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Frauenfiguren in Franz Kafkas „Der Proceß“ im historischen Kontext

Titre: Frauenfiguren in Franz Kafkas „Der Proceß“ im historischen Kontext

Dossier / Travail , 2013 , 16 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Katrin Rüttger (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Wenn man sich mit den Werken Kafkas beschäftigt, fällt es sehr schwer, die Frauenfiguren, die er zum Leben erweckt, nicht näher zu betrachten. Wie in nahezu jedem Werk zu finden ist, das sich mit Franz Kafkas Leben beschäftigt, hatte er ein schwieriges Verhältnis zu Frauen. Oft wird in der Fachliteratur über den Einfluss der Frauen in Kafkas Leben auf seine Werke diskutiert. Auch bei dem Roman „Der Proceß“ haben Literaturwissenschaftler immer wieder biographische Parallelen gezogen. Sicherlich ist das ein interessantes Themenfeld.
Meine Hausarbeit wird sich allerdings mit einem anderen faszinierenden Aspekt in „Der Proceß“ beschäftigen. Selbst ohne umfangreiche Analyse fällt beim Lesen des Romans schnell auf, dass viele der weiblichen Charaktere sicherlich nicht dem typischen Frauenideal entsprechen, das um 1900 vorherrschend war. Daher liegt es nahe, sie in den historischen Kontext einordnen zu wollen.
Damit das gelingt, widme ich den ersten Teil meiner Hausarbeit erst einmal ausschließlich dem Frauenbild um 1900. Die Fülle an Theorien über die Weiblichkeit, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Boden sprossen, sei es von Schopenhauer, Möbius oder Weininger, war ganz enorm. Aus heutiger Sicht gelesen, muten diese Werke geradezu als reaktionär an. Es scheint nicht einfach nur die eine weibliche Hälfte der Menschheit beschrieben zu werden. Es kommt einem vielmehr so vor, als würden die Theoretiker in der Frau eine vollkommen fremde Spezies sehen. Die in den Werken geschilderten Ansichten sind aber in der damaligen Zeit vielfach anerkannt und werden so auch propagiert. Allein der dringende Bedarf an Erklärungen zur Weiblichkeit zeigt schon an, dass die Frau ein Mysterium war, für die ganz andere Regeln galt als für den Mann.
Um mir einen Überblick über dieses „Mysterium“ zu verschaffen, möchte ich ganz allgemein zunächst generell auf die Situation der Frau um die Jahrhundertwende eingehen und knapp darstellen, wie ihre gesellschaftliche und rechtliche Stellung war. Genauer möchte ich im Anschluss daran das Verständnis, das zu dieser Zeit über Frauen bestand, aufzeigen und halte es in diesem Zusammenhang auch für hilfreich, die Geschlechterrollen von Mann und Frau, wenn auch nur am Rande, voneinander abzugrenzen.
Außerdem möchte ich die unterschiedlichen moralischen Frauenrollen, in die man unterteilte, darstellen. So möchte ich herausfinden, wie sich die „ideale Frau“ verhielt und welche Art an Verhalten man als moralisch bzw. als unmo

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die allgemeine Situation der Frauen um 1900

2.1 Die Frau als Naturwesen und der Mann als Kulturrepräsentant

2.2 Welche Frauenbilder gibt es in der Gesellschaft?

3. Das Frauenbild in „Der Proceß“

3.1 Genauere Analyse von drei Frauenfiguren

3.2 Frauen bei Kafka im Kontext der Zeit

3.3 Herr K.'s Beziehung zu den Frauen und ihre Macht

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das Frauenbild in Franz Kafkas Roman „Der Proceß“ unter Berücksichtigung des historischen Kontextes um 1900. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die weiblichen Romanfiguren den damaligen gesellschaftlichen Geschlechterrollen und moralischen Vorstellungen entsprechen oder sich von diesen abgrenzen und ob die im Roman dargestellten Frauenfiguren gegenüber dem Protagonisten Josef K. tatsächlich eine unterlegene Position einnehmen.

  • Historisches Frauenbild und Rollenmodelle um 1900
  • Pseudowissenschaftliche Diskurse zur Weiblichkeit in der Jahrhundertwende
  • Analyse der Frauenfiguren Fräulein Bürstner, Leni und die Frau des Gerichtsdieners
  • Untersuchung von Machtstrukturen und Geschlechterbeziehungen im Roman
  • Kritische Reflexion über die Reduktion der Frau auf das Sexualobjekt

Auszug aus dem Buch

Die Frau des Gerichtsdieners

Die Frau des Gerichtsdieners gibt zwar selbst an „im allgemeinen nicht verlockend zu sein“, übt auf ihre männliche Umgebung aber eine starke erotische Ausstrahlung aus. Sie hat schöne dunkle Augen und ist wohlproportioniert.

Zwar ist sie verheiratet und erscheint bei der ersten Begegnung mit K. zunächst als typische Hausfrau, die Kinderwäsche wäscht, schnell wird aber klar, was ihre wirkliche Rolle im Gericht ist.

Sie unterhält eine offene Beziehung zu einem Studenten, die von ihrem Mann toleriert wird. Auch der Untersuchungsrichter hat starkes Interesse an ihr, schenkt ihr seidene Strümpfe und dringt sogar in ihre Intimssphäre ein, als er nachts mit dem Vorwand, ihr eine geborgte Lampe zurückbringen zu wollen, in ihr Schlafzimmer kommt und verzückt von ihrem Anblick im schlafenden Zustand ist, während neben ihr noch ihr tief schlafender Ehemann liegt.

Auch K. gegenüber verhält sie sich sehr offensiv, macht ihm Komplimente und drängt ihre Hilfe förmlich auf, was dieser anfangs als unangemessen und „verdorben“ empfindet. Über ihre Verbindung zu dem Studenten redet sie offen und behauptet, dass sie diesem ausgeliefert sei. Auch ihre Körpersprache ist eindeutig. Sie hält K.'s Hand, der für sie ja eigentlich ein völlig Fremder ist, in „ihren weichen Händen“ und hebt sogar den Rock bis zum Knie an, um ihm ihre seidenen Strümpfe zu zeigen, was in dem historischen Kontext eine recht skandalöse Handlung darstellen dürfte, da der zu schützende Schambereich einer Frau bereits am Knöchel begann. Sie zeigt sich ihm gegenüber als vollkommen willenlos und bietet ihm an, dass er mit ihr tun könne, was er wolle. Diese Willenlosigkeit zeigt sich auch in Beziehungen zu anderen Männern, etwa in der Form, dass sie sich dem Studenten praktisch auf Abruf zur Verfügung stellt und sich ohne Widerworte zum Untersuchungsrichter tragen lässt, obwohl sie nach eigenen Angaben lieber bei K. geblieben wäre.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Die Einleitung stellt die Motivation der Arbeit dar, die Frauenfiguren bei Kafka vor dem Hintergrund der historischen Geschlechterrollen um 1900 zu untersuchen.

2. Die allgemeine Situation der Frauen um 1900: Dieses Kapitel skizziert die rechtliche, soziale und gesellschaftliche Stellung der Frau zur Jahrhundertwende, geprägt durch patriarchale Strukturen.

2.1 Die Frau als Naturwesen und der Mann als Kulturrepräsentant: Es werden die zeitgenössischen, meist männlich geprägten Theorien dargelegt, die die Frau auf Instinkte und Sexualität reduzierten und ihr die intellektuelle Teilhabe an der Kultur absprachen.

2.2 Welche Frauenbilder gibt es in der Gesellschaft?: Die Kategorisierung des Frauenbildes in die drei Idealtypen der Jungfrau, der Mutter und der Prostituierten wird im Kontext der bürgerlichen Moral analysiert.

3. Das Frauenbild in „Der Proceß“: Die Analyse der Gemeinsamkeiten der Romanfiguren, insbesondere ihre Verbindung zum Gericht und ihre sexuelle Ausstrahlung auf Josef K., bildet den inhaltlichen Schwerpunkt.

3.1 Genauere Analyse von drei Frauenfiguren: Eine detaillierte Untersuchung der Charaktere Fräulein Bürstner, die Frau des Gerichtsdieners und Leni erfolgt im Hinblick auf deren Handeln im Roman.

3.2 Frauen bei Kafka im Kontext der Zeit: Hier werden die analysierten Frauenfiguren den historischen Rollenbildern gegenübergestellt und auf ihre Einhaltung oder Abweichung von den moralischen Konventionen hin bewertet.

3.3 Herr K.'s Beziehung zu den Frauen und ihre Macht: Dieses Kapitel behandelt die Dynamik zwischen dem Protagonisten und den Frauen, wobei besonders die unterschätzte Macht der Frauen über den scheinbar überlegenen Josef K. beleuchtet wird.

4. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Frauenfiguren zwar historisch relevante Klischees bedienen, durch ihre Unabhängigkeit und Promiskuität jedoch eine überzeichnete, untypische Form annehmen.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Der Proceß, Frauenbild, Geschlechterrollen, Jahrhundertwende, Historischer Kontext, Patriarchat, Sexualität, Frauenbewegung, Fräulein Bürstner, Leni, Prostituierte, Machtverhältnisse, Literaturwissenschaft, Moderne

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die Darstellung weiblicher Charaktere in Franz Kafkas Roman „Der Proceß“ und setzt diese in Bezug zu den historischen Geschlechtervorstellungen und Moralnormen um das Jahr 1900.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die gesellschaftliche Rolle der Frau um 1900, pseudowissenschaftliche Frauenbilder der Zeit, die Analyse der Romanfiguren Leni und Fräulein Bürstner sowie Machtdynamiken zwischen den Geschlechtern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, inwieweit die Frauenfiguren im Roman den historischen Klischees entsprechen oder diese durchbrechen und ob Josef K. den Frauen tatsächlich überlegen ist, wie er anfangs vermutet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Verfasserin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie Romaninhalte eng auslegt, interpretiert und diese mit historischem Kontext sowie zeitgenössischer Fachliteratur kontrastiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Frauenbilder (Jungfrau, Mutter, Prostituierte) und die detaillierte Analyse der Figuren Fräulein Bürstner, der Frau des Gerichtsdieners und Leni.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Franz Kafka, Geschlechterrollen, Frauenbild, Jahrhundertwende, Machtverhältnisse und Moderne charakterisieren.

Wie unterscheidet sich die Figur der Leni von den anderen Frauenfiguren im Roman?

Leni nimmt durch ihre Funktion als Pflegerin beim Advokaten eine Machtposition ein, die sie manipulativ gegenüber Klienten ausübt, was sie als „Treiberin“ und Verkörperung des Naturwesens Frau besonders hervorhebt.

Welche Bedeutung hat das Klopfen während des Gesprächs mit Fräulein Bürstner?

Das Klopfen konfrontiert die Charaktere mit gesellschaftlichen Konsequenzen; die Reaktion Fräulein Bürstners, die Verantwortung allein übernehmen zu wollen, unterstreicht ihre Unabhängigkeit und Ablehnung männlicher Schutzansprüche.

Warum wird die Frau des Gerichtsdieners als „willenlos“ bezeichnet?

Trotz ihres aktiven, sexuell offensiven Verhaltens lässt sie sich passiv den Männern des Gerichts als Objekt zur Verfügung, was ihrem Bild der rein triebgesteuerten Frau entspricht.

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Résumé des informations

Titre
Frauenfiguren in Franz Kafkas „Der Proceß“ im historischen Kontext
Université
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Germanistik)
Note
1,3
Auteur
Katrin Rüttger (Auteur)
Année de publication
2013
Pages
16
N° de catalogue
V274332
ISBN (ebook)
9783656670940
ISBN (Livre)
9783656670858
Langue
allemand
mots-clé
frauenfiguren franz kafkas proceß kontext
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Katrin Rüttger (Auteur), 2013, Frauenfiguren in Franz Kafkas „Der Proceß“ im historischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274332
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Extrait de  16  pages
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