Praxisanleiterqualifizierung für OP/ Anästhesie

Curriculum für 200 Std. Zusatzqualifikation zum Praxisanleiter


Akademische Arbeit, 2014

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Kooperation der Lernorte Schule und Praxis

3. Anforderungen an die Praxisanleitung

4. Curriculum Praxisanleitung für OP/Anästhesie

5. Quellenverzeichnis

1. Vorwort

Durch die aktuellen und künftigen Herausforderungen der modernen Spitzenmedizin in Deutschland sind die Berufsbilder der Operationstechnischen Assistentin/des Operationstechnischen Assistenten (OTA) und der Anästhesietechnischen Assistentin/des Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) entstanden. Um eine gezielte und hochqualifizierte Ausbildung in diesen Bereichen umzusetzen, ist es dringend erforderlich verstärkt Fachpersonal[1] zur praktischen Anleitung innerhalb der Praxisfelder zu qualifizieren. Die besonderen Herausforderungen in den Praxisfeldern des OP/ der Anästhesie bestehen darin, vermehrt fachspezifische Anleitungssituationen umzusetzen und gezielt Auszubildende der Berufsgruppen zu fordern und zu fördern. Im Rahmen der speziellen Anleitungssituationen, die in den Funktionsbereichen erforderlich sind, soll dieses Curriculum eine Handlungsgrundlage bieten, den Schwerpunktbereichen OP und Anästhesie die notwendigen pädagogischen Kompetenzen zu vermitteln. Die Handlungsgrundlage liefert hier die Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen und Assistenten vom 20. September 2011[2].

Wie im Positionspapier der Deutschen Krankenhausgesellschaft beschrieben, ist in Anlehnung an das Krankenpflegegesetz (§4 Absatz 5 Sa2 und 3 KrPflG), die praktische Ausbildung von den Krankenhäusern bzw. Einrichtungen durch Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter zu unterstützen. In der Empfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen und Assistenten der DKG (2011) werden folgende Maßgaben für die praktische Anleitung gefordert:
(…) die fachkundige Anleitung während der praktischen Ausbildung ist durch geeignete Fachkräfte sicherzustellen. Zur Praxisanleitung sind geeignete Fachpflegepersonen für den Operationsdienst oder OTA bzw. Fachpflegepersonen für die Intensiv- Anästhesiepflege oder ATA, die über eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren sowie eine berufspädagogische Zusatzqualifikation im Umfang von mindestens 200 Stunden verfügen. (…)[3]

Die praktische Ausbildung gliedert sich gemäß der DKG-Empfehlung aktuell wie folgt:

- Operationstechnische Assistenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[4]

- Anästhesietechnische Assistenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5]

Gemäß den vorgegebenen Einsatzgebieten ist in den ausgewählten obligaten und fakultativen Einsatzgebieten ein vorgegebener Anteil an Praxisanleitung zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang ist besonders herauszustellen, dass die DKG-Empfehlung eine Vornotenregelung vorsieht. Demnach sind alle vornotenrelevanten Bewertungen in der praktischen Ausbildungszeit durchqualifizierte Praxisanleiterinnen/Praxisanleiter zu verantworten. Auch muss die entsprechende Praxisanleitungsperson namentlich benannt und bei Prüfungsanmeldung aufgeführt werden. Im strukturierten Anmeldungsformular der DKG wird nochmals zu diesem Zeitpunkt die Qualifikation der Praxisanleiterin/des Praxisanleiters abgefragt.

Die traditionellen Praxisanleiterqualifikationen sind, aufgrund der Zuordnung zu Pflege, sehr häufig im Schwerpunkt auf dieselbe ausgerichtet. Der gezielten Vorbereitung auf die hochkomplexe Aufgabe Auszubildende der Berufe OTA und ATA anzuleiten, spezifische Lernsituationen in der Anästhesie oder dem OP exemplarisch durchzuspielen, kann in den pflegerischen Praxisanleiterqualifikationen natürlich nicht ausreichend Rechnung getragen werden. Zusätzlich bleibt häufig OTA und ATA der Zugang zu diesen Qualifizierungsmaßnahmen verwehrt, da sie den pflegerischen Hintergrund nicht vorweisen können. Gleichwohl ist eine Schwerpunktqualifizierung zur Befähigung der Anleitung von OTA und ATA dringend erforderlich.

Die spezifischen Kompetenzen die Praxisanleitende in diesen Feldern besitzen müssen, beziehen sich hauptsächlich auf die Hochleistungsanforderungen der Spezialbereiche OP/Anästhesie. So sind im Rahmen der 200-Std. Zusatzqualifikation, neben den Zielgruppen OTA und ATA, natürlich auch Fachkrankenpflegende für Operationsdienst und Endoskopie als auch Fachpflegende der Intensivpflege und Anästhesiepflege hier zu qualifizieren. Besonders im Rahmen der Weiterbildung und pädagogischen Anleitung sowohl in der Erstausbildung; als auch der Weiterbildung in den vorgenannten Bereichen; muss die Herausforderung bewältigt werden, zielgenau Lernsituationen aufzubereiten und den Lernenden zugänglich zu machen. Eine besondere Herausforderung besteht derzeit darin, dass durch das vergleichsweise relativ junge Berufsfeld der Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen und Assistenten noch keine fachliche Abdeckung durch einschlägige Fachcurricula gegeben ist. Hier werden nach aktuellen Wissensbeständen deutschlandweit keine einheitlichen Curricula verwendet. Ein weitestgehend verbreitetes Curriculum scheint das Curriculum des Deutschen OTA- Schulträgerverbandes (DOSV) zu sein, hinlänglich erarbeiten jedoch zusätzlich viele Schulen aktuell eigene Entwürfe auf Basis der DKG-Empfehlungen. Im Bereich der Operationstechnischen Assistenz wurde in der Medizinischen Hochschule Hannover ein Lernfeldcurriculum OTA durch Juliane Annussek und Florian Fischbock entwickelt, welches bislang noch nicht veröffentlich wurde. Insgesamt kann konstatiert werden, dass eine Ausrichtung an einem konkreten Fachcurriculum zur Qualifizierung der OTA-Praxisanleitenden und der ATA-Praxisanleitenden, in Ermangelung eines verbreiteten Curriculum diese Praxisanleiterqualifizierung, derzeit nicht möglich ist. Die Ausrichtung der Inhalte orientiert sich an den Empfehlungen der DKG und versucht durchgehend die Inhalte der Praxis wieder zu spiegeln. Die Praxisanleitenden sind also zusätzlich aufgefordert, zusammen mit der jeweiligen Schule, eine Struktur für die jeweilige Klinik bzw. Einrichtung zu entwickeln. Um praktische Ausbildungskonzepte entwickeln zu können, müssen die Praxisanleitenden zusätzlich ein bestimmtes Schwerpunktwissen erwerben, welches nicht in traditionellen pflegerischen Qualifizierungswegen aufgegriffen wird.

2. Kooperation der Lernorte Schule und Praxis

„Heute wird nach Schule gearbeitet!" - wer kennt nicht diesen Satz? Dieser Satz lässt die Problematik beruflicher Ausbildungen im Kern erahnen. Die Verbindung zwischen Theorie und Praxis aufzubauen, auszubauen und zu halten ist eine zentrale und bedeutsame Herausforderung jeder Institutionen der beruflichen Ausbildung. Wie der Eingangssatz zeigt, gelingt dies häufig nicht vollständig. Während die Berufspädagogik stark handlungsorientiert ausgerichtet wird, die Lernfeldorientierung direkt aus der beruflichen Handlungssituation reproduziert, sind wir dennoch häufig mit der Problematik konfrontiert, dass in der Praxis eine andere Umsetzung erfordert ist. Dies geschieht durch eine angepasste Handlung. Die fachliche Korrektheit dieser Handlung ist nicht falsch aber derart an die Alltagsprozesse angepasst, dass sie nicht mehr zu 100% der Lehrbuchhandlung entspricht. Wie gelingt nun die Vernetzung des Wissens in Theorie und Praxis unter handlungsorientierten Maßstäben? Der Schlüssel liegt abermals in der Praxisanleitungsrolle zu einem erheblichen Anteil. Die Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter müssen speziell für den OP und die Anästhesie geschult sein, die Lehrinhalte zu interpretieren und mit den Schülern Lernsituationen in der Praxis zu gestalten und zu reflektieren. So erfahren die Auszubildenden einen guten und hochpotenten Unterstützungsprozess bei der Naturalisierung des Gelernten und die Anwendung in der Praxis. Hier sind sehr spezifische Beispielsituationen für die Fachgebiete im Rahmen der Praxisanleiterqualifizierung zu erarbeiten.

Allein die Quantität der zu absolvierenden praktischen Ausbildungszeit, im Volumen von 3000 Stunden, legt nahe, wie dringend erforderlich eine präzise und hervorragende Anleitung und Begleitung der Auszubildenden erforderlich ist.

Die jungen Auszubildenden bewegen sich regelmäßig in spezifischen Bereichen die ihnen alles abverlangen. Die Vorbereitung, die die Schule auf diese Berufe leisten kann, ist durch die Praxis stets begrenzt und wiederum herausgefordert. Die Schülerinnen und Schüler werden in den Praxisphasen eng in der eigenen Entwicklung begleitet und die verschiedenen Lernaufgaben gegliedert. Die Funktion der Praxisanleitung vernetzt Theorie und der Praxis und coacht die Auszubildenden im Hinblick auf die Zielerreichung eine eigene individuelle Berufskompetenz in den Feldern der Anästhesie und des OP zu entwickeln.

„Heute wird nach Schule gearbeitet!" - Dieser Satz erbringt den Beweis, dass das was in der Praxis ansonsten umgesetzt wird, nicht zwingend den Kriterien der Schule entspricht. Was wiederum nicht den Rückschluss erlaubt, dass die Schule nicht korrekt unterrichtet. Selbstverständlich ebenso ist dies kein Indiz dafür, dass die Praxis nicht korrekt arbeitet. Wie vorausgehend beschrieben, geht es hier schlicht um die Übersetzung und Implementierung des Gelernten in die Praxis. Feste zu erlernende Maßstäbe müssen in der Theorie verankert und später in der praktischen Arbeit ausprobiert und vertieft werden. Die Praxisanleitenden müssen hierfür beispielhafte Lernsituationen im Kontext des konkreten Fachwissens konstruieren können, um bei dem Implementierungsprozess des Wissens in die Praxis zu unterstützen.

„Wer Autofahren lernen will, muss bei Koordination des Gaspedals, des Schalthebels und des Lenkrades zunächst 50 km/h fahren, um das Handling zu erlernen und sicher fahren zu können. Mit einiger Erfahrung erfolgen diese Bewegungen später derart intuitiv, dass die Kontrolle über das Fahrzeug leichter fällt und sich die Fahrerin aufmerksamer auf den Verkehr konzentrieren kann."

Dieses Beispiel ist leicht in die berufliche Ausbildung übertragbar. Die Auszubildenden lernen eine Vorgehensweise, die sie später weiter gestalten werden. Die eigene Handschrift lernen zu entwickeln. Das theoretische Wissen wird langsam und Stück für Stück zu einem Teil der individuellen Kompetenz eines einzelnen.

Praxisanleitende sind berufliche Lehrende, die im Sinne eines Coachs, die Auszubildenden anleiten, berufliche Kontexte und Anforderungen der praktischen Tätigkeiten gemeinsam aufbereiten und so eine Handreichung zur Entwicklung der Berufskompetenz bieten.

[...]


[1] Es wird stets versucht die geschlechtsunspezifische Formulierung zu wählen. Wird die männliche oder weibliche Form
gewählt, ist die jeweils andere Form implizit

[2] Die DKG hat am 20. September 2011 in ihrer 264. Vorstandssitzung die Empfehlung zur Ausbildung und
Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen/Assistenten (OTA/ATA) verabschiedet. Sie
hat damit auch beschlossen, dass - solange eine bundesweite Regelung oder in einem Bundesland eine landesweite
Regelung der Ausbildung im Sinne dieser Empfehlung nicht besteht - die DKG die Anerkennung der Schulen nach Maßgabe
dieser Empfehlung vornimmt. Das Inkrafttreten der Empfehlung wurde auf den 1. Oktober 2011 festgesetzt. Die DKG wird im
Bedarfsfall zu Anerkennungsanträgen Sachverständige anhören.

[3] Vgl. Empfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen und
Assistenten, Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG), 2011

[4] Vgl. Empfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen und
Assistenten, Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG). 2011, S. 35

[5] Quelle: Empfehlung zur Ausbildung und Prüfung von Operationstechnischen und Anästhesietechnischen Assistentinnen und
Assistenten, Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG). 2011, S. 36

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Praxisanleiterqualifizierung für OP/ Anästhesie
Untertitel
Curriculum für 200 Std. Zusatzqualifikation zum Praxisanleiter
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V274204
ISBN (eBook)
9783656666639
ISBN (Buch)
9783656666622
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praxisanleiterausbildung, anästhesie, curriculum, zusatzqualifikation, praxisanleiter
Arbeit zitieren
Dipl.- pfl.-päd. (FH) Florian Fischbock (Autor), 2014, Praxisanleiterqualifizierung für OP/ Anästhesie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274204

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