An der Schwelle zur Renaissance

Die privaten Milieus. Leben in einer Hausgemeinschaft


Hausarbeit, 2013

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Die Ära der Renaissance
1.1 Begriffserklärung und zeitliche Abgrenzung
1.2 Vorgeschichte / Auslöser
1.3 Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen
1.3.1 Flucht vieler griechischer Gelehrter nach Italien

2 Die Pest
2.1 Säkularisierung aller Lebensbereiche
2.2 Urbanisierung Italiens im 14. Und 15. Jahrhundert
2.2.1 Änderung der landimmanenten Machtkonstellation
2.3 Herausbildung des neuen Ich – Ideals

3 Private Milieus in der Renaissance
3.1 Der Mensch und seine Privatsphäre
3.2 Die Familie im Umgang mit der Privatheit
3.2.1 Umstrukturierungen im eigenen Refugium.

4 Leben in der Hausgemeinschaft
4.1 Intimität der einzelnen Familienmitglieder
4.2 Gefühle und Heimlichkeiten
4.3 Festlichkeiten und andere Anlässe

5 Einfluss der Renaissance auf das heutige Leben
5.1 Bildung und Erziehung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Stichwortverzeichnis.

Namensverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Landgut in Italien

1 Die Ära der Renaissance

1.1 Begriffserklärung und zeitliche Abgrenzung

Die zeitgenössischen Schulsysteme stehen stets in der Kritik, im Bezug auf die herrschenden gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse, unpassend zu sein. Sollen Schüler in der Primarstufe nun länger zusammen bleiben? War die Kürzung des Gymnasiums auf acht Jahre wirklich sinnvoll? Sind Gesamtschulen tatsächlich weniger sozial selektiv? All dies sind Fragen, die die Bildungsforscher tagein tagaus in endlose Grübeleien versetzen. Doch wenn wir die Zeit einmal sechshundert Jahre und mehr zurückdrehen, lässt sich feststellen, welch große Fortschritte die Menschheit bereits erbracht hat. Dort standen nämlich noch das sture Auswendiglernen von Texten und das Sprachenpauken ohne jegliche Konzepte auf dem vermeintlichen Lehrplan. Auch die Sitten waren noch etwas härter und alles Wissen fundierte auf der Grundlage der katholischen Glaubensgemeinschaft. Dem entgegen stellen moderne Lehr- und Lernmethoden den Schüler in den Mittelpunkt und sollen die Mündigkeit des Einzelnen fördern, dessen Selbstverwirklichung aber niemals außen vorgelassen werden darf. Das bedeutet, dass die Bildung der Kinder zwar immer noch großgeschrieben wird, aber niemand dazu berechtigt ist, diese in ihrer Freiheit derart zu berauben, dass die Herausbildung zu einer eigenständigen Persönlichkeit und die Lebenslust angegriffen bzw. in Frage gestellt wird. Zudem können wir unseren Nachkommen heute zusehen, wie sie mit Hilfe von Globussen die Zusammenhänge der Welt oder das heliozentrische Planetensystem zu verstehen versuchen, sich die Keplerschen Gesetze aneignen, oder sich mit Wortkunst wie Goethes Faust den Kopf zerbrechen. An den Universitäten, beispielsweise auch bei den Pädagogikstudenten, unterrichtet man Grundlagen der Empirie. Dabei werden durch Forschungsmethodik auf Erfahrung gründende Aussagen und wissenschaftliche Hypothesen an der Realität überprüft. Und am Abend nach der Rückkehr in die eigenen vier Wände, geben sich völlig ausgelaugte „Workaholics“ in vollen Zügen der Mystik hin. Doch wann und wie kam es zu diesen einschlägigen Umbrüchen von der Strenge zur Zwangslosigkeit? Verantwortlich dafür ist die Renaissance (franz. Wiedergeburt). Sie bezeichnet nicht nur das „italienische Kunstschaffen“ des 15. Jahrhunderts, das mit antiken Motiven und Ideen arbeitete, sondern die Wiedergeburt [...] des Geistes der Antike“ (Von den Driesch/Esterhues 1951, S. 199). Eine neue Betrachtungsweise über das Alte wird damit zum Ausdruck gebracht. Zwar hat man im Mittelalter auch schon Begeisterung an den sog. „Realien“, den Sachen gezeigt, jedoch bezieht sich die folgende Epoche mehr auf eine neue Lebens- und Ansichtsweise. Einzuordnen ist sie zwischen Gotik und Barock und hat sich in den Ländern nicht gleichzeitig und –schnell ausgebreitet. Doch was waren wiederum die Auslöser für die oben aufgeführten Umbrüche? Und warum hat man sich auf das Alte zurück besonnen, anstatt die Zeit voranzutreiben und in die Zukunft zu blicken? Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte der „neuen alten Zeit“. Dabei werden geschichtliche Aspekte aufgegriffen, die als Katalysator der Renaissance gedeutet werden. Danach wird aufgezeigt, welche Rolle das Individuum dabei hatte und wie es dem Einzelmenschen selbst in der Umbruchzeit erging. Die anschließenden Textpassagen gewähren einen expliziten Einblick in das private Leben im 14. und 15. Jahrhundert. Am Ende soll dann veranschaulicht werden, wie und in welchem Maße die Renaissance wirklich die heutige Zeit beeinflusst hat und ob diese Einflüsse eher als positiv oder negativ zu bewerten sind.

1.2 Vorgeschichte / Auslöser

In den byzantinischen Klöstern und Teilen des arabischen Kulturraumes waren nach dem Untergang Westroms um 476 n. Chr. knapp eintausend Jahre lang griechische und literarische Werke aufbewahrt worden. Die Bücher wurden von den Plünderungen und Anschlägen in Italien in Sicherheit gebracht und versteckt. Viele von ihnen gelten noch heute aufgrund ihrer progressiven Inhalte und Ideen als absolute Sensationen. Platon, Vitruv und Cicero waren nur drei der zahlreichen namhaften Schreiber, dessen Schriften in den finsteren Kellern verborgen lagen.

Damals waren hohe Bildung und Positionen nur im Rahmen der Kirche möglich, da diese nicht wie heute ein Teilbereich, sondern die Grundlage der Gesellschaft bildete. Ausschließlich der Klerus hatte überhaupt die Zeit und Möglichkeit, sich mit Bildung auseinanderzusetzen. Der Rest der Bevölkerung war für die Arbeit zuständig und hatte zu glauben und zu gehorchen, was die religiösen Oberhäupter ihnen auftischten. Die Niederschriften in den literarischen Bänden waren mit den Gedanken der Kirche teilweise wenig kompatibel – man denke nur an Galileo Galilei, der aufgrund seiner Idee eines sonnenzentrierten Planetensystems vom Papst verscheucht wurde, doch waren viele Mönche wahrscheinlich selbst von der neuen Weltanschauung verblüfft. Die Ansicht der Kirche war aber, dass Gott alles Leben geschaffen hat. Wer sich seiner sinnvoll kreierten Welt wiederstrebt, gehöre dem Teufel, denn alles was natürlich ist, ist gut. Das menschliche Leben war ausschließlich auf das Jenseits gerichtet (vgl. Fend S. 97). Der, der viel betete, tugendhaft lebte und nicht sündigte, wurde vom „Himmel“ erwartet und musste keinerlei Ängste vor dem Leben nach den Tod ertragen, denn er hatte das Heil und die Vollkommenheit erlangt, wofür jeder Mensch berufen war. „[...] Unvollkommenheit erschien als gattungsspezifisches Schicksal, als Erbsünde der Menschheit im Sinne der Abwendung von Gott. Für das Individuum bedeutete dies, sich potenziell immer im Zustande der Schuld zu befinden, der es abhängig von der Gnadenvermittlung durch die Kirche machte, die so zur Sachwalterin des Heilsschicksals von Menschen wurde“ (Fend 2006, S. 97).

Italienische Wissenschaftler, v. a. aus Florenz, durchsuchten im 14. Jahrhundert die alten Bücherbestände, um ihre Forschung voranzutreiben und stießen dabei auf wertvolle Lektüren der griechischen und römischen Antike. Deren Faszination führte dazu, dass das Wissen mit in die Heimat befördert wurde.

1.3 Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen

1.3.1 Flucht vieler griechischer Gelehrter nach Italien

Der eigentliche Kern der Renaissance bestand in der „Wiederentdeckung des griechischen Kulturraumes“ (vgl. fend, S. 101). Aber wie geschah dies genau? Rekonstruieren wir ein Stück der Historie. Schon im Mittelalter divergierten die östlich-orthodoxe und die lateinische Westkirche in ihren sprachlichen, rechtlichen und liturgischen Orientierungen beträchtlich weit auseinander. Als die römisch-katholische Gemeinschaft das „Filioque“, also die Gleichwertigkeit von Vater, Sohn und Heiligen Geist, in das Glaubensbekenntnis aufnahm, eskalierte die Situation zwischen beiden Parteien und es kam um 1054 zur endgültigen Aufspaltung des kirchlichen Zusammenschlusses (vgl. ebd. S. 101). „Der lateinische Sprachraum war stark intellektuell–dogmatisch ausgerichtet, der griechische mehr mystisch–kontemplativ und philosophisch reflexiv“ (ebd. 2006, S. 101). Durch die Vorrangstellung des Papsttums trennte sich zudem noch Konstantinopel (auch Griechisches bzw. Oströmisches Reich, später Byzanz, heute Istanbul). Im Jahre 1204 wurde dann durch den Venezianischen Kreuzzug das heutige Istanbul massiv geplündert. Byzantinischen Söldnern gelang dennoch die Zurückeroberung. Die Osmanen übten jedoch penetrant Angriffe auf das Reich aus. Weiter klafften die zwei Glaubensensembles auseinander, aus welchem Grund der sprachliche Kontakt weitgehend verloren ging (vgl. ebd. S. 102). Im Jahre 1453 kam es schließlich zur Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (vgl. tworuschka/tworuschka S. 294). Deren Ansicht nach ließ die geographische Lage der Stadt die Ausdehnung des Türkenreiches nicht zu, Konstantinopel verfügte zudem über zahlreiche Reichtümer und die christliche Herrschaft in Byzanz war für militärische Operationen zwischen Europa und Asien ein wahrhafter Dorn im Auge. All jene historischen Ereignisse bedingten die Übersiedlung einer Vielzahl griechischer Gelehrter nach Italien, wodurch antikes Wissen von Konstantinopel in die maritimen Provinzen gebracht wurde. Italien deswegen, weil dort das Alte bereits am meisten wieder aufgelebt war. Das Land war boomende und zentrale Handelsregion, Wissen gelang schnell hinaus in die weite Welt und weckte Interesse. Dass es nach all der ereignisreichen und langen Zeit zur Wiederentdeckung der griechischen Klassik kam, ist mehr als erstaunlich.

2 Die Pest

2.1 Säkularisierung aller Lebensbereiche

Zwischen 1347 und 1353 wurde Europa vom „schwarzen Tod“ (bergdolt 2011, S. 86), der Pest heimgesucht. Bei der unentwickelten medizinischen Versorgung und den bescheidenen Hygieneverhältnissen waren die Geschöpfe ihr, so schlimm es auch klingen mag, machtlos ausgeliefert. Die Pandemie forderte circa 25 Mio. Todesopfer, was bedeutet, dass jeder dritte Mensch der einstigen europäischen Bevölkerung sein Leben verlor (vgl. schmejkal S. 283). In der italienischen Stadt Florenz, in die mitunter hundert Jahre später die griechischen Gelehrten kehrten, überlebte sogar nur ein Fünftel. Die Zeit war für alle Beteiligten miserabel und nur schwer verdaulich. Menschen mussten regelrecht zusehen, wie ihre Freunde und Verwandten nacheinander wegstarben. Viele Menschen flehten dabei zu Gott und baten ihn um Hilfe, doch oft vergebens. Aber hat die Kirche ihren Kindern nicht eingebläut, dass der Herr stets ein Auge auf seine Söhne und Töchter hat und das Heil bringt? Warum ließ er dann all das Leid zu? Wenn alle Strebsamkeiten und Hoffnungen bislang auf das Jenseits gerichtet waren, wie sollte man nun sein Lebensziel erreichen, wenn nichts mehr sicher ist? In all der Trauer und den Zweifeln wurde man stutzig. Folgenderweise erfuhr die mittelalterliche Mentalität einen Wandel. Man begann, sich vom Jenseits abzukehren und die Gedanken auf das Diesseits zu richten. „[...] Geschichte verstand sich jetzt erstmals als historisch-kritische Rekonstruktion. Nicht mehr die christliche Sicht der Weltgeschichte als Heilsgeschichte stand im Vordergrund, sondern die weltliche Historiografie eines Leonardo Bruni, eines Niccolò Machiavelli und Francesco Guicciardini sowie eines Jean Bodin“ (fend 2006, S. 98). Schon bald wurden reichlich Märchengeschichten der Glaubensgemeinschaft widerlegt: Der Briefwechsel zwischen Paulus und Seneca wie auch die Konstantinische Schenkung waren reine Erdichtung und auch das Apostolische Glaubensbekenntnis stammte gar nicht von den Aposteln (vgl. ebd. S. 98). Die weiteren Ereignisse gaben den Einbruch des neuen Zeitabschnitts nochmals Vorrang.

2.2 Urbanisierung Italiens im 14. Und 15. Jahrhundert

2.2.1 Änderung der landimmanenten Machtkonstellation

Im 14. und 15. Jahrhundert erblühten aus den mittelalterlichen Städten wie Florenz, Mailand und Venedig an den Küsten Italiens kolossale Macht- und Handelszentren (vgl. Fend, S. 95). Die Lage war nahezu perfekt. Der „Stiefel“ lag im Herzen aller erstrangigen Handelspartner und war praktisch von allen Seiten zugänglich. „In Norditalien entstanden auf der Grundlage des Reichtums infolge ausgedehnter Handelsbeziehungen und sich anbahnender Kolonialisierungen erstmals größere Zentren, die eine ernsthafte Konkurrenz zum Klerus und zu Rom bildeten“ (ebd. 2006, S. 95). Weil es unermüdlich zu Kontroversen zwischen Klerus und den germanischen Königen einerseits und den genannten Städten andererseits kam, erwuchs ein gewaltiges Konkurrenzdenken. Zuwider den Wunschgedanken der einkehrenden Renaissance, sein Leben frei gestalten zu können, verlor die Kirche zunehmend an Einfluss. Durch die neuartige Machtverteilung wurde ermöglicht, dass sich von der Religion unabhängige Wissenskulturen wie „die hellenistische Kultur und die römische Klassik sowie ihre Träger, die griechische Sprache und das klassische Latein“ (ebd. 2006, S. 95) fundieren konnten. Erstmals in der Geschichte standen der Forschung somit alle Türen offen und niemand musste mehr Furcht vor Verbannung oder Verfolgung haben, wenn er neue Erkenntnisse präsentierte. So erfand man ca. 1250 das Schießpulver, den Kompass, das Fernrohr (ca. 1550) und die Brille. Die Konstruktion des Buchdrucks im Jahre 1445 durch Johann Gutenberg ermöglichte durch bewegliche Lettern die rasche Verbreitung von Neuigkeiten bis in die fernsten Ortschaften, was gerade deshalb von so großer Bedeutung war, weil Bücher rar und nahezu unbezahlbar waren. Fortan setzte also der Massenbuchdruck ein, was den Verkaufspreis enorm senkte und für die Weitergabe der Gedanken der Antike unerlässlich war (vgl. van den driesch/esterhues S. 200). Der byzantinische Gelehrte Chrysoloras (1353-1415) unterrichtete einige Jahre griechisch in Florenz. Mathematisches Wissen, welches weiterentwickelt werden sollte, erforderte die Auseinandersetzung mit der antiken Genialität. „Chrysoloras schuf [...] die erste griechische Grammatik, die die Grundlage für die Humanisten werden sollte, um das Griechische zu lernen“ (fend 2006, S. 100). Somit öffnete sich wiederum die Pforte zur Mathematik, Astronomie, Astrologie und viele anderen Disziplinen, die heute auch an den Schulen unterrichtet werden.

[...]

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Details

Titel
An der Schwelle zur Renaissance
Untertitel
Die privaten Milieus. Leben in einer Hausgemeinschaft
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V272970
ISBN (eBook)
9783656653110
ISBN (Buch)
9783656653073
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schwelle, renaissance, milieus, leben, hausgemeinschaft
Arbeit zitieren
Nadine Melzner (Autor:in), 2013, An der Schwelle zur Renaissance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272970

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