Die unten angeführten Thesen, sollen in der vorliegenden Arbeit ihre Bestätigung finden:
1. Zwischen den in der SFRJ eingetretenen Völkern gab es mehr Differenzen als Verknüpfungsfaktoren, was die Chancen auf ein langfristiges Zusammenleben im Rahmen eines einheitlichen Staates minimisierte.
2. Die von Josip Broz Tito geführte Nationalpolitik könnte nicht langfristig funktionieren und nach Titos Tod war sein Staat zum Untergang verurteilt. Die SFRJ war vielfach ein Tito-Staat.
3. Neben den historischen, religiösen, kulturellen und mentalen Unterschieden zwischen den jugoslawischen Völkern, die ihr gemeinsames Leben im zweiten Jugoslawien erschwerten, gehörten die wirtschaftlichen Probleme zu einer der wichtigsten Ursachen der Krise der Titos Nationalpolitik.
4. Dank der Doppelstrategie (Kombination von Repressionen und Konzessionen) gelang es Tito zentrifugale Kräfte innerhalb Jugoslawiens jahrzehntelang zurückzuhalten.
Zu den Hauptmethoden der Forschung beim Schreiben dieser Arbeit gehören: die historiographische Analyse der wissenschaftlichen Publikationen über Titos Nationalpolitik in Jugoslawien, der Vergleich und die Interpretation der deutschsprachigen, serbischen, kroatischen und russischen bibliographischen Materialien und Videodokumenten zum gegebenen Thema.
Folgende Literatur wurde für die vorliegende Arbeit verwendet: „Tito“ von Carl Gustaf Ströhm , Gavro Altman „Jugoslawien – eine vielnationale Gemeinschaft“ , Catherine Samary „Die Zerstörung Jugoslawiens. Ein europäischer Krieg“ , Johann Georg Reißmüller „Der Krieg vor unserer Haustür. Hintergründe der kroatischen Tragödie“ , Meier Viktor „Der Titostaat in der Krise: Jugoslawien nach 1966“ , Christian Voß „Einheit in der Vielfalt? Eine Gegenüberstellung der Kulturpolitik in Tito-Jugoslawien und der Europäischen Union“ , Calic Marie-Janine „Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert“ . Es wurden Artikeln in der Zeitschrift „Geschichte mit Pfiff“ vom November 2000, die vollständig der Geschichte Jugoslawiens gewidmet wurde, benutzt . Die Publikationen von den berühmten russischen Experten des gegebenen Themas wie Guskova Elena und Romanenko Sergej wurden aktiv verwendet. Ausserdem wurden zahlreiche Internetquellen und Videodokumente benutzt, die im Literaturverzeichnis der vorliegenden Arbeit aufgelistet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Allgemeine Charakteristik der Völker der SFRJ
I.1. Gemeinsamkeiten
I.2. Unterschiede
II. Tito-Jugoslawien als föderativer Staat
II.1. Das Konzept „Brüderlichkeit und Einigkeit“
II. 2. Gemeinschaft „Jugoslawen“
III. Krisentendenzen in der Nationalpolitik der SFRJ in den 60ern-70ern Jahren
III.1. Wirtschaftliche Gründe der Krise
III.2. Titos Schwankungspolitik: Kombination von Repressionen und Konzessionen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Entwicklung der Nationalpolitik in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) während der 1960er und 1970er Jahre unter Josip Broz Tito, um die strukturellen Ursachen des späteren Zerfalls des Staates besser zu verstehen.
- Analyse der kulturellen, religiösen und historischen Hintergründe der jugoslawischen Völker.
- Untersuchung des föderativen Modells und der Ideologie „Brüderlichkeit und Einigkeit“.
- Bewertung der Rolle des Konzepts der ethnischen „Jugoslawen“.
- Identifikation der wirtschaftlichen Krisenfaktoren als Auslöser für nationale Rivalitäten.
- Analyse der Doppelstrategie aus Repression und Konzession zur Stabilitätssicherung.
Auszug aus dem Buch
II.1. Das Konzept „Brüderlichkeit und Einigkeit“
Der Begriff „Brüderlichkeit und Einigkeit“ wurde 1941 von Tito geprägt. Um die Bevölkerung Jugoslawiens während des Krieges zu konsolidieren, wurde die Parole immer mehr verwendet. Nach dem Krieg sollte diese Devise das friedlichen und konfliktfreien Leben unter den Serben, Kroaten, Slowenen, Muslimen, Montenegriner, Mazedonier und den nationalen Minderheiten garantieren und die jugoslawische Gemeinschaft zementieren. Tito hat ständig auf den gemeinsamen Kampf gegen deutsche und italienische Okkupanten und auf das gemeinsame Leid und den Kummer aller südslawischen Völker während der Besatzung, die nie mehr wiederholt werden sollen, hingewiesen.
Bemerkenswert ist eine von seinen Reden, in der man implizite Bedrohungen für Diejenigen, die „Brüderlichkeit und Einigkeit“ unter der jugoslawischen Völkern zerstören wollen, zu hören ist: "Wir haben ein Meer von Blut vergossen für die Brüderlichkeit und Einigkeit unserer Völker. Und wir werden es Niemandem erlauben, diese unsere Brüderlichkeit und Einigkeit anzutasten oder von innen zu roden, sie zu zerstören." Zahlreiche Betriebe, Straßen, Plätze in den jugoslawischen Städten wurden nach dem Motto „Brüderlichkeit und Einigkeit“ benannt. Tito selbst als Sohn einen Kroaten und einer Slowenin und als Sammler aller progressiven Volkskräfte gegen äussere Feinde in der Zeit des Krieges war für Viele Verkörperung der von ihm entworfenen Konzept „Brüderlichkeit und Einigkeit“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese führt in die Problematik des Balkans als historisches Pulverfass ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des „Tito-Jugoslawiens“ für das Verständnis heutiger postjugoslawischer Konflikte.
I. Allgemeine Charakteristik der Völker der SFRJ: Dieses Kapitel arbeitet die kulturellen, religiösen und historischen Gemeinsamkeiten sowie die tiefgreifenden Unterschiede der in der Föderation vereinten Völker heraus.
II. Tito-Jugoslawien als föderativer Staat: Hier werden das föderative System, die Ideologie „Brüderlichkeit und Einigkeit“ sowie die künstlich geschaffene Identität der „Jugoslawen“ als Integrationsversuche der kommunistischen Führung analysiert.
III. Krisentendenzen in der Nationalpolitik der SFRJ in den 60ern-70ern Jahren: Dieses Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche Schieflage zwischen dem Norden und dem Süden sowie die politische Doppelstrategie Titos, die das System temporär stabilisierte, aber langfristig scheiterte.
Fazit: Das Fazit bestätigt die These, dass die ethnische Heterogenität und die ungelösten wirtschaftlichen sowie historischen Konflikte den Zerfall nach Titos Tod unvermeidbar machten.
Schlüsselwörter
Jugoslawien, Tito, Nationalpolitik, Brüderlichkeit und Einigkeit, Föderalismus, Nationalismus, Separatismus, Sozialismus, Krisentendenzen, Balkan, Ethnische Identität, Jugoslawen, Kroatischer Frühling, Geschichte, Repression.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Nationalpolitik in Jugoslawien unter Josip Broz Tito in den 1960er und 1970er Jahren und analysiert, wie diese Politik das Zusammenleben der verschiedenen Völker beeinflusste.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Ideologie der Brüderlichkeit, dem föderativen Staatsaufbau, wirtschaftlichen Disparitäten zwischen den Republiken sowie den aufkommenden nationalistischen Bewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Evolutionsveränderungen der Nationalpolitik unter einem reiferen Tito zu beobachten und zu bewerten, inwieweit diese Prozesse zum späteren Zerfall des Staates beitrugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historiographische Analyse wissenschaftlicher Publikationen sowie ein Vergleich und eine Interpretation deutsch-, serbisch-, kroatisch- und russischsprachiger Materialien und Videodokumente genutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung der jugoslawischen Völker, die Untersuchung der staatlichen Ideologie und Identität sowie die Analyse der Krisenursachen und Titos Gegenmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Nationalpolitik, Tito-Ära, sozialistische Föderation, Ethnische Identität, Repression und Konzession sowie der Zerfall Jugoslawiens.
Wie definiert der Autor das Konzept der „Jugoslawen“?
Der Autor beschreibt „Jugoslawen“ als eine quasiethnische Identität, die primär von Kommunisten und Menschen in gemischten Ehen genutzt wurde, um sich alternativ national zu bestimmen.
Was besagt die „Doppelstrategie“ Titos?
Es handelt sich um eine Kombination aus Repression (gegen Separatisten und Nationalisten) und Konzessionen (Rechte für Republiken), um zentrifugale Kräfte innerhalb der Föderation auszugleichen.
- Citar trabajo
- Ivan Kulnev (Autor), 2011, Titos Nationalpolitik. Jugoslawien in den 1960er – 1970er Jahren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274402