Bis auf wenige Ausnahmen ist die Einkommensungleichheit in den letzten 20 Jahren in den Ländern Europas, Asiens und den USA stark angestiegen. Da genau diese Periode häufig mit der Zunahme des internationalen Handels und dem Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen verbunden wird, steht die Globalisierung als Übeltäter im Fokus vieler Debatten.
Die ökonomische Globalisierung dient dazu, eine Vielzahl von Phänomenen zu beschreiben, die die zunehmende Abhängigkeit der Länder voneinander reflektieren. Diese Phänomene umfassen Güter- und Dienstleistungsströme, FDI Flüsse, zunehmende Aktivitäten von Multinationalen Unternehmen, Migrationsbewegungen sowie die Aufteilung von Produktionsprozessen zwischen Ländern. Alle diese Komponenten haben in den letzten 2 bis 3 Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen und sind unabdingbar für die schnelle Verbreitung von technischen Fortschritten, Informationen, neuen Gütern und Wissen über Ländergrenzen hinweg.
Während also offensichtlich viele von den Gewinnen der Globalisierung profitieren, gibt es dennoch in vielen Ländern Sorgen über die gerechte Verteilung der Gewinne. Es scheint als seien die Spitzenverdiener üppig belohnt worden, wohingegen geringer qualifizierte Arbeiter mit weniger guten Arbeitsplätzen nur begrenzte Gewinne gesehen haben. Entsprechend liegt in den OECD Staaten heute das Einkommen der Reichsten 10% im Verhältnis zu den Ärmsten 10% im Durchschnitt bei 9:1, oder wie in den USA sogar bei 14:1, deren Gini Koeffizient zwischen 1980 und 2008 von 35 auf etwa 40 Punkte stieg. In Entwicklungsländern (im Folgenden mit EL abgekürzt) sieht es jedoch häufig noch schlechter aus. So stieg in China, dem Exportweltmeister 2011 und größtem asiatischem Empfänger von FDI, der Gini Koeffizient von weniger als 30 im Jahr 1980 auf 45 Punkte im Jahr 2008.
Die Zielfrage dieser Arbeit lautet: Wie beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensverteilung? Da bei der Verbindung dieser beiden Komponenten der Forschungsschwerpunkt auf jenen Aspekten liegt, die entweder empirisch am besten zu erfassen sind oder für die bereits theoretische Modelle bestehen, wird der Fokus dieser Arbeit auf dem internationalen Handel, den Direktinvestitionen sowie der Analyse ihrer jeweiligen Wirkung auf die Einkommensverteilung liegen. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die ökonomische Globalisierung
II.1. Begriff und Globalisierungsindex
II.2. Indikatoren
II.2.1. Der internationale Handel
II.2.2. Die Direktinvestitionen
III. Ökonomische Globalisierung und Einkommensverteilung: Theorie
III.1. Der internationale Handel: Das Stolper-Samuelson-Theorem
III.2. Die Direktinvestitionen: Die Rolle der Multinationalen Unternehmen
IV. Ökonomische Globalisierung und Einkommensverteilung: Studien
IV.1. Untersuchungen und Ergebnisse
IV.2. Stärken und Schwächen der Studien
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Einfluss der ökonomischen Globalisierung auf die Einkommensverteilung innerhalb von Industrieländern und Entwicklungsländern. Das primäre Ziel ist es, die Wirkungsweise von internationalem Handel sowie ausländischen Direktinvestitionen auf Basis theoretischer Modelle und empirischer Studien kritisch zu analysieren, um zu bewerten, inwieweit diese Faktoren zur zunehmenden Einkommensungleichheit beitragen.
- Analyse des Stolper-Samuelson-Theorems im Kontext des Außenhandels.
- Untersuchung der Rolle multinationaler Unternehmen bei der Lohnbildung.
- Empirische Betrachtung der Auswirkungen von Globalisierung auf die Einkommensungleichheit.
- Kritische Würdigung aktueller wissenschaftlicher Studien.
- Differenzierung zwischen den Auswirkungen auf Industrieländer und Entwicklungsländer.
Auszug aus dem Buch
III.1. Der internationale Handel: Das Stolper-Samuelson-Theorem
Das 1941 erstmals präsentierte Theorem von Wolfgang F. Stolper und Paul A. Samuelson bewegt sich im Rahmen des Heckscher-Ohlin-Modells, laut dem das Motiv zur Teilnahme am Außenhandel in den unterschiedlichen Ressourcenausstattungen der Länder begründet liegt. So werden sich IL, die relativ betrachtet reichlich mit Kapital ausgestattet sind, auf die Produktion und den Export von Gütern konzentrieren, die von diesem Produktionsfaktor (im Folgenden mit PF abgekürzt) intensiv Gebrauch machen, wohingegen EL, die relativ betrachtet viele Arbeitskräfte besitzen, eher arbeitsintensive Güter produzieren werden (Rübel, 2008, S.83). Wenn nun diese beiden Länder den Handel aufnehmen, führt dies zu einem Ausgleich der relativen Güterpreise, auf den, nach Aussage des Stolper-Samuelson-Theorems (im Folgenden mit S-S-T abgekürzt), ein Faktorpreisausgleich unvermeidlich folgen muss (Borchert, 2001, S. 76). Für das S-S-T gelten folgende Annahmen:
Es werden 2 Länder, 2 Güter und 2 PF (qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter) angenommen, wobei Land 1 relativ betrachtet reichlich mit qualifizierten Arbeitskräften ausgestattet ist und die weniger qualifizierten Arbeiter als reichlich vorhandener PF in Land 2 gelten.
Gut 1 erfordert mehr qualifizierte Arbeit und Gut 2 eher unqualifizierte Arbeit.
Es liegt keine Spezialisierung auf Güter vor. Die Länder importieren die gleichen Güter, die auch im Inland produziert werden (Borchert, 2001, S.76).
Die PF sind innerhalb eines Landes mobil und zwischen den Ländern immobil.
Es gibt keine Transportkosten oder Zölle, sodass die Güter international frei gehandelt werden können und sich die Güterpreise vollständig angleichen können.
Die in den Ländern eingesetzten Produktionstechnologien sind identisch (Rübel, 2008, S.83).
Es werden nur Endprodukte gehandelt (Pavcnik, 2011, S.241).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der weltweit gestiegenen Einkommensungleichheit ein und stellt die Forschungsfrage zur Rolle der ökonomischen Globalisierung.
II. Die ökonomische Globalisierung: In diesem Kapitel wird der Begriff der Globalisierung definiert, Indikatoren wie der internationale Handel und Direktinvestitionen erläutert und deren zeitliche Entwicklung dargestellt.
III. Ökonomische Globalisierung und Einkommensverteilung: Theorie: Das Kapitel beleuchtet theoretische Erklärungsansätze wie das Stolper-Samuelson-Theorem und die Rolle multinationaler Unternehmen bei der Beeinflussung der Einkommensverteilung.
IV. Ökonomische Globalisierung und Einkommensverteilung: Studien: Hier werden aktuelle empirische Untersuchungen präsentiert und einer kritischen Stärken-Schwächen-Analyse unterzogen.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Bedeutung von Handel und Direktinvestitionen für die Einkommensungleichheit sowie die Relevanz der theoretischen Modelle.
Schlüsselwörter
Ökonomische Globalisierung, Einkommensverteilung, Einkommensungleichheit, Stolper-Samuelson-Theorem, Direktinvestitionen, Multinationale Unternehmen, Außenhandel, Industrieländer, Entwicklungsländer, Gini-Koeffizient, Lohnbildung, Qualifikation, Faktorpreisausgleich, Technologischer Wandel, Wirtschaftswachstum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, in welchem Maße die ökonomische Globalisierung – konkret internationaler Handel und Direktinvestitionen – für die gestiegene Einkommensungleichheit in Industrie- und Entwicklungsländern verantwortlich ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Modellierung von Handelsströmen, die Auswirkungen multinationaler Unternehmen auf das Lohnniveau sowie der Vergleich aktueller empirischer Studien zur Einkommensentwicklung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der zentralen Frage nach: "Wie beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensverteilung?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der theoretische Außenwirtschaftsmodelle mit aktuellen empirischen, quantitativen Studien verknüpft und kritisch reflektiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch das Stolper-Samuelson-Modell und eine Analyse der Rolle multinationaler Unternehmen, gefolgt von einer kritischen Betrachtung empirischer Arbeiten zur Einkommensungleichheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Globalisierung, Einkommensungleichheit, Stolper-Samuelson-Theorem, Direktinvestitionen (FDI) und multinationale Unternehmen.
Warum ist das Stolper-Samuelson-Theorem laut der Autorin heutzutage nur bedingt anwendbar?
Die Autorin argumentiert, dass die theoretischen Annahmen, etwa die Nicht-Spezialisierung der Länder oder die Identität der produzierten Güter, den empirischen Realitäten der modernen Wirtschaft nicht mehr standhalten.
Welchen Einfluss haben multinationale Unternehmen auf das Lohngefüge in Gastländern?
Studien zeigen, dass multinationale Unternehmen häufig höhere Löhne zahlen, aber gleichzeitig durch das Abwerben hochqualifizierter Arbeitskräfte Wettbewerbsdruck auf lokale Firmen ausüben, was das Lohnniveau dort negativ beeinflussen kann.
Welche Rolle spielt der technologische Wandel bei der Einkommensungleichheit laut der untersuchten Studien?
Die untersuchten Studien legen nahe, dass der technologische Wandel ein Haupttreiber für die gestiegene Ungleichheit ist, da er die Nachfrage nach höher qualifizierten Arbeitskräften überproportional steigert.
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- Bachelor of Science Lorraine Möller (Autor), 2012, Wie beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensverteilung?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274443