In der vorliegenden Arbeit geht es um die dass Konjunktion sowie um das Pronomen das und welche Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb bei den Lernern vorkommen. Dazu wird eine Übersicht gegeben, über die Entwicklung der dass-Schreibung und warum es überhaupt eine orthographische Unterscheidung
zwischen Konjunktion und Pronomen gibt. Im zweiten Teil wird das Pronomen und die Konjunktion that aus dem Englischen kontrastiv dargestellt und die Funktion auch hinsichtlich der Kommatierung untersucht. Es soll veranschaulicht werden, wo Unterschiede, wo Parallelen zwischen dem Englischen und dem Deutschen sind und warum das Deutsche auch die Besonderheit der Doppelkonsonantenschreibung bei der Konjunktion nicht verzichten möchte.
Die eigenständigen dass/das-Formen haben sich aus einer ursprünglichen, rein deiktischen Form über verschiedene Grammatikalisierungsschritte gebildet, die dass-Konjunktion stellt die finale „Version“ dar. „Die Unterscheidungsschreibung von
Pronomen und Konjunktion ist...eines der ältesten [...] Mittel autonomgraphematischer, leserbezogener Differenzierungen in der deutschen Orthographie.“ (Munske 1993, 411 zit. in Feilke 2011, 345) Die Differenzierung von dass/das kann demnach also als Resümee dieser Entwicklung gesehen werden. Erste Belege einer regelhaften Schreibung sind nach Munske in Texten aus dem Jahr 1341 aufgetaucht und wurde 1607 in Wörterbüchern und Grammatiken aufgenommen. Die ursprüngliche
Schreibung [daz] hat zwischen einer pronominalen und konjunktionalen Funktion unterschieden und sich im Laufe der Jahre einer Verschiebung der Satzgrenzen unterzogen:
„Ich höre das. Er kommt.“, „Ich höre dass, er kommt.“ (Feilke 2011, 346). Dieser Vorgang der Reanalyse beschreibt das Eingliedern eines zuvor eigenständigen Satzes, in einen Nebensatz. Dadurch befindet sich das Wort [das] mitunter in mehrdeutigen Situationen und beinhaltet eine doppelte Lesart, aus der sich das
Bedürfnis zur Andersschreibung entwickelte, wodurch es zu einer Doppelkonsonantenschreibung bei der Konjunktion dass kam (ebd.). Die syntaktischen, semantischen und pragmatischen Kontexte geben im Weiteren vor, dass es sich um eine konjunktionale Schreibweise handelt. Diese Signale muss der Lerner zu lesen wissen .
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der dass-Schreibung
3 Grammatische Struktur der dass-Schreibung
3.1 Der Artikel/Demonstrativum das
3.2 Das Relativum das
3.3 Die dass-Konjunktion - grammatische Aspekt
4 Empirie der dass-Schreibung
4.1 Erklärungsversuche der Fehlschreibung
4.2 Wenn Verwechslung, dann mit dem Demonstrativum
4.3 Nichtkommatierung als Erklärung der Fehlschreibung
5 that-clause im Englischen
5.1 that als Demonstrativum
5.2 that als Relativum
6 Kommasetzung als syntaktische Grenzen vor that
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schwierigkeiten beim Erwerb der deutschen das/dass-Schreibung und stellt diese kontrastiv der Situation der englischen Entsprechung "that" gegenüber, um die orthographischen und syntaktischen Hintergründe dieser Unterschiede zu beleuchten.
- Historische Entwicklung der dass-Schreibung im Deutschen
- Grammatische Kategorisierung von das und dass als Artikel, Relativum und Konjunktion
- Empirische Fehleranalyse bei deutschen Lernenden
- Kontrastive Analyse der Funktionen von "that" im Englischen (Demonstrativum vs. Konjunktion)
- Syntaktische Rolle der Kommasetzung und deren Einfluss auf den Erwerb
Auszug aus dem Buch
4.1 Erklärungsversuche der Fehlschreibung
„Die Unterscheidungsschreibung von Pronomen und Konjunktion ist...[sic] eines der ältesten und bis zur Einführung von Fehlerstatistiken auch unangetastetes Mittel autonom-graphematischer, leserbezogener Differenzierung in der deutschen Orthographie.“ (Munske 1993a, 411 zit. in Feilke 1998, 6) Umso erstaunlicher ist es, dass es noch keine weiteren einschlägigen Untersuchungen seit Feilke gibt, die den Fortlauf des Erwerbs dokumentieren. Feilke schlägt vor, dass die dass-Didaktik im Schriftspracherwerb dann erfolgen sollte, wenn die Beherrschung von Kommasetzung und somit dem Erkennen der Konjunktion, abgeschlossen ist. Nach Neudeck (1983), hat sich ergeben, dass Schüler die Konjunktion zwischen dem 4. und dem 6. Schuljahr erwerben und das im 7. Schuljahr fast alle getesteten Personen die dass-Schreibung beherrschten. Auch Studierende wissen, nach einer Umfrage zu 90% die dass-Schreibung korrekt einzusetzen (Feilke 1998, 19).
Ein Ansatz zur Erklärung der Fehlschreibung ist die Verwechslung von Relativum und Konjunktion und stütz sich auf die Tatsache, die Probanden anstelle einer dass-Konjunktion häufig das rückverweisende Relativpronomen verwenden (Neudeck 1983). „Dies werde mit der Konjunktion verwechselt, weil es gleichfalls nebensatzeinleitend gebraucht werden könne.“ (Feilke 1998, 19)
Diese Verwechslungstheorie sei aber in Frage gestellt, denn es existieren bereits grundlegende Argumente, wieso dieser Fehler nicht auf eine Verwechslung zurückzuführen sein kann. Feilke (1998) postuliert dahingehend, dass nur von einer Verwechslung die Rede sein Könne, wenn es eine Gleichverteilung gibt, sprich die Konjunktion genauso häufig als Relativpronomen eingesetzt würde wie vice versa (vgl. Kap. 4.2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der das/dass-Unterscheidung ein und skizziert das Ziel einer kontrastiven Betrachtung mit dem Englischen.
2 Die Entwicklung der dass-Schreibung: Dieses Kapitel erläutert die historische Entstehung der Doppelkonsonantenschreibung zur Differenzierung pronominaler und konjunktionaler Funktionen.
3 Grammatische Struktur der dass-Schreibung: Es werden die vier grammatischen Funktionen des phonologischen Ausdrucks [das] (Artikel, Relativum, Demonstrativum, Konjunktion) analysiert.
4 Empirie der dass-Schreibung: Das Kapitel befasst sich mit empirischen Studien zu Schreibfehlern und analysiert Erklärungsmodelle wie die Verwechslungshypothese oder die Nichtkommatierung.
5 that-clause im Englischen: Diese Sektion untersucht das Äquivalent "that" und zeigt, dass es im Englischen grammatikalisch anders verortet wird als im Deutschen.
6 Kommasetzung als syntaktische Grenzen vor that: Hier wird dargelegt, warum im Englischen syntaktische Grenzen oft nicht durch Kommata markiert werden müssen.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Frage nach einer möglichen Vereinfachung der deutschen Schreibung kritisch diskutiert.
Schlüsselwörter
das/dass-Schreibung, Konjunktion, Relativum, Orthographie, Schriftspracherwerb, Kommasetzung, kontrastive Linguistik, Demonstrativum, Fehleranalyse, Grammatik, Syntax, Schriftsprache, heterographische Differenzierung, das-Sätze, Fehlerprophylaxe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Schwierigkeiten von Lernenden bei der orthographischen Unterscheidung von "das" und "dass" im Deutschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Schreibung, grammatische Analysen, empirische Fehlerstudien und ein kontrastiver Vergleich mit der englischen Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Fehlschreibungen im Deutschen zu ergründen und durch einen Vergleich mit dem Englischen zu prüfen, ob die orthographische Unterscheidung zwingend notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die Auswertung bestehender empirischer Studien zum Schriftspracherwerb.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Analyse der grammatischen Funktionen von [das], eine empirische Fehleranalyse und eine Untersuchung des englischen Vergleichswortes "that".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie das/dass-Schreibung, Schriftspracherwerb, kontrastive Linguistik und Fehleranalyse beschreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Konjunktion und Pronomen im Deutschen so fehleranfällig?
Da der phonologische Ausdruck [das] für vier verschiedene grammatische Funktionen steht, fällt es Lernern oft schwer, die syntaktische Grenze im Satz zu erkennen und das korrekte Graphem zu wählen.
Inwiefern unterscheidet sich die Situation im Englischen?
Im Englischen gibt es keine spezifische orthographische Differenzierung zwischen der Konjunktion und dem Pronomen "that", und die Kommasetzung folgt anderen syntaktischen Regeln als im Deutschen.
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- Franziska Lampe (Autor), 2014, Schwierigkeiten beim Erwerb der das/dass-Sätze, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272880