Tagelied aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin „Ich wachter will nun singen“. Eine Interpretation


Seminararbeit, 2010

14 Seiten


Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Interpretation des Liedes
1 Originaltext
2 Eigene Übertragung
3 Aufbau und Reimschema
4 Inhaltsanalyse

III Abschluss

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das mittelalterliche Tagelied gibt dichterisch den Schmerz eines Liebespaares wieder, das nach einer Nacht der Liebe beim Tagesanbruch Abschied voneinander nehmen muss. Dargestellt wird diese Handlung meist in einer Verbindung von Erzählung und Dialog, die in lyrischer Form ausgestaltet ist. Die Personenkonstellation besteht üblicherweise aus drei Figuren: der Dame, dem ritterlichen Liebhaber und einem Wächter, der das Paar mit seinem Morgengesang weckt, damit sie die unangenehmen Folgen der verbotenen Nacht vermeiden können. Der Geliebte muss die Frau noch vor dem Tagesanbruch verlassen, weil ihre Liebesbeziehung gegen die gesellschaftlichen Normen verstößt. Die benannten festen Elemente werden durch optionale Motive ergenzt, z.B.: Wecken des Mannes, letzte sexuelle Vereinigung vor dem Abschied, Tageshass, Beschuldigung des Wächters, Segenwünsche u. a. Das sind die typischsten Elemente der Gattung „Tagelied“. Aber außer dem Typischen weist jedes Tagelied seine eigenen strukturellen und inhaltlichen Besonderheiten auf.

In dieser Hausarbeit werde ich auf das Lied N.14a aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin näher eingehen. Da es zu diesem Lied keine ausführliche Sekundärliteratur gibt, bildet eine eigene Übersetzung ins Neuhochdeutsche die Grundlage der folgenden Interpretation. In deren Zentrum steht die literarische Botschaft des Textes, da weder Informationen über den Autor, noch dessen biografische Einflüsse bekannt sind. Wesentliches Ziel der Hausarbeit ist das Verstehen des Textes, seine typischen Charakteristika sollen aufgezeigt, aber auch nur diesem Lied eigene Besonderheiten hervorgehoben werden.

II. Interpretation des Liedes

1. Originaltext

Das Lied N. 14a

Tagweis.

1. Ich wachter will nun singen
Des liechten morgen rött,
Ich sich sy dört her dringen. Ob yemant fräden hät
Bei der liebstn frawen sein, 5
Der mach sich von dannen pald Vor des tages hellen schein, Das er icht chomm in swäre pein, Es liechtet vor dem wald.

2. Obe wachter, nicht enhetz 10
Den liebsten gesellen mein.
Gang pald hinwider an die letz Und hab die rue dein,
Wann es ist noch nit an der zeitt,
Das der tag hie sey. 15
Obe wachter, lenger beitt,
Der tag uns noch nit nachent leyt Und lasz uns sorgen frey.

3. Die nacht begynnt her sincken
vast,
Der tag will sy verdringen, 20
Ich weck und rat dem främden gast
Mit meinem hellen singen, Das er sich tü schaiden, Es ist wol an der zeitt.
Gott bewar sy baid vor laide, 25
Hell ist es uff der haide, Der tag uns nachent leytt.

4. Der gesell sprach: tag, dein kommen,
Das ist mir wärlich swär,
Es pringt mir clainen frummen. 30
Obe der laidigen mär,
Die mir der wachter hatt gesagt Von dem morgen rött,
Und verchünt, wie das es tagt,
Und mich von hertzen liebe iagt. 35 Obe der grossen nott!

5. Ich wachter verkünd nun aber dir
Der liebsten sunnen glantz.
Woluff, woluff pald und auch schier,
Und halt der frawen gantz 40
Ir Er vor allen dingen,
Das es die leng bestee.
Hört mich der claffer singen, Ze arg wurd er es pringen,
Ich weck dich nu nit me. 45

6. Obe, obe das ich In schaw,
Den tag, der uns tut schaiden.
Ich hör ye an des wachters draw, Ich endarr nit lenger baiten.
Seidt sich die nacht so hat gewendt, 50 Beswärt sind all mein synn,
Sy naigt sich hin gen Orient,
Der tag her streicht von occident; Gnad fraw, ich far dahin.

2. Eigene Übertragung:

1. „Ich, Wächter, will nun ankündigen

Das helle Morgenrot,
Ich sehe es dort herbei drängen. Wenn jemand Freude
Bei der geliebten Dame genießt,
So geh der unverzüglich weg von hier, Vor dem hellen Schein des Tages, Damit er nicht in die schwere Not gerät. Es leuchtet vor dem Wald.“-

2. „Oh, Wächter, vertreibe nicht

Meinen liebsten Freund.
Gehe sofort zurück an deinen Posten Und beruhige dich.
Denn es ist noch nicht an der Zeit, Dass der Tag anbricht.
Oh, Wächter, warte noch
Der Tag ist noch von uns entfernt Und lass uns sorgenfrei.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Tagelied aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin „Ich wachter will nun singen“. Eine Interpretation
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V274053
ISBN (eBook)
9783656662471
ISBN (Buch)
9783656662440
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tagelied, Clara Hätzlerin, Interpretation des Liedes, Aufbauschema
Arbeit zitieren
Natalja Groo (Autor), 2010, Tagelied aus dem Liederbuch der Clara Hätzlerin „Ich wachter will nun singen“. Eine Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274053

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