Der Norden von Amerika. Kanada, ein Land voller unterschiedlicher Menschen, hoch bewerteter Bildung, eine sehr gut laufende Wirtschaft und einer der lebenswertesten Orte. Wen haben die Landschaft Kanadas und die Einwohner noch nicht gereizt?
Ein Teil meiner Familie ist nach dem ersten Weltkrieg aus Deutschland nach Kanada immigriert, von daher fasziniert mich dieses Land von Grund auf. Vieles hört man in den Medien über die gute Bildung und multikulturelle Gesellschaft. Kann der deutsche Staat sich nicht Kanada als Vorbild im Bereich der Bildung und Einwanderungspolitik nehmen? Alles klingt immer so perfekt, wie es in Kanada passiert. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Auseinandersetzung der Einwanderungspolitik und der Bildung in Kanada und diese verglichen mit dem deutschen Staat und der Frage, ob Kanada hier ein Vorbild sein könnte. Wo sind die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen einer multikulturellen Haltung und Gesellschaft? Inwieweit kann man in Deutschland mit solch einem Projekt arbeiten? Wie ist überhaupt der aktuelle Stand der Bildungspolitik in Deutschland? Denn diese durchlebt immer wieder neue Phasen und Neuerfindungen.
Zu Beginn muss sich erst einmal mit dem Land Kanada beschäftigt werden. Es wird ein kurzer Abriss über die landeskundlichen Fakten dargestellt. Die Geschichte des Landes ist hier eine Grundvoraussetzung für die aktuelle Politik und Bildungssysteme, weshalb dieser Teil sehr genau beleuchtet werden muss. Mit der Geschichte geht es direkt zu der Migration in Kanada, da das Land von der Zuwanderung lebt. Anschließend wird ein Blick auf die Bildungssysteme geworfen, um dort eventuelle Anregungen für eine deutsche Bildungspolitik zu finden.
Im Folgenden wird ebenfalls kurz über die deutsche Geschichte berichtet, wobei sich allerdings das Augenmerk auf die Bildungssysteme fokussieren. An dieser Stelle wird, vor allem der Übersicht halber, ein Schwerpunkt auf die Bildung in Schleswig-Holstein gelegt. Anschließend werden die beiden aufgeführten Länder miteinander verglichen und eine Einschätzung abgegeben, ob Kanada wirklich ein Vorbild für Deutschland sein kann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung Kanada
2.1. Kurzer, landeskundlicher Abriss
2.2. Kanada als Eroberungsland – geschichtlicher Abriss
2.3. Kanada als Migrationsland – Fluch oder Segen?
2.3.1. Die Zuwanderung im 20. Jahrhundert
2.3.2. Die Zuwanderung Ende des 20. Jahrhunderts bis heute
2.3.3. Kanadas ausgeprägte Integrationspolitik
2.4. Das kanadische Schulsystem
2.4.1. Unterrichtspflicht in Kanada
2.4.2. Vorschule und Primarstufe
2.4.3. Die Sekundarstufe und das College oder die Universität
2.4.4. Gesamtschulstruktur
2.4.5. Multikulturelle Pädagogik
3. Deutschland als Migrationsland
3.1. Kurzer, landeskundlicher Abriss
3.2. Migration in Deutschland
3.3. Das deutsche Schulsystem
3.3.1. Schulstruktur anhand des Beispiels Schleswig-Holstein
3.3.2. Förderung des interkulturellen Lernens
4. Vergleich der beiden Länder
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Einwanderungspolitik und das Bildungssystem Kanadas, um zu analysieren, inwieweit das Land als Vorbild für Deutschland dienen kann. Im Zentrum steht die Frage, wie ein multikulturelles Mosaik gelingen kann und welche Ansätze für die deutsche Bildungspolitik adaptierbar sind, ohne die eigenen kulturellen Strukturen zu gefährden.
- Historische Entwicklung der Migrationsland-Strukturen in Kanada und Deutschland
- Analyse des kanadischen Punktesystems und der Integrationsstufen
- Vergleich der Schulsysteme mit Fokus auf Inklusion und Mehrsprachigkeit
- Herausforderungen der interkulturellen Pädagogik in beiden Ländern
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Die Zuwanderung im 20. Jahrhundert
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeitete Kanada sogar gegen die direkte Zuwanderung, indem sie eine rassistische und diskriminierende Einwanderungspolitik einführte. Vor allem sollte es nach dem Gesetz im Jahr 1910 verhindern, dass vor allem Zuwanderer asiatischer Herkunft, besonders Chinesen, in das Land einreisten. Gründe dafür waren, dass viele soziale Probleme entstanden. Viele Migranten wurden sehr schnell unterstützungspflichtig und in vielen Städten entstanden große Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung. Wie bereits erwähnt, wurden diese Gesetze eher aus rassistischer Motivation erlassen, da allen nicht europäischen Ethnien der Zuzug nach Kanada verwehrt wurde. Eine große Angst der Kanadier war auch, dass Mittellose und Wirtschaftsflüchtlinge ihr Glück in Kanada versuchen und die Mittel des Staates beziehen versuchen oder gar die Wirtschaft des Landes belasten könnten.
Ein weiterer Grund kann natürlich weiterhin die Dominanz der Briten und der Krone in Kanada sein. Clifford Shifton initiierte während seiner Amtszeit als Innenminister Kanadas (1896-1914) eine Art Rangfolge von bevorzugten Herkunftsländern, aus denen die Einwanderer immigrieren dürfen. Von dieser Rangliste bildeten britische und US-amerikanische Farmer die Spitze, gefolgt von den Westeuropäern (besonders Franzosen, Belgier, Niederländer), Mittel- und Nordeuropäer und teilweise Osteuropäer, was vor allem die Polen und Ukrainer waren. Öffentlichkeit und Regierung waren sich einig, dass Südeuropäer eher am Ende der Liste zu finden sind und dass Juden, ‚Schwarze‘, Asiaten und auch Lateinamerikaner keine Chance auf die Eingliederung in die kanadische Gesellschaft haben. (vgl. Hejazi, 2009, S. 135). Wie diese Auswahl zustande kam, wurde durch den s.g. ‚Klima-Paragraphen‘ geleitet, was sich daraus begründet, wie sich die Zuwanderer aufgrund ihrer Herkunft in die kanadische Gesellschaft assimilieren und eingliedern können (vgl. Harzig, 2004, S.112).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Motivation der Arbeit dar und führt in die Fragestellung ein, ob das kanadische Modell der Integration und Bildung für Deutschland wegweisend sein kann.
2. Vorstellung Kanada: Dieses Kapitel liefert einen landeskundlichen Abriss, beleuchtet die Geschichte als Einwanderungsland und analysiert das kanadische Schulsystem sowie die multikulturelle Pädagogik.
3. Deutschland als Migrationsland: Der Abschnitt betrachtet die deutsche Migrationsgeschichte, die aktuelle Schulstruktur am Beispiel Schleswig-Holsteins und die Ansätze zur Förderung interkulturellen Lernens.
4. Vergleich der beiden Länder: Hier werden die unterschiedlichen Ansätze zur Einwanderung und Bildung einander gegenübergestellt und die Übertragbarkeit der Modelle kritisch bewertet.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass eine vollständige Übernahme des kanadischen Modells aufgrund historischer Unterschiede nicht möglich ist, aber punktuelle Anregungen sinnvoll sein können.
Schlüsselwörter
Kanada, Deutschland, Migration, Einwanderungspolitik, Bildungssystem, Multikulturalismus, Integration, interkulturelle Pädagogik, Sprachförderung, Punktesystem, Assimilation, Gesamtschulstruktur, Identität, Diversität, Bildungsbenachteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Einwanderungspolitik und die Bildungssysteme von Kanada und Deutschland, um zu prüfen, inwieweit das kanadische Modell als Vorbild für Deutschland dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte beider Länder, die Gestaltung von Integrationsmaßnahmen und die Ausgestaltung der jeweiligen Schulsysteme unter dem Aspekt der Multikulturalität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen einer multikulturellen Gesellschaft aufzuzeigen und zu klären, wie Deutschland von kanadischen Erfahrungen im Umgang mit Migration profitieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie einen vergleichenden Ländervergleich, um die jeweiligen politischen und pädagogischen Rahmenbedingungen systematisch gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Vorstellung der kanadischen Strukturen (inkl. Punktesystem und Schulmodell) sowie eine Analyse der deutschen Situation, wobei das Bundesland Schleswig-Holstein als konkretes Fallbeispiel dient.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Migration, Multikulturalismus, Bildungssystem, Integration, Punktesystem, Interkulturelle Pädagogik und Assimilation.
Warum spielt die Geschichte bei der Migration in Kanada eine so große Rolle?
Die Geschichte ist deshalb zentral, weil Kanada durch die historische Entwicklung von zwei Sprachgruppen (Englisch/Französisch) und die spätere Öffnung für weitere Kulturen erst sein nationales Selbstverständnis als Mosaik-Gesellschaft entwickelte.
Welche besondere Rolle nimmt Schleswig-Holstein in der Untersuchung ein?
Schleswig-Holstein dient als konkretes Beispiel für die deutsche Schulstruktur, insbesondere im Hinblick auf das Modell der Gemeinschaftsschule und die Herausforderungen der interkulturellen Pädagogik.
Ist das kanadische Modell des Multikulturalismus direkt auf Deutschland übertragbar?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine direkte Übernahme aufgrund der unterschiedlichen historischen Ereignisse und Staatsverständnisse nicht möglich ist, plädiert aber für die Adaption einzelner erfolgreicher Ansätze.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Böttger (Autor:in), 2014, Kanada. Das große Vorbild im Bereich der Migration und erfolgreicher Bildung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272894