Eugène Delacroix, Wegbereiter des Impressionismus, malte im Jahre 1830 ein Gemälde namens La Liberté guidant le peuple. Dieses Bildnis zeigt die Pariser Juli-Revolution, welche kurz jedoch gewalttätig war. Delacroix stellt in dieser Arbeit einen Akt des Menschengeschlechtes dar. Gefallene und Kämpfende umringt von Blut, Gestank sowie Feuersbrunst und inmitten dieser Tragik, die Personifizierung der Freiheit. Sie weist dem Volke den Weg. In der einen Hand die tricolore, in der anderen die Muskete, bereit Leid und Tot herbeizuführen. In wieweit entspricht dies hingegen der Realität? In wie weit kämpften jene, die mit dem Gewehr und dem Säbel, nicht der tricolore, auf die Straßen gingen, für die Freiheit? Sie strebten eine Veränderung an, jedoch mit Hilfe der Gewalt.
Anhand dessen werden zwei wichtige Faktoren der Revolution offenkundig, die Freiheit und die Gewalt. Beides mögliche Bestandteile, doch wirken sie auch zusammen? Tritt das Streben nach Freiheit zugleich mit gewaltsamen Auseinandersetzungen auf, oder wird die Revolution erst gewaltsam, wenn andere Faktoren den Ausschlag zur Revolution geben?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Privater Raum und öffentliche Freiheit
2.2 Die soziale Frage
2.3 Die Gewalt
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Revolution und Gewalt unter besonderer Berücksichtigung der politischen Philosophie von Hannah Arendt. Dabei wird analysiert, inwiefern Gewalt als Instrument in revolutionären Prozessen fungiert, wie sich der Freiheitsbegriff im historischen Wandel verändert hat und unter welchen Voraussetzungen Gewalt als legitim für die Etablierung einer neuen politischen Ordnung angesehen werden kann.
- Die Unterscheidung zwischen privatem Bereich und öffentlicher Freiheit nach Hannah Arendt.
- Die Transformation der Revolution durch die sogenannte soziale Frage.
- Die theoretische Einordnung von Gewalt als Machtinstrument bei Denkern wie Machiavelli, Weber und Arendt.
- Die Anwendung der theoretischen Konzepte auf aktuelle politische Geschehnisse, insbesondere in der Ukraine.
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Gewalt
Die Macht ist fest verankert im Politischen und hat somit auch innerhalb der Revolution eine elementare Bedeutung. Prekär ist das Phänomen der Macht jedoch, da dieses oftmals mit dem Phänomen der Gewalt gleichgesetzt wird. “Wenn man über einen Zeitraum von Tausenden von Jahren von einer herrschenden Meinung sprechen kann, dann hier. Von Thukydides über Machiavelli und Hobbes bis Nietzsche und Weber würden die meisten Autoren die Gewalt als eine Form der Macht sehen.” (Anter 2012: 96).15
Einer der größten Machttheoretiker ist Niccolo Machiavelli. Jener ist der Ansicht, dass die Machtgier des Menschen anthropologische Ursachen hat. Dieser begnügt sich nie mit dem was er besitzt, sondern strebt zu jeder Zeit nach mehr und dieses Streben legitimiert es, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Machiavelli rechtfertigt in seiner Schrift Il Principe den Einsatz von Gewalt unter der Voraussetzung, dass sie dem Machterhalt dient. Unter Annahme dieser These klassifiziert er Gewalt in positive sowie negative. Gut bezeichnet er jene, die zur Machtsicherung eingesetzt wird und schlechte Gewalt ist dadurch gekennzeichnet, dass sie ihren Zweck nicht erfüllt und zu einem Dauerzustand wird. Angesichts dieser Unterscheidung erkennt man, dass für Machiavelli Gewalt ein Instrument ist, welches selbst ein Endziel besitzt, nämlich dem Zweck der Macht zu dienen und diese aufrechtzuerhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und Hinführung zum Zusammenhang von Menschenbild, Revolution und Gewalt anhand historischer Beispiele und der Theorie Hannah Arendts.
2 Hauptteil: Analyse der theoretischen Grundlagen von Freiheit, privatem Bereich, der sozialen Frage sowie der Funktion von Gewalt als politischem Instrument.
3 Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse mit einer kritischen Reflexion über die Legitimität von Gewalt und die Übertragung auf das Fallbeispiel der Ukraine.
Schlüsselwörter
Revolution, Gewalt, Macht, Hannah Arendt, öffentliche Freiheit, soziale Frage, politischer Bereich, Vita Activa, Niccolo Machiavelli, Max Weber, Thomas Hobbes, Ukraine, Machtsicherung, Legitimität, politisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und politischen Untersuchung des Verhältnisses von Revolution und dem Einsatz von Gewalt sowie der Frage, wie diese das politische System verändern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung von öffentlicher Freiheit und privatem Raum, die Problematik der sozialen Frage innerhalb revolutionärer Bewegungen und die theoretische Abgrenzung von Macht und Gewalt.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es zu klären, unter welchen Bedingungen Gewalt legitim sein kann, um eine neue politische Ordnung zu begründen, statt lediglich der sozialen Not zu dienen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Theorieanalyse bedeutender politischer Philosophen (insbesondere Hannah Arendt) und wendet diese auf historische und aktuelle politische Fallbeispiele an.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden die Konzepte von Hannah Arendt zu Arbeit, Herstellung und Handeln sowie die Machttheorien von Machiavelli, Weber und Hobbes kritisch diskutiert und kontextualisiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wesentlichen Begriffe sind Revolution, Macht, Gewalt, Freiheit und das politische Handeln in der Öffentlichkeit.
Wie unterscheidet der Autor zwischen der Amerikanischen und Französischen Revolution?
Die Amerikanische Revolution wird als erfolgreicher in Bezug auf die Gründung öffentlicher Freiheit bewertet, während die Französische Revolution durch das Übergewicht der sozialen Frage und den resultierenden Terror problematisiert wird.
Welche Rolle spielen die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine für die Arbeit?
Die Ukraine dient als aktuelles Fallbeispiel, um die theoretischen Konzepte von Macht und Gewalt – insbesondere im Hinblick auf Machiavellis Machterhalt und Hobbes' Sicherheitsdilemma – kritisch zu prüfen.
Wie lautet die abschließende Schlussfolgerung zur Gewaltanwendung?
Gewalt ist nur dann als legitimes Mittel für die Errichtung öffentlicher Freiheit zu akzeptieren, wenn sie zeitlich begrenzt bleibt; andernfalls wird sie zur bloßen Machtsicherung und ist strikt zu verurteilen.
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- Peter Manzei (Author), 2014, Revolution und Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272857