Ungerechtigkeit bei Jesaja 1, 9 zu finden:

„Hätte uns der Herr Zebaoth nicht einen geringen Rest übrig gelassen, so wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorra.“11

Mit diesem Exkurs in die Prophetischen Bücher des Alten Testaments sollte noch einmal deutlich werden, wie Sodom und Gomorra eine Vielzahl der Sünden beherbergten. Dennoch ist in Genesis 19 die Homosexualität als letzte auslösende Ursache für Gottes Gericht über Sodom und Gomorra anzusehen. Was nicht heißen soll, dass Homosexualität schwerer wiegt als andere Sünden.

Vielen wird der Noahbund ein Begriff sein. Gott schließt nach der Sintflut mit Noah einen neuen Bund. Ein Neuanfang ist gemacht, es tritt aber ein Ereignis ein, das auf den ersten Blick keine homosexuelle Komponente enthält. Der Text ist also nicht so deutlich wie Genesis 19. Es gibt einen Ansatz; zusätzlich muss noch eine weitere Quelle, das Buch des Propheten Habakuk, zu Rate gezogen werden.

Eingangs ein Abriss des geschichtlichen Verlaufs: Nach dem Neuanfang kommt es erneut zu einem Sündenfall, denn Noah errichtet einen Weinberg. Die Folgen treten augenblicklich ein, Noah liegt völlig nackt und volltrunken in seinem Zelt. Sein Sohn Ham sieht dies und erzählt es seinen Brüdern. Diese treten ihrem Vater respektvoller gegenüber. Um ihn nicht zu beschämen, nähern sie sich ihm mit abgewandtem Gesicht und bedecken seine Blöße. Noah segnet seine Söhne Sem und Japhet und deren Nachkommen. Die Nachkommen Hams werden hingegen wegen respektlosen Verhaltens verflucht.

Oben habe ich den Propheten Habakuk erwähnt, um eine Verbindung dieser Stelle mit der Homosexualität herzustellen. Im Buch Habakuk Kapitel 2, 15 scheint auf das Geschehen in Genesis 9 angespielt zu werden.

„Wehe dem, der seinen Nächsten aus Schalen und Schläuchen trinken lässt und ihn dadurch trunken macht, damit er seine Blöße sehe“.12

Daher äußere ich die eisegetische nahe Vermutung, dass die Schande Hams darin liegt, sich am gleichgeschlechtlichen Körper lustvoll zu ergötzen. Zum Ergötzen ist nichts im Text bei Genesis 9 zu finden. Aber diese Behauptung könnte mit dem Faktum Kanaan untermauert werden. Denn Ham ist der Stammvater der Kanaaniter, der Ureinwohner Palästinas. Die Kanaaniter vollführten pervertierte sexuelle Praktiken, zum Teil sogar bei der Götzenverehrung.

Zur Verteidigung sei aber gesagt, dass die klassischen Kulturen Griechenlands und Roms der Homosexualität gegenüber sehr tolerant eingestellt waren. Platon erwähnt beispielsweise in seinem Symposium von einem Bankett einen Redner, der die Aufmerksamkeit Sokrates‘ auf die „schönen Jungen und jungen Männer“ lenkt. Platon schreibt über die Steigerungen der Liebe. Darin hält er fest, dass die Liebe zwischen Männern als höher stehend, als die Liebe zwischen Mann und Frau anzusehen ist (siehe Platon, Symposion).13 Diese Einstellung war in der griechischen Zivilisation weit verbreitet.

Paulus schreibt den ersten Brief an die Römer unter anderem als Weisung an die griechisch-römische Zivilisation, diese Praktiken zu unterlassen. Paulus schreibt, dass den Gründern dieser Zivilisation (als „nicht -Gottesvolk“ im Gegensatz zu Jerusalem) nicht daran gelegen ist, Gott in ihre Erkenntnis mit einzubeziehen. Daraufhin hat ihnen Gott einen verkehrten Sinn gegeben. Dieser Sinn führt dazu, dass sie keine richtige Entscheidungen in Lebenssituationen treffen können (siehe Römer 1, 28).

Durch den Fluch gegen die Söhne Hams, also den Kanaanitern, lässt sich auch eine Verbindung zum bereits erwähnten Levitikus 18,22 und 20, 13 schaffen. Man könnte diese Zeilen auch als Kodex verstehen. Dieser beschreibt die Heiligkeit Gottes und die Forderung nach der Heiligkeit des Volkes Israel. Die Kanaaniter wurden wegen ihrer sexuellen Sünde aus ihrem Land ausgestoßen.

Weiterhin stehen die Levitikus Stellen im Zusammenhang mit dem Gesetz zum Schutz von Ehr und Familie.

Als letzte alttestamentliche Bibelstelle soll nun noch das Buch der Richter angeführt werden. Konkret möchte ich Kapitel 19, 22 in die Betrachtung einbeziehen. Richter 19 handelt von der Sünde der Leute zu Gibea. Beim Lesen des Textes fällt eine starke Ähnlichkeit zum Bericht in Genesis 19 (Sodom) auf. Der Bericht kündet von einen Leviten und seiner Nebenfrau. Sie sind gezwungen in Gibea zu übernachten und dort das Gastrecht zu beanspruchen. Gibea ist eine jüdische Stadt. In Vers 22 tauchen nun „ruchlose Männer“ auf, die auch hier verlangen, den Leviten homosexuell zu missbrauchen. Auch hier findet wieder das Wort JADA in der Vulgata seinen Ausdruck.

Der Gastgeber bietet den Benjaminiten, als Einwohner Gibeas, seine jungfräuliche Tochter und die Nebenfrau als Ersatz an. Schließlich übergibt der Levit der ruchlosen Meute die Nebenfrau, damit diese sie sexuell missbrauchen konnten. Besonders bemerkenswert ist hier: Das Gastrecht, welches auch für die Frau gilt, ist der Levit bereit zu brechen, nur um die Benjaminiten von homosexuellen Handlungen abzuhalten.

Wie bereits angeführt wird auch hier wieder das Wort JADA gebraucht, aber hier ist der Ansatz aus Genesis 19 (nur „Kennen lernen“, nur Bruch im Gastrecht) sofort zu verwerfen. Denn die folgende Massenvergewaltigung der Nebenfrau zeigt eindeutig die sexuellen Motive der Leute auf. Weiterhin werden Adjektive wie „unrecht, schändlich, ruchlos“ gebraucht, um das Verhalten der Leute zu deklarieren. Diese wären wohl viel zu hart, wenn es nur um einen Bruch des Gastrechts ginge.

Dass dieses Ereignis besonders bedeutsam ist und eben klar machen will, dass diese Stelle die homosexuellen Handlungen verurteilt, zeigt sich am folgenden Verlauf des Textes .

„…Da legte er sie auf einen Esel, machte sich auf und zog an seinen Ort. Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, fasste seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied und sandte sie in das ganze Gebiet Israels.“14

Der Levit zerstückelt seine Frau wie ein Opfertier. Diese grausigen Handlungen werden als Sünde von Gibea im Buch des Propheten Hoseja 9, 9

- 10 aufgegriffen.

Aber auch im Neuen Testament findet man diverse Stellen zu dem Thema: So zum Beispiel im Brief des Paulus an die Römer Kapitel 1, 26-27 (Lutherbibel):

„[...] denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.“

1. Korinther 6, 9 (Hoffnung für alle):

„Habt ihr vergessen, dass für Menschen, die Unrecht tun, in Gottes Reich kein Platz sein wird? Darauf könnt ihr euch verlassen: Keiner, der unzüchtig lebt, keiner, dem irgend etwas wichtiger ist als Gott, kein Ehebrecher, kein Mensch, der sich von seinen Begierden treiben lässt und homosexuell verkehrt, wird einen Platz in Gottes Reich haben.“

1. Timotheus 1, 10 (Gute Nachricht):

„Wir dürfen nämlich eines nicht vergessen: Das Gesetz ist nicht für Menschen da, die tun was Gott will, sondern für solche, die sich um Recht und Ordnung nicht kümmern. Es ist für Sünder bestimmt, die Gott und seine Gebote verachten, für Leute, die Vater und Mutter töten, Mord und Unzucht begehen und als Männer mit Knaben oder ihresgleichen verkehren, für Menschenhändler und solche, die lügen und falsche Eide schwören oder sonst etwas tun, was im Widerspruch zur gesunden Lehre steht.“

Auch hier gibt es eigentlich keinen Zweifel daran, dass Homosexualität ganz klar nicht im Willen Gottes ist, es wird hier in einem Atemzug mit diversen anderen Sünden genannt.

Conclusio: „Ist gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft biblisch oder unbiblisch?“

Nun haben wir anhand vieler Stellen erfahren können, dass Homosexualität nicht sehr positiv bewertet wird, dennoch ist die Thematik - wie ich glaube differenzierter zu erfassen. Um eben nicht in rein biblischem Fundamentalismus zu enden und das Ziel der Wahrheit aus den Augen zu verlieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Verfasser der biblischen Texte immer auch Kinder ihrer Zeit waren. Um zur Conclusio zu kommen möchte ich kurz anhand zweier Ansätze, Stellung zu den biblischen Aussagen nehmen.

Der situationsethische Ansatz

Das Gegenmodell zur Situationsethik stellt die Ordnungsethik dar. Ordnungsethik nimmt die biblischen Gebote zum Maßstab um zu beurteilen, was richtig oder falsch ist. Findet hingegen die Situationsethik Anwendung, stehen nicht mehr nur starr die Gebote im Mittelpunkt. Nichts was aus Liebe zu Gott und zu dem Nächsten geschieht, kann nach diesem Ansatz falsch sein. Die Liebe steht moralisch gesehen sozusagen über den Geboten. Dazu kann man begründend Matthäus 22, 40 heranziehen. In der dort beschriebenen Erzählung will ein Schriftgelehrter mit seiner Frage Jesus Gesetzestreue auf die Probe stellen. Jesus stellt dort aber die Liebe als Gesetzeserfüllung dar. Gleiches wird von Paulus in den Brief an die Römer in Kapitel 13, 10 aufgegriffen.

So wird in der Situationsethik die Liebe zum endgültigen Maßstab. Das Bild eines strafenden Gottes wird durch die Liebe verändert. Die Liebe findet in den Evangelien durch Jesu so ihre besondere Bedeutung. Explizit ist aber zu sagen, dass dies keine Aufhebung von Gottes Geboten darstellt.

Weiter könnte man aber nun den Schluss verfolgen da ja geschrieben steht „Die Liebe tut den Nächsten nichts Böses“ und „So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung“15 dass in Liebe und Treue gelebte Homosexualität keine Sündhaftigkeit ist, egal wie die biblischen Gebote auch lauten mögen.

Schwachpunkte daran sind aber:

- Liebe braucht als Richtlinie das Gesetz. Niemand kann die Liebe zwischen zwei Menschen über das Recht stellen, welches gesellschaftliches Leben beschreibt. Dieses Faktum würde eben bedeuten, dass sich Liebende über andere Menschen erheben dürfen.
- Liebe ist nicht der endgültige Maßstab. Zum Beispiel darf niemand berechtigt sein, aufgrund der Güte seiner Liebe zu einer anderen Person, den eigenen Ehebund zu brechen und somit den Partner tief zu verletzen. Ein weiteres wenn auch überspitztes Beispiel: Es darf nicht sein, dass ein Mensch einen anderen, aufgrund seiner - auch hochwertigen Liebe für den Partner - tötet. Daraus wird wohl deutlich, dass die Güte einer Liebe nicht der Maßstab sein kann, anhand dessen beurteilt wird, was falsch oder richtig ist.
- Wer will beweisen, dass die Liebesgüte einer homosexuellen Beziehung ausreichend groß ist um diese vor Gott zu rechtfertigen.

Der exegetische Ansatz

Dieser Ansatz ist bei weitem ernster zu nehmen, als der eben erwähnte. Er verschweigt nicht, dass mehrere Bibelstellen eindeutig die Homosexualität ablehnen und setzt sich mit ihnen auseinander. Bestimmte Bibelstellen werden hierbei aber außer Kraft gesetzt. Dieser Ansatz nennt den Grund für die Ablehnung der Homosexualität in kultischen Gegebenheiten. Heidnische Völker im Lande Israel betrieben zur Zeit des AT auch homosexuelle Handlungen innerhalb kultischer Götzenanbetung. In exegetischer Sicht ist man also der Meinung, dass die Homosexuellen Verbote als gewollte Abgrenzungserscheinung gegenüber heidnischen Völkern zu sehen seien. Die biblischen Verbote beziehen sich also auf den heidnischen Tempelkult. Daraus folgt, dass nicht die Homosexualität per se verboten ist, sondern die Teilnahme an heidnischen Kult der diese bedingt. Die Verbote dienen also nur zur Reinhaltung der Beziehung mit Gott und beziehen sich nicht auf das Leben der Einzelnen.

Diese Punkte scheinen alle recht „schwulenfreundlich“ und das sind sie auch. Gerade deshalb habe ich sie mit Absicht in dieser Arbeit festgehalten. Es gibt viele gewichtige Punkte, die gegen die Homosexualität als göttlich gewollt sprechen (siehe biblische Leitdifferenzen). Wir dürfen aber nicht in biblischen Fundamentalismus verfallen und den Gesamtkontext der Schrift zu verlieren. Menschen, Einstellungen und Trends ändern sich. Die Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber Homosexuellen ändert sich ebenso.

Doch etwas ist stetig und ändert sich nicht. Wir müssen wahrhaben, dass sich Gott nicht verändert und an irgendwelchen Trends anpasst. Wenn Gott Homosexualität damals als nicht gut empfand, hat sich daran auch heute nichts geändert. Doch wir sind frei. Jeder kann seine präferierte Sexualität auszuleben. Es wäre eben falsch zu behaupten, es ist in Ordnung vor Gott, ein homosexueller Christ zu sein. Nein es ist Sünde, das sollte uns schon klar sein. Doch wir müssen im gleichen Atemzug verstehen, dass diese Sünde keine schwerwiegendere Sünde ist, als eine andere. Homosexuelle sollten niemals von Christen verurteilt werden - das ist falsch! Gott gab uns die Wichtigkeit des Gebotes der Nächstenliebe zu erkennen. Jesus ist dafür gestorben.

Weitere Stellen der Bibel um Erotik und sexueller sowie homosexueller Lebensbeschreibung ohne besonderer Bewertung der Handlungen

Nachfolgende ergänzende Stellen sollen noch einmal verdeutlichen, dass Homosexualität in der Bibel nicht ungewöhnlich ist und auch unterschiedlich gedeutet werden kann. Aber dennoch auch einer Wandlung unterliegt. Nichtsdestotrotz bieten die Texte Anregung, um auch einmal mit anderen Augen zu lesen.

- Das Hohelied der Liebe: Dort findet sich viel Erotik, aber eindeutig die Erotik zwischen Mann und Frau.
- „Sexuelle Minderheit“ in der Bibel: Eunuchen, Entmannte

Die „Verschnittenen“ (Luther-Übersetzung), die nicht zur Zeugung von

Nachkommen fähig sind, im Alten Testament: (Widerspruch [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Wandel):

„Kein Entmannter oder Verschnittener soll in die Gemeinde des HERRN kommen“16

„Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; der besser ist als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.“17

- Liebe zwischen Männern: David und Jonathan

Die Freundschaft, ja Liebe zwischen David und Jonathan, ist vielen bekannt. Sehr bekannt ist die Klage Davids über Jonathans Tod:

„Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonatan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.“18

- Erotik zwischen Männern: breit ausgemalten Einzelheiten aus der Freundschaft zwischen David und Jonathan „... er hatte ihn so lieb wie sein eigenes Herz“, Verabredung auf dem Feld weisen in der Tat auf eine erotische Komponente19
- Liebe zwischen Frauen: Ruth und Naemi „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen“20

Der Text erzählt die Rollen der beiden Frauen Naemi (Schwiegermutter) und Ruth (Schwiegertochter). Im Kapitel 2-4 wird geschildert, wie Ruth einen Mann (Boas, ein entfernter Verwandter der Naemi) kennen und schätzen lernt.

Das, was Boas an Ruth so bewundernswert findet, ist ihre Treue und Zuneigung zu Naemi.

Christusgemäß?

Bei der Ermittlung, ob eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft christusgemäß ist, so gibt es mehrere Teilbereiche des Christusgemäßen, welche auch Gefahren für die Systematische Interpretation beherbergen.

Um die Interpretation des Christusgemäßen zu vervollständigen, werde ich versuchen, alle vier Christusbilder, also das biblische, das historische, das der Kirche und mein Eigenes aufzuführen. Begründet wird diese Notwendigkeit an 4 Punkten aus dem methodischen Leitfaden zur systematischen Theologie und Religionsphilosophie von Herrn Prof. Dr. Martin Leiner aufgeführt werden:

- Ermittelt man die Christlichkeit einer Aussage durch Vergleich mit den biblischen Aussagen über Christus, so wird Christus letztlich doch wieder einem Teil der Schrift untergeordnet. Man kann diese Position als Biblizismus bezeichnen
- Unterstellt man die Bestimmung des Christlichen allein den hypothetischen Rekonstruktionen des historischen Jesus so entsteht durch die Unsicherheit und Wandelbarkeit des historisch-kritischen Jesusbildes leicht ein Relativismus
- Beurteilt man die Christlichkeit einer Aussage vom kirchlichen Christusbild aus, dann unterstellt man Christus doch wieder der Kirche, deren kritisches Gegenüber er doch sein sollte. Die Gefahr eines kirchlichen Triumphalismus ist bei dieser Sicht immer gegeben.
- Beurteilt man theologische Positionen allein von seinem eigenen Christusbild aus, dann entsteht leicht Subjektivismus.21

Bei den Recherchen zum Thema „gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften“ stieß ich auf ein Buch vom Oldenburger Schriftsteller Klaus Dede. Zugegebenermaßen hielt mich der Buchttitel anfangs eher davon ab, dieses Werk näher ins Auge zu fassen. Dennoch musste ich nach weiteren Recherchen erkennen, dass das Thema des Titels „Jesus - schwul?“ eine enorme Reich-weite hat. Eine solch plakative Aussage erhitzt eben das Gemüt. Im Klappentext des Buches heißt es:

„Die Pastoren wissen es seit eh und je. Manche Gläubige ahnen es. Klaus Dede sagt es: Jesus war schwul…“22

Dede bezeichnet sich selbst als Atheist. Er zieht zu seiner Interpretation unter anderen, das Johannesevangelium in Kapitel 13, 23 oder die LazarusErzählung (Johannes 11, 36) heran.

Im Folgenden gilt es, diese Stellen und noch eine weitere Quelle, nämlich Mathäus 19, zu untersuchen. Auch auf Petrus möchte ich zu sprechen kommen.

Vorweg sei allerdings gesagt, dass es zu Jesus als sexuelle Person explizit keinerlei Berichte in der Bibel gibt. Meiner Meinung nach ist es auch äußerst unwahrscheinlich das Jesus homosexuell veranlagt war, denn wäre sein Sexualleben auffällig gewesen so hätten Jesus Gegner diesen Punkt wohl gegen ihm angebracht. Die verschiedenen Autoren im NT interessierte sein Sexualleben einfach nicht. Diese Tatsache lässt den logischen Schluss zu, dass es in den Augen der Menschen seiner Zeit für einen Wanderprediger nicht außergewöhnlich oder bemerkenswert gewesen sein muss.

Jesus Bezug zu Maria Magdalena

Des Weiteren wird oftmals ein eventuelles Verhältnis zwischen Jesus und Maria Magdalena angebracht. Doch das entbehrt sich, wie auch die Thesen zur Homosexualität von Jesus, jeder beweisbaren Grundlage.

Maria Magdalena war nicht die Geliebte von Jesus. Sie wird oft als diejenige angeführt, welche Jesus salbte. Doch wenn wir aufmerksam das Lukas Evangelium verfolgen so wird Maria Magdalena erst nach der Salbung mit vollständigen Namen genannt. Eine anonyme „Salberin“ könnte also auch denkbar sein. Maria Magdalena wird durch Jesus von sieben Dämonen befreit (siehe Lukas 7,36-8,3). Daher muss sie Jesus sehr dankbar gewesen sein und verehrte ihn demzufolge auch. Sie war gut gestellt und konnte so, wie auch andere, Jesus und seine Jünger unterstützen. Sie war also einfach nur eine starke Frau mit festen Zielen. Diese Entschlossenheit zu Jesu Lebzeiten kann uns auch als Erklärung dienen, warum sie die Ehre erfuhr, Jesus als Erste nach der Auferstehung zu erblicken.

Andererseits ist das Argument gerechtfertigt, Jesus als Mensch habe auch menschliche Bedürfnisse in sexueller Sicht.

In der Bibel wird aber auch von seiner - vielleicht auch nur „platonischen“ Liebe zu einem einzelnen Jünger berichtet.

„Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte.“23

Diese Stelle wird immer wieder von Befürwortern der These „Jesus war schwul“ angebracht.

Insgesamt berichtet die Bibel von drei Menschen, welche von Jesus auf eine andere Art geliebt wurden. (Nachfolgend betrachtet: Johannes, Petrus, Lazarus)

Jesus Bezug zu Johannes

Den Bezug zu Johannes als Jünger den er liebte muss man aber nicht als homoerotische Komponente erkennen, sondern eher als Auserwählten. Johannes bekam den Auftrag sich nach dem Tod Jesu um Maria (der Mutter Jesus) zu kümmern.

„Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.“24

Im irdischen Leben nahm Johannes die Stelle Jesu ein. Von allen Jüngern erkennt nur Johannes Jesus nach der Auferstehung. (Jesus ruft vom Ufer aus zu den Jüngern)

„Da sagt jener Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr.“25

Daraus lässt sich, meines Erachtens, eher erkennen, dass Johannes Jesus am besten kannte.

Jesus Bezug zu Lazarus

Lazarus wurde durch Jesus von den Toten auferweckt. Aber die Erzählung berichtet auch von der besonderen Beziehung, die Jesus zu Lazarus hatte:

„Es war aber einer krank, Lazarus, von Bethanien, aus dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Martha. [...] Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, ist krank. [...] Jesus aber liebte die Martha und ihre Schwester und den Lazarus. [...] Jesus sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sagen zu ihm: Herr, komm und sieh! Jesus weinte. Da sprachen die Juden: Siehe, wie lieb hat er ihn gehabt!“26

Die hier explizit genannte Liebe Jesus zu Lazarus ist meines Erachtens als stilistisches Mittel zu verstehen. Auch die Liebe zu Martha und Maria wird genannt. Es soll an dieser neutestamentlichen Stelle verdeutlicht werden, wie Jesus diese Menschen, stellvertretend für alle Menschen auf der Welt, liebt.

Jesus Bezug zu Petrus

Nach der Auferstehung Jesu, am Meer von Galiläa, setzt Jesus ihn als Haupt in der Gemeinde ein:

„Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm, Ja Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Wiederum spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Hüte meine Schafe! Er spricht zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, dass er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!“27

Auch hier ist keinerlei sexuelle Absicht erkennbar. Denn durch die Frage nach der Liebe will Jesus anhand Petrus Antwort seine Würdigkeit zum Stellvertreter auf Erden prüfen.

Conclusio: Jesus war nicht homosexuell geprägt

Auf jeden Fall sollten wir im Hinterkopf behalten, das es für unser Wort „Liebe“ mehrere Übersetzungsmöglichkeiten im Griechischen gab:

- Agapao - soziale und moralische Liebe, Nächstenliebe, Liebe Gottes zu uns
- Phileo - die Liebe zwischen Freunden  Eros - erotische Liebe
- Storge - fürsorgliche Liebe

Diese kurze Definition ist jetzt aber nicht als starre Vokabeltabelle zu verstehen. Denn innerhalb eines neutestamentlichen Textes, können verschiedenste Arten der oben genannten Definitionen von Liebe für ein und denselben Sachverhalt auftauchen.

Wiederum finden wir auch einige Sätze Jesus, die sich eigentlich gegen die Familie richten (siehe unten) und somit im Grunde gar nicht richtig zu unserem Verständnis von Kirche und Familie passen wollen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch nicht das Jesu gegen Familien war und daraus folgernd für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft. Ich denke bei Jesus ist es wesentlich die Botschaft und das Verständnis vom Reich Gottes, welches es für ihn zu verbreiten galt zu erfassen. Wir müssen uns hüten in eventuell auch stilistische Gestaltungsmittel der Autoren Dinge hinein zu interpretieren die nicht der Überlieferung entsprechen.

„Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“28

Er will erst seinen Vater begraben. Jesus aber spricht:

„Folge du mir, und laß die Toten ihre Toten begraben!“29

Man sollte bei den Spekulationen um Jesus sexuelle Verhältnisse daran denken das Jesus immer eine besondere Liebe zu Randgruppen und Ausgestoßenen praktizierte. Um solche in die Gemeinschaft aufzunehmen und Anderen das wichtige Gebot der Nächstenliebe nahe zu bringen. Auch wenn dieses Handeln oft entsetzen hervorbrachte (siehe Zachhäus  „…bei einen Sünder ist er eingekehrt…“.), diente es doch der Beschreibung des neuen Glaubens und Liebens im Kontext mit Gott dem Vater.

Ein letzter aber wichtiger Punkt ist, dass Jesus an keiner Stelle der Bibel die Homosexualität verurteilt. Er spricht aber sehr viel von Liebe.

Bekenntnisschriften

In den Bekenntnisschriften der evangelisch lutherischen Kirche selbst waren für mich keine direkten Informationen über gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften aufzufinden. Jedoch viele Punkte in denen die Ehe beschrieben wird. Dabei wird Bezug auf die Ehe zwischen Mann und Frau genommen, welche wir zweifellos als Gegenstück zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft ansehen können.

Im Brief an die Korinther 4, 7 ist die Ehe als Gottes gute Schöpfung beschrieben. Die eheliche Gemeinschaft wird nicht vordergründig als von Menschen hervorgebracht angesehen, sondern als göttlicher Stand. So in der Confessio Augustana nachzulesen:

„Wir sollen diesen göttlichen Stand (der Ehe) ehren und auf überaus herrliche Weise segnen... Denn wenns auch ein weltlicher Stand ist, so hat er dennoch Gottes Wort für sich...“

Andere Stände werden in der Confessio unterschieden und abgegrenzt:

„denn die Ehe „...ist nicht von Menschen erdichtet oder gestiftet wie der Stand der Mönche und Nonnen“30

Dass die Ehe durch Gott besondere Würdigung erhält, geht auf die Begründung aus der Schöpfung zurück. Sie findet ihre Verdeutlichung bei Paulus und ihre Betonung bei Thomas von Aquin. Das heißt laut Bekenntnisschriften der evangelischen Kirche ist eine Gleichgeschlechtliche Ehe nicht möglich. Denn die Ehe ist ein von Gott erdachtes Gut. Nichtsdestotrotz schließt diese Aussage eine Segnung (fälschlicherweise oft als Homo-Ehe bezeichnet) nicht aus. Denn diese steht in einen anderen Kontext (siehe Punkt 2).

Weiterhin beschreibt die Confessio Augustana in ihrer Apologie im 23. Artikel die Ehe als

„…gut christlich und heilig des Glaubens willen im Christentum…“

Dabei wird Bezug auf den ersten Korintherbrief, Kapitel 7, 14, genommen. Weiter finden wir im Artikel 23 noch Aussagen wie

„…die natürliche Neigung… diese Neigung ist wahrhaftig eine göttliche Hinordnung des Geschlechts zum Geschlecht“.31

Natürliche menschliche Triebe werden hier als gottgewollte Ordnung erklärt. Entgegen den Verfechtern des Priester-Zölibats, welche die Reinheit des Menschen zu Gotte im nicht eingehen einer Ehe als einzige Möglichkeit verstehen.

Conclusio finalis

Beginnen möchte ich mit einer Stellung der VELKD, welche in den Leitlinien kirchlichen Lebens von 2003 zu gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften folgendes festhält:

„…Der evangelischen Kirche ist es geboten Menschen, die in anderen Lebensformen oder mit einer bestimmten sexuellen Prägung verbindlichen und treue, liebevolle und tragfähige Partnerschaften suchen, aufmerksam und ohne Abwertung wahrzunehmen und zu achten…“32

Die Betonung sollte in diesen Satz auf der Art der Lebenspartnerschaft liegen (Liebe, Treue, Festigkeit) erst das stellt sie der Ehe näher.

Diese Arbeit sollte herausgestellt haben, dass uns die Gebote Gottes klarmachen, dass Homosexualität auch eine Sünde ist. Aber sie ist eine Sünde wie jede andere. Christus zeigt uns deutlich, dass das Gebot der Nächstenliebe immer seine Anwendung finden muss, auch bei homosexuellen Menschen. Die Zugehörigkeit zur Kirche kann und darf nicht durch ethische Kriterien wie eine eventuelle Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bestimmt werden, sondern muss sich allein auf das Bekenntnis des Glaubens berufen. Auch wenn Homosexuelle Prägungen nicht von Gott vorgesehen sind so macht Jesus, als neue Instanz des göttlichen Willens klar, dass diese nicht verurteilt werden dürfen.

Daraus folgt: Christen können in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben. Denn sie haben ihren freien Willen. Sie sind als Glaubende absolut gleichwertig, doch sie sollten sich bewusst machen, dass sie höchstwahrscheinlich in ihrem sexuellen Leben nicht der göttlichen Vorsehung entsprechen. Doch sobald das Bewusstsein dafür geschaffen wird kommt jeder Mensch in der Verbindung mit Gott näher. Die Forschung kennt nicht mit Gewissheit die Ursachen homosexueller Prägung. Es gilt also, Raum für Anerkennung der Homosexuellen in der Kirche zu schaffen. Das wird durch die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare erreicht. Es gilt dies Fortzusetzen und keinen Ausschluss für diese Menschen zu praktizieren, denn jeder soll die seelsorgerische Tätigkeit der Kirche in Anspruch nehmen dürfen.

Anlagen

Email-Texte und Material verschiedener Institutionen

Hier führe ich Texte und Quellen auf, die mir bei dieser Ausarbeitung noch zusätzlich zur Verfügung standen.

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Betreff: Stellung der EKD zur gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich schreibe im Studium der evangelischen Theologie eine Arbeit zu dem Thema „Können Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen“. Die Betrachtung erfolgt im Fach der Systematischen Theologie, daher sammle ich auch verschiedene Stellungen zum Thema. Nun würde ich sie gerne bitten ob sie mir weitere Informationen zur Position der EKD geben können.

Vielen Dank für ihre Mühe.

mit freundlichen Grüßen

Markus Kreißl

EKD Evangelische Kirche in Deutschland

Sehr geehrter Herr Kreißl,

vielen Dank für Ihre Mail, in der Sie nach der Stellung der EKD zur Homosexualität fragen. Der Rat der EKD legte 1996 eine Orientierungshilfe zum Thema „Homosexualität und Kirche“ unter dem Titel „Mit Spannungen leben“ vor und kam zu dem Ergebnis: Es gibt keine biblischen Aussagen, die Homosexualität in eine positive Beziehung zum Willen Gottes setzen. Homosexuelle Praxis als solche wird - in Übereinstimmung mit den allgemeinen biblischen Aussagen zum Menschenbild und zur Sexualität - als dem ursprünglichen Schöpferwillen Gottes widersprechend qualifiziert. Angesichts der zentralen Stellung, die das Liebesgebot in der Heiligen Schrift hat, darf jedoch auch homosexuelles Zusammenleben nicht von seiner Geltung ausgenommen werden. Das heißt: Der im Liebesgebot ausgesprochene Wille Gottes gilt auch für die ethisch verantwortete Gestaltung homosexuellen Zusammenlebens.

Für das Zusammenleben von Menschen unter dem Aspekt der Sexualität und Generativität sind aus der Sicht des christlichen Glaubens Ehe und Familie die sozialen Leitbilder. Denjenigen homosexuell geprägten Menschen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte und Selbstwahrnehmung ihre homosexuelle Prägung als unveränderbar verstehen und denen das Charisma sexueller Enthaltsamkeit nicht gegeben ist, ist zu einer vom Liebesgebot her gestalteten und darum ethisch verantworteten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft zu raten. Diese Position muss eine Spannung zwischen dem biblischen Widerspruch gegen homosexuelle Praxis als solche und der Bejahung ihrer ethischen Gestaltung in Kauf nehmen.

Die Kriterien, die für eine vom Liebesgebot her verantwortete homosexuelle Lebensgemeinschaft gelten, sind - bis auf die Funktion, Lebensraum für die Geburt und Erziehung von Kindern zu sein - dieselben wie die für Ehe und Familie: Freiwilligkeit, Ganzheitlichkeit, Verbindlichkeit, Dauer und Partnerschaftlichkeit. Gegenüber dem Staat, so die Orientierungshilfe, sollte die Kirche für eine Aufhebung sachlich unbegründeter Benachteiligungen eintreten, denen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften ausgesetzt sind. - -

In der evangelischen Kirche ist der Wunsch, Pfarrer zu werden, noch nicht hinreichend, um Menschen zum Pfarramt zuzulassen. Vielmehr wird anhand von Kriterien nach der Eignung gefragt. Der Rat der EKD hat sich in seiner Orientierungshilfe „Mit Spannungen leben“ dafür ausgesprochen, dass eine generelle Öffnung des Pfarramtes für homosexuell lebende Menschen nicht vertretbar ist. Wohl aber kann verantwortet werden, dies nach gründlicher Prüfung in Einzelfällen zu tun, nämlich dort, wo die homosexuelle Lebensweise ethisch verantwortlich gestaltet wird.

Auf unserer Homepage finden Sie unter http://www.ekd.de/ homosexualitaet/index.html ein Themenportal zu „Homosexualität“, in dem sowohl eine ausführliche Einführung in das Thema (s. http://www.ekd.de/homosexualitaet/einfuehrung.html) als auch alle von der EKD veröffentlichten Texte zur Thematik eingestellt sind. Bitte machen Sie sich dort kundig.

Mit freundlichem Gruß

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Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kirchenamt der EKD

Herrenhäuser Str. 12

D-30419 Hannover

http://www.ekd.de

VELKD Vereinigte evang. Kirchen in Deutschland

Sehr geehrter Herr Kreißl,

bzgl. Ihrer Anfrage verweise ich aus dem Bereich der VELKD auf die Stellungnahme der Bischofskonferenz vom O9. März 2004. Sie finden diese unter

http://www.velkd.de/downloads/amtsblatt_15_07_2004.pdf Mit freundlichen Grüßen

xxx xxx

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Amt der VELKD

Referat VI: Theologische Grundsatzfragen

Herrenhäuser Str. 12

D-30419 Hannover

Lutherischer Weltbund

Lieber Herr Kreißl,

mit dem Thema gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften haben sich zahlreiche Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes seit über 20 Jahren beschäftigt. Es gibt eine Fülle von Material dazu.

Das Spektrum der unterschiedlichen Positionen ist groß. Deshalb gibt es auch nicht „die“ LWB Position zum Thema. Vor zwei Jahren wurden Leitlinien zum Umgang mit dem Thema von einer Arbeitsgruppe des LWB erstellt. Sie finden das englische Dokument auf:

http://www.lutheranworld.org/LWF_Documents/2007_Council/Task_ Force_Report-EN.pdf

Unsere US amerikanische Mitgliedskirche, die ELCA, hat sehr viele ihrer Materialen online: http://www.elca.org/What-We- Believe/Social-Issues/Social-Statements-in-Process/JTF-HumanSexuality/Resources.aspx

http://www.elca.org/What-We-Believe/Social-Issues/Social- Statements-in-Process/JTF-Human-Sexuality.aspx

Auch die schwedische Kirche hat intensiv dazu gearbeitet, dort könnten Sie vielleicht auch einmal direkt nachfragen. Die Website der Kirche ist: www.svenskakyrkan.se

Der Schwerpunkt vieler Argumentationen liegt auf exegetischen bzw. hermeneutischen Reflexionen oder ekklesiologischen Fragen, d.h. was bedeutet es für das Kirche-Sein von Kirche, wenn ethische Fragen zum Kriterium für die Zugehörigkeit zu einer Kirche bzw. Kirchengemeinschaft werden.

Ich wünsche Ihnen interessante Entdeckungen in diesem komplexen Feld.

Mit freundlichen Grüßen,

xxx xxx

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Department for Theology and Studies

The Lutheran World Federation

150, route de Ferney

P.O.Box 2100

CH-1211 Geneva 2

LUST - lesbische und schwule Themen http://www.lust-zeitschrift.de/

----- Original Message -----

Subject: Anfrage zur Stellung der LUST zur Kirche Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich schreibe im Studium der evangelischen Theologie eine Arbeit zu dem Thema „Können Christen eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen“. Die Betrachtung erfolgt im Fach der Systematischen Theologie, daher sammle ich auch verschiedene Stellungen zum Thema. Nun würde ich sie gerne bitten ob sie mir weitere Informationen zu ihrer Position geben können. Mich interessieren sämtliche Meinungen unabhängig vom Bekenntnis der jeweiligen Kirche. Den Text: 72. LUST, Herbst 02, September / Oktober / November Kirche und Ehe, Recht und Gesetz habe ich bereit auf Ihren Seiten gefunden. Vielen Dank für ihre Mühe.

Mit freundlichen Gruß

Markus Kreißl

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hallo Markus,

das hast Du sicher in einer Print-Ausgabe gefunden, denn ich habe den Artikel nicht im Internet gefunden, obwohl ich dort intensiv danach gesucht habe. Also habe ich die 72. LUST rausgesucht. Dort handelt es sich um einige Presseerklärungen des LSVD, genauer zu einem seiner Sprecher, dem ehemaligen Bundesanwalt Manfred Bruns. Die Presseerklärungen wurden derart lieblos dort reingeklatscht, dass es heute meinen Augen wehtut.

Die Frage nach der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft einerseits und dem, was Christen nun wirklich können, kann nicht beantwortet haben. Aber mit religiösen Organisationen jedweder Art müssen, so meinen wir, Auseinandersetzungen geführt werden, wenn sie versuchen, auf staatliche Gesetze Einfluss zu nehmen und so das Leben von Menschen, die nicht religiös sind, in dieser Weis vergiften zu suchen.

Wenn Du ins Internet gehst: www.lust-zeitschrift.de findest Du den Link „Artikel“. Und dann ist dort der Link zum Artikel- „Archiv“ zu finden. Dort sind eine Unzahl von Beiträgen in den verschiedenen Rubriken, die sich auch mit der Fragestellung Religion und Homosexualität auseinanderzusetzen haben.

Ab Herbst 03 haben wir dort die Rubrik „Religion“ eingerichtet und dort viele Artikel zugeordnet. Da könntest Du auch fündig werden. Ansonsten rate ich Dir, auf die Internet-Präsenz des LSVD zu gehen. Der setzt sich nämlich mit diesem Thema auseinander, sodass Du dort Einiges finden könntest: http://www.lsvd.de/

Wir selber veröffentlichen oftmals Beiträge und Pressemeldungen, wenn diese aus der Szene stammen und es also Menschen gibt, die sich damit auseinandersetzen. Da wir selber gar nicht religiös sind, ist uns diese Fragestellung doch recht fremd. Uns interessiert und für unser eigenes Leben nämlich überhaupt nicht, was irgendein Religionsverkünder glaubt, sagen zu müssen.

Schau mal nach unserem Aufruf unter dem Link http://www.rosalueste.de/aufruf1.html den haben wir auf der Buchmesse zusammen mit Verlegern einiger Verlage unserer Szene und anderen emanzipativen Denkansätzen formuliert, das gibt in etwa unsere Auffassung wieder.

Viele Grüße

XXX XXX

„Homosexualität in der Literatur katholischer Moraltheologen“ von Lisa Brand, 2009

Die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität

Der Katechismus der Katholischen Kirche macht die Einstellung zur Homosexualität deutlich: Zwar haben homosexuelle Männer und Frauen „diese Veranlagung nicht selbst gewählt“, doch sind diese Menschen „zur Keuschheit“ berufen, um sich „entschieden der christlichen Vollkommenheit an(zu)nähern.“33 Auch die Verlautbarung des Apostolischen Stuhls „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ erklärt, dass Homosexualität mittlerweile zwar gebilligt wird, aber nur unter der Prämisse, dass homosexuelle Partnerschaften nicht mit Ehe und Familie gleichgestellt werden. Die Kongregation für die Glaubenslehre erklärt, dass die Ehe nicht nur eine „beliebige Gemeinschaft von menschlichen Personen“34 ist, sondern eine Vorrangstellung innerhalb der Schöpfungsordnung einnimmt. Diese Exklusivität zeigt sich auch in der Würde des Ehesakraments. Homosexuelle Beziehungen dagegen würden „gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen.“35 Begründet wird dieser Verstoß durch die fehlende Möglichkeit der Fortpflanzung, die der eigentliche Zweck von sexuellen Handlungen sei.

Die Einstellung, dass homosexuelle Menschen zwar keine Schuld an ihrer Orientierung tragen, aber dennoch gegen die natürliche Ordnung verstoßen, ist das einmütige Urteil der katholischen Tradition.36 Es stellt sich jedoch die Frage, ob gegenwärtig nicht auch andere Positionen und Lehrmeinungen vertreten werden. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit Texten in aktuellen Lehrbüchern und Sammelbänden und dem Artikel „Homosexualität“ im Lexikon für Theologie und Kirche, um festzustellen, welche Tendenzen in der Diskussion um eine ethische Bewertung von Homosexualität heute erkennbar sind. Das Prädikat ‚aktuell‘ meint hier, dass alle untersuchten Texte nach 2000 erschienen sind.

Nun sollen zunächst die Thesen in den Aufsätzen „Gelingendes Leben in Ehe und Familie. Grundlagen der Sexualmoral“ von Klaus Arntz37 und „Die sittliche Beurteilung der Homosexualität. Moralhistorische Anmerkungen zum christlichen Standpunkt“ von Josef Spindelböck38 betrachtet werden. Darauf folgt die Untersuchung des Artikels „Homosexualität“ im LThK, wobei ein Augenmerk auf der Entwicklung des Artikels in den verschiedenen Auflagen des Lexikons liegen soll. Den Abschluss der Arbeit bildet ein theologischer Neuansatz von Martin Steinhäuser, der sich dem Thema Homosexualität von der Schöpfungstheologie ausgehend erfahrungstheoretisch nähert.39

Stellungnahmen in aktueller Literatur

Gemeinsame Tendenzen

In nahezu allen untersuchten Texten, von denen die beiden genannten lediglich beispielhaft vorgestellt werden, wird ein ähnliches wissenschaftlich fundiertes Schema deutlich: Es findet sich eine mehr oder wenig explizite Definition des Begriffs „Homosexualität“, gelegentlich wird zusätzlich das Problem aufgezeigt, das die Konstruktion des Homosexualitätsbegriffs nach sich zieht. Meist folgt eine Ausführung über ältere und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entstehung von Homosexualität. Ein zentrales Element in allen theologisch-ethischen Texten ist die Beschäftigung mit biblischen Aussagen über Homosexualität, wobei sich die Texte allerdings in der Wertung und im Umgang mit den Bibelstellen - größtenteils wird der Apostel Paulus in Röm 1,24-32; 1 Kor 6,9-10 und 1 Tim 1,8-11 zitiert unterscheiden. In der theologisch-ethischen Reflexion fällt auf, dass eine Menge offener Fragen bleiben, deren Klärung ausbleibt.

Viele der untersuchten Texte bewegen sich von den bekannten lehramtlichen Aussagen zu Homosexualität weg. Gerade die Forderung des Lehramts, ein Leben in Keuschheit zu führen, um homosexuelle Triebe zu unterdrücken, stößt in der theologisch-ethischen Reflexion auf Kritik. Die vorliegenden Texte stellen hier zwar selten Lösungen vor, öffnen sich aber anderen drängenden Fragen moderner homosexueller Lebenswelten, wie zum Beispiel die Frage nach einer angemessenen Pastoral.

Homosexualität aus Sicht von Klaus Arntz

Der Moraltheologieprofessor Klaus Arntz verfasste 2008 einen ausführlichen Artikel über Sexualmoral in Ehe und Familie. Darin ist ein umfassendes Kapitel über Homosexualität enthalten. Auch er eröffnet seine Abhandlung über gleichgeschlechtliche Beziehungen mit der Frage nach Aussagen zu Homosexualität in der Bibel. Doch gleich zu Beginn konstatiert er:

„Für die gegenwärtige ethische Bewertung der Homosexualität aus moraltheologischer Sicht können biblische Belegstellen nur eine eingeschränkte Bedeutung haben.“40

Er begründet dies damit, dass die Verse der Heiligen Schrift nur von Homosexualität zwischen Männern sprechen und dass zwar homosexuelle Praktiken verurteilt werden, eine Bewertung von homosexueller Neigung aber ausbleibt.41 Darüber hinaus können biblische Aussagen über Homosexualität nur in ihrem historischen Kontext verstanden werden. So stehe zum Beispiel Röm 1,18-32 „im Zusammenhang mit einer prophetischen Gerichtsrede [...], in der Paulus die Schuldverfallenheit aller Menschen aufdeckt [...]. Für eine ethische Bewertung der Homosexualität reichen die biblischen Fundstellen allein offensichtlich nicht aus, da ihre eigentlichen Intentionen nicht in der moralischen Unterweisung aufgehen.“42

Dass in der heutigen Zeit immer unbefangener über Homosexualität gesprochen werden kann, liegt, so Arntz, vor allem in der Dekonstruktion und der Entpathologisierung des Homosexualitätsbegriffs, was sich in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung widerspiegelt.43 In der Diskussion um eine ethische Bewertung von Homosexualität stehen sich zwei Standpunkte gegenüber: die Äquivalenztheorie fordert, dass „eine partnerschaftlich ausgerichtete Homosexualität [...] als eine der Ehe äquivalente Lebensform zu gelten“44 habe, da sich die individuelle Ausgestaltung der Sexualität auf das personale Selbstbestimmungsrecht berufen muss. Dem gegenüber bezeichnet die Asymmetriethese Homosexualität als ein ontisches Übel oder zumindest als ontische Nebenordnung, wobei allerdings betont wird, dass ontisches Übel nicht mit moralischem Übel gleichgesetzt werden darf.45

Im Folgenden stellt Arntz beispielhaft zwei extreme Standpunkte im Kontext der theologisch-ethischen Reflexion über Homosexualität vor: Die Prämisse der Heilbarkeit, die von der Kirche bevorzugt werden soll und die Forderung nach einer Theologie der Befreiung von kulturell aufgezwungenen Stigmatisierungen und Diskriminierungen.46 „Die beiden Positionen dokumentieren die Schärfe, mit der nicht selten Diskussionen im Bereich der Sexualethik geführt werden.“47 Möglicherweise führt Arntz hier diese Beispiele an, um aufzuzeigen, welch großer Raum zwischen solchen Extrempositionen für eine ethische Diskussion geöffnet bleibt.

Auffallend ist in dieser Debatte die Differenzierung zwischen sexueller Handlung und Neigung. So akzeptiert beispielsweise die ökumenische Arbeitsgruppe ‚Homosexuelle und Kirche‘ sowohl Praxis als auch Neigung, während die Konferenz Bekennender Gemeinschaften der Evangelischen Kirchen Deutschlands jegliche Homosexualität als ethisch verwerflich ablehnt. Das katholische Lehramt lehnt homosexuelle Praktiken ab, toleriert aber homosexuelle Neigungen.48 Ungeachtet der zahlreichen Differenzierungsmöglichkeiten fordert Arntz, auch für den Bereich der Homosexualität „die allgemeinen ethischen Kriterien der Sexualmoral“49 geltend zu machen. Dies beinhaltet das Personenprinzip, die Formulierung des Kategorischen Imperativs, der die Nichtinstrumentalisierung des Partners, den Schutz der Intimsphäre und ein Höchstmaß an Treue und Verbindlichkeit einschließt.50

Das letzte Kapitel bietet einen Überblick über kirchenamtliche Erklärungen zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Festzuhalten ist hierbei, dass Arntz diese Verlautbarungen wertfrei zusammenfasst und seine Meinung zurückhält.

In seinem Artikel bietet Klaus Arntz einen Überblick über aktuelle Lehrmeinungen zu Homosexualität. Hierbei beschränkt er sich nicht nur auf die Wiederholung lehramtlicher Aussagen, sondern stellt auch Positionen dar, die sich nicht mit der kirchlichen Meinung decken. Er postuliert außerdem Voraussetzungen für eine ethische Diskussion um Homosexualität. Der Artikel endet allerdings ohne eine ethische Bewertung von Homosexualität bzw. ohne eine Diskussion um seine solche Wertung. Stattdessen beschließt Klaus Arntz seine Ausführung mit der offenen Frage, ob die von der Kirche „vertretenen Positionen eine sowohl theologisch-ethisch wie menschlichpastoral angemessene Antwort auf die Fragen und Probleme der Menschen von heute“51 biete.

Josef Spindelböcks „Moralhistorische Anmerkungen“

Bereits in der Einführung seines Beitrags über „Die sittliche Beurteilung der Homosexualität. Moralhistorische Anmerkungen zum christlichen Standpunkt“, den Josef Spindelböck 2001 veröffentlichte, betont Spindelböck, dass die kirchliche Einstellung zwar „wenig konsensfähig“52 sei, aber die Aufgabe des katholischen Lehramtes sei es, „‚Zeichen des Widerspruchs‘ zu sein, gerade um des Menschen und seiner unveräußerlichen Würde willen!“53 Die Sicht des Lehramtes, die Spindelböck anhand des Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 2357-59) erläutert, müsse zudem allen moraltheologischen Überlegungen zu Grunde liegen.54

Den Hauptteil des Textes bildet eine historische Betrachtung, in der einige Schlaglichter im Umgang mit Homosexualität in der Geschichte beleuchtet werden. Der Autor macht aber deutlich, dass diese Betrachtung nur „ansatzweise“55 erfolgen kann. Der geschichtliche Überblick beginnt in der Antike und endet mit aktuellen kirchlichen Lehrmeinungen:

Während in der Antike Homosexualität weitestgehend als Randerscheinung gebilligt wurde - man vergleiche dazu das antike Griechenland, wo Homosexualität sogar als „Art ständischer Initiation (galt), durch welche männliche Jugendliche in die Welt der adligen Männergesellschaft aufgenommen wurden“56 - positioniert sich die Heilige Schrift gegen homosexuelles Verhalten. Spindelböck belegt dies damit, dass Abweichungen homosexuelle Handlungen heidnischem Götzendienst gleichkommen würden, und dass das biblische Menschenbild im Alten und Neuen Testament heterosexuell geprägt ist. So stellt Jesus Christus selbst die Ehe in den Vordergrund und wertet damit Homosexualität implizit ab (Mt 19,3-12).57

Auch in der Zeit der Kirchenväter lehnt die Mehrheit Homosexualität ab. Kaiser Justinian macht die Homosexualität sogar für „Hungersnot, Erdbeben und Pest“58 verantwortlich. Eine gemäßigte Haltung nimmt Cyprian von Karthago ein, der keine Sünde für unvergebbar hält, „auch nicht die homosexuelle Abirrung.“59 Das Mittelalter hält Homosexualität ebenfalls für eine Verfehlung. Spindelböck nennt hier beispielhaft Thomas von Aquin, der „Homosexualität zu den widernatürlichen Unzuchtsünden (‚ vitium contra naturam ‘)“60 zählt und sie dadurch auf eine Stufe mit Selbstbefriedigung, Bestialität und Oral- bzw. Analverkehr stellt.61

Erst in der Neuzeit, so beschreibt Spindelböck, wandelt sich vor allem der gesellschaftliche Blick auf Homosexualität. „Homosexualität wurde von einem Vergehen bzw. Verbrechen zu einer privaten Sünde, dann zu einer Krankheit, schließlich zu einer tolerierten und heute zu einer als gleichwertig mit der Heterosexualität anerkannten Lebensform.“62

Im nächsten Kapitel seines Textes widmet sich Spindelböck nun der sittlichen Beurteilung der Homosexualität in Kirche und Theologie der Gegenwart. Hier ähnelt der Aufbau des Textes dem Artikel von Klaus Arntz: Spindelböck beschreibt die Unterscheidung zwischen „homosexueller Ausrichtung, homosexuellem Verhalten und homosexueller Identität als hilfreich.“63 Daran anknüpfend beschreibt er, warum sich die moralisch-ethische Bewertung aktuell oft von der lehramtlichen Position abwendet. Hier nennt er ebenso wie

Arntz die „Entpathologisierung“, aber ebenso die Aufwertung der Homosexualität als eine der Heterosexualität gleichwertige Schöpfungsvariante - dieser Ansatz, den vor allem Martin Steinhäuser prägt, soll im Schluss der Arbeit eingehender vorgestellt werden - und die Diskussion um die Eheschließung für homosexuelle Paare.

Spindelböck kommt nun unter der Überschrift „Theologische Klärungen“ zu dem Urteil, dass homosexuelle Neigungen ebenso wie homosexuelle Akte heterosexuellen nicht gleichgestellt sind. Als Begründung zitiert er Helmut Weber: „So wenig es eine Diskriminierung der Person geben darf, so wenig darf man andererseits den Mangel übersehen, den die Person mit der homosexuellen Ausrichtung und Orientierung erleidet.“64 Außerdem „ist nicht zu erwarten, dass der Homosexualität die gleiche Wertschätzung eingeräumt wird wie der Heterosexualität; geht man von dem zeichenhaften Charakter der Leiblichkeit der sexuellen Begegnung aus, so behält eben doch die Homosexualität die Eigenart einer Anomalie.“65 Des Weiteren führt er einige Argumente auf, warum homosexuelle Akte sittlich nicht anerkannt werden können.66

Der Artikel endet mit einer wertenden Zusammenfassung, in der Homosexualität zwar als Widerspruch zur Schöpfungsordnung steht, es aber dennoch Sünden gibt, die „objektiv viel schlimmer sind als homosexuelle Beziehungen.“67 Spindelböck positioniert sich hier zwar klar auf die Seite der Heterosexualität, begründet dies aber damit, dass er wie die lehramtlichen Aussagen zu Homosexualität diese nicht verurteilen, sondern die „gottgewollte Institution der Ehe als Grundlage von Familie, Gesellschaft und Kirche“68 schützen will.

Vergleich beider Abhandlungen

Vergleicht man die Texte von Klaus Arntz und Josef Spindelböck miteinander, so fällt auf, dass Arntz keine eigene Bewertung von Homosexualität vornimmt und auch nicht Stellung zu lehramtlichen Verlautbarungen nimmt. Es lässt sich vermuten, dass dies am Lehrbuchcharakter des Buches liegt, das Arntz‘ Artikel beinhaltet. Der Text will dem Leser einen möglichst objektiven Einblick in den aktuellen Stand der Diskussion bieten. Würde der Autor am Ende eine subjektive Wertung anbieten, bestünde die Gefahr der unkritischen Übernahme der Ansicht von Seiten des Lesers.

Josef Spindelböck dagegen positioniert sich klar auf die Seite des Lehramts. Obgleich ihm bewusst ist, dass „die christliche und insbesondere die römischkatholische Beurteilung der Homosexualität [...] wenig konsensfähig“69 scheint, verteidigt er die Kirche in ihrer Haltung zu Homosexualität als Schützer und Förderer der positiven Werte und des Sittengesetzes. Der Grund für die klar ersichtliche Stellungnahme liegt auf der Hand: Im Gegensatz zu Klaus Arntz‘ Lehrbuchbeitrag handelt es sich bei Josef Spindelböcks Artikel um einen Artikel in einem Sammelband zum Thema Homosexualität. Ziel des Artikels soll es nicht sein, dem Leser verschiedene Positionen vorzustellen, sondern die katholische Bewertung von Homosexualität darzustellen und zu verteidigen.

Auch der Aufbau der Texte unterscheidet sich: Im Gegensatz zu Klaus Arntz, der Positionen der aktuellen Diskussion erläutert, um den möglichen Raum für eine ethische Bewertung abzustecken, wählt Spindelböck einen anderen Zugang: Er betrachtet die Bewertung von Homosexualität im Verlauf der Geschichte, um danach zu einer aktuellen Standpunktbestimmung aus theologischer Sicht zu gelangen.

Will sich der Leser umfassend über Homosexualität und die christliche Bewertung informieren, scheint keiner der beiden Artikel ausreichend: In Klaus Arntz Beitrag kann zwar viel über verschiedene Standpunkte gelesen werden, doch fehlt die historische Entwicklung der kirchlichen Haltung zu Homosexualität. Die Lektüre des Artikels von Spindelböck wäre dagegen ebenfalls nicht ausreichend, da sich die Beschreibung der Neuzeit nur auf den christlichen Standpunkt beschränkt. In der Kombination enthalten beide Texte allerdings eine hohe Informationsdichte.

[...]


1 Genesis 1, 27-28; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

2 Genesis 2, 18; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

3 Genesis 1, 31; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

4 Levitikus 18, 22; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

5 Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 dt. Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung; Erläuterung zu Levitikus 20, 13

6 Deuteronomium 22, 5; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

7 Genesis 19, 4-13; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

8 Genesis 19, 6; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

9 Genesis 18, 20; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

10 Jeremia 23, 14; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

11 Jesaja 1, 9; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

12 Habakuk 2,14; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

13 Platon, Symposion, hg. von Boll/Buchwald, München 1969, S. 83-111

14 Richter 19, 28+29; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

15 Stuttgarter Erklärungsbibel; Neues Testament; Der Brief des Paulus an die Römer 13, 10

16 5. Mose 23, 2; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

17 Jes. 56, 4-5; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

18 2. Samuel 1,26; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

19 1. Samuel 20, vor allem V. 17; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

20 Ruth 1, 16-17; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

21 Methodischer Leitfaden Systematische Theologie und Religionsphilosophie; Prof. Dr. Martin Leiner; 2008; Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

22 Quelle: Jesus - schwul?: Die Kirche, die Christen und die Liebe - Eine Antwort; Schutter Verlag; 2006

23 Johannes 13, 23; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

24 Johannes 19, 26+27; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

25 Johannes 21, 7; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

26 Johannes 11, 1, 3, 5, 34-36; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

27 Johannes 21, 15-17; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

28 Markus 3, 31-35; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

29 Mathäus 8, 22; Stuttgarter Erklärungsbibel; 2005 deutsche Bibelgesellschaft; Lutherübersetzung

30 Confessio Augustana, Traubüchlein, 529

31 Confessio Augustana, Apologie, Artikel 23

32 Leitlinien kirchlichen Lebens; 2003; VELKD; nachzulesen unter:

http://www.velkd.de/downloads/Leitlinien_kirchlichen_Lebens(2).pdf Stand: 03.02.2009

33 Katechismus 2358.

34 Kongregation für die Glaubenslehre, 6.

35 ebd., 7.

36 vgl. ebd., 7.

37 Arntz, 61-126, v.a. das Kapitel „VIII. Homosexualität“ (109-126).

38 Spindelböck, 168-178.

39 Steinhäuser, 68-85.

40 Arntz, 110.

41 vgl. Arntz, 110 f.

42 Arntz, 110 f.

43 vgl. Arntz, 111 ff.

44 Arntz, 114.

45 vgl. Arntz, 115.

46 ebd.

47 Arntz, 115.

48 vgl. ebd., 116.

49 Arntz, 116.

50 vgl. Arntz, 116 f.

51 Arntz, 122.

52 Spindelböck, 161.

53 ebd.

54 vgl. ebd.

55 ebd., 162.

56 ebd., 163.

57 vgl. Spindelböck, 166.

58 Spindelböck, 167.

59 ebd.

60 ebd., 169.

61 vgl. ebd.

62 ebd., 172.

63 ebd.

64 Weber, 346.

65 Spindelböck, 175.

66 vgl. ebd., 175 f.

67 ebd., 177.

68 ebd., 178.

69 ebd., 161.

Ende der Leseprobe aus 183 Seiten

Details

Titel
Ist gleichgeschlechtliche Liebe Sünde? Christliche Kirchen und ihr Umgang mit Homosexuellen
Autoren
Jahr
2015
Seiten
183
Katalognummer
V272793
ISBN (eBook)
9783656894346
ISBN (Buch)
9783956870705
Dateigröße
4224 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biblische Hermeneutik, AGG, Schwule Theologie
Arbeit zitieren
Markus Kneißl (Autor)Jana Nitezki (Autor)Sascha Schmuck (Autor)Lisa Brand (Autor), 2015, Ist gleichgeschlechtliche Liebe Sünde? Christliche Kirchen und ihr Umgang mit Homosexuellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272793

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