Die Darstellung des Fremden in Adelbert von Chamissos Werk "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"


Essay, 2010
8 Seiten, Note: 1.5

Leseprobe

EINLEITUNG

Gegenstand dieses Essays ist die Darstellung des Fremden in Adelbert von Chamissos Werk „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Meine Hauptfrage ist, inwiefern Peter Schlemihl ein Fremder ist. Um meine Fragestellung zu verdeutlichen, möchte ich: untersuchen, mittels welcher literarischen Symbole Schlemihls Konflikt vorangetrieben und gelöst wird, was das Unheimliche an der Erzählung ist, wie das Fremde in diesem Buch literarisch inszeniert wird, wie Identität, kapitalistische Entfremdung, Menschlichkeit, Ansehen, Reputation und Integrität in Schlemihls Leben dargestellt werden. Auch Bendels, Minnas und Rascals Rollen sollen untersucht werden. Und wie geistige Eigenschaften von Menschen, wie zum Beispiel unsere eigene Identität und Respekt, die nicht mit Geld gekauft werden können, und die Grenzen zwischen Geld und Moral, mit literarischen Motiven konkretisiert werden. Ich möchte auch zeigen, wie wichtig soziale Anerkennung im Leben von Einzelnen ist. Man kann viel machen, um in einer Gesellschaft eine Rolle zu spielen. Die Menschen bedürfen anderer Menschen, also ist der Mensch ein soziales Wesen. Anhand dieses literarischen Texts versuche ich, den Begriff „Unheimlich“ und Beispiele für das „Unheimliche“ deutlicher zu machen.

Warum ist Peter Schlemihl ein Fremder?

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der aus armen Verhältnissen kommt. Die Entwicklung des Fremd-Seins in Schlemihls Leben begann in Johns Gesellschaft und dauert bis zur Begegnung mit dem Naturforscher an. Fremd-Sein wird in dieser Geschichte mit literarischen Motiven, wie Schatten und Glücksäckel dargestellt.Schatten symbolisiert in diesem Geschichte gesellschaftliche Anerkennung. ‘In dieser Erzählung stehen Geld, persönlicher Verdienst, Moral und sozialer Status in einem Bedingungsfeld miteinander“[1] Am Anfang der Novelle ist Peter Schlemihl in eine Welt eingetreten, in der er keine Rolle spielt und nichts kennt. Also fühlt Schlemihl sich unheimlich. Wir können sein Gefühl durch diese Zitate verstehen: „Die Gesellschaft war sehr aufgeräumt, es ward getändelt und gescherzt, man sprach zuweilen von leichtsinnigen Dingen wichtig, von wichtigen öfters leichtsinnig, und gemächlichen erging besonders der Witz über abwesende Freunde und deren Verhältnisse. Ich war da zu fremd, um von allem zu verstehen, zu bekümmert und in mich gekehrt, um den Sinn auf solche Rätsel zu haben“[2] und „Ich beschloß, mich aus der Gesellschaft zu stehlen, was bei der unbedeutenden Rolle, die ich darinnen spielte, mir ein leichtes schien.“[3] Er merkte also, dass er keine Rolle in dieser Welt hat und fühlt sich allein. Niemand hat ihn beachtet, weil ihn nichts mit der ihn umgebenden Gesellschaft verband und er ihr nichts mitzuteilen hatte. Er dachte, dass er sich von diesem unheimlichen Gefühl mit Geld retten könne. Er wollte von diesen Menschen bemerkt werden. Er versuchte mit Geld eine Welt, wie Herr Johns Leben, zu erschaffen. Die Ursache des Verkaufs des Schattens ist sein Wunsch „eine Rolle in der Welt zu spielen“. Er sucht eine soziale Identität. Eigentlich ist nicht nur Schlemihl fremd, sondern auch Herrn Johns Gesellschaft, weil sie keine Ahnung von der Außenwelt haben. Schlemihl ist unter sie getreten, aber niemand hat ihn bemerkt. Das zeigt, dass diese Menschen auch gegen ihre Umgebung fremd sind. Das Verhältnis zwischen diesen Menschen wird von materiellen Dingen bestimmt.

Der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung hat Peter zum Handel mit dem Grauen Mann geführt. Zugehörigkeitslosigkeit macht den Menschen unheimlich und unglücklich. In der Hoffnung aufs Glücklich-Sein hat er seinen Schatten dem Grauen Mann verkauft. Aber er wurde von der Öffentlichkeit als seltsam empfunden. Die Frauen wendeten sich von ihm ab und alle Menschen starrten ihn seltsam an. Also sind die bösen Blicke der Menschen auf Schlemihl wegen seiner Schattenlosigkeit Beispiele für das Unheimliche. Schlemihl ist ein naiver Mann und er ist leichtgläubig. Der Teufel versucht ihn mit viel List zu überreden, seine Seele einzutauschen. Das ist der große Konflikt von Schlemihl, weil er zu spät die Absicht des Teufels versteht. Aber im Laufe der Erzählung erweist er sich als sehr ängstlich. Er fühlt sich unbehaglich, vertraut niemandem und wegen der bösen Blicke der Menschen ist er unruhig. Und weil der Graue ihn betrog, konnte er wieder niemandem vertrauen. Tagsüber zieht er sich deshalb auf sein Zimmer zurück. Er fühlt sich sogar vom Sonnenlicht entblösst. Diese Ursachen machen Schlemihl ängstlich und immer mehr fremd gegen seine Umgebung.

Die menschliche Identität hat viele Aspekte, aber am wichtigsten ist natürlich die eigene Identität und Moral. Diese wird in dieser Geschichte mit dem Handel zwischen Schlemihl und dem Grauen Mann symbolisiert. Das ist auch ein Konflikt von Schlemihl, dass man mit Geld eine Rolle in der Welt spielen kann. Aber er hat seinen Schatten verkauft und wird von den Menschen als anders empfunden. Am Ende verstand er die Wichtigkeit seiner eigenen Identität und des Respekts, die man beide für Geld weder kaufen noch verkaufen kann.

[...]


[1] Freud, Winfried: Literarische Phantastik. Die phantastische Novelle von Tieck bis Storm. Stuttgart [u. a.]1990. S. 99–110. Hier S. 101;.

[2] Chamisso, Adelbert von: „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, in: Ders.: Sämtliche Werke, Bd.1, München 1975, S. 19

[3] Chamisso, Adelbert von: „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“, in: Ders.: Sämtliche Werke, Bd.1, München 1975, S. 21

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des Fremden in Adelbert von Chamissos Werk "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"
Hochschule
Universität Hamburg  (Germanistik)
Veranstaltung
SEMINAR 1B. MIGRATIONGESCHICHTE VON CHAMISSO BIS ÖZDAMAR
Note
1.5
Autor
Jahr
2010
Seiten
8
Katalognummer
V273375
ISBN (eBook)
9783656653820
ISBN (Buch)
9783656653813
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, fremden, adelbert, chamissos, werk, peter, schlemihls, geschichte
Arbeit zitieren
Gül Yiğit (Autor), 2010, Die Darstellung des Fremden in Adelbert von Chamissos Werk "Peter Schlemihls wundersame Geschichte", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273375

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