Die zeitgenössischen Schulsysteme stehen stets in der Kritik, im Bezug auf die herrschenden gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse, unpassend zu sein. Sollen Schüler in der Primarstufe nun länger zusammen bleiben? War die Kürzung des Gymnasiums auf acht Jahre wirklich sinnvoll? Sind Gesamtschulen tatsächlich weniger sozial selektiv? All dies sind Fragen, die die Bildungsforscher tagein tagaus in endlose Grübeleien versetzen. Doch wenn wir die Zeit einmal sechshundert Jahre und mehr zurückdrehen, lässt sich feststellen, welch große Fortschritte die Menschheit bereits erbracht hat. Dort standen nämlich noch das sture Auswendiglernen von Texten und das Sprachenpauken ohne jegliche Konzepte auf dem vermeintlichen Lehrplan. Auch die Sitten waren noch etwas härter und alles Wissen fundierte auf der Grundlage der katholischen Glaubensgemeinschaft. Dem entgegen stellen moderne Lehr- und Lernmethoden den Schüler in den Mittelpunkt und sollen die Mündigkeit des Einzelnen fördern, dessen Selbstverwirklichung aber niemals außen vorgelassen werden darf. Das bedeutet, dass die Bildung der Kinder zwar immer noch großgeschrieben wird, aber niemand dazu berechtigt ist, diese in ihrer Freiheit derart zu berauben, dass die Herausbildung zu einer eigenständigen Persönlichkeit und die Lebenslust angegriffen bzw. in Frage gestellt wird. Zudem können wir unseren Nachkommen heute zusehen, wie sie mit Hilfe von Globussen die Zusammenhänge der Welt oder das heliozentrische Planetensystem zu verstehen versuchen, sich die Keplerschen Gesetze aneignen, oder sich mit Wortkunst wie Goethes Faust den Kopf zerbrechen. An den Universitäten, beispielsweise auch bei den Pädagogikstudenten, unterrichtet man Grundlagen der Empirie. Dabei werden durch Forschungsmethodik auf Erfahrung gründende Aussagen und wissenschaftliche Hypothesen an der Realität überprüft. Und am Abend nach der Rückkehr in die eigenen vier Wände, geben sich völlig ausgelaugte „Workaholics“ in vollen Zügen der Mystik hin. Doch wann und wie kam es zu diesen einschlägigen Umbrüchen von der Strenge zur Zwangslosigkeit?
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
1 Die Ära der Renaissance
1.1 Begriffserklärung und zeitliche Abgrenzung
1.2 Vorgeschichte / Auslöser
1.3 Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen
1.3.1 Flucht vieler griechischer Gelehrter nach Italien
2 Die Pest
2.1 Säkularisierung aller Lebensbereiche
2.2 Urbanisierung Italiens im 14. Und 15. Jahrhundert
2.2.1 Änderung der landimmanenten Machtkonstellation
2.3 Herausbildung des neuen Ich – Ideals
3 Private Milieus in der Renaissance
3.1 Der Mensch und seine Privatsphäre
3.2 Die Familie im Umgang mit der Privatheit
3.2.1 Umstrukturierungen im eigenen Refugium.
4 Leben in der Hausgemeinschaft
4.1 Intimität der einzelnen Familienmitglieder
4.2 Gefühle und Heimlichkeiten
4.3 Festlichkeiten und andere Anlässe
5 Einfluss der Renaissance auf das heutige Leben
5.1 Bildung und Erziehung
6 Fazit
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis.
Namensverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was markiert den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance?
Wichtige Auslöser waren die Eroberung Konstantinopels, die Flucht griechischer Gelehrter nach Italien und die durch die Pest ausgelöste Säkularisierung.
Wie veränderte sich das Bildungsideal in der Renaissance?
Anstatt des sturen Auswendiglernens religiöser Texte rückten die Mündigkeit des Einzelnen und die Förderung der eigenständigen Persönlichkeit in den Fokus.
Welchen Einfluss hatte die Pest auf die Gesellschaftsentwicklung?
Die Pest führte zu einer Säkularisierung vieler Lebensbereiche und förderte die Urbanisierung Italiens im 14. und 15. Jahrhundert.
Was versteht man unter dem "neuen Ich-Ideal"?
Es beschreibt die Abkehr von rein kollektiven, religiösen Identitäten hin zu einem Individuum, das nach Selbstverwirklichung und persönlicher Freiheit strebt.
Wie entwickelte sich die Privatsphäre in dieser Zeit?
In der Renaissance entstanden neue Konzepte von Privatheit und Intimität innerhalb der Familie sowie Umstrukturierungen im häuslichen Refugium.
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- Nadine Melzner (Author), 2013, An der Schwelle zur Renaissance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272970