Rituale und Familie „Nötig, um Halt zu geben und Übergänge zu erleichtern.“


Bachelorarbeit, 2010

33 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung in das Thema

2. Begriffserklärung:

Rituale (Initiationsrituale) und ihre Einflussnahme und Funktion

3. Rituale in der Familie

4. Rituale in der Sozialen Arbeit
4.1. Aufgabengebiet der Sozialen Arbeit
4.2. problembehaftete Rituale
4.3. Arbeitsansatz für die Soziale Arbeit
4.4. Innovative Projektansätze in der Arbeit mit Straßenkindern

5. Ritualgestaltung
5.1. Planung des Rituals
5.2. Rahmenbedingungen festlegen
5.3. Durchführung und Elemente eines Rituals
5.4. Die drei Phasen des Rituals

6. Beispielhafter Überblick und Vergleich über Initiationsrituale in der Welt
6.1. Jugendweihe/Jugendfest, Konfirmation und Firmung in Deutschland
6.1.1 Jugendweihe/Jugendfest
6.1.2. Konfirmation
6.1.3. Firmung
6.2. Initiation bei dem Stamm der Tiwi in Nordaustralien
6.3. Das Ihi - Ritual der Newar in Nepal, Kathmandutal
6.4. Vergleich der verschiedenen Initiationen

7. Rituale in der Sozialen Arbeit am Beispiel der
„Familientherapeutischen Jugendwohngruppe Mäander“
7.1. Arbeitsansatz
7.2. konzeptionelle Vorstellung der Einrichtung
7.3. Umsetzung der Arbeit in Bezug zu den Ritualen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis
9.1 Literaturquellen
9.2 Internetquellen

1. Einleitung in das Thema

Allzu oft wird noch der Begriff „Ritual“ mit religiösen oder okkulten Zeremonien in Verbindung gebracht. Nur wenige denken dabei an die alltäglichen Rituale, die man selbst ausführt, wie zum Beispiel das Zu-Bett-Bringen, das Vorlesen einer Geschichte beim eigenen Kind oder die eigene Jugendweihe. In den Köpfen der meisten Menschen sind Rituale noch mit sehr vielen Regeln, Pedanterie und Festlichkeit verbunden. Es ist davon auszugehen, dass dieser Gedanke oftmals mit kirchlichen Aspekten assoziiert wird und daher eine fehlerhafte Definition des Wortes vorherrscht. Ein „Ritual“ kann jedoch auch eine angenehme und beschützende Bedeutung haben.

Diese Arbeit soll über die Übergangsrituale beziehungsweise Initiationsrituale sowie die festigenden Rituale in der Familie, als Alltagsrituale bekannt, handeln.

Im Rahmen der Bachelor-Thesis wird das Thema eingegrenzt und fokussiert behandelt. Hierbei soll die Begriffserklärung von Hans Kraml richtungsweisend für die Arbeit sein, welcher Rituale wie folgt beschreibt:

„…die gewohnheitsmäßige, d.h. mindestens wiederholbare Ausführung bestimmter Verhaltensweisen in Situationen, die in ganz bestimmter Weise als gleich gelten können. Wesentlich ist auch auf diesem Hintergrund, dass Rituale grundsätzlich in Situationen mit mehr als einem Beteiligten auftreten.“[1]

Ich möchte Vergleiche anstellen und aufzeigen, wie ein Ritual auf unterschiedliche Art und Weise, Menschen und Gemeinschaften verbindet und festigt. Diese Schlussfolgerung übertrage ich im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit, auf die professionelle Soziale Arbeit.

Ich begegnete diesem Thema während meines Praxissemesters in einer familientherapeutischen Wohngruppe für Jugendliche, dort wurde intensiv und erfolgreich mit Ritualen gearbeitet. Es war spannend für mich zu beobachten, wie explizit durch das Ritual des allabendlichen gemeinsamen Kochens und Essens die Verhaltensweisen der Jugendlichen und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen positiv beeinflusst wurden. Auch die Abschiedsrituale, wenn beispielsweise ein Jugendlicher diese Hilfeeinrichtung verließ, zeigten, wie wichtig es für den Jugendlichen ist, dass seine Situation und Leistung wahr- und ernst genommen und seine Lebenssituation Respekt entgegengebracht wird. Entgegen meiner Erwartungen, dass die Jugendlichen ein Abschiedsritual eventuell als unangenehm und beschämend empfinden könnten, nahmen sie dieses Ereignis als Wertschätzung mit viel Dankbarkeit an.

Dieses Praktikum zeigte mir, wie wichtig die alltäglichen Rituale aber auch die Rituale zu besonderen Anlässen für Kinder, Jugendliche sowie für die Eltern und professionellen Mitarbeiter sind.

Es folgten einige Fragen darüber wie beeinflussbar das Familienleben auf Rituale reagiert, ob Rituale positiv wirken und eventuell problembehaftete Situationen verhindern können oder ein Problemlösungsweg darstellen. Können Rituale auflösende Familienstrukturen festigen und somit Familienzusammenbrüche hinauszögern oder sogar verhindern? Führen fehlende Rituale im Familienleben zu mangelnder Gesprächsbereitschaft und reduziertem Zusammengehörigkeitsgefühl? Könnte dies einen Grund darstellen, warum in Familien problembehaftet Situationen nicht geklärt werden und eventuell zur Eskalation führen? Sind viele Familien gegenüber gemeinsamen Ritualen gleichgültig eingestellt oder erkennen sie nicht die Vorteile und Notwendigkeit von Ritualen, die die Menschen schon seit unzähligen Generationen begleiten? Bilden Rituale ein Grundstein beziehungsweise eine notwendige Basis für ein funktionierendes Familien- und Gesellschaftssystem?

Brauchen Menschen Rituale um sich in sozialen Beziehungen geborgen, akzeptiert und integriert zu fühlen oder werden Rituale überflüssig im Rahmen des Erwachsenwerdens und in einer schnelllebigen Konsumgesellschaft?[2]

Im Ablösungsprozess empfinden Jugendliche ihre Eltern als unangenehm und nahezu peinlich, sie bevorzugen es ihre freie Zeit mit der Peergroup, zum Ersatz zur eigentlichen Familie zu verbringen. Jedoch auch in diesen Peergroups finden alltägliche Rituale statt, die das Gruppenzugehörigkeitsgefühl bestärken. Ich werde im Laufe dieser Arbeit nochmals speziell auf diese Konfliktsituation eingehen.

Sollte nicht besonders im Rahmen der Adoleszenz auf verbindende Rituale großen Wert gelegt werden? Beispielsweise am Sonntag gemeinsam „Tatort“ anzusehen sich im Rahmen dessen Zeit zu nehmen gemeinsame Gespräche zu führen und damit als Familie einen Halt und eine Stabilität darzustellen, die ein gutes Fundament bilden um auch in Problemsituationen als Ratgeber bereit zustehen.[3]

All diese Fragen möchte ich im Rahmen dieser Arbeit versuchen zu klären. Doch zunächst werde ich die, in dieser Arbeit häufig vorkommenden, Begriffe Rituale beziehungsweise Initiationsrituale in der Bedeutung für diese Thesis erklären.

2. Begriffserklärung:
Rituale (Initiationsrituale) und ihre Einflussnahme und Funktion

Obwohl Rituale bereits in der sozialen Arbeit als Methode eingesetzt werden, ist keine einheitliche Definition für diesen Begriff in den Fachbüchern zu finden.

Eine plausible Definition erläutert Rituale wie folgt: „ Gewohnheiten der Herstellung von Verhaltensübereinstimmung unter handelnden Wesen, die in bestimmten, öfter wiederkehrenden Situationen aktualisiert werden“.[4]

Rituale verbinden und erzeugen ein Gemeinschaftsgefühl beispielsweise durch einen „geheimen“ Handschlag oder Zeichen in einer Jugendclique, sie werden stets wiederholt und gelten als Erkennungszeichen. Nicht nur Handlungen wie diese, sondern auch ein wöchentlicher Gottesdienst im religiösen Kontext, wird als Ritual bezeichnet. Alltagsrituale wie das gemeinsame Frühstücken und Abendessen mit der Familie geben Halt und dem Alltag Struktur, die besonders Kinder und Jugendliche im Rahmen ihrer Entwicklung benötigen. Alltagsrituale sind Rituale, die in ihrer Ausübung meist unbewusst geschehen, jedoch im dynamischen Alltag des Familienlebens eine notwendige Ordnung darstellen.

[...]


[1] Vgl. S. 29-30 aus Rituale: Zugänge zu einem Phänomen, Florian Uhl, Artur R. Boelderl (Hrsg.), Parerga Verlag GmbH, Düsseldorf und Bonn 1999 aus Hans Kraml: Rituale, Spracherklärung zu den Grundlagen gesellschaftlicher Wirklichkeit

[2] Vgl. S. 180 aus Rituale erneuern: Ritualdynamik und Grenzerfahrung aus interdisziplinärer Perspektive, Fletcher DuBois (Hrsg.), Rolf Verres, Hendrik Jungaberle, Psychosozial-Verlag, Gießen 2006 aus Christoph Wulf: Die Erzeugung von Sozialen in Ritualen

[3] Vgl. S. 43 aus Rituale erneuern: Ritualdynamik und Grenzerfahrung aus interdisziplinärer Perspektive, Fletcher DuBois (Hrsg.), Rolf Verres, Hendrik Jungaberle, Psychosozial-Verlag, Gießen 2006 aus Jochen Schweitzer: Rituale des Familienlebens

[4] Vgl. S. 29 aus Rituale: Zugänge zu einem Phänomen, Florian Uhl, Artur R. Boelderl (Hrsg.), Parerga Verlag GmbH, Düsseldorf und Bonn 1999 aus Hans Kraml: Rituale, Spracherklärung zu den Grundlagen gesellschaftlicher Wirklichkeit

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Rituale und Familie „Nötig, um Halt zu geben und Übergänge zu erleichtern.“
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
33
Katalognummer
V273987
ISBN (eBook)
9783656659624
ISBN (Buch)
9783656659617
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rituale, Familie, Systemisch, Übergänge, familientherapeutisch
Arbeit zitieren
Helene Schumacher (Autor:in), 2010, Rituale und Familie „Nötig, um Halt zu geben und Übergänge zu erleichtern.“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273987

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