Produktinformationsblätter für Versicherungen und Anlageberatung. Eine kritische Betrachtung


Seminararbeit, 2013

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft und Begründung der Einführung
2.1 Informationsblätter in der Anlageberatung
2.2 Informationsblätter für Versicherungsverträge

3. Differenzierung zwischen Versicherungen und Anlageprodukte
3.1 Produktinformationsblatt für Versicherungen
3.1.1 Anwendungsgebiete
3.1.2 Anforderungen
3.2. Informationsblätter für Anlageberatung
3.2.1 Drei unterschiedliche Formen
3.2.2 Allgemeine Verhaltensregeln nach Wertpapierhandelsgesetz
3.2.3 Anforderungen und Inhalte

4. Kontrollorgane

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise, die im Sommer 2007 als US-Immobilienkrise be- gann, steht die Beratungsqualität von Banken und Finanzdienstleistern in zunehmender Kritik, denn viele Verbraucher haben dadurch einen großen Teil Ihres Ersparten verlo- ren. Der Gesetzgeber musste im Zuge dessen den Schutz der Privatanleger und die Transparenz der Finanzprodukte erhöhen, um die Kunden vor Falschberatung durch Banken zu schützen.1,2 Nicht nur im Anlagebereich, auch im Versicherungsbereich musste für das bereits 100 Jahre alte Versicherungsgesetz eine Reform erfolgen, da Ver- sicherungsgesellschaften im Vorsorgebereich zunehmend auch fondsgebundene Produk- te anboten.

Verbraucher hatten bei dem Anlagegeschäft zwar Möglichkeiten, an Informationen über das empfohlene Finanzinstrument zu kommen, allerdings waren diese meist in ei- ner Fachsprache verfasst, die dem Verbaucherhorizont nicht angepasst schien. Zwar waren Daten wie die anfallenden Kosten bei Abschluss, die historische Wertentwick- lung oder Informationen über den eigentlichen Emittenten im Verkaufsprospekt ange- geben, aber weder übersichtlich noch einfach verständlich. Auf ca. 70 Seiten3 wurden dem Kunden in der Regel unzählige Informationen über das jeweilige Finanzinstrument offen gelegt, was für einen Unwissenden schnell zu viel sein konnten.4

Somit wurde es im Versicherungs- sowie im Anlagebereich zunehmend erforderlich, dass Verbraucher die wesentlichen Vertragsinformationen und -spezifikationen auf ein bis drei Seiten übersichtlich zur Verfügung gestellt bekommen.

Dies sollte die Einführung von Informationsblättern in der Versicherungs- und der Anlagesparte beheben, bzw. die Informationsfindung der Verbraucher erleichtern und das Produkt transparenter für mögliche Risiken machen.

Diese Semesterarbeit soll einen Überblick über die Herkunft und die gesetzlichen Best- immungen und Anforderungen der Produktinformationsblätter für Versicherungen und Anlageberatungen geben sowie eine kurze Übersicht der Kontrollorgane. Die Unter- schiede der einzelnen Informationsblätter für Anlageberatung werden kurz in diesem Zusammenhang erläutert. Der Fokus dieser Arbeit liegt allerdings bei der genauen Beschreibung der eigentlichen Produktinformationsblätter.

2. Herkunft und Begründung der Einführung

2.1 Informationsblätter in der Anlageberatung

„Am 11.02.2011 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes.“5 Zum 01.07.2011 trat ein wesentlicher Teil des AnSFuG6 in Kraft, in dem der Gesetzgeber ein Dokument verlangt, in dem die wesentlichen Informationen eines Finanzproduktes übersichtlich dargestellt sind. Diese Informationen sollen somit den vereinfachten Verkaufsprospekt ersetzen und eine kurze übersichtliche Zusammenfassung aller Anlegerrelevanten Informationen wiedergeben.7

Die BaFin veröffentlichte im Zuge dieser Änderung am 01.06.2011 ein Rundschreiben an alle Finanzdienstleistungsinstitute, die nach dem KWG8 eine Erlaubnis zur Anlage- beratung aufweisen können, in dem sie auf die Einführung, die gesetzlichen Richtlinien und die Umsetzung verwies. Das Rundschreiben fasst alle relevanten Informationen für die betroffenen Finanzdienstleister zusammen und beantwortet Fragen wie Anforderun- gen und die Umsetzung und verweist dabei auf die jeweiligen Paragrafen in den einzel- nen Gesetzestexten.9

2.2 Informationsblätter für Versicherungsverträge

Der Versicherer ist gemäß § 1 VVG10 bei Eintritt eines Versicherungsfalles zur verein- barten Leistung verpflichtet.11 Im Falle, dass der Versicherungsnehmer die vorvertragli- che Anzeigepflicht oder Obliegenheiten12 nach § 19 VVG verletzt hat, kann dies bis zur Kündigung oder Nichtleistung führen. Um dem Verbraucher exakt diese einzuhaltenden

Obliegenheiten seitens des Versicherers, den Eintritt des Versicherungsfalles und andere wesentliche Angaben vor Vertragsabschluss deutlich zu machen, wurde von der EU am 23.11.2007 das VVG-InfoV13 beschlossen und zum 01.07.2008 wirksam, in dem die Parameter der Produktinformation für Versicherungsverträge zusammengefasst und beschrieben werden.14

3. Differenzierung zwischen Versicherungen und Anlageprodukte

Wie bei der Herkunft und Einführung bereits erläutert, wird bei gesetzlichen Anforderungen und Bestimmungen zwischen Informationsblättern der Anlageberatung und für Versicherungen unterscheiden.

3.1 Produktinformationsblatt für Versicherungen

3.1.1 Anwendungsgebiete

Die Produktinformationsblätter kommen bei allen versicherungsähnlichen Produkten zum Tragen. Dazu zählen die Sparten Sach-, Lebens- und Krankenversicherung, wobei die einzelnen Bestandteile der Produktinformationsblätter sich je nach Sparte unter- scheiden.15

Die Informationen, die der Berater dem potenziellen Kunden zukommen lassen muss, übersteigen das Fassungsvermögen eines übersichtlichen Produktinformationsblattes und sind im VVG an anderer Stelle geregelt. Es fasst somit die wichtigsten Informationen auf einer Seite zusammen.

3.1.2 Anforderungen

Die Anforderungen an ein Produktinformationsblatt werden im § 4 des VVG-InfoV geregelt. Das Blatt muss dem Versicherungsnehmer zwingend vor Antragstellung und Unterschrift mit allen VVG-konformen Unterlagen, wie den produkteigenen Bedingun- gen, zur Verfügung gestellt werden.16 Die gesetzlich vorgeschriebenen Punkte eines PIB sind:17

1. Die Regelung über die Art des abzuschließenden bzw. angebotenen Versiche- rungsvertrages, beispielsweise ob es sich um eine klassische oder fondsgebundene Lebensversicherung handelt.
2. Die genaue Beschreibung aller Risiken, wie mögliche Ausfallrisiken der Rendi- te, die der Versicherungsnehmer bei Abschluss bereit ist einzugehen.
3. Angaben der zu entrichtenden Prämie für die beschriebenen Versicherungsleis- tungen sowie die Zahlungsfälligkeit und der Zahlungszeitraum. Zusätzlich die Folgen, im Falle dass der Versicherungsnehmer in Zahlungsverzug kommt.
4. „Hinweise auf im Vertrag enthaltene Leistungsausschlüsse“18. Leistungsaus- schlüsse werden gerne bei Berufsunfähigkeitsversicherungen angeboten, im Falle dass die versicherte Person in naher Vergangenheit ein gesundheitliches Ereignis hatte, was für den Versicherer risikorelevant ist. Dies ist ein Angebot um das abzuschließende Risiko für den Versicherer tragbar wird und die versicherte Person dennoch eingeschränkten Versicherungsschutz geniest.
5. Regelung der zu beachtenden Obliegenheiten und die rechtlichen Folgen bei Nichteinhaltung zum Vertragsabschluss.
6. Regelung der zu beachtenden Obliegenheiten und die rechtlichen Folgen bei Nichteinhaltung während der Laufzeit.
7. Regelung der zu beachtenden Obliegenheiten und die rechtlichen Folgen bei Nichteinhaltung bei Eintritt des Versicherungsfalles.
8. Beginn und Auslauf des Versicherungsschutzes mit Angabe des genauen Da- tums und der Uhrzeit.
9. Möglichkeiten den Versicherungsschutz zu beenden, das heißt Kündigungsfris- ten, Hauptfälligkeiten und Sonderkündigungsmöglichkeiten.

Bei Kranken- und Lebensversicherungen nennt das VVG-InfoV noch zusätzliche Krite- rien, die bei der Gestaltung Relevanz finden. Die Reihenfolge, in der die genannten Da- ten im Produktinformationsblatt stehen, darf von der oben genannten Reihenfolge nicht abweichen. Verstößt ein Versicherer gegen die Bestimmungen des VVG-InfoV, verlän- gert sich die im § 8 VVG genannte Widerrufsfrist des Versicherungsnehmers um die Dauer, bis die genauen Kriterien für die Erstellung des Produktinformationsblattes er- füllt werden. Außerdem kann der Versicherungsnehmer eventuelle Schadenersatzan- sprüche nach § 280 BGB gegen den Versicherer stellen, insbesondere die der Vertrags- aufhebung.19

3.2. Informationsblätter für Anlageberatung

3.2.1 Drei unterschiedliche Formen

Neben dem Produktinformationsblatt für Versicherungsverträge wurden drei weitere Informationsblätter für die Anlageberatung in Deutschland eingeführt: das Produktinformationsblatt nach WpHG, das KID20 und VIB21.

Die einzelnen Informationsblätter unterscheiden sich in Ihrem Anwendungsgebiet. Das Key-Investor-Document (KID) findet lediglich Anwendung bei Fonds und das Vermö- gensanlage-Informationsblatt (VIB) bei Finanzprodukten des grauen Kapitalmarktes.22 Als drittes Medium steht dem Anleger das Produktinformationsblatt (PIB) zur Verfü- gung.

3.2.2 Allgemeine Verhaltensregeln nach Wertpapierhandelsgesetz

Alle Finanzdienstleistungsinstitute, die zur Anlageberatung berechtigt sind, sind dazu verpflichtet, ihren Kunden die jeweiligen Informationsblätter zur Verfügung zu stellen, so dass diese nach eigenem und vernünftigem Ermessen die Art und die Risiken der ihm angebotenen Finanzinstrumente einschätzen und verstehen können. Diese Blätter müs- sen redlich und eindeutig sein und müssen dem Anleger die Informationen klar vermit- teln.23

[...]


1 Vgl Verbaucherportal-BW, Anlegerschutz durch standardisierte Beratungsprotokolle

2 Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (2007), Die Vertrauenskrise, F.A.Z. 2007, Nr. 185 Seite 1

3 Jamestown, Verkaufsprospekt 28 Beteiligung vermietete US-Immobilien 20.02.2013

4 Vgl.§ 7 VermAnlG, zitiert nach Gesetze im Internet

5 BaFin, Rundschreiben (6/2011) zu den Informationsblättern

6 Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetz

7 Vgl. Wichtige Wirtschaftsgesetze (2013), § 31 Abs. 3a WpHG, Wertpapierhandelsgesetz, Seite 538

8 Kreditwesengesetz

9 Vgl. BaFin, Rundschreiben (6/2011) zu den Informationsblättern

10 Im VVG sind die Rechte und Pflichten von Versicherungen und Versicherten einheitlich geregelt.

11 Vgl. Wichtige Gesetze im Wirtschaftsprivatrecht (2013), §1 VVG, Versicherungsvertragsgesetz, S. 575

12 Obliegenheiten sind gesetzliche und vertragliche Pflichten des Versicherungsnehmers

13 Verordnung über Informationspflichten bei Versicherungsverträgen

14 Vgl. VVG-InfoV Eingangsformel, nach Gesetze im Internet (2013)

15 Vgl. VVG-InfoV § 1, nach Gesetze im Internet (2013)

16 Vgl. VVG-InfoV § 4 Abs. 1, nach Gesetz im Internet (2013)

17 Vgl. VVG-InfoV § 4 Abs. 2 Satz 1 - 9, nach Gesetze im Internet (2013)

18 VVG-InfoV § 4 Abs. 2 Satz 2 (4), zitiert nach Gesetze im Internet

19 Vgl. BaFin, Faq Vertragsabschluss und Beendigung

20 Key-Investor-Document

21 Vermögensanlagen-Informationsblatt

22 Finanzprodukte die keiner staatlichen oder ähnlichen Finanzaufsicht unterstellt sind.

23 Vgl. Wichtige Wirtschaftsgesetze (2013), Seite 537, § 31 Absatz 3 WpHG

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Produktinformationsblätter für Versicherungen und Anlageberatung. Eine kritische Betrachtung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V274414
ISBN (eBook)
9783656670445
ISBN (Buch)
9783656670063
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
produktinformationsblätter, versicherungen, anlageberatung, eine, betrachtung
Arbeit zitieren
Olaf Koch (Autor), 2013, Produktinformationsblätter für Versicherungen und Anlageberatung. Eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274414

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