Voltaires "Zadig ou la destinée" als conte oriental im frühen Orientalismus der Aufklärung


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Voltaires Zadig ou la destinée als conte oriental
2.1 Zadig ou la destinée im inhaltlichen Überblick
2.2 Voltaire im Verhältnis zur orientalischen Erzählung (conte oriental) - Zadig als conte oriental
2.3 Analyse des Epître dédicatoire de Zadig à la sultane Shéraa
2.4 Analyse ausgewählter Textstellen aus Voltaires Zadig ou la destinée
2.5 Bild eines orientalischen Sultans nach Diderots Encyclopédie (18. Jh.)
2.6 Edward Saids Blick auf den Orientalismus

3. Schlussbetrachtung

4. Literatur
4.1 Internetquellen:
4.2 Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

"Komm mit mir in ein Land,
ein exotischer Fleck,
wo Kamele durch die Wüste ziehen.
Und steckst du mal im Sand,
kommst du dort nie mehr weg,
Tja, vergiss es, dann platzt der Termin...

Plötzlich dreht sich der Wind
und die Sonne verschwindet.
Es herrscht eine Zaubernacht!
Trau dich nur, komm vorbei.
Geh zum Teppichverleih
und flieg hin zur arabischen Nacht!"[1]

Der Titelsong zum US-amerikanischen Zeichentrick-Kinderfilm Aladdin der Produktionsfirma Walt Disney aus dem Jahre 1993 gibt uns bereits zahlreiche Hinweise auf das sich bis heute erhaltene Bild der sogenannten westlichen Welt auf den so genannten Orient. Der Film basiert dabei auf der Erzählung Aladin und die Wunderlampe aus Les Mille et une Nuits, übersetzt und mit aufgenommen von Antoine Galland zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Zuerst wird von einem "exotischen Fleck", an dem "Kamele durch die Wüste ziehen" gesungen, später dann von einer "Zaubernacht" und fliegenden Teppichen. Hinzu kommt eine für den Zuschauer exotisch, orientalisch-arabisch klingende Musik mit entsprechendem Instrumentalklang unterlegt. Zudem scheint auch der Sänger mit "exotischem Akzent" zu singen.[2] Die visuelle Aufmachung des Filmes ist dabei gebettet in eine zauberhafte Wüstenwelt, voller Zauber und Mysterien, dem Orient.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Auszüge/Standbilder aus dem Titelsong von Disneys Aladdin Arabische Nächte, abrufbar unter http://www.youtube.com/watch?v=IVjXE16wEQw. Zu erkennen sind erstens der Filmtitel (00:09), in einer "verschnörkelten" Schrift, die orientalisch wirken soll und zweitens ein Kamelreiter, der in der untergehenden Sonne durch eine Wüste reitet, in Richtung einer orientalischen Stadt (00:30).

Dabei wird jenes Orientbild bereits durch die Populärkultur jungen Menschen vermittelt und erhält sich dadurch starr bis ins Erwachsenenalter, beziehungsweise wird dadurch weiter reproduziert.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem conte oriental, dem Orientalismus[3] und Voltaires conte Zadig ou la destinée. Das heißt, es wird versucht, zwischen diesen drei Hauptaggregaten eine Brücke zu schlagen und herauszuarbeiten, inwieweit sich das Orientbild des Westens bereits während der Aufklärung manifestierte und bis heute hält. Begonnen wird zunächst mit einem inhaltlichen Überblick Zadigs. Danach wird versucht, die Erzählung in den Kontext des conte oriental einzuordnen. Es folgt eine Analyse des Epître dédicatoire de Zadig à la sultane Shéraa (1748), also einer Art Vorwort an eine fiktive Sultanin, die im Hinblick auf die Fragestellung auszugsweise analysiert wird. Weiterhin wird das Bild eines Sultans der Aufklärer exemplarisch an einem Lexikonartikel aus der Encyclopédie zu analyisieren versucht. Zum Abschluss werden noch einige Textpassagen zu Edwards Orientalismuskonzept herausgegriffen.

2. Voltaires Zadig ou la destinée als conte oriental

2.1 Zadig ou la destinée im inhaltlichen Überblick

Das conte oriental, also ein "Roman im Märchenstil", Zadig ou la destinée spielt im Bereich des nahen Ostens an verschiedenen Schauplätzen und wurde von Voltaire, der Ikone der Aufklärung, im Jahre 1748 verfasst. Dabei erinnere vor allem die Hauptfigur Zadig an Figuren aus Gallands Les Mille et Une Nuits, auf Basis dessen die Erzählung wohl verfasst wurde (Stackelberg 2006: 102).

Der Protagonist Zadig, ein mit allen Vorzügen von Geist, Charakter und Körper ausgestatteter junger Babylonier fällt, nachdem er zuvor von zwei unglücklichen Liebesbeziehungen enttäuscht wurde, am Hof des Königs Moabdar von Babylon durch seine Weisheit und seinen Verstand auf. Er pflegte zuvor mit den Damen Sémire und Azore Liebesbeziehungen, wobei erstere ihn aufgrund eines Nebenbuhlers (Orcan), der Zadig im Kampf um Sémire schwer verletzte, verließ.

Obzwar er von Neidern allseits umgeben ist und sich niederträchtige Intrigen gegen ihn anbahnen, wird er, allen voran seinem Scharfsinn und seiner Klarsicht zu verdanken, alsbald Minister des Königs Moabdar, da er die Gunst des Königspaares durch einen Brief erlangen kann, der zunächst zerrissen und sinnentstellt von einem Neider an die Königin verschickt wurde, ganz zu deren Missfallen. Dies Missverständnis klärt sich letztlich durch den Erhalt des fehlenden Teil des Briefs, der in seiner Gesamtheit dem Königspaar sehr schmeichelt.

Durch seinen Dienst am Hof lernt er die Königin Astarté näher kennen und beide verlieben sich unsterblich ineinander. Diese Liebe macht sich in keiner Weise schuldig, aber die scharfen Augen von Zadigs Zwietracht säenden Neidern erahnen sie mehr, als dass sie wirklich offensichtlich wäre. Da der König schwach, wankelmütig und leicht von außen beeinflussbar ist und somit dessen Eifersucht leicht herauszufordern ist, muss Zadig, der Opfer eines Komplotts geworden ist, schließlich aus Babylon fliehen, um dem sicheren Tod zu entkommen.

In Ägypten wird er schließlich aufgelesen und als Sklave an einen Araber namens Sétoc verkauft, dessen Gunst er in kurzer Zeit durch seinen tugendhaften Charakter erwirbt. Auf Zadigs Reise, beziehungsweise Irrfahrt, werden mehrere Verschwörungen gegen ihn unternommen, gegen die er sich mithilfe seines Intellekts, des Schicksals und der Hilfe anderer beweisen muss und auf diese Weise einige Male nur knapp dem Tode entkommen kann. Zum Beispiel wird er einmal wegen angeblicher Gottlästerung zum Tode verurteilt, wird aber durch die Hilfe einer Witwe, die Zadig vor der Selbstverbrennung bewahrte, gerettet.

Schließlich gelangt er nach Syrien, wo er erfährt, dass König Moabdar von Babylon tot ist und dass seine schöne Astarté als Sklavin von Prinz Hyrcanie gefangen gehalten wird. Zadig gelingt die Befreiung seiner Herzdame und zieht gen Babylon, wo er als Sieger aus einem großen Kampfturnier hervor geht. Zudem kann er bei einem öffentlichen Geisteswettbewerb die schwersten Rätsel lösen. Am Ende ist Zadig das Glück gesonnen, er wird schließlich König von Babylon und kann seine geliebte Astarté heiraten.

Zusammenfassend kann der Protagonist Zadig als eine Art dynamische Figur bezeichnet werden, die im Laufe ihrer Reise Höhen und Tiefen durchlebt, begonnen vom Minister am babylonischen Hof, dann der Fall zum Sklaven und Gauner, weiter über den Heiler und Krieger, bis hin zum König von Babylon und Ehemann seiner Traumfrau Astarté. Sein Glück ist letztlich zum Ende der Handlung am Höhepunkt angelangt, auch seinem Scharfsinn und seines milden besonnenen Wesens zu verdanken.

[...]


[1] Text zum Titelsong zu Disneys Aladdin "Arabische Nächte" http://www.magistrix.de/lyrics/Aladdin/Arabische-N-chte-274205.html (Stand 10.08.2013)

[2] Video zum Titelsong: http://www.youtube.com/watch?v=IVjXE16wEQw

[3] Nach Hänel (2004: 2/3) in Bezug auf Said sei unter Orientalismus das Bild des Westens auf den Orient sei zur Machterlangung und -erhaltung durch die Europäer zur Zeiten des Kolonialismus etabliert worden vor allem zur dessen Legitimation. Wichtig ist dabei vor allem, den Orientalismus klar von den Orientwissenschaften abzugrenzen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Voltaires "Zadig ou la destinée" als conte oriental im frühen Orientalismus der Aufklärung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Orientbilder in frankophoner Literatur..
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V273739
ISBN (eBook)
9783656662709
ISBN (Buch)
9783656662693
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Voltaire, Zadig, Orientalismus, Sultan, Aufklärung, Edward Said, Aladdin
Arbeit zitieren
Tobias Molsberger (Autor), 2013, Voltaires "Zadig ou la destinée" als conte oriental im frühen Orientalismus der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273739

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