Im Zuge des Übergangs von der Dienstleistungs- zur Wissens- bzw. Informations-gesellschaft werden Forderungen nach Reformen im Bildungswesen laut (Steinbicker, 2011). Der „kommunikationstechnologische rasende soziale Wandel braucht ständig Personen, die mit neuen technischen Gegebenheiten kompetent umgehen können.“ (Rein, 1996, S.119). Das Stichwort „lebenslanges Lernen“ erfordert zudem nicht selten die Vereinbarung von Lernprozessen mit dem Familienleben und bedarf einer flexiblen Gestaltung von Lernzeiten und Betreuung der Lernenden. Eine Verschiebung der Lernprozesse bzw. -betreuung in den virtuellen Raum bietet sich in diesem Zusammenhang an. Schon heute ist ein wachsender Anteil virtueller Seminare unter den Lernformen zu verzeichnen. Dies stellt nicht nur neue Anforderungen an die Lernenden sondern erweitert auch den Fähigkeiten- bzw. Fertigkeitenbedarf von Lehrenden um den Aspekt der Betreuung von Online- Kommunikationsprozessen. Die bildungswissenschaft-liche Bedeutsamkeit von Online-Tutoren1 soll in den Fokus der vorliegenden Hausarbeit treten. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit Online-Tutoring einen Beitrag zur Bildung von Medienkompetenz für Lehrende leisten kann. Während sich das zweite Kapitel mit der begrifflichen Klärung sowie der Entwicklung und Bedeutsamkeit der Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation für Lehrer befasst, widmet sich das dritte Kapitel nach einer begrifflichen Klärung mit der Relevanz von Online-Tutoring für lernende Gemeinschaften im virtuellen Raum sowie den Aufgaben und Kompetenzen von Online-Tutoren und konkludiert mit einem praktischen Beispiel. Im vierten Kapitel sollen die Chancen und Herausforderungen von Online-Tutoring im Bezug auf die Formation von Medienkompetenz von Lehrern im Vergleich zu Face-to-face- Lernsituationen diskutiert werden. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation
2.1 Historische Entwicklung von Lehren und Lernen mit digitalen Medien
2.2 Medienkompetenz - Terminologie und sozialer Wandel
2.3 Entwicklung von Medienkompetenz und ihre Bedeutsamkeit für Lehrer
3 Online-Tutoring als Lernbegleitung
3.1 Online-Tutoring – Begriffsklärung und Zielstellung
3.2 Die Relevanz von Online-Tutoring bei der Unterstützung einer lernenden Online-Gemeinschaft
3.3 Aufgaben von Online-Tutoren: Die besondere Rolle der Kommunikation
3.4 Kompetenzen von Online-Tutoren
3.5 Beispiel online-tutorieller Lernbegleitung für Lehrer: das TBDL-Modul in Rheinland-Pfalz
4 Der Einfluss von Online-Tutoring auf die Medienkompetenz von Lehrern in der Diskussion
4.1 Chancen im Bildungsalltag – Vorteile von Lernbegleitung im virtuellen Raum gegenüber Face-to-face-Lernen
4.2 Zu überwindende Hürden bei der Implementierung von Online-Tutoring
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bildungswissenschaftliche Bedeutung von Online-Tutoren und geht der Forschungsfrage nach, inwieweit Online-Tutoring einen Beitrag zur Bildung von Medienkompetenz bei Lehrenden leisten kann.
- Grundlagen der Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation
- Funktion und Aufgaben von Online-Tutoren in virtuellen Lernumgebungen
- Vergleich von Online-Tutoring und Face-to-face-Lernszenarien
- Herausforderungen bei der Implementierung digitaler Lernbegleitung
- Analyse des TBDL-Moduls als praktisches Anwendungsbeispiel
Auszug aus dem Buch
3.3 Aufgaben von Online-Tutoren: Die besondere Rolle der Kommunikation
In der Erwachsenenbildung werden für Online-Tutoren auch die Bezeichnungen Tele-, [...] oder eTutoren, eModeratoren, Online-Coaches, E-Trainer oder im anglo-amerikanischen Raum Online-Facilitator verwendet (Rautenstrauch, 2011). Die Aufgaben und die Rollen eines Online-Tutors sind ebenso vielfältig wie kontextbezogen. An Lehrpersonen, die mit Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten, werden andere Rollenerwartungen gestellt als an Lehrende der Präsenzlehre.
Im Bereich des selbstgesteuerten Lernens im virtuellen Raum dienen Lehrkräfte nicht der reiner Wissensvermittlung, sondern werden vielmehr als beratende und moderierende Lernprozessbegleiter betrachtet (Rautenstrauch 2001). Der Schwerpunkt liegt auf der technischen Unterstützung des Lernprozesses, der Lernbegleitung, der Unterstützung von Lerngruppen in ihrer Entwicklung und der positiven Beeinflussung der Zusammenarbeit und Kommunikationsprozesse. Online-Lernangebote werden parallel zur Verfügung gestellt und so können Lernende frei entscheiden, wann sie welche Lernangebote nutzen. Diese individuelle Flexibilität birgt jedoch die Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Dem Aspekt des Orientierungsverlustes sollen Online-Tutoren entgegenwirken und sinnvolle Zusammenhänge herstellen sowie zeitliche Strukturierungen vorgeben. Als Moderator soll ein Online-Tutor außerdem ein Klima der reziproken Bezugnahme und des Respekts generieren (Boos, Müller & Cornelius, 2009).
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Kommunikation im Rahmen der Lernbegleitung mittels Online-Tutoren, da sie das Rollenverhalten für die Teilnehmenden vorgibt, Regeln festlegt und deren Einhaltung überwacht sowie die Beteiligten zur Kommunikation motiviert und Feedback gibt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Arbeitsteilung des Betreuungspersonals, welche den Lernenden deutlich zu machen ist, so dass diese wissen, an wen sie sich mit welchen Fragen wenden können (Bremer, 2012).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Online-Tutorings im Kontext der Wissensgesellschaft und skizziert den Aufbau der Untersuchung zur Förderung der Medienkompetenz von Lehrkräften.
2 Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des medienbasierten Lernens und definiert Medienkompetenz als interdisziplinäre Schlüsselqualifikation für Lehrende.
3 Online-Tutoring als Lernbegleitung: Hier werden Begriff, Rollen und Kompetenzanforderungen von Online-Tutoren analysiert, ergänzt durch ein Beispiel aus der Praxis.
4 Der Einfluss von Online-Tutoring auf die Medienkompetenz von Lehrern in der Diskussion: Das Kapitel diskutiert die Chancen und Hürden der digitalen Lernbegleitung im Vergleich zur klassischen Präsenzlehre.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Online-Tutoring ein wertvolles Instrument zur Vermittlung von Medienkompetenz ist, insbesondere in Form von Blended-Learning-Szenarien.
Schlüsselwörter
Online-Tutoring, Medienkompetenz, E-Learning, Lernbegleitung, Wissensgesellschaft, Schlüsselqualifikation, Blended Learning, Kommunikationsprozesse, Konstruktivismus, virtuelle Lernumgebung, Lehrende, digitale Medien, Didaktik, Online-Gemeinschaft, pädagogischer Doppeldecker
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Chancen und Herausforderungen, die durch den Einsatz von Online-Tutoring im Hinblick auf die Entwicklung von Medienkompetenz bei Lehrpersonen entstehen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Medienkompetenz, der Rolle und den Aufgaben eines Online-Tutors sowie dem Vergleich zwischen virtuellem Lernen und Präsenzunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit Online-Tutoring als Methode genutzt werden kann, um die Medienkompetenz von Lehrenden gezielt zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie der Analyse von Studien und praktischen Beispielen aus dem E-Learning-Bereich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Medienkompetenz, eine detaillierte Betrachtung der Aufgaben und Kompetenzen von Online-Tutoren sowie eine diskursive Erörterung von Chancen und Hürden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Medienkompetenz, Online-Tutoring, Wissenskonstruktion, konstruktivistische Didaktik und Blended Learning.
Was versteht man unter dem pädagogischen Doppeldecker in diesem Kontext?
Lehrkräfte nehmen im Online-Kurs die Perspektive der Lernenden ein und werden so mit den Methoden unterrichtet, die sie später selbst bei ihren Schülern anwenden sollen.
Warum wird Blended Learning als besonders vorteilhaft erachtet?
Es kombiniert die Flexibilität und Unabhängigkeit des virtuellen Lernens mit den Vorteilen der persönlichen Interaktion in Präsenzphasen.
Welche Rolle spielen technische Schwierigkeiten bei der Implementierung?
Technische Hürden können die Lernprozesse behindern und erhöhen den Zeitaufwand für Lehrende bei der Vor- und Nachbereitung von Tutorien.
Wie definiert die Autorin die Rolle des Online-Tutors?
Der Online-Tutor wird als moderierender und beratender Lernbegleiter verstanden, der Lernprozesse strukturiert und soziale Interaktionen fördert, anstatt reines Wissen zu vermitteln.
- Citation du texte
- B.A. Nadin Sellach (Auteur), 2013, Chancen und Herausforderung von Online-Tutoring, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273608