Ibn Taimiyya und der moderne Fundamentalismus

Historische Entwicklung des islamischen Fundamentalismus


Hausarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2. Fundamentalismus
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Islamischer Fundamentalismus

3. Islamismus im Mittelalter
3.1 Ibn Taimiyya
3.2 Die islamische Identität

4. Islamismus in der Neuzeit
4.1 Aufkommen islamistischer Tendenzen
4.2 Die islamische Identitätskrise

5. Islamismus in der Moderne
5.1 Anhängerschaft
5.2 Die Salafiyya
5.3 Die Wahhabiyya
5.4 Salafiyya vs. Wahhabiyya

6. Fundamentalismus vs. Terrorismus
6.1 Militante Organisationen
6.2 Osama bin Laden und Al-Qaida
6.3 Feindbilder
6.4 Dschihad

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Einführung

Wie in jeder anderen Religion finden sich auch im Islam viele verschiedene Strömungen, in denen der Glaube unterschiedlich ausgelegt bzw. ausgelebt wird. So gibt es beispielsweise islamische Aufklärer, die versuchen ihre heiligen Schriften im Lichte der modernen Verhältnisse neu auszulegen. Dann wiederum gibt es diejenigen, die auf die Grundlagen ihrer Religion und den damit verbundenen Traditionen beharren und versuchen diese auf jede erdenkliche Weise zu bewahren. Die Rede ist nicht von frommen Muslimen, sondern von den islamischen Fundamentalisten.

Zwar kann man erst seit den 1970er Jahren von einem politisch bedeutsamen islamischen Fundamentalismus sprechen, doch sind bereits in der frühen islamischen Geschichte fundamentalistische Tendenzen erkennbar (vgl. Gemein/Redmer 2005: 17). Der mittelalterliche Rechtsgelehrte Ibn Taimiyya gilt als der „wichtigste geistige Vorbereiter des modernen Islamismus“ (ebd.: 18). Seine Ideen üben bis in die Gegenwart enormen Einfluss aus auf die islamischen Extremisten (vgl. ebd.: 18).

1.2 Zielsetzung

In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob und welche Legitimationsgrundlagen der islamische Rechtsgelehrte Ibn Taimiyya den modernen Fundamentalisten liefert. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:

- Was waren die Glaubenslehren des Ibn Tamiyyas?
- Wie sah sein Islamverständnis aus?
- Welche Prinzipien verfolgen Fundamentalisten?
- Ursachen des islamischen Fundamentalismus?
- Religiöse Zugehörigkeit von Fundamentalisten?

1.3 Vorgehensweise

Nachdem im ersten Kapitel das Themma dieser Arbeit vorgestellt worden ist, wird das zweite Kapitel eine Definition über den „islamischen Fundamentalismus“ sowie eine skizzenhafte Darstellung dessen historischen Ursprungs beinhalten. Eine Kurzbiographie über Ibn Taimiyya und die Einbettung in den historisch politischen Kontext seiner Zeit sind Bestandteile des dritten Kapitels. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Ursachen des islamischen Fundamentalismus in der Neuzeit. Im Mittelpunkt des fünften Kapitels stehen zwei religiöse Strömungen der Gegenwart, diese sind zum einen die Salafiya sowie die Wahabiyya. Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwieweit Ibn Taimiyya tatsächlich als Vordenker des modernen Fundamentalismus betrachtet werden kann. Das sechste Kapitel setzt sich mit dem militanten Islamismus auseinander. Die Zusammenfassung im Hinblick auf die zentralen Fragen dieser Arbeit erfolgt im siebten Kapitel.

2. Fundamentalismus

2.1 Begriffsbestimmung

In der Gegenwart denkt man bei dem Begriff „Fundamentalismus“ sofort an den Islam. Der religiöse Fundamentalismus ist allerdings kein islamisches Phänomen, sondern findet sich in vielen anderen Religionen wieder. Dabei ist „allen fundamentalistischen Bewegungen die Ablehnung des modernen säkularen und toleranten Staates westlicher Prägung“ (Gemein/Redmer 2005: 16) gemeinsam. Das unbeugsame festhalten an ihren Überzeugungen und die vehemente Ablehnung von Erneuerungen, sowie die genaue Einhaltung religiöser Vorschriften ist eine weitere Übereinstimmung (vgl. Karakaya 2004: 21).

Der Begriff „Fundamentalismus“ hat seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten und „bezieht sich […] auf die protestantisch-christliche Theologie und Lebensführung“ (ebd.: 20). Diese fundamentalistische Strömung die im 19. Jahrhundert als Widerstand gegen die Säkularisierung und Modernisierung entstand, entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Bewegung (vgl. ebd.: 20). Vordergründig richtete sich der Protest gegen die „Zersetzung der biblischen Lehre“(Münch, zit. n. Sarreshtehdari 2005: 71), wie auch gegen eine „sich liberalisierende lutherische Theologie“ (Karakaya 2004: 20). Des Weiteren beinhaltete der Widerstand den Vorwurf des gesellschaftlichen Verfalls, für den die kapitalistische Gesellschaftsordnung verantwortlich gemacht wurde (vgl. Sarreshtehdari 2005: 72). Die Wirtschaftskrise von 1929 löste bei den Amerikanern eine Welle der Depression aus, was schließlich den Zuwachs der Fundamentalisten zur Folge hatte (vgl. ebd.: 73). Im Zuge der Modernisierung hatte man weitestgehend die Religion aus den Augen verloren und sich ganz auf den Fortschritt verlassen (vgl. ebd.: 154). Doch der Börsencrash führte die Gesellschaft in solch eine Krise, dass sie sich wieder nach alten Werten sehnten. So vertreten protestantische Fundamentalisten bis heute strikt die Meinung, dass nur der christliche Glaube die Gesellschaft vom moralischen Verfall kurieren und den Menschen den richtigen Weg weisen könne (vgl. ebd.: 73). Doch nicht nur von „konservativer christlicher Seite wurde die Moderne wegen ihrer Gottesferne als gescheitert angesehen“ (Gemein/Redmer 2005: 18), verschiedenste religiöse Strömungen entwickelten sich zu fundamentalistischen Bewegungen, die politisch ambitioniert sind (vgl. ebd.: 18).

2.2 Islamischer Fundamentalismus

Der Islamismus kritisiert wie der christliche Fundamentalismus ebenfalls die Gottlosigkeit der Gesellschaft. Islamische Fundamentalisten idealisieren das Zeitalter in dem der Prophet Mohammed und seiner Nachfolger gelebt haben (vgl. Hackensberger 2008: 153), weil ihrer Ansicht nach in dieser Zeit eine „ideale Gerechtigkeit nach islamischen Prinzipien herrschte“ (ebd.: 153). Da sich die Gesellschaft durch die Säkularisierung immer mehr von diesem Idealzustand entfern habe „gelte es, den echten, wahren Islam zu revitalisieren“ (ebd.: 154).

Allerdings unterscheidet sich der Islamismus aber auch wesentlich vom christlichen Fundamentalismus. Der bedeutendste Unterschied besteht darin, dass der Islamismus kein Aufstand gegen die Moderne ist, sondern eher als moderner Aufstand bewertet werden muss (vgl. Gemein/Redmer 2005: 17). Dies bedeutet, dass islamische Fundamentalisten ihre Religion nicht neubeleben wollen, vielmehr geht es ihnen um eine „Neuauflage des Totalitarismus unter den Bedingungen einer globalen Krisensituation“ (Karakaya 2004: 22). Konkret heißt es, dass der Fundamentalismus als Reaktion „auf die negativen Erfahrungen mit der modernen Gesellschaft […]“ (ebd.: 22) zu verstehen ist. Die Religion stellte immer eine „kollektive Sicherheit dar“ (Sarreshtehdari 2004: 15). Sie diente den Menschen als Stützfunktion und gab ihnen Kraft sowie Sicherheit (vgl. ebd.: 161). Die Individuen fühlen sich aufgehoben, da ihnen die Religion ein einfaches, beständiges Weltbild verspricht, was im Gegensatz zum „widersprüchlichen Pluralismus der modernen Gesellschaft“ (ebd.: 161) steht.

Bestimmt wird die islamische Ideologie vor allem durch drei Eigenschaften. Erstens durch die „Kritik an der sich modernisierenden Gesellschaft“ (Karakaya 2004: 22), zweitens die Konstruktion einer idealen Ordnung (vgl. Hackensberger 2008: 154) und schließlich der „heilsgeschichtlichen Dramatisierung des Konflikts zwischen islamischen Fundamentalisten und westlichen Modernisieren“ (Karakaya 2004: 22). Beim letzteren handelt es sich um eine wichtige Komponente der islamischen Ideologie, in der es um die Klassifikation zwischen das Gute und das Böse geht (vgl. ebd.: 23). Explizit geht es also um die Differenzierung zwischen den wahren Muslimen und den Ungläubigen (vgl. ebd.: 24).

Die modernen Islamisten wollen die Menschen zum wahren Islam führen, allerdings verfolgten bereits in der frühen islamischen Geschichte viele dieses Ziel. Einer dieser Personen war Ibn Taimiyya, der als einer der „großen islamischen Gelehrten des Mittelalters“ (Gemein/Redmer 2005: 19) beschrieben wird. In der Diskussion um den aktuellen islamischen Fundamentalismus, wird er überdies als „Vater“ des Islamismus bezeichnet (vgl. Barre 2004: 3). Um den Bezug zwischen Ibn Taimiyya und modernen Fundamentalisten nachvollziehen zu können, ist es notwendig sich mit seiner Biographie sowie seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Daher widmet sich das nächste Kapitel ausschließlich mit dem Aufkommen islamistischer Tendenzen im Mittelalter.

3. Islamismus im Mittelalter

3.1 Ibn Taimiyya

Taqi ad-Din Ahmad ibn Taimiyya wurde am 22. Januar 1263 in Harran, im nordöstlichen Teil Syriens, geboren (vgl. Robbe 1989: 66). Schon früh begann er den Koran sowie den Hadith zu studieren. Er gehörte der hanbalitischen Rechtsschule an, einer der vier traditionellen Rechtsschulen des Islam, die gleichzeitig auch eine der konservativsten ist (vgl. Karakaya 2004: 14). Im Alter von etwa sechs Jahren war seine Familie gezwungen nach Damaskus zu flüchten, um sich vor dem Überfall der Mongolen zu schützen (vgl. Barre 2004: 4). Dort studierte Ibn Taimiyya weiterhin ausgiebig die islamischen Wissenschaften und erhielt mit etwa zwanzig Jahren seine Professur, womit er in die Fußstapfen seines Vaters trat (vgl. ebd.: 4).

Bereits zu Lebzeiten schienen die Meinungen über ihn auseinander zugehen. Während die einen in ihm einen energischen Führer der Hanbaliten sahen (vgl. Wein 1973: 9), wurde er von anderen wiederum nicht ernst genommen (vgl. Gemein/Redmer 2005: 19). Tatsächlich versetzte Ibn Taimiyya selbst seine hanbalitischen Kollegen durch seine Polemik ins entsetzen, weswegen er nicht nur kritisiert worden war, sondern auch einige Haftstrafen einbüßen musste (vgl. ebd.: 19). Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass Ibn Taimiyya einer der wenigen Rechtsgelehrten war, der den Mut besaß von der allgemeinen Meinung abzuweichen, was ihn oft in Konflikt mit der Mehrheitsgesellschaft gerieten ließ (vgl. Mehmet 1994: 90). Besonders seine Äußerungen über die Eigenschaften Gottes verursachten häufig Schwierigkeiten (vgl. Little 1975: 97).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ibn Taimiyya und der moderne Fundamentalismus
Untertitel
Historische Entwicklung des islamischen Fundamentalismus
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Gesellschaftswissenschaften und Philosophhie)
Veranstaltung
Heterodoxie und Orthodoxie im Islam – eine Einführung
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V273691
ISBN (eBook)
9783656660149
ISBN (Buch)
9783656660132
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
taimiyya, fundamentalismus, historische, entwicklung
Arbeit zitieren
Alev Bayram (Autor), 2009, Ibn Taimiyya und der moderne Fundamentalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273691

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