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Kann der Vereinte Nationen-Sicherheitsrat reformiert werden? Eine Analyse mit Hilfe des Vetospieler-Theorems

Title: Kann der Vereinte Nationen-Sicherheitsrat reformiert werden? Eine Analyse mit Hilfe des Vetospieler-Theorems

Master's Thesis , 2014 , 99 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Johannes Bullmann (Author)

Politics - Topic: International Organisations
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Seit ihrer Gründung im Jahr 1945 haben die Vereinten Nationen (VN) zahlreiche epochale Veränderungen miterlebt, etwa den Ost-West-Konflikt, sein Ende oder den Krieg gegen den Terror. Im Laufe dieser historischen Einschnitte sah sich auch die Weltorganisation der Notwendigkeit kontinuierlicher Anpassungen ausgesetzt. Dies betraf und betrifft einerseits die neuen globalen Herausforderungen, wie die zunehmende Ungleichverteilung von Gütern zwischen der Ersten und der Dritten Welt, und andererseits teilweise damit einhergehende Veränderungen der VN-Strukturen. So hat sich beispielsweise seit ihrer Gründung die Mitgliederzahl mehr als verdreifacht (von einst 51 auf derzeit 192), was fortwährende Anpassungen an die Organisation von Abläufen und Prozessen innerhalb der Gremien und einzelnen Arbeitsbereiche der VN notwendig gemacht hat. Eines der wichtigsten Organe, das bislang von jeglichem Wandel nahezu unangetastet geblieben ist, stellt der Sicherheitsrat (SR) der VN dar. Seine Zusammensetzung im Hinblick auf die fünf ständigen Mitglieder (Permanent five, P-5) hat sich seit 1946 zwar verändert , die Ausgangslage wiederholter Reformbestrebungen, die unter anderem auf eine Erweiterung dieses Organs hinsichtlich seiner Mitglieder, die Einschränkung der Veto-Macht der P-5 oder eine größere Transparenz von Entscheidungen gezielt haben, allerdings nicht.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, warum die von verschiedenen Seiten innerhalb der VN vorgetragenen Forderungen einer grundlegenden Reformierung des VN-Sicherheitsrates bislang nicht umgesetzt worden sind. Konkret geht es um die Reformbemühungen 1997, 2005 und die Debatte seit 2007. Die Frage ist zwar bereits vielfach in der Fachwelt diskutiert worden, doch wird hier der Versuch unternommen, eine systematische Untersuchung anhand einer Theorie durchzuführen, die die Dynamik von politischen Inhalten und deren Prozessen in den Vordergrund stellt. Daher liegt dieser Arbeit das Vetospieler-Theorem von George Tsebelis zugrunde, mit Hilfe dessen gezeigt werden soll, warum die relevanten Akteure (ständige und nicht ständige Mitglieder des VN-Sicherheitsrates sowie Organe der VN mit Entscheidungskompetenz in dieser Frage) durchschlagende Reformen verhindert haben. Die Analyse soll sich dabei nicht nur auf die P-5 und ihre Vetomacht beschränken, sondern auch andere Gruppen von Staaten im Reformprozess betrachten und ihre Motive im Reformprozess erörtern. Abschließend werden die Ergebnisse anhand der verwendeten Th

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Warum diese Theorie?

2. Der Vetospieler-Ansatz nach George Tsebelis

2.1 Welche Vetospieler gibt es?

2.2 Absorptionsregel, Status quo und weitere Spieler

2.3 Kritik

3. Der VN-Sicherheitsrat

3.1 Abriss seiner Entstehung

3.2 Befugnisse und Aufgaben des Sicherheitsrates

3.3 Arbeitsweise des SR

3.4 Gebrauch des Vetos im SR

4. Die Reformdebatte – ein Überblick

4.1 Die Vorschläge von 1997 (Razali-Plan)

4.2 Die Reformversuche von Kofi Annan

4.3 Die Debatte seit 2007

4.4 Die Nicht-Reform der Arbeitsmethoden des SR

5. Die Vetospieler und ihr Verhalten: Die P-5

5.1 Die USA

5.2 Großbritannien und Frankreich

5.3 China

5.4 Russland

6. Die nicht ständigen Mitglieder

6.1 Die G4-Gruppe

6.2 Der „Kaffeeclub“ (UfC)

6.3 Die „L69“-Gruppe

6.4 Die afrikanische Gruppe

7. Der Sicherheitsrat als Vetospieler

7.1 Das winset einer Reform

7.2 Das Theorem in seiner Anwendung

8. Fazit – Eine „unmögliche“ Reform ?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Gründe für das Scheitern grundlegender Reformen des VN-Sicherheitsrates, insbesondere unter Berücksichtigung der Reformbemühungen von 1997, 2005 und der Debatte seit 2007, unter Anwendung des Vetospieler-Theorems von George Tsebelis.

  • Anwendung des Vetospieler-Theorems zur Analyse politischer Blockaden.
  • Untersuchung der Interessenlagen der ständigen (P-5) und nicht ständigen Mitglieder.
  • Evaluation historischer und aktueller Reformvorschläge.
  • Analyse der Rolle von Vetorechten und informellen Abstimmungsmechanismen.
  • Identifikation struktureller Hindernisse für Reformen im VN-System.

Auszug aus dem Buch

3.1 Abriss seiner Entstehung

Der SR der Vereinten Nationen ist in der Geschichte ein einmaliges Organ, da er auf nur wenige staatliche Akteure eine ungeheure – potenzielle Macht – konzentriert. Die ständigen Mitglieder USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich verfügen über rund 30 Prozent der Weltbevölkerung und generieren etwa 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft. Daneben besitzen sie ca. 99 Prozent aller Atomwaffen und an die 5,5 Millionen Männer und Frauen unter Waffen. Sind sie sich einig, können sie Kriege führen (lassen), Blockaden und Sanktionen verhängen, humanitäre Interventionen anordnen und Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zwingen. Während die meisten anderen VN-Institutionen eine Gleichheit der Staaten in Bezug auf ihre Rechte und Pflichten annehmen, ist der SR in seiner Struktur de jure und de facto auf einem hohen Maß an Ungleichheit aufgebaut.

Letztlich basiert diese Ungleichheit unmittelbar auf den Ergebnissen des Zweiten Weltkriegs, im Laufe dessen sich die Alliierten bereits über eine Nachkriegsordnung verständigt hatten. In den Augen der Amerikaner und der Briten, vertreten durch ihre Führer, Präsident Franklin D. Roosevelt und Premierminister Winston Churchill, ging es um die Schaffung einer Sicherheitsarchitektur, die Konflikte, wie sie die Menschheit innerhalb eines halben Jahrhunderts miterleben musste, entschärfen bzw. vermeiden wollte. Bereits am 1. Januar 1942, drei Jahre vor dem eigentlichen Kriegsende, unterzeichneten 26 Staaten, darunter auch die damalige Sowjetunion, China und Frankreich, die „Erklärung der Vereinten Nationen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Reformunfähigkeit des Sicherheitsrates unter Nutzung des Vetospieler-Theorems.

2. Der Vetospieler-Ansatz nach George Tsebelis: Theoretische Einführung in das Konzept der Vetospieler, deren institutionelle Einbindung und die Bedeutung des winsets.

3. Der VN-Sicherheitsrat: Darstellung der historischen Entstehung, der Arbeitsweise und der spezifischen Veto-Regelungen im Sicherheitsrat.

4. Die Reformdebatte – ein Überblick: Historische Analyse der Reformbemühungen von 1997 bis zur aktuellen Debatte, einschließlich der OEWG-Arbeitsgruppen.

5. Die Vetospieler und ihr Verhalten: Die P-5: Detaillierte Untersuchung der Positionen und Motive der fünf ständigen Mitglieder hinsichtlich einer Reform.

6. Die nicht ständigen Mitglieder: Analyse der Reformvorstellungen verschiedener Staatengruppen wie G4, UfC, L69 und der afrikanischen Gruppe.

7. Der Sicherheitsrat als Vetospieler: Synthese der Theorieanwendung und Darstellung des winsets der Akteure im Reformprozess.

8. Fazit – Eine „unmögliche“ Reform ?: Zusammenfassende Bewertung der Reformchancen und der strukturellen Beharrungskräfte im VN-System.

Schlüsselwörter

VN-Sicherheitsrat, Vetospieler, George Tsebelis, Reformdebatte, P-5, winset, UN-Charta, internationale Politik, Vereinte Nationen, Mehrheitsentscheidungen, ständige Mitglieder, Arbeitsmethoden, Diplomatie, Machtverhältnisse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum grundlegende Reformen des VN-Sicherheitsrates bisher nicht erfolgreich umgesetzt wurden, obwohl Forderungen nach mehr Repräsentanz und Effizienz bestehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Struktur des VN-Sicherheitsrates, die Interessen der ständigen Mitglieder (P-5), die verschiedenen Reformvorschläge durch Staatengruppen und die theoretische Fundierung durch den Vetospieler-Ansatz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die systematische Erforschung der politisch-institutionellen Hindernisse, die eine Reform des Sicherheitsrates blockieren, durch Anwendung der Vetospieler-Theorie.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet einen empirisch-analytischen Ansatz, bei dem das Vetospieler-Theorem von George Tsebelis als Analyseinstrument dient, um die Reformprozesse zu strukturieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine detaillierte historische Aufarbeitung der Reformdebatten sowie eine Untersuchung der Verhaltensmuster und Motive der beteiligten Akteure (P-5 und verschiedene Staatengruppen).

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Vetospieler, winset, P-5, Sicherheitsratsreform, UN-Charta, Policy Stability und institutionelle Machtstrukturen.

Wie unterscheidet sich die Position der USA von der Chinas bei Reformfragen?

Während die USA primär eine Effizienzsteigerung und Aufnahme strategischer Partner ohne Rechteänderungen anstreben, zeigt China ein ambivalentes Verhalten und betont vorrangig die Repräsentanz von Entwicklungsländern, um eigene Machtpositionen nicht zu gefährden.

Warum ist das "winset" bei Reformen des Sicherheitsrates so klein?

Das winset ist klein, weil die ständigen Mitglieder eine Änderung ihrer Privilegien (insbesondere des Vetorechts) strikt ablehnen und die divergierenden Interessen der zahlreichen weiteren Staaten keinen breiten Konsens zulassen.

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Details

Title
Kann der Vereinte Nationen-Sicherheitsrat reformiert werden? Eine Analyse mit Hilfe des Vetospieler-Theorems
College
Berlin School of Economics and Law
Grade
2,0
Author
Johannes Bullmann (Author)
Publication Year
2014
Pages
99
Catalog Number
V273152
ISBN (eBook)
9783656648758
ISBN (Book)
9783656648734
Language
German
Tags
kann vereinte nationen-sicherheitsrat eine analyse hilfe vetospieler-theorems
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Bullmann (Author), 2014, Kann der Vereinte Nationen-Sicherheitsrat reformiert werden? Eine Analyse mit Hilfe des Vetospieler-Theorems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273152
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