Die Arbeitsbeziehungen in Deutschland, also die generellen Beziehungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, sind gekennzeichnet durch ein „duales System“, welches einerseits innerbetriebliche und andererseits überbetriebliche Mitbestimmungsrechte beinhaltet. Die „innerbetriebliche Mitbestimmung“ ermöglicht es den Arbeitnehmern, sich „besonders an den sozialen, personellen sowie wirtschaftlichen Entscheidungen“ zu beteiligen. Näheres hierzu ist in dem so genannten Betriebsverfassungsgesetz von 1972 sowie in dem Montan-Mitbestimmungsgesetz (1951) und dem Mitbestimmungsgesetz von 1976 geregelt.
„Tarifvertragsbeziehungen“ bezeichnen in diesem Zusammenhang die zweite Säule der Arbeitsbeziehungen: Es sind dies die (meist überbetrieblichen) Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, welche unter den Namen „Tarifvertragspartner“ bzw. „Tarifparteien“ zusammengefasst werden.
Die vorliegende Arbeit nennt die rechtlichen Grundlagen für die genannten Beziehungen (2.), stellt die erwähnten Parteien näher vor (3.) und erläutert ihr Zusammenspiel beim Abschluss von Tarifverträgen (4.).
Die Punkte 5. und 6. zeigen auf, welche Arten von Tarifverträgen es im Einzelnen gibt und welche Funktionen diese jeweils haben.
Der abschließende Punkt 7. setzt sich kritisch mit einer Art der Tarifverträge auseinander, genauer: mit Verbandstarifverträgen, besser bekannt unter dem Namen „Flächentarifverträge“. Hier sollen die Vor- und Nachteile zu „Firmentarifverträgen“ gegenübergestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Was sind „Tarifvertragsbeziehungen“?
2. Tarifautonomie – Bedeutung und rechtliche Grundlage
3. Tarifvertragspartner
3.1. Gewerkschaften
3.1.1. Entstehung
3.1.2. Aufgaben
3.1.3. Organisation und Struktur
3.2. Arbeitgeberverbände
3.2.1. Entstehung
3.2.2. Aufgaben
3.2.3. Organisation und Struktur
4. Tarifverhandlungen
5. Funktionen von Tarifverträgen
5.1. Für den (einzelnen) Arbeitnehmer
5.2. Für den Arbeitgeber
5.3. Für den Staat
6. Arten von Tarifverträgen
7. Kritische Betrachtung des „Flächentarifvertrags“
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche Tarifvertragssystem als zentrale Säule der Arbeitsbeziehungen. Das Hauptziel ist die Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen, der beteiligten Akteure sowie der Prozesse und Funktionen, die das Zusammenspiel zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden charakterisieren.
- Rechtliche Grundlagen der Tarifautonomie
- Struktur, Aufgaben und Entstehung der Tarifvertragsparteien
- Ablauf und Instrumente von Tarifverhandlungen und Arbeitskämpfen
- Differenzierung und Funktionen verschiedener Tarifvertragsarten
- Kritische Analyse des Flächentarifvertrags im Kontext der Flexibilitätsdebatte
Auszug aus dem Buch
3.1.2. AUFGABEN
Hauptaufgabe der Gewerkschaften ist die Tarifpolitik, also die Verhandlung mit der Arbeitgeberseite über Lohn- und Arbeitsbedingungen, genauer gesagt, die Aushandlung und der Abschluss von Tarifverträgen.
Darüber hinaus haben sie noch weitere Aufgaben sowie Angebote privater Leistungen: Im Falle eines Streikes beispielsweise, also einer „gemeinsamen, planmäßigen Arbeitsniederlegung durch eine größere Zahl von Arbeitnehmern“ zahlen die Gewerkschaften ein „Streikgeld“ als Ersatz für den entgangenen Lohn. Das Streikgeld wird aus der Streikkasse finanziert, welche sich wiederum aus den Beiträgen der Mitglieder rekrutiert. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Betrag begrenzt ist, sind lange Streiks – verbunden mit finanzieller Unterstützung der Mitglieder – für die Gewerkschaften außerordentlich problematisch.
Die Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern weiterhin diverse Dienstleistungen an: hierzu zählen neben Rechtsberatung und Rechtsvertretung günstige Versicherungen, aber auch die Interessenvertretung vor Gerichten, der Arbeitsverwaltung und sonstigen Behörden (Sozialversicherung).
Des Weiteren versuchen sie, nicht zuletzt mit massiver Öffentlichkeitsarbeit, auf die Gesetzgebung, genauer: auf Bereiche der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik einzuwirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was sind „Tarifvertragsbeziehungen“?: Einführung in das duale System der deutschen Arbeitsbeziehungen und Abgrenzung der tariflichen von der innerbetrieblichen Mitbestimmung.
2. Tarifautonomie – Bedeutung und rechtliche Grundlage: Erläuterung der verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Autonomie der Tarifparteien vom Staat bei der Lohnfindung.
3. Tarifvertragspartner: Detaillierte Vorstellung der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände hinsichtlich ihrer Historie, Aufgaben und Organisationsstrukturen.
4. Tarifverhandlungen: Beschreibung des Verhandlungsprozesses, der Schlichtungsverfahren sowie der Formen von Arbeitskämpfen wie Streik und Aussperrung.
5. Funktionen von Tarifverträgen: Analyse der Schutz-, Verteilungs-, Ordnungs- und Entlastungsfunktionen für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und den Staat.
6. Arten von Tarifverträgen: Unterscheidung zwischen Haustarif- und Flächentarifverträgen sowie zwischen Vergütungs- und Manteltarifverträgen.
7. Kritische Betrachtung des „Flächentarifvertrags“: Diskussion der Flexibilitätsdebatte und der Forderung nach einer Dezentralisierung der Tarifpolitik.
Schlüsselwörter
Tarifautonomie, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände, Tarifvertragsgesetz, Tarifverhandlungen, Streik, Aussperrung, Flächentarifvertrag, Haustarifvertrag, Vergütungstarifvertrag, Manteltarifvertrag, Öffnungsklauseln, Arbeitsbeziehungen, Mitbestimmung, Tarifparteien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über das deutsche System der Tarifvertragsbeziehungen und die Rolle der beteiligten Akteure bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die rechtlichen Grundlagen der Tarifautonomie, die Organisation der Tarifvertragsparteien, die Verhandlungsprozesse sowie eine kritische Analyse der Tarifvertragsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die strukturierte Darstellung der Mechanismen, nach denen in Deutschland Löhne und Arbeitsbedingungen außerhalb staatlicher Einflussnahme ausgehandelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der Thematik auf Basis von Literatur und gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Beschreibung der Tarifparteien, die Abläufe bei Verhandlungen, die Funktionen der Tarifverträge sowie deren spezifische Arten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tarifautonomie, Tarifparteien, Flächentarifvertrag und Verhandlungsmechanismen geprägt.
Warum ist die „Tariffähigkeit“ für Verbände so wichtig?
Sie ist die rechtliche Voraussetzung dafür, dass Organisationen überhaupt als Partner Tarifverträge schließen dürfen, wofür unter anderem Organisationsgrad und Durchsetzungsfähigkeit nötig sind.
Warum steht der „Flächentarifvertrag“ in der Kritik?
Kritiker bemängeln eine mangelnde Flexibilität und die unzureichende Berücksichtigung der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einzelner Betriebe.
- Quote paper
- Michael Wilhelmi (Author), 2004, Arbeitsbeziehungen in Deutschland: Tarifvertragsbeziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27350