Das Unheimliche in Tarkovskys Stalker. Woher rührt das Gefühl des Unheimlichen im russischen Film Stalker von Andrej Tarkowskij? Welche allegorischen Gestalten werden durch die drei Protagonisten dargestellt und warum berührt uns die Landschaft in dem Film so sehr. Analysiert durch die Schriften von Freud wirft diese Hausarbeit einen Blick auf das Vertraute, das Fremde, das Nichtgesagte und das Unheimliche des Kultfilms.
Inhaltsverzeichnis
1. Andrej Tarkowskij
1.1 Leben und Werk
1.2 Bildwelten und Ästhetik
1.3 Stalker (Сталкер)
2. Sigmund Freud und das Unheimliche
2.1 Das Vertraute
2.2 Das Verborgene
2.3 Die Angst
3. Das Unheimliche im Film
3.1 Fiktion und Ästhetik
3.2 Erkenntnis und Natur
3.3 Melancholie
3.4 Intellektuelle Unsicherheit
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die filmische Umsetzung des psychoanalytischen Konzepts des "Unheimlichen" bei dem Regisseur Andrej Tarkowskij, wobei ein besonderer Fokus auf den Film "Stalker" gelegt wird.
- Analyse des unheimlichen Phänomens im Kontext von Freuds theoretischen Schriften.
- Untersuchung der ästhetischen Mittel in Tarkowskijs Werk zur Erzeugung von Unheimlichkeit.
- Erforschung der Verschränkung von Natur, Kultur und menschlicher Identität in der Zone.
- Gegenüberstellung von intellektueller Unsicherheit und affektivem Erleben im filmischen Raum.
Auszug aus dem Buch
1.2 Bildwelten und Ästhetik
Tarkowskijs Filme folgen keiner gewöhnlichen narrativen, szenischen Handlung, sondern die Charaktere werden in den bildgewaltigen Raum ihrer melancholischen Obdachlosigkeit ausgesetzt. Durch diese Verlorenheit treten Handlung und Charaktere in den Hintergrund und der Raum, die Landschaft mit ihrer Natur und ihren stimmungsvollen Lichtverhältnissen tritt in den Vordergrund. Zeit, Gemüt und Erinnerung entspringen somit nicht mehr der Person, sondern der Natur, welche die Personen in ihrer erhabenen Überwältigung verschlungen hat. Der menschliche Raum des Denkens, Handelns und Empfindens ist in den natürlichen Raum der Landschaft übergangen, wodurch die Personen einer Orientierungslosigkeit erliegen, welche die Grenze von Identität und umgebender Natur aufreißt. Tarkowskij gelingt hier das Kunststück Fragen bezüglich des menschlichen Daseins, seiner Kultur und seiner Stellung in der Natur aus der bloßen
Zurschaustellung eines natürlichen Raumes entstehen zu lassen. Die Signifikanz des natürlichen Raumes ordnet Tarkowskij weit über die persönliche Geschichte, Kultur und Identität und löst somit eine handlungshemmende Ohnmacht aus, welche durch die intellektuelle Distanz des Zuschauers im Gefühl des Unheimlichen mündet, da das Vertraute auf niederschmetternde Art und Weise eine unendliche Größe angenommen hat. Es entsteht das Gefühl der körperlichen Abwesenheit, der Bedrohung der physischen und letztendlich psychischen Existenz. Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Frage nach dem Unheimlichen. Anhand der Schriften von Sigmund Freud über das Unheimliche, sowie über Trauer und Melancholie soll geklärt werden, warum und auf welche Art und Weise die Filme von Andrej Tarkowskij ein Gefühl des Unheimlichen erwecken. Besonderer Fokus liegt dabei auf seinem 1979 erschienenen Film Stalker (Сталкер).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Andrej Tarkowskij: Einführung in das Leben und das filmische Schaffen von Tarkowskij sowie die zentrale Rolle des Films "Stalker" in seinem Œuvre.
2. Sigmund Freud und das Unheimliche: Darstellung der psychoanalytischen Kerngedanken Freuds zum Begriff des Unheimlichen, insbesondere der Ambivalenz zwischen Vertrautheit und Entfremdung.
3. Das Unheimliche im Film: Analyse der Übertragung theoretischer Konzepte in die visuelle Ästhetik und Narration der Filme, fokussiert auf Raum, Melancholie und intellektuelle Unsicherheit.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion über Tarkowskijs Allegorisierung der menschlichen Existenz und das Scheitern rationaler Erklärungsmuster bei der Begegnung mit dem Unheimlichen.
Schlüsselwörter
Andrej Tarkowskij, Stalker, Sigmund Freud, Das Unheimliche, Psychoanalyse, Melancholie, Filmästhetik, Natur, Identität, Entfremdung, Vergänglichkeit, Zivilisation, Phänomenologie, Fiktion, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die theoretische Definition des "Unheimlichen" nach Sigmund Freud und deren visuelle sowie erzählerische Umsetzung im filmischen Werk von Andrej Tarkowskij.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Psychoanalyse des Unheimlichen, die Bedeutung von Naturräumen im Film, das Konzept der Melancholie und der Verfall der Zivilisation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Tarkowskij durch ästhetische Gestaltung und Allegorien ein spezifisches Gefühl des Unheimlichen erzeugt, das weit über einfache Horror-Elemente hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine hermeneutische Herangehensweise, bei der psychoanalytische Theorien von Sigmund Freud mit der filmischen Analyse und Bildinterpretation von Tarkowskijs Werk verknüpft werden.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Freud und eine anschließende Applikation dieser Konzepte auf die Filmanalyse, besonders am Beispiel des Films "Stalker".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Unheimliche, die Zone, melancholische Obdachlosigkeit, intellektuelle Unsicherheit und die Deformation des Vertrauten.
Wie spielt die "Zone" im Film "Stalker" eine Rolle für das Unheimliche?
Die Zone stellt für den Autor einen Ort dar, an dem das Vertraute durch das Eindringen des Fremden und Unbekannten unheimlich wird, was die Charaktere zur Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Existenz zwingt.
Warum wird Freuds Theorie in dieser Arbeit als unvollständig betrachtet?
Die Schlussbetrachtung merkt an, dass Freuds Fokus auf psychische Mechanismen allein nicht ausreicht, um die komplexe, allegorische und kulturelle Tiefe von Tarkowskijs Bildsprache vollständig zu erfassen.
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- Matthias Jessen (Author), 2011, Das Unheimliche in Tarkovskys "Stalker", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273221