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Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters

Historisches Faktum oder Konstrukt der modernen Geschichtsforschung?

Titre: Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters

Essai , 2012 , 9 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Tobias Molsberger (Auteur)

Histoire de l'Europe - Moyen Âge, Temps modernes
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Résumé Extrait Résumé des informations

In der historischen Forschung des 20. Jahrhunderts kursierten lange Zeit diverse Thesen zu einem krisenhaften Charakter des ausgehenden Mittelalters. Hauptvertreter dieser These war allen voran der deutsche Wirtschaftshistoriker Wilhelm Abel, der in seiner Dissertation von 1935 von einer Reihe Agrarkrisen ab dem 14. Jahrhundert spricht und darüber hinaus die demografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen dieser Krisen erörtert. Das Aufkommen des Begriffs „Krise“, dem vorher in der Forschung eher wenig Beachtung geschenkt wurde, lässt sich dabei ab den krisenhaften 1920ern und 1930ern feststellen, eine Zeit in der Krisen als Parallele zur eigenen Zeit in der Vergangenheit gesucht wurden. Bereits 1919 sprach Johann Huizinga in seinem Werk „Herbst des Mittelalters“ von tiefgreifenden Veränderungen am Ende des Mittelalters.
Dieser Essay geht der Frage der Krisenhaftigkeit einer ganzen Epoche aus heutiger Sicht nach. Hinzugezogen für die Analyse werden einschlägige thematische Aufsätze der Historiker František Graus, Peter Schuster und einem Aufsatz der aktuellen Forschung von Werner Rösener aus dem Jahre 2012. Ziel dieses Essays soll eine Synthese der Argumentationsstränge der genannten Aufsätze sein, um der Frage der Krisenhaftigkeit des Spätmittelalters näher kommen zu können.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters. Historisches Faktum oder Konstrukt der modernen Geschichtsforschung?

3. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Dieser Essay verfolgt das Ziel, die historiographische Debatte über den krisenhaften Charakter des Spätmittelalters zu synthetisieren, um zu bewerten, inwieweit diese Krise ein historisches Faktum oder ein Konstrukt der modernen Geschichtswissenschaft darstellt.

  • Analyse der Thesen von František Graus zur Krisenhaftigkeit
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Agrarkrisenmodell nach Wilhelm Abel
  • Untersuchung der Perspektiven von Peter Schuster zur Rückprojektion von Krisen
  • Einbeziehung aktueller umwelthistorischer Ansätze durch Werner Rösener
  • Differenzierung zwischen dem 14. Jahrhundert und dem restlichen Spätmittelalter

Auszug aus dem Buch

Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters. Historisches Faktum oder Konstrukt der modernen Geschichtsforschung?

Um sich dem möglicherweise krisenhaften Charakter des Spätmittelalters systematisch nähern zu können, bedarf es zunächst einer begrifflichen Eingrenzung von „Krise“.

Peter Hilsch spricht in seinem Buch „Das Mittealter – Die Epoche“ davon, dass zu einer Krise nicht nur die heutige, objektive Zuschreibung gehört, sondern auch ein gewisses Krisenbewusstsein bei den damaligen Zeitgenossen bestehen musste. Gleichzeitig sollte unter Krise mehr als nur ein Verfall oder Niedergang verstanden werden, sondern auch eine Umwälzungsphase beziehungsweise Zeit der Veränderung.

Für den tschechoslowakischen Historiker František Graus ist die Periodisierung von Geschichte in verschiedene Zeitabschnitte ein reines Konstrukt der Geschichtswissenschaft. Der Begriff Krise ist dabei bei Graus nicht unbedingt ausschließlich negativ konnotiert, sondern eher als eine Art Umbruch oder Umschlag zu verstehen. Für ihn gibt es dabei drei bedeutende Aspekte des krisenhaften Charakters des Spätmittelalters. Zum einen unterstellt Graus der Bevölkerung zu dieser Zeit eine gewisse „Unrast“, einhergehend mit dem demografischen Wandel und den Wanderungsbewegungen sowie die Häufung von Unruhen im Spätmittelalter. Ein weiterer Hauptaspekt des Krisencharakters ist nach Graus das Aufkommen von Territorialherrschaft der Fürsten, die an die Stelle von Herrschaft über einzelne Personen tritt, der gängigsten Herrschaftsform des Hochmittelalters. Ein dritter Aspekt ist laut Graus die Spaltung der kirchlichen Einheit, die sich im Spätmittelalter im Zuge des abendländischen Schismas 1378 und nachfolgend der Reformation vollzieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Debatte zum Krisenbegriff im Spätmittelalter ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Forschungsmeinungen zu synthetisieren.

2. Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters. Historisches Faktum oder Konstrukt der modernen Geschichtsforschung?: Das Hauptkapitel diskutiert verschiedene Forschungsansätze, darunter die von Graus, Schuster und Rösener, um zu prüfen, ob die Krise eine historische Realität oder eine moderne Projektion darstellt.

3. Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass eine allgemeine "Gesamtkrise" kaum haltbar ist, wobei das 14. Jahrhundert jedoch als besonders krisenanfällig eingestuft werden kann.

Schlüsselwörter

Spätmittelalter, Krise, Agrarkrise, Wilhelm Abel, František Graus, Peter Schuster, Werner Rösener, Pest, Klimageschichte, 14. Jahrhundert, Krisenbewusstsein, Geschichtsschreibung, Demografischer Wandel, Feudalismus, Wüstungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Der Essay untersucht die historiographische Debatte darüber, ob das Spätmittelalter als eine Epoche der allgemeinen Krise betrachtet werden kann oder ob diese Zuschreibung ein Konstrukt späterer Historiker ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören wirtschaftshistorische Modelle (Agrarkrise), demografische Einschnitte wie die Pest, soziale Unruhen und der Einfluss klimatischer Veränderungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine Synthese der Argumente prominenter Historiker, um eine differenzierte Antwort auf die Frage nach der Krisenhaftigkeit des Spätmittelalters zu finden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, in der verschiedene historische Forschungsbeiträge kritisch gegenübergestellt und ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Krisenmodelle, von der rein ökonomischen Sichtweise Abels bis hin zu moderneren Ansätzen, die klimatische und umwelthistorische Faktoren einbeziehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Spätmittelalter, Krisenkonstrukt, Agrardepression und interdisziplinäre Faktoren wie Klima und Demografie definiert.

Inwiefern beeinflusste das Klima die Wahrnehmung der Krise?

Aktuelle Forschungen, etwa von Werner Rösener, betonen, dass eine klimatische Abkühlung (der Übergang zur "Kleinen Eiszeit") maßgeblich zu Ernteausfällen und damit zu krisenhaften Phänomenen beitrug.

Warum wird das 14. Jahrhundert besonders hervorgehoben?

Das 14. Jahrhundert wird als ein "Jahrhundert der gehäuften Krisen" identifiziert, in dem Faktoren wie die Pest, Missernten und Kriege zeitlich kumulierten, was eine pauschale Verallgemeinerung auf das gesamte Spätmittelalter jedoch problematisch macht.

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Résumé des informations

Titre
Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters
Sous-titre
Historisches Faktum oder Konstrukt der modernen Geschichtsforschung?
Université
Justus-Liebig-University Giessen  (Professur für Deutsche Landesgeschichte/Geschichte des Spätmittelalters)
Cours
Das Spätmittelalter im Spiegel der Forschung
Note
2,0
Auteur
Tobias Molsberger (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
9
N° de catalogue
V273733
ISBN (ebook)
9783656662303
ISBN (Livre)
9783656662259
Langue
allemand
mots-clé
Spätmittelalter Krise Kleine Eiszeit Klimaschwankungen Mittelalter
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Tobias Molsberger (Auteur), 2012, Der krisenhafte Charakter des Spätmittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273733
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