Der religionsdidaktische Einsatz von Popmusik im Religionsunterricht


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Musik im Religionsunterricht- musikdidaktische Grundlagen
2.1. Musik und Religion
2.2. Musik und ihre Bedeutung für Kinder und Jugendliche heute

3. Musik im Religionsunterricht am Beispiel der populären Musik – einige didaktisch-methodische Impulse

4. Fazit

5 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Popmusik wird als ein wichtiger kultureller Bestandteil Kindern und Jugendlichen zugeteilt. Einer Gruppe, der nachsagt wird, sie habe sich weit von religiösen Fragestellungen und kirchlichem Gemeindeleben entfernt. Im völligen Gegensatz dazu steht die Theologie als etwas Traditionelles und Sittliches. Doch sind diese beiden „Welten“ wirklich so weit von einander getrennt wie es auf den ersten Blick scheint? Oder gibt es nicht doch einige Parallelen? Und wenn dies der Fall ist, können diese dann nicht speziell für die praktische Theologie eine große Chance darstellen, vor allem wenn es darum geht einen Zugang zur Alltagskultur der jungen Heranwachsenden herzustellen? Betrachtet man die Popkultur unter religiösen Gesichtspunkten genauer, bleiben die Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Gewalt auf der Welt und einer höheren Wirklichkeit, trotz der offensichtlichen Veränderungen der Gesellschaft auch heute bei den Jugendlichen relevant. Bernd Schwarze stellt sogar die These auf, dass im Umgang mit Rock- und Popmusik jungen Menschen häufiger und intensiver in Kontakt mit religiösen Themen kommen als im Religions- und Konfirmandenunterricht.[1] Allerdings werden sie durch die schwindende religiöse Sozialisation und ein verengtes Religionsverständnis nicht mehr direkt als religiöse Fragestellungen wahrgenommen.[2] An diesem Punkt eröffnet sich mit der Verwendung von Musik, und speziell der Art von Musik, die die Jugendlichen im alltäglichen Leben begleitet, eine große Chance für die Religionspädagogik. Denn der Einsatz von Popmusik als einen „locus theologicus“[3], kann die Brücke zwischen den beiden „Welten“ darstellen, indem sie zum einen die Schüler als eigenständige Subjekte wahrnimmt, sie in ihrer Alltagswelt abholt und die aufwerfenden Fragen und Gefühle mit der Musik in den Religionsunterricht mitnimmt, und zum anderen die Bezüge zur christlichen Traditionen dabei herstellt.

Diese Arbeit analysiert zunächst die Verbindung von Musik und Religion im christlichen Glauben, sowohl historisch als auch theologisch. Dabei wird besonderer Schwerpunkt auf die für die Religionspädagogik resultierenden Schlüsse gelegt. Anschließend wird die Bedeutung der Popmusik für Jugendliche heutzutage dargelegt und es werden Parallelen zur christlichen Religion aufgezeigt, um die sich daraus ergebende Relevanz für den Einsatz von Popmusik im Religionsunterricht zu begründen. Abschließend werden einige didaktische und methodische Impulse für die Umsetzung gegeben.

2. Musik im Religionsunterricht- musikdidaktische Grundlagen

2.1. Musik und Religion

Seit Begin der Menschheit scheinen Musik und Kult stark miteinander verbunden zu sein. Betrachtet man verschiedene Kulturen dieser Erde, sieht man, dass diese beiden Phänomene stets nebeneinander auftreten.[4] Musik erzeugt zum einen, eine akustische Markierung des zeremoniellen Ortes und begleitet gleichzeitig die laufenden Kultinszenierungen. Dabei weist sie einen kommunikativen Charakter auf, der sowohl für den Transport von religiösen Botschaften innerhalb einer Gemeinschaft, als auch als eine funktionale Kommunikationskraft zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt verwendet wird.[5] Durch ihre vielfältige Funktionalität, ihren ekstatischen Charakter und ihren zeitliche Augenblickserfahrung, rückte sie in die Nähe der Religion, sodass beide Erfahrung untrennbar miteinander verbunden sind.[6]

Auch im Kultus der jüdisch-christlichen Tradition ist Musik seit je her beheimatet.[7] Zu deren Grundfunktionen gehört zum einen die erfreuende und heilende Wirkung in Form von Gesang, Tanz und Spiel, sowie der spielende und singende Ruf zu Gott.[8] So taucht im Alten Testament Musik in allen Lebenszusammenhängen auf und gehört existentiell zu den Lebensvollzügen der Menschen und Israels[9]. Unterschieden wird hier zwischen säkularer Musik, wie sie sich in Kriegs-, Trauer- und Festliedern finden lässt und sakraler Musik, die über der säkularen Musik steht und der Verehrung, Bewunderung und Dankbarkeit gegenüber JHWH dient. Dabei haben sich Formen wie der Psalmengesang, in dem Musik zum Vermittler zwischen Mensch und Gott wird[10] und die liturgische Kantillation bis heute entfaltet.[11] Im Neuen Testament tritt neben die beiden bereits vorherrschenden Musikformen die instrumentale Musik in Form von Hymnen und Oden hinzu (vgl. Eph 5,19; Kol 3,16; Hebr 13,15).[12]

Das Verhältnis von Kirche und Musik, als eine Form der Kunst, ist komplex.[13] Zwar steht sie einerseits wegen ihrem transzendierendem Charakter in starker Verbindung zur Religion, entzieht sich andererseits aber durch ihre Abstraktion jeglicher Fixierung, die eine Theologie der Musik bis heute nur schwer zulässt. Hinzu erschweren die vielfältigen Erscheinungsformen und Funktionen der Musik in der heutigen Gesellschaft eine klare theologische Stellungnahme. Trotzdem kommt ihr bei der Betrachtung unter spezifisch christlichen Beziehungspunkten, eine außerordentliche theologische Würdigung zu. Demzufolge hat der Mensch die Schöpfungsgabe des Musizierens durch die von Gott geschenkte Freiheit erhalten.[14] Dabei ist musikalische Harmonie Ausdruck der Schöpfung und Erlösung Gottes. Sie wird Ausdrucksmittel des christlichen Glaubens und leitet zum Miterleben der Heils-und Glaubensgeschichte durch die klangliche Darstellung von emotionalen Höhen und Tiefen ein. Dabei kann sie beim Rezipienten durch ihre sinnhafte Ungegenständlichkeit auf das Unsagbare verweisen.[15]

Schon immer wurde Musik auf Grund ihres Potentiales, transzendentale Erfahrungen auszulösen auch als Symbol des Wirkens einer höheren Wirklichkeit angesehen. Jegliche Form von Musik bietet die Möglichkeit auf Grund ihrer Ästhetik beim Menschen einen erfahrungsauslösenden Impuls zu bieten, der dabei die Alltagserfahrungen durchbricht, und transzendentale Wesensaspekte aufweist, indem der Hörende über sich selbst hinaus, nach einem Sinngrund bzw. einer überlegenen Macht fragt.[16] Auf eine solche Musikerfahrung kann eine nachhaltige Wahrnhemungsveränderung der Alltagsmusik folgen. Der kulturelle Hintergrund des Hörers ist dabei ausschlaggebend für die religiöse Deutung dieser Musikerfahrung.[17] Im abendländisch- christlichem Kontext, kann diese ästhetische Erfahrung als Schöpfung Gottes gedeutet werden und gewinnt dabei einen symbolischen Charakter.[18]

Neben der theologischen Würdigung ist es aber vor allem auch die religiöse Dimension, die die Musik zum unabdingbaren Bestandteil der Spiritualität vieler Mensch macht. Die Begegnung mit Musik hilft es dem Hörendem elementar religiöse Gefühle und Erfahrungen wahrzunehmen[19], durch das Verstehen und Deuten von Musik ist es möglich göttlich-schöpferische Kreativität zu erleben und durch Fremderfahrungen das eigene Ich zu transzendieren. An diesen Dimensionen und auf Grund der engen Verbindung der Musik zu religiöser Theorie und Praxis in den alteuropäischen Kulturräumen und besonders auch in der biblischen Tradition, knüpft die Religionspädagogik an der Auseinandersetzung mit diesem Medium an.[20] Aus der besondere Nähe der musikalischen Erfahrung zur religiösen Erfahrung, muss die Religionsdidaktik ein besonderes Interesse an dem Medium Musik haben.[21]

[...]


[1] Vgl. B. SCHWARZE, „Everybody’s Got A Hungry Heart“- Rockmusik und Theologie, in: R.TISCHER (Hg.), Pop & Religion, Stuttgart 1992, 189.

[2] Vgl. K. WEGENAST(Hg.), Religionspädagogik und Kultur. Beiträge zu einer religionspädagogischen Theorie kulturell vermittelter Praxis in Kirche und Gesellschaft, Neukirchen- Vluyn 2000,176.

[3] Vgl. A. GREELEY,Religion in der Popkultur. Musik, Film und Roman, Graz/Wien/Köln 1993,9.

[4] Vgl. M. L. PIRNER, Art. Musik, in: Lexikon der Religionspädagogik 2 (2001), 1364.

[5] Vgl. G. FERMOR, Art. Musik, in: LThK 7 (1998), 544.

[6] Vgl. ebd., 545.

[7] Vgl. J.EURICH, Symbol und Musik. Die religiöse Vermittlungsleistung des Symbolbegriffs in der Postmoderne unter Berücksichtigung sozialwissenschaftlicher, psychoanalytischer und semiotischer Aspekte, dargestellt am Beispiel der Musik, Münster 2002 ( Heidelberger Studien zur Praktischen Theologie; 1); zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 2000.

[8] Vgl. G. BITTER, Art.Musik, in: NHRpG (2002), 81.

[9] Vgl. G. FERMOR, Musik, 544.

[10] Vgl. J. EURICH, Symbol, 216.

[11] Vgl. P. BUBMANN/ LANDGRAF, MICHAEL, Musik in Schule und Gemeinde. Grundlagen- Methoden- Ideen. Ein Handbuch für die religionspädagogische Praxis, Stuttgart 2006, 34.

[12] Vgl. G. FERMOR, Musik,544; Vgl. hierzu auch P. BUBMANN/ M. LANDGRAF, Musik, 34.

[13] Vgl. A. GERHARDS/E. KOHLHAAS, Musik, in: LThK 7 (1998), 548.

[14] Vgl. P. BUBMANN/ M. LANDGRAF, Musik, 43.

[15] Vgl. A. GERHARDS/E. KOHLHAAS, Musik, 549.

[16] Vgl. M.L. PIRNER, Musik und Religion in der Schule. Historisch-systematische Studien in religions- und musikpädagogischer Perspektive, Göttingen 1999 ( Arbeiten zur Religionspädagogik; 16); zugleich: Bamberg, Univ., Diss., 1996/7, 424-429.

[17] Vgl.ebd.

[18] Vgl. ebd., 426f.

[19] Vgl. J. EURICH, Symbol, 220-225.

[20] Vgl. G.BITTER, Musik, 81.

[21] Vgl. P. BUBMANN/ M. LANDGRAF, Musik, 48f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der religionsdidaktische Einsatz von Popmusik im Religionsunterricht
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V273099
ISBN (eBook)
9783656651628
ISBN (Buch)
9783656651611
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, popmusik, religionsunterricht
Arbeit zitieren
Jochen Mueller (Autor), 2011, Der religionsdidaktische Einsatz von Popmusik im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273099

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