Die Hadramis bilden heute neben den Chinesen die zweit wichtigste Minderheit in Indonesien. Die meisten arabisch-stämmigen Immigranten, oder Nachkommen von Immigranten, fühlen sich heute als Indonesier und fast alle erwarben nach der Unabhängigkeit die indonesische Staatsbürgerschaft (de Jonge 1993, 73). Dabei blieben erkennbare kulturelle Unterschiede zwischen den arabischen und den indigenen Indonesiern erhalten, sowie sich die Identität der Hadramis in dieser Region auch von der anderer Araber in der Welt unterscheidet.
(...)
Einführend soll zunächst die Ankunft und Gründe der Niederlassung der Araber in Indonesien, der damaligen Kolonie „Niederländisch-Ostindien“, erläutert werden.(...)
Im Anschluss soll die erfahrene Diskriminierung unter der holländischen Kolonialregierung und den Widerstand der Hadramis gegen diese behandelt werden, da dieser Aspekt relevante Einflüsse auf die Bildung einer kollektiven Identität hatte.
Daraufhin sollen die Verbindung und Identifizierung der Hadramis mit der arabischen Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts untersucht werden. Das Gefühl eines „Araberseins“ wurde dabei besonders durch die Entstehung arabischer Zeitungen und enge internationale Beziehungen mit anderen islamischen Ländern geprägt.
Des Weiteren wird die Entstehung arabischer Organisationen in Indonesien dargelegt, welche zunächst die Gemeinschaft stärkten und einen großen Fortschritt im Bildungswesen der Araber mit sich brachte. In diesem Kontext spielen ein starker Wandel traditioneller Hierarchien und eine konfliktreiche Spaltung der Gesellschaft der Hadramis eine Rolle.
Das letzte Kapitel behandelt schließlich eine Neudefinierung ihrer Identität während der islamischen Modernisierung, insbesondere auf Java, und der indonesischen National- und Unabhängigkeitsbewegung.
Die verwendete Literatur stammt zum Großteil aus den zwei Sammelbänden „Transcending Borders: Arabs, politics, trade and Islam in Southeast Asia“, herausgegeben von Huub de Jonge und Nico Kaptein im Jahr 2002 und „Hadhrami Traders, Scholars and Statesmen in the Indian Ocean, 1750s-1960s“, von Ulrike Freitag und William Clarence-Smith aus dem Jahr 1997, sowie weiterer Artikel aus islamischen Fachzeitschriften.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, einige Aspekte aufzuzeigen, welche in der Zeit zwischen 1900 und 1940 Einfluss hatten auf die Ausbildung und den Wandel der Identität der Hadramis innerhalb der Bevölkerung Indonesiens...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2. Niederlassung und Rollen der Hadramis in der indonesischen Gesellschaft
2.1. Verehrung als religiöse Führer
3. Im Hass vereint: Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls durch erfahrene Diskriminierung
3.1. Einschränkungen durch Siedlungspolitik und Passgesetze
3.2. Gemeinsamer Kampf gegen Diskriminierung
4. Verbindung und Identifizierung mit der arabischen Welt
4.1. Entstehung von Zeitungen fördern das Gemeinschaftsgefühl
4.2. Politische Verbindungen zum Ottoman-Kalifat
5. Arabische Organisationen in Niederländisch-Ostindien
5.1. Sayyids: Jam’yyat al-Khayr
5.2. Spaltung der Hadramis: Entstehung der Al-Irsyad
6. Rolle der Hadramis in islamischer Modernisierung und indonesischer Nationalbewegung
6.1. Islamische Modernisierung: Geldgeber, Gegner und Reformer
6.2 Identitätswandel der Hadramis während der Nationalbewegung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Identitätsbildung und den Identitätswandel der Hadramis in Indonesien zwischen 1900 und 1940, wobei der Fokus auf den gesellschaftlichen Rollen im Kontext der Kolonialzeit, der islamischen Modernisierung und der indonesischen Nationalbewegung liegt.
- Historische Niederlassung und sozio-ökonomische Rollen der Hadramis
- Einfluss kolonialer Diskriminierung auf die Gruppenidentität
- Bedeutung von Presse und Bildungswesen für das Gemeinschaftsgefühl
- Die Rolle islamischer Organisationen und die Spaltung innerhalb der Hadrami-Gesellschaft
- Wandel von einer arabisch orientierten zu einer indonesisch orientierten Identität
Auszug aus dem Buch
3.1. Einschränkungen durch Siedlungspolitik und Passgesetze
Die Kolonialregierung errichtete fest umgrenzte Viertel innerhalb urbaner Zentren, in welchen die Hadramis leben mussten, sie somit stark lokalisierten und von dem Rest der Bevölkerung trennten (de Jonge 1997, 97). Im Jahr 1873 gab es in der Kolonie etwa 35 solcher Viertel für „Other Foreign Orientals“, unter denen die Araber die Mehrheit bildeten (99). Durch die steigende Zuwanderung kam es schnell zu einer Überpopulation dieser Viertel mit katastrophalen hygienischen und gesundheitlichen Zuständen (99). Grund für diese Assimilation von der lokalen indonesischen Gesellschaft, war deren Schutz vor fremden und schlechten Einflüssen der Araber (96). Die größten Argumente hierbei waren die als wucherisch und ausbeuterisch geltenden wirtschaftlichen Methoden der Araber, sowie ein angeblicher religiöser Fanatismus, der die lokale Bevölkerung nicht befallen sollte (102).
Huub de Jonge zufolge hätten diese Vorwürfe jedoch keine faktische Grundlage gehabt, da sich das wirtschaftliche Verhalten der Araber nicht von dem anderer Volksgruppen unterscheide und ihr religiöser Einfluss überschätzt worden sei (104). Vor dem Schutz der Einheimischen mag es der Kolonialregierung vor allem um die Sicherung ihrer eigenen Autorität gegenüber den Arabern gegangen sein (102).
Neben der Residenzpflicht brachten vor allem strenge Passgesetze Einschränkungen, vor allem für arabische Händler und Geschäftsmänner (de Jonge 2002, 225). Es waren lange Wartezeiten nötig, um die erforderlichen Dokumente für Reisen außerhalb der Quartiere zu erhalten und während der Reise wurden die Hadramis fortwährend kontrolliert (de Jonge 1993, 79). Die arabische Gesellschaft schien insgesamt im Vergleich zu anderen Minoritäten einer besonders starken Diskriminierung und Vorurteilen der Staatsautoritäten ausgesetzt zu sein (de Jonge 2002, 225). Wirtschaftliche Interessen der Kolonialregierung spielten jedoch im Einzelfall selbstverständlich eine große Rolle (de Jonge 1997, 96).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach der Identitätsbildung der Hadramis in Indonesien zwischen 1900 und 1945 dar.
2. Niederlassung und Rollen der Hadramis in der indonesischen Gesellschaft: Beschreibt die Einwanderungsgründe und die gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Positionen der Hadramis.
2.1. Verehrung als religiöse Führer: Analysiert den besonderen Status der Sayyids als religiöse Autoritäten.
3. Im Hass vereint: Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls durch erfahrene Diskriminierung: Untersucht die Auswirkungen kolonialer Kategorisierung und Diskriminierung auf die Gruppenidentität.
3.1. Einschränkungen durch Siedlungspolitik und Passgesetze: Behandelt die räumliche Trennung und behördliche Reglementierung der arabischen Minderheit.
3.2. Gemeinsamer Kampf gegen Diskriminierung: Beschreibt den organisierten Widerstand gegen koloniale Restriktionen.
4. Verbindung und Identifizierung mit der arabischen Welt: Erläutert Faktoren, die das Gefühl eines "Araberseins" stärkten.
4.1. Entstehung von Zeitungen fördern das Gemeinschaftsgefühl: Analysiert die Rolle des arabischen Pressewesens bei der Identitätsstiftung.
4.2. Politische Verbindungen zum Ottoman-Kalifat: Beschreibt die diplomatische Orientierung der Hadramis nach Istanbul zur Modernisierung und Statusverbesserung.
5. Arabische Organisationen in Niederländisch-Ostindien: Behandelt die Gründung eigener Organisationen zur Stärkung der Gemeinschaft und des Bildungswesens.
5.1. Sayyids: Jam’yyat al-Khayr: Untersucht die Rolle der Sayyids als Geldgeber und Bildungsorganisatoren.
5.2. Spaltung der Hadramis: Entstehung der Al-Irsyad: Analysiert die reformistische Abspaltung und den Konflikt zwischen Sayyids und Syekhs.
6. Rolle der Hadramis in islamischer Modernisierung und indonesischer Nationalbewegung: Untersucht die Neudefinierung der Identität im Prozess der indonesischen Unabhängigkeitsbestrebungen.
6.1. Islamische Modernisierung: Geldgeber, Gegner und Reformer: Analysiert die unterschiedlichen Positionen der Hadramis zur islamischen Reform.
6.2 Identitätswandel der Hadramis während der Nationalbewegung: Beschreibt den Übergang zur Identifizierung als "Indonesier" und die Gründung der PAI.
7. Fazit: Fasst die Prozesse der Identitätsbildung und -transformation zusammen.
Schlüsselwörter
Hadramis, Indonesien, Identitätsbildung, Identitätswandel, Kolonialzeit, Nationalbewegung, Niederländisch-Ostindien, Islam, Sayyid, Jam'yyat al-Khayr, Al-Irsyad, Diskriminierung, Integration, Modernisierung, Arabische Diaspora.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Identitätsbildung und den gesellschaftlichen Wandel der aus Hadhramaut stammenden Minderheit in Indonesien zwischen 1900 und 1940.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Rolle der Hadramis in der Kolonialgesellschaft, den Einfluss kolonialer Diskriminierung, die Bedeutung von Bildungs- und Pressewesen sowie die Teilnahme an islamischen Reformbewegungen und der indonesischen Nationalbewegung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Identität der Hadramis von einer exklusiven, arabisch-orientierten Gruppe zu einer in die indonesische Gesellschaft integrierten Minderheit wandelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Fachliteratur, Sammelbänden und historischen Zeitschriftenartikeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der kolonialen Diskriminierung, der Verbindung zur arabischen Welt, der Entstehung arabischer Organisationen und schließlich der Rolle bei der indonesischen Nationalwerdung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Hadramis, Identitätswandel, Kolonialgesellschaft, Islamische Modernisierung und indonesische Nationalbewegung.
Welche Rolle spielten die Sayyids bei der sozialen Differenzierung innerhalb der arabischen Minderheit?
Die Sayyids nahmen als "religiöser Adel" eine privilegierte Stellung ein, die durch ihr religiöses Prestige und ihren Wohlstand legitimiert wurde, was zu internen Spannungen mit der Gruppe der Syekhs führte.
Wie trug die Gründung der Organisation Al-Irsyad zum Wandel der Identität bei?
Al-Irsyad propagierte die Gleichheit aller Muslime, kritisierte die traditionellen Hierarchien der Sayyids und unterstützte eine Modernisierung, was den Weg für eine emanzipierte und stärker indonesisch orientierte Identität ebnete.
- Citation du texte
- Amelie Katczynski (Auteur), 2014, Arabische Indonesier oder indonesische Araber?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273019