Besonderheiten der Jugendsprache in Luca Blooms „Schlachtfeld“


Hausarbeit, 2010

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Jugendsprache
2.1. Der Versuch einer Definition
2.2. Funktionen von Jugendsprache
2.3. Sprachliche Merkmale der Jugendsprache
2.4. Jugendsprache und Jugendliteratur

3. Das Jugendbuch „Schlachtfeld“ von Luca Bloom
3.1. Allgemeine Informationen zum Material
3.2. Jugendsprache in „Schlachtfeld“
3.3. Jugendsprachliche Merkmale im Bereich der Lexik in „Schlachtfeld“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung:

"Ich hör' es gerne, wenn die Jugend plappert:

Das Neue klingt. Das Alte klappert." – Goethe

Dieses Zitat aus dem Munde des Johann Wolfgang von Goethe beschreibt nicht nur die Sprache der Jugend zu seiner Zeit, sondern kann wohl auch noch auf die heutige bezogen werden. Leider ist heute nicht jeder, der auf die Jugendsprache stößt so, begeistert wie der berühmte Schriftsteller und Dichter. Oftmals wird die Jugendsprache als fremd und falsch angesehen. Sie wird als Fäkalsprache beschimpft und mit einer niedrigen Gesellschaftsschicht verbunden. Der Gedanke an Jugend und ihre Sprache als eigene Teilkultur kommt meist nicht auf. Jugendsprache ist heutzutage weit verbreitet. Über die Medien erreicht sie jeden und kann somit leicht weitergetragen werden. Umso wichtiger erschien es mir zu analysieren, ob auch durch die Jugendliteratur Jugendsprache vermittelt wird und wenn, ob diese realistisch ist. Die Untersuchungen auf dem Gebiet der Jugendsprache sind sehr weitreichend, mit dem ausgewählten Text „Schlachtfeld“ von Luca Bloom hat sich jedoch in diesem Zusammenhang noch niemand auseinandergesetzt. Während meinen Untersuchungen erkannte ich schnell, dass das Buch eine Fülle jugendsprachlicher Elemente beeinhaltet. Daher musste ich mich, um dem Rahmen dieser Arbeit gerecht zu werden, dafür entscheiden mich nur auf einige besonders auffällige lexikalische Besonderheiten zu konzentrieren. In diesem Bereich konnten die meisten und wohl wichtigsten jugendsprachlichen Eigenheiten entdeckt werden. Die zahlreichen semantischen Auffälligkeiten, wie etwa die vielen Bedeutungsveränderungen, wurden von mir aufgenommen, konnten jedoch nicht in die näheren Betrachtungen mit eingehen. Gleiches gilt für die syntaktischen oder morphologischen Besonderheiten.

Mir ist bei meiner Arbeit stets bewusst gewesen, dass ich auf Grund des Buches nicht davon ausgehen kann den realistischen Sprachgebrauch Jugendlicher vor mir zu haben. Diese beiden Bereiche zu vergleichen, wäre im Übrigen eine weitere Arbeit Wert gewesen. Es soll in dieser Arbeit jedoch vor allem darum gehen, herauszuarbeiten welche, in der Forschungsliteratur als „typisch“ bezeichneten, jugendsprachlichen Mittel auch in der Jugendliteratur Platz finden und wie realistisch dies umgesetzt wurde. Um einen Einblick in den theoretischen Zusammenhang der Arbeit zu bekommen, versuche ich in Punkt 2 eine Einführung in das Thema Jugendsprache mit ihren Funktionen und Merkmalen zu geben. Außerdem soll kurz der Zusammenhang zwischen Jugendsprache und Jugendliteratur beleuchtet werden.

Im dritten Punkt soll es um den eigentlichen Textkorpus gehen. Ich werde das untersuchte Buch „Schlachtfeld“ von Luca Bloom vorstellen und schließlich auf jugendsprachliche Merkmale im Bereich der Lexik untersuchen. Im anschließenden Fazit versuche ich die erlangten Ergebnisse zusammenzufassen und zu diskutieren. Der Hausarbeit habe ich eine Auflistung einiger jugendsprachlicher Besonderheiten angehängt, sortiert nach folgenden Bereichen: Anhang 1: Anglizismen, Anhang 2: Partikel Ey, Anhang 3: jugendsprachliche Begriffe, Anhang 4: Marken/Medien, Anhang 5: Verkürzungen, Anhang 6: Provokative/sexuelle/beleidigende Formulierungen. Einige der Listen werden zur besseren Veranschaulichung auch im Lauftext benutzt.

2. Jugendsprache:

„Gruppensprache, charakterisiert durch Adjektive (super, ätzend, geil, poppig), englisch-amerikanische Einflüsse (Fan, Promoter, Power, Single, Feeling) und Besonderheiten in der Wortbildung (Back-to-the-roots-Fieber, Go-West-Generation). Die Sprache ist kreativ und häufig bewusst provozierend.“ (http://www.spiegel.de/lexikon/54340702.html)

Mit diesen Worten definiert die Online-Version des Spiegel Lexikons „Jugendsprache“. Bei genauerer Beschäftigung mit dem Thema wird jedoch schnell klar, dass eine solch eindeutige Definition kaum möglich ist. Im Folgenden soll dies genauer betrachtet werden, um so den Versuch einer Definition durchzuführen.

2.1 Der Versuch einer Definition:

Es ist nicht einfach eine allgemeingültige Definition für den Begriff der Jugendsprache zu formulieren. Zuvor muss geklärt werden, welche spezifische Gruppe der Gesellschaft die so genannte „Jugend“ darstellt. Auch hier treten Schwierigkeiten bei der genauen Abgrenzung auf. Versucht man diese Gruppe an Hand ihres Alters festzumachen, würde man wohl all jene zwischen 13 und 25 Jahren zur Jugend zählen. Dabei würde man vermutlich im Zusammenhang mit dem Begriff Jugendsprache davon ausgehen, dass alle Personen, die in diese Altersspanne passen, diese Sprache sprechen würden, was ein Trugschluss wäre und sich damit als problematisch erweisen würde. Neben der Abgrenzung durch biologische Faktoren könnte die Jugend jedoch auch als ein soziokultureller Lebensabschnitt vor dem Antreten einer Arbeitstelle gesehen werden. Außerdem wäre es möglich, die Jugend als eine Subkultur neben der „allgemeinen“ Kultur zu bezeichnen, welche sich durch bestimmte Handlungen und Verhaltensweisen von den Erwachsenen abgrenzt. (vgl. Henne 1986, 202) Eichler bezieht sich in ihrer Arbeit jedoch auf Augenstein, welche herausfand, „dass es in Gesprächen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen oft um die Herstellung einer Konvergenz, also einer Annäherung der Sprechweisen der Kommunikationspartner geht, um sich besser zu verstehen“ (Eichler 2008, 14). Die Stellung der Jugendsprache und ihrer Funktionen beim betreffenden Individuum scheint also situationsabhängig zu sein. Das Interesse daran, sich mit einem Erwachsenen zu verstehen, scheint den Wunsch nach Abgrenzung übertreffen zu können. Im Rahmen dieser Überlegungen beschreibt Augenstein „Jugend“ nicht nur als „Ausdruck eines biologischen, sondern v.a. auch eines sozialen Alters“ und „Resultat gesellschaftlicher Entwicklungen der Industriegesellschaft“ (Augenstein 1998, 27) und empfiehlt auf eine grundsätzliche Pauschalisierung der Jugend zu verzichten, dies jedoch mit Einschränkungen zu tun.

„So ist es zwar wichtig, „Jugend“ nicht zu pauschalisieren und Binnendifferenzierungen vorzunehmen. Doch gibt es immer auch Gemeinsamkeiten, die vornehmlich aus der Abgrenzung gegenüber der Altersgruppe der Erwachsenen, die meist mit den Eltern gleichgesetzt wird, resultieren.“ (Augenstein 1998, 33)

Nach dem Versuch einer Einordnung des Begriffs „Jugend“ muss die Jugendsprache in das System der Standardsprache eingeordnet werden. Diese dient als Sprache der Öffentlichkeit und hat einen entsprechend hohen Prestigewert. (vgl. Neuland 2008, 135) Innerhalb dieser kann in unterschiedliche Varietäten unterteilt werden. Man unterscheidet verschiedene Dimensionen der Sprache. So trennt man zwischen diaphasichen (Register und Stilebene), diastratischen (Soziolekte), diatopischen (Dialekte) und diachronischen (aufeinanderfolgende historische Stadien der Sprache) Dimensionen der Sprache. Die Jugendsprache zählt zur diastratischen Dimension, da sie ein Soziolekt ist, d.h. sie stellt eine Sondersprache dar, die innerhalb einer Gruppe eines bestimmten Alters verwendet wird. Mitglieder sozialer Gruppen neigen dazu, so wie die restlichen Mitglieder zu sprechen und sich bewusst von anderen Gruppen abzugrenzen. Auf diese Weise kommt eine eigene Sprache zu Stande. Der Soziolekt wird zur sprachlichen Varietät, in dem es in ihm zu Abwandlungen der Hochsprache oder auch Umgangssprache kommt. Diese können zum Beispiel die Ausbildung einer Sonderlexik oder das Auftreten semantischer Besonderheiten sein. Da die Phase der Jugend zeitlich begrenzt ist, wird die Jugendsprache auch als transitorisch bezeichnet. (vgl. Neuland 2008, 136 ff.)

Jugendsprache ist ein sich schnell und häufig veränderndes Phänomen. Die Jugendlichen finden durch das Einbinden von Sprachfetzen aus den verschiedensten Bereichen (z.B. Medien, Öffentlichkeit) in ihren erlernten Sprachgebrauch aus der Standard- oder Umgangssprache ihren eigenen Stil. Diesen Prozess nennt man „Bricolage“. (vgl. Neuland 2008, 140) Allgemein gesagt kann behauptet werden, dass es sich bei Jugendsprache um ein globales Phänomen handelt, bei dem Mitglieder einer bestimmten Altersgruppe eine bestimmte Art zu sprechen besitzen, um sich von anderen abzugrenzen und sich selbst zu definieren. Sie verbreitet sich innerhalb Gleichaltriger besonders schnell und gibt älteren Zuhörern häufig Rätsel auf. Mit Hilfe der Sprache, aber auch nonverbaler Merkmale wie etwa die Kleidung und der Musik entwickelt sich eine Jugendkultur, die durch die Medien verstärkt und weitergetragen wird.

Helmut Henne beschreibt sie wie folgt:

„Jugendsprache bezeichnet spezifische Sprech- und Schreibweisen, mit denen Jugendliche u. a. ihre Sprachprofilierung und damit ein Stück Identitätsfindung betreiben.“ (Henne 1981, 373)

Jedoch besteht die Jugend nicht auf ihre Sprache. Fließend ist ihnen, je nach Situation, der Wechsel in die Standard- oder Umgangssprache möglich, wobei die Umgangssprache als eine Art „Übergangszone“ gesehen wird, die sich „als Resultat struktureller Ausgleichsprozesse zwischen Dialekt und Hochsprache entwickelt [hat] und […] dem Zweck der alltäglichen Verständigung [dient]“ (Neuland 2008, 135). Sowieso wird die Jugendsprache meist ausschließlich innerhalb der Jugendgruppe gesprochen, nicht aber innerhalb der Familie oder im Unterricht. Ehmann untersuchte die Ausprägungen der Jugendsprache in unterschiedlichen Regionen und stellte heraus, dass es zwar „in süddeutschen und rural strukturierten Gebieten“ einen höheren „sprachlichen Anpassungsgrad an die jeweilige örtliche Kommunikationssituation“ gibt, alle Jugendlichen jedoch angaben, besonders innerhalb ihrer „Peer-Group“ auf Jugendsprache zurückzugreifen (Ehmann 1992, 29). Erwähnenswert ist auch die Verwendung der Jugendsprache von erwachsenen Sprechern. Ehmann verweist in seiner Arbeit auf Untersuchungen von Altmann, welcher zu bedenken gibt, dass

„Jugendsprache (…) nicht nur bei den Jugendlichen“ entstehe, sondern „auch in großem Umfang von Erwachsenen (…) für Jugendliche erzeugt“ werde, um anschließend den Jugendlichen – mit welcher Intention auch immer – zu suggerieren, dass es sich dabei um ihre „eigene“ Sprache handele“ (Ehmann 1992, 48)

Im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Jugendlichen die, besonders von den Medien, benutzten Begriffe zwar kennen, die meisten jedoch gar nicht nutzten. (vgl. Ebd.) Besonders alltäglich benutzte Wörter wie „okay“ werden von Erwachsenen wie von Jugendlichen gleichermaßen benutzt, was eine Zuordnung zu einem bestimmten Sprechstil unmöglich macht. Jedoch kann über die jeweilige Funktion in einem bestimmten Kontext eine Zuordnung vorgenommen werden.

„So konnte eine Reihe jugendsprachlicher Begriffe und Wendungen aufgezeigt werden, die zwar von Erwachsenen imitiert wurden, doch bleibt ein spezifischer Gebrauch nach wie vor den Jugendlichen vorbehalten. Deshalb kann vermutet werden, daß innerhalb der Jugendsprache starke, weniger starke und schwach markierte jugendsprachliche Elemente vorliegen, die in den einzelnen Gesprächssituationen von den Jugendlichen in unterschiedlicher Weise genutzt und von den Erwachsenen in unterschiedlicher Weise imitiert wurde.“ (Augenstein 1998, 256)

Jedoch hat die Jugendsprache bei den Erwachsenen meist sozialsymbolische Funktion, während sie bei Jugendlichen auch kommunikativem Zweck dient.

2.2 Funktionen von Jugendsprache:

Herrmann Ehmann stellte in seiner Arbeit heraus, „dass Angehörige einer bestimmten Subkultur infolge ihrer Individualität in der Alltagssprache der Außenwelt keine adäquaten Ausdrucksformen für ihre „Sonderwelt“ zu finden vermögen“ (Ehmann 1992, 26).

Im Rahmen seiner Untersuchungen führte er eine Umfrage durch mit der Frage „Warum benutzt du Jugendsprache?“, welche Jugendlichen aus verschiedenen Regionen gestellt wurde. Die meisten Jungen und Mädchen gaben als Hauptgrund an, dass die Jugendsprache gegenüber der Standardsprache „konkreter und farbiger“ sei. Außerdem sei sie „einfacher und verständlicher strukturiert“, könne besser Gefühle und Stimmungen ausdrücken und sei in der Lage „die Atmosphäre zu entkrampfen“. (vgl. Ehmann 1992, 61) Neben den Begründungen auf sprachlicher Ebene gaben die befragten Personen noch weitere Motive an:

„1. Der Aspekt des Gruppendrucks (Abgrenzung nach außen und Zusammengehörigkeit nach innen);
2. Der Aspekt des Protests gegen geltende (Sprach-) Konventionen;
3. Der Aspekt der gezielten Provokation/ Schockierung anderer gesellschaftlicher Gruppen;
4. Der Aspekt der „reinen Gaudi“
5. Der Aspekt der „Coolness““ (Ehmann 1992, 62)

Auch in seinem Lexikon der Jugendsprache „Oberaffengeil“ beschreibt er die Funktionen dieser Sondersprache. Zwar decken sich einige Punkte mit den Angaben der jugendlichen Probanden, jedoch vertritt er teilweise einige zusätzliche Ansichten, weshalb Jugendsprache benutzt wird. So habe sie, wie bereits oben genannt, vor allem Protest- und Abgrenzungsfunktion. Indem sie sich eine eigene Sprechweise aneignen, schaffen sie sich eine Art Geheimsprache, die die meisten Erwachsenen nicht verstehen und oftmals darüber nur den Kopf schütteln können. Sie dient somit als Auflehnungsinstrument gegen die Normen und Ansichten der älteren Generationen, jedoch auch als positive Erfahrung der Gemeinschaft. Sie drückt ein „kollektives Selbstwertgefühl“ (Ehmann 1992, 63) aus. Neben dem Wunsch nach Abgrenzung wird eine besondere Originalität und Besonderheit erwünscht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Besonderheiten der Jugendsprache in Luca Blooms „Schlachtfeld“
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V274556
ISBN (eBook)
9783656670735
ISBN (Buch)
9783656670728
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
besonderheiten, jugendsprache, luca, blooms, schlachtfeld
Arbeit zitieren
Lisa Biebricher (Autor), 2010, Besonderheiten der Jugendsprache in Luca Blooms „Schlachtfeld“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274556

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