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Eine kritische Gegenüberstellung der beiden Schulen des Funktionalismus

Funktionalismus und Strukturfunktionalismus im Vergleich

Title: Eine kritische Gegenüberstellung der beiden Schulen des Funktionalismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Anna Lietz (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Funktionalismus meint „die Betrachtung soziokultureller Erscheinungen unter dem Gesichtspunkt ihrer Funktion, d.h. der Aufgaben oder Leistungen, die sie im Rahmen der übergeordneten Ganzheit soziokultureller Systeme erfüllen“ (Stagl 1999: 138). Daher bezeichnet der Funktionalismus eine Richtung in der Völkerkunde, die die inneren Abhängigkeiten der einzelnen Elemente einer Kultur erforscht und darstellt. Zum Ziel hat der Funktionalismus sich daraus ableitende allgemein gültige Gesetze von Kulturen. Malinowski und Radcliffe-Brown vertraten in der britischen Social Anthropology zwei Versionen der funktionalistischen Theorie: den psychobiologischen Funktionalismus sowie den Strukturfunktionalismus.
In dieser Arbeit werde ich mich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden dieser beiden Strömungen beschäftigen. Dabei gehe ich folgendermaßen vor: zu Beginn werde ich die Theorie des Funktionalismus darlegen, anschließend auf Malinowskis Theorie des psychobiologischen Funktionalismus eingehen und folgend auf den Strukturfunktionalismus von Radcliffe-Brown. Darauf aufbauend werde ich mich den Unterschieden ihrer Theorien widmen und im letzten Teil der Arbeit die Gemeinsamkeiten aufzeigen, die zwischen ihren Theorien vorhanden sind. Hierbei vertrete ich die These, dass sowohl Malinowski wie auch Radcliffe-Brown die Autonomie des Individuums und die Wechsel- und Gestaltungsmöglichkeiten der Kultur nicht berücksichtigt haben.

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Funktionalismus

III. Bronislaw Kaspar Malinowski

III.1 Der psychobiologische Funktionalismus von Malinowski

III.2 Kritik an Malinowski anhand dem Ideal der Teilnehmenden Beobachtung

IV. Alfred Reginald Radcliffe-Brown

IV.1 Der Strukturfunktionalismus von Radcliffe-Brown

VI.2 Kritik am Strukturfunktionalismus von Radcliffe-Brown

V. Unterschiede zwischen Funktionalismus und Strukturfunktionalismus

V.1 Individuum-Vorteil-Ansatz versus altruistischer Ansatz

V.2 Variationen im Hinblick auf das Funktionsprinzip

V.3 Radcliffe-Browns Betonung von Gesellschaft versus Malinowskis Betonung von Kultur

V.4 Arbeitsweisen von Malinowski und Radcliffe-Brown im Vergleich

VI. Übereinstimmungen zwischen Funktionalismus und Strukturfunktionalismus

VI.1 Malinowski und Radcliffe-Brown als „Gegner einer jeglichen historischen Betrachtungsweise“ (Petermann 2004: 885)

VI.2 Die naturwissenschaftliche Betrachtung von Ethnologie

VI.3 Einfluss von Durkheim auf Radcliffe-Brown und Malinowski

VI.4 Die Vorgehensweise des Strukturalismus und des Funktionalismus

VII. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, die theoretischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem psychobiologischen Funktionalismus von Bronislaw Malinowski und dem Strukturfunktionalismus von A.R. Radcliffe-Brown kritisch zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie beide Denker das Konzept der Funktion für das Verständnis soziokultureller Systeme nutzten und wo die Grenzen ihrer jeweiligen Ansätze liegen, insbesondere im Hinblick auf die Berücksichtigung individueller Autonomie.

  • Kritische Gegenüberstellung von psychobiologischem Funktionalismus und Strukturfunktionalismus.
  • Analyse der theoretischen Ansätze von Malinowski und Radcliffe-Brown.
  • Untersuchung der Bedeutung des Funktionsprinzips in beiden Schulen.
  • Vergleich der methodischen Ansätze, insbesondere der Feldforschung.
  • Diskussion der Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Ablehnung historischer Betrachtungsweisen.

Auszug aus dem Buch

III.1 Der psychobiologische Funktionalismus von Malinowski

Nach Malinowski (1949: 30) bedeutet Funktion „immer die Befriedigung eines Bedürfnisses“. So dienen nach der Bedürfnistheorie des Funktionalismus alle Handlungen der Befriedigung primärer oder sekundärer Bedürfnisse. Die Institutionen, definiert als „alle Formen organisierten und konkretisierten Handelns“ (Müller 1998: 37) sind demnach stets auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen ausgerichtet. Die Erhaltungsmechanismen haben die menschlichen Grundbedürfnisse (basic needs), etwa Ernährung, Fortpflanzung und Sicherheit zu befriedigen. Andererseits stellten sie selbst, als elementare Sicherungsmechanismen des Lebenserhalts, "Bedürfnisse", nunmehr allerdings sekundäre, "abgeleitete" (deritative needs) dar, deren Befriedigung wiederum die Kontinuität und Stabilität des Gesamtsystems zur Voraussetzung hätte – und die gewährleistete allein die möglichst störungsfreie, leistungseffiziente Interdependenz der Institutionen (Müller 1998: 37).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Definiert den Funktionalismus als ethnologische Richtung zur Erforschung innerer Abhängigkeiten einer Kultur und stellt die These auf, dass Malinowski und Radcliffe-Brown die Autonomie des Individuums vernachlässigt haben.

II. Funktionalismus: Beschreibt die Entstehung des Funktionalismus in England als Gegenbewegung zum Evolutionismus und Kulturhistorismus mit dem Fokus auf die Funktion kultureller Elemente.

III. Bronislaw Kaspar Malinowski: Beleuchtet Malinowskis Rolle als Begründer der modernen Feldforschung und untersucht die Hintergründe seines methodischen Ansatzes.

III.1 Der psychobiologische Funktionalismus von Malinowski: Erläutert Malinowskis Theorie, dass alle kulturellen Institutionen der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse dienen.

III.2 Kritik an Malinowski anhand dem Ideal der Teilnehmenden Beobachtung: Setzt das Ideal der teilnehmenden Beobachtung kritisch zu den persönlichen Äußerungen in Malinowskis Tagebüchern in Bezug.

IV. Alfred Reginald Radcliffe-Brown: Stellt die theoretische Prägung von Radcliffe-Brown durch Durkheim und die französische Soziologie dar.

IV.1 Der Strukturfunktionalismus von Radcliffe-Brown: Erklärt den Fokus auf soziale Strukturen und die vergleichende Methode zur Findung gesetzmäßiger Aussagen über Gesellschaften.

VI.2 Kritik am Strukturfunktionalismus von Radcliffe-Brown: Kritisiert die Vernachlässigung des Individuums sowie die statische, ahistorische Betrachtungsweise.

V. Unterschiede zwischen Funktionalismus und Strukturfunktionalismus: Arbeitet die Divergenzen zwischen den beiden Hauptvertretern heraus, insbesondere hinsichtlich des Individuum-Vorteils versus der Systemstabilität.

V.1 Individuum-Vorteil-Ansatz versus altruistischer Ansatz: Unterscheidet zwischen Malinowskis Fokus auf Bedürfnisse des Individuums und Radcliffe-Browns Fokus auf das Kollektiv.

V.2 Variationen im Hinblick auf das Funktionsprinzip: Analysiert, wie das Verständnis von Funktion als "final" bei Malinowski oder als "interdependente Variable" bei Radcliffe-Brown differiert.

V.3 Radcliffe-Browns Betonung von Gesellschaft versus Malinowskis Betonung von Kultur: Kontrastiert die Priorisierung von Gesellschaft (Radcliffe-Brown) gegenüber Kultur (Malinowski).

V.4 Arbeitsweisen von Malinowski und Radcliffe-Brown im Vergleich: Vergleicht die methodischen Präferenzen der beiden Wissenschaftler in Theorie und Praxis.

VI. Übereinstimmungen zwischen Funktionalismus und Strukturfunktionalismus: Zeigt Gemeinsamkeiten der beiden Schulen auf, die sie als Gründerväter der britischen Social Anthropology vereinen.

VI.1 Malinowski und Radcliffe-Brown als „Gegner einer jeglichen historischen Betrachtungsweise“ (Petermann 2004: 885): Erörtert die gemeinsame Ablehnung historischer Ethnologie zugunsten gegenwartsorientierter Strukturanalysen.

VI.2 Die naturwissenschaftliche Betrachtung von Ethnologie: Beschreibt den Anspruch, Ethnologie als Naturwissenschaft mit allgemeinen Gesetzen zu betreiben.

VI.3 Einfluss von Durkheim auf Radcliffe-Brown und Malinowski: Analysiert die theoretische Rezeption Durkheims und die Bevorzugung soziologischer Betrachtungsweisen.

VI.4 Die Vorgehensweise des Strukturalismus und des Funktionalismus: Fasst zusammen, dass beide Richtungen in der Schlussfolgerung der Systemerhaltung übereinstimmen, auch wenn die Untersuchungsgegenstände variieren.

VII. Schlussbemerkungen: Zieht ein Fazit über die bleibende Bedeutung beider Denker für die Etablierung einer empirischen Sozialwissenschaft.

Schlüsselwörter

Funktionalismus, Strukturfunktionalismus, Bronislaw Malinowski, A.R. Radcliffe-Brown, Feldforschung, Teilnehmende Beobachtung, Sozialstruktur, Institutionen, Bedürfnisbefriedigung, Systemerhaltung, Soziologie, Social Anthropology, ahistorisch, vergleichende Methode.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Gegenüberstellung der beiden wichtigsten Strömungen des britischen Funktionalismus: Malinowskis psychobiologischem Funktionalismus und Radcliffe-Browns Strukturfunktionalismus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen beider Ansätze, die Rolle der Feldforschung, das Verständnis von Institutionen und die unterschiedlichen Konzepte der "Funktion" in Bezug auf Individuum und Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Theorien aufzuzeigen und zu belegen, dass beide Ansätze die Autonomie des Individuums und die Gestaltungsmöglichkeiten von Kultur zugunsten theoretischer Systemmodelle vernachlässigt haben.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative und literaturanalytische Methode, um bestehende theoretische Entwürfe der Ethnologie auf Basis der Fachliteratur kritisch zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Theorien von Malinowski und Radcliffe-Brown, eine detaillierte Gegenüberstellung ihrer Ansätze zu Individuum versus Gesellschaft und eine Analyse ihrer gemeinsamen Übereinstimmungen, etwa in der Ablehnung historischer Forschung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Funktionalismus, Strukturfunktionalismus, Feldforschung, Sozialstruktur, Institutionen, Systemerhaltung und der Einfluss von Durkheim.

Wie bewertet die Autorin die Bedeutung von Malinowskis Tagebüchern für sein wissenschaftliches Werk?

Die Autorin sieht die Tagebücher als menschliches Dokument, das zwar ein realistischeres Bild der Feldforschung vermittelt, aber den Wert der eigentlichen theoretischen Arbeit Malinowskis eher in den Hintergrund rückt.

Warum bevorzugte Radcliffe-Brown den Begriff "Gesellschaft" gegenüber dem Begriff "Kultur"?

Radcliffe-Brown sah sein Hauptinteresse in der Sozialstruktur und der Stabilität von Systemen; der Begriff der Gesellschaft ermöglichte ihm eine naturwissenschaftlichere, objektivere Beschreibung von sozialen Rollen und Interaktionen.

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Details

Title
Eine kritische Gegenüberstellung der beiden Schulen des Funktionalismus
Subtitle
Funktionalismus und Strukturfunktionalismus im Vergleich
College
University of Heidelberg  (Institut für Ethnologie)
Course
Klassiker der Ethnologischen Theorien
Grade
1,7
Author
M.A. Anna Lietz (Author)
Publication Year
2006
Pages
17
Catalog Number
V273583
ISBN (eBook)
9783656658924
ISBN (Book)
9783656658917
Language
German
Tags
eine gegenüberstellung schulen funktionalismus strukturfunktionalismus vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Anna Lietz (Author), 2006, Eine kritische Gegenüberstellung der beiden Schulen des Funktionalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273583
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