Energiesparhäuser. Vom Bestand zum Passivhaus

Welcher Energiestandard ist für welches Haus der richtige?


Seminararbeit, 2013
37 Seiten, Note: 14

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Relevanz des Themas

2 Rechtliche Rahmenbedingungen für energetische Aspekte von Gebäuden
2.1 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz
2.2 Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz
2.3 Energieeinsparungsgesetz (EnEG 2009)
2.4 Energieeinsparverordnung

3. Arten von Energiesparhäusern
3.1 Das Niedrigenergiehaus
3.2 Das KfW-Effizienzhaus 40, 55, 70, 85
3.3 Das X-Liter-Haus / 3-Liter-Haus
3.3.1 Maßnahmen zum Erreichen des 3-Liter-Haus-Standards
3.3.2 Funktionsprinzip
3.4 Das Passivhaus
3.4.1 Maßnahmen zum Erreichen des Passivhaus-Standards
3.4.2 Funktionsprinzip des Passivhauses
3.4.3 Vor- und Nachteile des Passivhaus-Standards
Vorteile der Passivhaus-Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Vorteile beim Passivhaus
Was sind die Vorteile eines Passivhauses?
Nachteile Passivhaus
3.5. Verschiedene Gebäudetypen mit Passivhausstandard
3.6 Kosten zum Erreichen des Passivhausstandards
Null- und Plusenergiehäuser

Vom Bestand zum Passivhaus

1. Relevanz des Themas

In den letzten Jahren hat das Thema Energiesparen aufgrund stetig wachsender Energiekosten, wegen dem näher rückenden Ende fossiler Ressourcen und der erhöhten Energienachfrage, immer mehr an Bedeutung gewonnen.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Energiepreisentwicklung von 1970 bis 2010 in Deutschland[2]

Doch nicht nur die hohen Kosten für die fossilen Energieträger sind zu einem Problem geworden, sondern auch der mit ihnen verbundene Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen (vor allem CO2). Denn diese führen bewiesenermaßen zu einem Temperaturanstieg unserer Erde.[3] Seit Beginn der Industrialisierung wird deren Konzentration in der Erdatmosphäre immer höher, wodurch sich die Atmosphäre (aufgrund des Treibhauseffekts) unnatürlich stark aufheizt.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der Konzentration von CO2 und der Temperatur in der Atmosphäre[5]

Sollte der steigenden Erwärmung in Zukunft nicht Einhalt geboten werden, hat das weitreichende Folgen weltweit.“[6]

Zum Schutz des Klimas, müssen in mehreren Lebensbereichen klimaschädliche Einflüsse reduziert oder bestenfalls vermieden werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anteile der unterschiedlichen Lebensbereiche an Treibhausgasemissionen in Deutschland[7]

Die meisten Treibhausgasemissionen entstehen durch übermäßiges Konsumverhalten und im Gebäudebereich, wo circa 88 % auf Heizen, Konditionieren der Raumluft und Warmwasseraufbereitung entfallen.[8] Allein im Jahr 2010 betrag der Heizenergieverbrauch Deutschlands durchschnittlich 126 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr (kWh/m2a). Doch vergleicht man diesen Wert mit dem Heizenergieverbrauch vom Jahr 2002, in dem das Erneuerbare Energien Gesetz eingeführt wurde, fällt auf, dass dieser um 22 % gesenkt werden konnte.

„ ,Die Ergebnisse zeigen einen positiven Trend in der Entwicklung der Energieeffizienz der Wohngebäude in Deutschland und liefern gleichzeitig den Anreiz, die heute vorhandenen Einsparpotenziale im Bereich der energetischen Gebäudesanierung verstärkt auszuschöpfen‘ , sagt Dr. Johannes D. Hengstenberg, Geschäfts-führer von co2online.“[9]

Denn gerade im Gebäudealtbestand könne durch energetische Modernisierung ein erheblicher Teil zur Entlastung der Umwelt beigetragen werden,[10] da rund 80 % aller Wohngebäude Deutschlands in Zeiten (vor 1977: Einführung der 1. Wärmeschutzverordnung[11] ) erbaut wurden, in denen Energiesparen noch keine Bedeutung hatte.

Je nach Baujahr und Gebäudezustand ließen sich durch umfassende Sanierung, Einsparungen von 50 bis 80 % erreichen. Unter geeigneten baulichen Voraussetzungen könne der Heizenergiebedarf sogar auf 1,5 Liter Heizöl (Passivhaus-Standard[12] ) pro Quadratmeter und Jahr reduziert werden.[13] Im Moment verbrauchen jedoch lediglich 5 % der deutschen Wohnungen weniger als zehn Liter pro m2 und Jahr und 95 % bis zu 30 Litern. Bei guter Planung, sei es mittlerweile möglich auch im Bestand einen Verbrauch von weniger als fünf Litern pro m2a zu erreichen. Somit könne man schon bei einer Energieeinsparung von rund 15 Litern pro m2a, 50 Milliarden Liter Heizöl und 100 Millionen Tonnen CO2 einsparen.[14]

Ratgeberseiten im Internet erklären, dass der Bau ein Energiesparhauses und auch energiesparende Maßnahmen an einem bereits vorhandenen Gebäude nicht nur die Umwelt und die eigene Brieftasche, auf längere Zeit gesehen, schonen würden, sondern auch, dass energieeffizientes Bauen vom Staat gefördert werde.[15]

http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,884430,00.html

2 Rechtliche Rahmenbedingungen für energetische Aspekte von Gebäuden

Wer mit dem Gedanke spielt, in sein Eigenheim zu investieren, sollte wissen, dass die Bundesregierung durch mehrere staatliche Regelungen energieeffizientes Bauen bzw. Sanieren sowohl in gewisser Hinsicht fordert, als auch fördert.[16]

2.1 Das Erneuerbare-Energien-Gesetz

Im Jahr 2000 wurde das am 1. Januar 1991 in Kraft getretene Stromein-speisungsgesetz durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ersetzt.[17]

Die Intention des neuen Gesetzes sei es, „eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung in Deutschland“ zu erlangen.[18] Genauer gesagt, strebe man bis zum Jahr 2050 einen Anteil von mindestens 80 % der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung Deutschlands an, was bedeutet, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, denn im Jahr 2012 betrag der Anteil erst 24 %.[19] Wenn man jedoch beachtet, dass der Anteil ein Jahr vor Inkrafttreten des EEGs bei gerade einmal 3,1 % lag, erscheint das hoch gesetzte Ziel doch als realisier-bar.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch in Deutschland[21]

Unter dem Endenergieverbrauch versteht man „den energetisch genutzten Teil des Energieangebots im Inland nach der Umwandlung, der unmittelbar der Erzeugung von Nutzenergie dient.“.[22]

Das EEG schreibt nicht nur einen Vorrang der Erneuerbaren Energien bei der Einspeisung in das Stromnetz vor, sondern gewährt auch eine kostendeckende Vergütung für Betreiber solcher Anlagen über einen Zeitraum von 20 Jahren. Gefördert werden hierbei auch Privatpersonen, die beispielsweise eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben oder an genossenschaftlichen Projekten beteiligt sind. Die Höhe der Vergütung ist von der jeweiligen Energieerzeugungsart abhängig. Die daraus entstehenden Mehrkosten für die Verbraucher sind durch ein Umlageverfahren ebenfalls in dem Gesetz geregelt.[23]

Damit ist das EEG „Im Strombereich […] das zentrale Instrument zur Förderung Erneuerbarer Energien. “.[24]

2.2 Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz

Das im Jahr 2009 erlassene Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, zielt darauf hin, im Jahr 2020, mindestens 14 % des Wärme- und Kälteenergiebedarfs durch erneuerbare Energien bereitzustellen.[25]

Dies wolle man dadurch erreichen, indem man Eigentümern neuer Gebäude oder bei deren umfangreichen Sanierung dazu verpflichtet, einen bestimmen Prozentsatz ihres Wärme- (und Kältebedarfs) durch die Nutzung erneuerbarer Energietechnologien abzudecken.[26] Diese Nutzungspflicht wurde durch eine Novelle im Jahr 2011 auch auf (bestehende) öffentliche Gebäude, „die im Eigentum der öffentlichen Hand stehen.“ ausgedehnt, um ein Vorbild für die Bevölkerung darzustellen.[27]

2.3 Energieeinsparungsgesetz (EnEG 2009)

Das Energieeinsparungsgesetz wurde 1976 zur Reduzierung der Energieverschwendung in Gebäuden erlassen, damit die Bundesrepublik Deutschland unabhängiger von Energieimporten wird. Es hat zwar keine unmittelbare Wirkung auf die Bürger, gewährt der Bundesregierung jedoch Verordnungen auf Basis des EnEG zu erlassen.[28]

2.4 Energieeinsparverordnung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) gehört zum deutschen Baurecht und ist beim Bau eines neuen Hauses oder einer grundlegenden Sanierung unbedingt zu beachten. Aufgrund ihres Zieles, den Energiebedarf für Warmwasser und Heizung im Gebäudebereich um 30 % zu senken, schreibt sie Bauherren vor, bestimmte Standards zur Heizungstechnik und zum Wärmeschutz zu beachten.[29]

Die aktuell geltende EnEV stammt aus dem Jahr 2009 und regelt die bautechnischen Anforderungen für Wohnhäuser, Bürogebäude und bestimmte Betriebsgebäude.

[...]


[1] Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv), Energieteam: Energiesparhäuser, in: Energieberatung, 4. Auflage, Berlin Februar 2012, http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/energiekrise-oel-gas-uran-kohle.html am 31.03.2013

[2] http://www.energieagentur.nrw.de/infografik/grafik.asp?RubrikID=3131 am 14.02.2013

[3] [3] Naumer, W., Energiesparend bauen und modernisieren, München 2008, S.9

[4] http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/energiekrise-oel-gas-uran-kohle.html am 31.03.2013

[5] http://www.global2000.at/module/media/data/global2000.at_de/content/klima/1000Jahre-CO2undTemperaturANSTIEG.jpg_me/1000Jahre-CO2undTemperaturANSTIEG_lightbox.jpg am 31.03.2013

[6] http://www.google.de/imgres?um=1&hl=de&sa=N&biw=1366&bih=667&tbm=isch&tbnid=7IBY8po1n2iwLM:&imgrefurl=http://www.berliner-energiebuero.de/seiten/umwelt.html&docid=AQXHoizluUpSCM&imgurl=http://www.berliner-energiebuero.de/Bilder/co2-anstieg.png&w=180&h=143&ei=pfpXUaPuFomRswaovICYBQ&zoom=1&iact=rc&dur=386&page=1&tbnh=114&tbnw=144&start=0&ndsp=19&ved=1t:429,r:4,s:0,i:134&tx=46&ty=55 am 31.03.2013

[7] http://www.fleischexperten.de/startseite/tierhaltung-und-klimaschutz/ am 31.03.2013

[8] Haas-Arndt, D. et al., Altbauten sanieren, Energie sparen, 2. Auflage, Karlsruhe 2008, S.10,

http://www.hallo-klima.de/klimaportal/klimaschutz-was-kann-man-tun/ am 31.03.2013

[9] http://www.haustechnikdialog.de/News/12679/Heizenergieverbrauch-seit-2002-um-22-Prozent-gesunken am 31.03.2013

[10] Altbauten machen 95 % des CO2 – Ausstoßes unseres Gebäudebestands aus. Vgl. http://www.willi-lauber.de/willi-lauber/projekte/oekohaus/

[11] Haas-Arndt, D. et al., Altbauten sanieren, Energie sparen, 2. Auflage, Karlsruhe 2008, S.21

[12] Informationen zum Passivhaus-Standard bei 3.4

[13] http://www.willi-lauber.de/willi-lauber/projekte/oekohaus/ am 01.04.2013, Gabriel, I. et al.: Vom Altbau zum Niedrigenergie+ Passivhaus, Gebäudesanierung, Neue Energiestandards, Planung und Baupraxis mit EnEV 2009, 9. Verbesserte Auflage, Staufen bei Freiburg 2010, S.63

[14] Naumer, W., Energiesparend bauen und modernisieren, München 2008, S.10

[15] http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/passiv-war-gestern-nullenergiehaeuser-sind-die-zukunft_aid_767630.html 30.01.2013, http://www.immonet.de/service/energiesparhaus.html 30.01.2013

[16] Naumer, W., Energiesparend bauen und modernisieren, München 2008, S.14

[17] Letze Novellierung fand am 1. Januar 2012 statt. Vgl. http://www.erneuerbare-energien.de/die-themen/gesetze-verordnungen/kurzinfo/ am 25.03.2012

[18] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Erneuerbare Energien, Fragen und Antworten, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2012, S.63

[19] http://www.erneuerbare-energien.de/die-themen/gesetze-verordnungen/kurzinfo/ am 25.03.2013

[20] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen, Nationale und internationale Entwicklung, Paderborn, Juli 2012, S. 15

[21] Abbildung entnommen aus http://www.energiepolitik.de/erneuerbare-energien-anteil-an-endenergie-1990-2012/ am 25.03.2013

[22] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen, Nationale und internationale Entwicklung, Paderborn, Juli 2012, S.123

[23] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Erneuerbare Energien, Fragen und Antworten, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2012, S.63, 65, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen, Nationale und internationale Entwicklung, Paderborn, Juli 2012, S.123

[24] http://www.erneuerbare-energien.de/die-themen/gesetze-verordnungen/kurzinfo/ am 25.03.2012

[26] „Der Prozentsatz ist abhängig von der Energieform.“ Entnommen von http://www.bmu.de/service/publikationen/downloads/details/artikel/das-erneuerbare-energien-waermegesetz/ am 26.03.2012

[27] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU): Erneuerbare Energien, Fragen und Antworten, 3. Auflage, Frankfurt am Main 2012, S.66, 67, http://www.bmu.de/service/publikationen/downloads/details/artikel/das-erneuerbare-energien-waermegesetz/ am 26.03.2012, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Erneuerbare Energien in Zahlen, Nationale und internationale Entwicklung, Paderborn, Juli 2012, S.123, http://www.erneuerbare-energien.de/die-themen/gesetze-verordnungen/kurzinfo/ am 26.03.2013

[28] http://www.bbsr.bund.de/nn_1024924/EnEVPortal/DE/Archiv/EnEG/eneg__node.html?__nnn=true am 02.04.2013, http://www.energie-wissen.info/energiegesetze/energieeinsparungsgesetz.html am 02.04.2013

[29] Wörlen, C.: Erneuerbare Energien, Wissen, was stimmt, Freiburg im Preisgau 2010, S.76, Jürgen Petermann: ENERGIE ZUKUNFT, EFFIZIENZ UND ERNEUERBARE ENERGIEN IM WÄRMESEKTOR, 2. Auflage, Hamburg 2010, S.203, Haas-Arndt, D. et al., Altbauten sanieren, Energie sparen, 2. Auflage, Karlsruhe 2008, S.21

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Energiesparhäuser. Vom Bestand zum Passivhaus
Untertitel
Welcher Energiestandard ist für welches Haus der richtige?
Note
14
Autor
Jahr
2013
Seiten
37
Katalognummer
V273768
ISBN (eBook)
9783656665748
ISBN (Buch)
9783656665700
Dateigröße
2525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Energiesparhäuser, klimawandel, energie, sparen, hausbau, Rohstoffe
Arbeit zitieren
Carla Ernstberger (Autor), 2013, Energiesparhäuser. Vom Bestand zum Passivhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273768

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