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Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera

Titel: Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 16 Seiten , Note: 1

Autor:in: Natalja Groo (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Beginnen möchte ich mit einigen allgemeinen Überlegungen zum Verhältnis von Genus und Sexus. Wie allgemein bekannt ist, handelt es sich beim Sexus, dem natürlichen Geschlecht um eine Kategorie, die sich auf einen außersprachlichen Aspekt bezieht. Dem Sexus nach unterscheidet man „männliche“ und „weibliche“ Wesen. Das Genus hingegen steht für eine grammatische Kategorie, die alle Substantive des Deutschen in drei Klassen - Maskulinum/Femininum/Neutrum - teilt. Im Unterschied zu den grammatischen Kategorien „Numerus“ und „Kasus“ ist das „Genus“ eine Wortkategorie. Das heißt, dass alle Substantive im Deutschen „unabhängig vom Satz ein bestimmtes grammatisches Geschlecht besitzen“.1 Die übrigen deklinierbaren Wortarten: Artikel, Adjektive und einige Pronomen kongruieren im Satz mit dem Bezugssubstantiv, indem sie Kasus-, Numerus- und Genusform dieses Substantivs annehmen. Das Genus der Substantive kommt vor allem an der Form der vom Substantiv abhängigen Wörter zum Ausdruck. Bei einigen abgeleiteten Substantiven ist das Genus auch an Suffixen erkennbar (-heit, -keit).
Wenn wir das Genus und den Sexus auf die Saussuresche Terminologie beziehen würden, so würde das Genus dem SIGNIFIANT, der Sexus dagegen dem SIGNIFIÉ entsprechen.2 Die Natur der Genus-Sexus-Beziehungen ist aber so, dass der Sexus nur eine von mehreren SIGNIFIÉ-Aspekten des Genus ist. Ein 1:1-Verhältnis von Form und Bedeutung gibt es hier nicht. Das ergibt sich schon daraus, dass die meisten Substantive kein natürliches Geschlecht haben, sondern ihnen mehr oder weniger zufällig ein Genus zugewiesen werden muss. Und sogar bei Personenbezeichnungen, bei denen einige linguistische Forscher eine eindeutige biologische Motivation vermuten, entspricht das Genus dem natürlichen Geschlecht nicht immer: das Weib, das Kind, die Memme usw.
Die Suche nach der möglichen Bedeutung der grammatischen Kategorie „Genus“ hat zu unzähligen Auseinandersetzungen zwischen Linguisten geführt. In der Sprachgeschichte z. B. ist die Frage nach der Genusentstehung in der deutschen Sprache in den Rang der sogenannten „Huhn-Ei“ -Frage geraten. Im nächsten Kapitel wird versucht, die Debatten um die Genusentstehung näher zu erläutern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I Allgemeines

II Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera

II.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung

II.2 Sexus als sekundärer Genusaspekt

III Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die verschiedenen linguistischen Erklärungsmodelle zur Entstehung der grammatischen Genera im Deutschen, insbesondere im Kontext des Verhältnisses von natürlichem Geschlecht (Sexus) und grammatischem Geschlecht (Genus).

  • Verhältnis von Sexus und Genus in der Sprachwissenschaft
  • Historische Theorien zur Genusentstehung (u.a. Grimm, Brugmann)
  • Die Rolle von Personifizierung und Einbildungskraft
  • Sprachvergleichende und ethnopsychologische Perspektiven
  • Kritische Analyse der Debatten um die Genuszuweisung

Auszug aus dem Buch

II.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung

Einerseits wurde behauptet, dass der Sexusunterschied die primäre Ursache der Genus Differenzierung sei, also dass das Genus-System dank der schon vorhandenen Sexus Unterscheidung entstand. Durch Personifizierung waren alle Nomen weiblich oder männlich, das Genus-System entstand erst später, auf das Sexus-System bezogen. Als Urvater dieser Theorie gilt Protagoras; er soll wohl als erster die Kategorien maskulin, feminin und unbelebt als „Kennzeichnungen für Substantive verwendet und Genus mit Sexus gleichgesetzt haben“.3

Dabei hat er sich nicht gescheut, das seinen philosophischen Vorstellungen nicht entsprechende Genus einfach zu korrigieren. So mussten z. B. die einst femininen Wörter „Helm“ und „Zorn“ seiner Ansicht nach ein passenderes maskulines Genus bekommen.4 Zu Beginn der 1770er-Jahre gewinnt die durch die in der Philosophie, Literatur und Sprachwissenschaft herrschenden romantischen Stimmungen ideologisch beeinflusste5 Genustheorie im deutschen Raum immer mehr an der Popularität. Die dogmatische Denkweise verliert zu Gunsten einer historisch-kritischen an Bedeutung. Es wird überall nach einem rationalen Kern gesucht. Der Mensch selbst, nicht der allmächtige Gott, und die Gesetze der Natur, nicht Wunder oder Magie, stehen jetzt im Zentrum von allen Wissenschaften.

Zusammenfassung der Kapitel

I Allgemeines: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Verhältnisses von Sexus und Genus und stellt die Problematik der Genuszuweisung als eine der zentralen Fragen der Sprachgeschichte dar.

II Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera: Dieser Teil analysiert die gegensätzlichen wissenschaftlichen Ansätze, die einerseits den Sexus als Ursache für die Genusentstehung sehen und andererseits formale oder klassifikatorische Prinzipien betonen.

II.1 Sexus-Unterschied als primäre Ursache der Genusdifferenzierung: Hier werden die Theorien beleuchtet, die das Genus als Resultat von Personifizierung und Einbildungskraft sehen, wobei insbesondere Jacob Grimm und seine Anhänger diskutiert werden.

II.2 Sexus als sekundärer Genusaspekt: Dieser Abschnitt behandelt die Gegenpositionen, angeführt von Karl Brugmann, welche die formale Basis des Genussystems hervorheben und den direkten kausalen Zusammenhang zum Sexus ablehnen.

III Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Pro- und Kontraargumente beider Strömungen zusammen und reflektiert, warum die sexusbasierte Theorie trotz methodischer Einwände in der Linguistik weiterhin präsent ist.

Schlüsselwörter

Genus, Sexus, Sprachgeschichte, Genusentstehung, Jacob Grimm, Karl Brugmann, grammatisches Geschlecht, Personifizierung, Linguistik, Genuszuweisung, Sprachwissenschaft, Indogermanistik, Feminina, Maskulina, Neutrum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Debatten der Sprachgeschichte darüber, wie und warum sich das grammatische Geschlecht (Genus) im Deutschen entwickelt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte des „Sexus“ (natürliches Geschlecht) und „Genus“ (grammatisches Geschlecht) sowie deren historisch diskutierte wechselseitige Abhängigkeit.

Welches Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es, die historischen Erklärungsmodelle – von der romantischen Sprachauffassung bis zur formalistischen Betrachtungsweise – strukturiert darzustellen und ihre wissenschaftliche Validität zu hinterfragen.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und einen historisch-vergleichenden Ansatz, um linguistische Theorien aus dem 18. bis frühen 20. Jahrhundert kritisch zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei Hauptströmungen: Einerseits Theorien, die das Genus auf den Sexus zurückführen (Grimm), und andererseits Theorien, die das Genus als formale oder klassifikatorische Struktur sehen (Brugmann).

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Genus, Sexus, Sprachgeschichte, Genusentstehung und die Dichotomie zwischen semantischer Motivation und formaler Arbitrarität.

Warum spielt Jacob Grimm eine so bedeutende Rolle für das Thema?

Grimm gilt als Hauptvertreter der sexualistischen Auffassung, der das Genus als Ausdruck menschlicher Phantasie und Naturbeobachtung interpretierte, was die Linguistik über Jahrzehnte prägte.

Was bedeutet die Aussage, dass das Genus dem „Signifiant“ entspricht?

In Anlehnung an Saussure wird das Genus als die sprachliche Form (Signifiant) begriffen, während der Sexus als ein möglicher, aber nicht zwingender inhaltlicher Aspekt (Signifié) dahintersteht.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Feministische Sprachwissenschaft
Note
1
Autor
Natalja Groo (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V274061
ISBN (eBook)
9783656662426
ISBN (Buch)
9783656662402
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feministische Sprachwissenschaft Sexus Genus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Natalja Groo (Autor:in), 2011, Historische Erklärungsmodelle für die Entstehung der Genera, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274061
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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