Ganztags- und Gesamtschule als Wege aus der sozialen Ungleichheit


Hausarbeit, 2014
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildungsungleichheit – soziale Ungleichheit

3. Beharrungskräfte gegen jede Änderung

4. Die Ganztagsschule

5. Die Gesamtschule

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es ist etwas mehr fünf Jahre her, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel die „Bildungsrepublik“ Deutschland ausgerufen hat und forderte, das Bildungssystem müsse „jedem die Chance auf Einstieg und Aufstieg ermöglichen“ (vgl. FAZ 2008). Dabei geht es auch um die Durchlässigkeit des Bildungssystems, denn „unsere Gesellschaft lebt von der Durchlässigkeit. Geht sie verloren, wenden sich die Menschen von der Marktwirtschaft ab“, sagt Merkel, die in Anlehnung an Ludwig Erhardt erklärt: „Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle“ (vgl. Die WELT 2008). Allein dadurch wird deutlich, dass Bildung eine beachtliche Aufwertung erfährt, egal „ob als relevanter Faktor der ökonomischen Standortsicherung, als wichtiger Indikator für gesellschaftliche Positionen oder als Ressource, welche Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu einer selbstbestimmten Lebensführung ermächtigen soll (Willems & Budde 2009: 11).

Aber, auch wenn die Wichtigkeit von (guter) Bildung scheinbar erkannt wurde, gibt es noch immer große Ungleichheiten im Bildungssystem, die die Forschung noch immer beschäftigt, bisher aber mit mäßigem Ergebnis. So haben ein größeres Angebot an Bildungsmöglichkeiten bislang nicht bewirken können, dass eine erfolgreiche Bildungsbeteiligung für alle möglich ist (vgl. Willems & Budde 2009: 11). Zwar sind Zusammenhänge zwischen Ressourcen sozialer Herkunft und Bildung mittlerweile weithin bekannt, aber mir scheint, die richtigen Schlüsse wurden daraus noch nicht gezogen. Andernfalls wären die Bildungsungleichheiten inzwischen ja mindestens auf dem Rückzug, wenn nicht sogar verschwunden.

Da es bisher offenbar nicht gelungen ist, die bestehenden Ungleichheiten im Bildungssystem Deutschlands auszugleichen, sodass der Anspruch von gerechter Bildung für alle erfüllt wird, drängt sich mir die Frage auf, ob es überhaupt möglich ist, diese Ungleichheiten zu beseitigen. Gegebenenfalls muss hier auch die Frage gestellt werden, ob es überhaupt wirklich gewollt ist, hier Änderungen herbeizuführen.

Dazu will ich aufzeigen, was Bildungsungleichheiten sind, wie sie entstehen, worauf sie aufbauen und was auf ihnen aufbaut. Von diesen Grundlagen ausgehend werde ich anschließend das System der Gesamt- und der Ganztagsschule beschreiben, die sich aktuell immer größerer Beliebtheit erfreuen. Schließlich soll als Fazit die Frage beantwortet werden, ob Gesamt- und Ganztagsschulen dazu geeignet sind, die beschriebenen Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem auszugleichen.

Dabei muss man beachten, dass die Begriffe Bildungsungleichheit und Bildungsungerechtigkeit verschiedene Dinge meinen, auch wenn sie eng miteinander verknüpft sind. Ersteres meint erstmal ziemlich neutral einen Bildungsunterschied, also eine Differenz im Hinblick auf den Bildungsstand der Menschen. Bildungsungerechtigkeit hingegen hat die unfaire Verteilung von Bildungschancen zum Gegenstand. Wenn jemand also aufgrund seiner ethnischen Herkunft gegenüber anderen in der Schule benachteiligt ist und deswegen eine Bildungsungleichheit entsteht, spricht man von Bildungsungerechtigkeit. Ähnliches meint auch der Begriff soziale Bildungsungleichheit.

2. Bildungsungleichheit – soziale Ungleichheit

Das in Öffentlichkeit und Politik bisher vorherrschende Modell der Meritokratie, nach dem sich jeder im freien Leistungswettbewerb einen angemessenen Platz in der Bildungs- und Berufshierarchie erarbeiten kann, stellt „Leistung“ als einzigen Faktor für den Bildungs- und Berufserfolg dar und negiert somit gleichzeitig den Einfluss von herkunftsbedingten Merkmalen wie sozialer und ethnischer Herkunft, Geschlecht oder vorhandene Geldmittel auf den Bildungs- und Berufserfolg eines Menschen. Dass diese Merkmale aber unbestreitbar einen Einfluss besitzen, hat nicht zuletzt die PISA-Studie gezeigt (vgl. Vester 2006: 14f.).

So erreichten „in allen vierzig Vergleichsländern […] die Fünfzehnjährigen gehobener Herkunft deutlich höhere Leistungsstandards […], als die übrigen Kinder“ (Vester 2006: 14). Dabei gehört Deutschland zu den Ländern, in denen der Abstand zwischen den „Besten“ und den „Schlechtesten“ am größten ist (vgl. Vester 2006: 14f.).

Aus diesen nicht zu leugnenden Fakten wird deutlich, was bereits Bourdieu 1983 schlussfolgerte: Ungleiche Bildung signalisiert eine ungleiche Ausstattung mit kulturellem und sozialem Kapital (vgl. Brake & Büchner 2012: 37).

Dabei stellt die Bildungsungleichheit nur einen von vielen Pfeilern der sozialen Ungleichheit dar. Diese bezeichnet die ungleiche Verteilung von materiellen (z.B. Geld, Bücher) und immateriellen Ressourcen (z.B. Bildung) in einer Gesellschaft und die daraus resultierenden unterschiedlichen Möglichkeiten zur Teilhabe an dieser (vgl. Kreckel 1997: 17). So eindeutig, wie das erscheinen mag, ist es aber leider nicht. Denn diese „Pfeiler“ der sozialen Ungleichheit bedingen sich gegenseitig und wirken aufeinander ein.

Der erreichte Bildungsgrad bedingt in gewissem Maße den erreichbaren Beruf: Ohne (Fach-) Hochschulreife darf man nicht studieren, ohne abgeschlossenes Studium darf man beispielsweise kein Lehrer, Anwalt oder Maschinenbauingenieur werden. Unbestreitbar ist auch, dass derartige Berufe in der Regel ein höheres Einkommen mit sich bringen, als bspw. Lehrberufe. Und Eltern, die selbst eine hohe Bildung und/oder ein hohes Einkommen haben, versuchen meist alles, damit es dem Nachwuchs ähnlich gut ergeht. Wer viel Geld verdient oder besitzt, kann zum Beispiel Bücher kaufen, die der Nachwuchs lesen kann, was die Lesekompetenz erhöht und einen Vorteil vor denjenigen verschafft, denen dies nicht möglich ist. Ein anderes Beispiel sind die inzwischen verschwindenden Studiengebühren. Kinder, die sich diese nicht selbst finanzieren können und auch keine Eltern haben, die das schaffen, können trotz vorhandener Qualifikation kein Studium aufnehmen.

Die immaterielle Ressource Bildung wirkt sich also auf die materielle Ressource Geld aus. Die materielle Ressource Geld wirkt sich auf andere materielle Ressourcen, bspw. vorhandene Bücher aus, die wiederum im Generationensprung Auswirkungen auf die immaterielle Ressource Bildung haben.

Kinder, deren Eltern einen geringen Bildungsgrad und daraus resultierend ein geringes Einkommen besitzen, können nicht auf eine derartige Unterstützung bauen. Weder können diese Eltern ihren Kindern großartig beim Erreichen höherer Bildungsabschlüsse helfen, noch viele Bücher kaufen oder ggf. Nachhilfe bezahlen.

Auch die ethnische Herkunft kann Auswirkungen auf die soziale Ungleichheit haben. Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, haben es erwiesenermaßen schwerer, gute Noten und höhere Bildungsabschlüsse zu erreichen. Das liegt sowohl an der Unterrichtssprache Deutsch, die auch in anderen Fächern, wie Politik oder auch Mathematik zum Einsatz kommen, wie auch an der Sprache, die im Elternhaus gesprochen wird. Wird dort vorwiegend kein Deutsch gesprochen, entsteht für diese Schüler ein Nachteil gegenüber anderen.

Wie man an diesen Beispielen erkennen kann, ist soziale Ungleichheit vielschichtig und vielen Bedingungen unterworfen. Die einzelnen Komponenten beeinflussen sich gegenseitig und sind teilweise Bedingung füreinander. Letztendlich wird man es nicht schaffen, dass alle Menschen in Deutschland denselben Bildungsstand erreichen, denn hier spielen sicherlich auch biologische Komponenten mit herein, auch wenn dies bisher nicht ausreichend erforscht und somit noch ungeklärt ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ganztags- und Gesamtschule als Wege aus der sozialen Ungleichheit
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich 05)
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V274582
ISBN (eBook)
9783656674337
ISBN (Buch)
9783656674306
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Schule, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, ungerecht, Ganztagsschule, Gesamtschule
Arbeit zitieren
Marcus Kasten (Autor), 2014, Ganztags- und Gesamtschule als Wege aus der sozialen Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274582

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