Design Value: Die Messung des Wertbeitrags von Design


Bachelorarbeit, 2013

59 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einführung
2. Definitorische Abgrenzung von Design und Designmanagement
2.1 Abgrenzung des Produktdesigns
2.2 Design im Kontext von Innovationen
2.3 Strategischer Nutzen von Design
2.4 Designmanagement

3. Analyse der bestehenden Modelle von Design Value
3.1 Grundlagen zur Messung latenter Konstrukte und Prüfung kausaler Beziehungen
3.2 Messmodelle des Designwerts für Kunden
3.2.1 Modell nach Kohler
3.2.2 Modell nach Noble und Kumar
3.2.3 Vergleich beider Modelle, Analyse und Zusammenfassung
3.3 Messmodelle des Designwerts für Unternehmen
3.3.1 Messung unternehmensinterner Faktoren
3.3.2 Messung unternehmensexterner Faktoren
3.3.3 Beurteilung und Zusammenfassung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Begriffsübersicht Design

Abbildung 2: Einordnung der Designaktivitäten in den Innovationsprozess

Abbildung 3: Übersicht verschiedener Auffassungen von Designmanagement

Abbildung 4: Reflektives und Formatives Messmodell

Abbildung 5: Ablaufschritte der Kausalanalyse

Abbildung 6: Beispiel für ein einfaches Strukturgleichungsmodell

Abbildung 7: Wirkungsschema für Produktdesign

Abbildung 8: Erzeugung von Design Value bei Konsumartikeln

Abbildung 9: Formatives Messmodell für Design Value aus Kundensicht

Abbildung 10: Messung des Designwerts nach Zec und Jacob

Abbildung 11: Messung des internen, nicht-monetären Designwertes

Abbildung 12: Messung des internen, monetären Designwertes

Abbildung 13: Messung des externen Designwerts

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht der Resultate eines effektiven Einsatzes von Design

1. Einführung

In der heutigen Zeit sind viele Märkte gesättigt, stark segmentiert und so gut wie alle Segmente besetzt.[1] Eine zunehmende Informationsüberflutung führt dazu, dass Konsumenten ein sinkendes Involvement aufweisen.[2] In der Wahrnehmung vieler Verbraucher sind zentrale Produktattribute, wie z. B. Qualität und Funktionalität, zwischen den Anbietern kaum noch zu unterscheiden.[3] Aus diesen Gründen ist es für eine Positionierung auf dem Markt wichtig, dass sich die angebotenen Produkte von der Konkurrenz abheben. Besonderen Erfolg verzeichnen Anbieter, die ihren Kunden einen Zusatznutzen bieten können.[4] Design und Ästhetik von Produkten und Dienstleistungen gelten seit langem als wichtige Faktoren für den Verkaufserfolg.[5] Dies spiegelt sich in der steigenden Bedeutung von Design in der deutschen Wirtschaft wider. Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat im Jahr 2008 einen Anteil von 2,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt verzeichnet. Mit rund 16 Milliarden Euro hat allein die Designbranche ein Viertel davon erwirtschaftet.[6] Sowohl der Umsatz als auch die Zahl der Beschäftigten steigt seit Jahren überproportional.[7]

Um die Bedeutung und die Position von Design in der Wirtschaft umfassend begreifen zu können, ist eine Quantifizierung unumgänglich. Mit der Messung des Designwertes wird eine Kennzahl geschaffen, die für ein strategisches Designmanagement als Plan- und Zielgröße fungieren kann.[8] Zugleich wird ein besseres Verständnis der Chancen und Risiken, die sich beim Einsatz von Design bieten, gefördert.[9] Der Designwert ist ein latentes Konstrukt, daher kann er nicht direkt gemessen werden. Zu seiner Messung sind Indikatoren notwendig.[10] Problematisch ist in diesem Zusammenhang das Fehlen einer allgemeingültigen Definition. Der Designwert wird im Rahmen dieser Arbeit als Konstrukt angesehen, das aus mehreren Wertdimensionen mit verschiedenen Komponenten besteht. Er kann sowohl aus Kundensicht als auch aus Unternehmenssicht erfasst werden.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen umfassenden Überblick über den Forschungsstand zur Messung des Designwertes abzubilden und die vorgestellten Ansätze einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Zu diesem Zweck wurde eine umfangreiche Literaturanalyse und Quellenkritik durchgeführt. Aufgrund des weiten Begriffsfelds von Design muss eine Einschränkung der Betrachtung vorgenommen werden. In Kapitel 2 werden die verschiedenen Facetten von Design und Designmanagement dargelegt. Produktdesign rückt dabei in den Mittelpunkt der Untersuchung. Außerdem werden die Designaktivitäten in den Innovationsprozess eingeordnet und der strategische Nutzen von Design herausgearbeitet. Das dritte Kapitel umfasst die Analyse bestehender Ansätze zur Messung des Designwerts. Hierfür werden zuerst die Grundlagen zur Messung latenter Konstrukte dargestellt. Anschließend werden zwei Modelle zur Wirkung von Design auf Kunden vorgestellt. Aus einer kritischen Analyse heraus kann ein Messmodell für den Designwert aus Kundensicht abgeleitet werden. In Kapitel 3.3 werden Konsequenzen des Einsatzes von Design ermittelt. Sie können in voneinander unabhängige Komponenten des Designwerts zerlegt und in Messmodelle überführt werden. Diese sind danach zu unterscheiden, ob sie sich aus unternehmensinternen oder unternehmensexternen Faktoren zusammensetzen. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab.

2. Definitorische Abgrenzung von Design und Designmanagement

Nachforschungen in der für die Thematik relevanten Literatur lassen keine einheitliche oder allgemeinverbindliche Bestimmung des Begriffs Design ausfindig machen. Umgangssprachlich wird unter Design vornehmlich das Äußere oder die Gestalt eines Produktes verstanden.[11] Die komplexe Begriffsverwendung beinhaltet dessen ungeachtet zahlreiche weitere Aspekte, die teilweise kaum noch in Zusammenhang stehen. So wird Design z. B. im Kontext von Grafik, Interieur, Industrie und Engineering verwendet. Es ist gleichermaßen eine kreative und visuelle Ressource für neue Produkte bzw. Dienstleistungen.[12] Einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin oder einem Arbeitsfeld lässt sich Design dementsprechend nicht eindeutig zuordnen.[13] Im Ergebnis bedeutet dies, dass die vorliegenden Definitionen und Interpretationen der einzelnen Aspekte von Design stark voneinander abweichen.[14] Es werden sowohl weit gefasste als auch spezifische Definitionen vorgeschlagen. Beide haben Nachteile, denn die einen sind zu allgemein gehalten, um den Kern der Thematik sinnvoll zu treffen. Die anderen sind so speziell, dass zu viele Punkte ausgeblendet bleiben.[15] Alle Disziplinen und Funktionen von Design haben gemeinsam, dass sie auf einem systematischen Prozess basieren. Dieser Prozess bezieht sich einerseits auf die Gestaltung der sinnlich-wahrnehmbaren Eigenschaften von Gegenständen.[16] Andererseits werden die Beziehungen zugunsten der Menschen, die diese Gegenstände nutzen, gestaltet.[17]

Festzuhalten ist zudem, dass der Begriff Design einen prozessualen und einen objektbezogenen, finalen Charakter aufweist.[18] Um seine prozessuale Natur herauszuheben, definiert das Britische Design Council Design als eine Aktivität, die Ideen in Blueprints übersetzt. Unabhängig davon, ob diese Automobile, Gebäude, Grafiken, Dienstleistungen oder Prozesse betreffen.[19] Solch eine Aktivität beinhalten die kreative Visualisierung von Konzepten, Plänen und Ideen, sowie die Erstellung von Entwürfen, Modellen und anderen Möglichkeiten zur Repräsentation der Ideen.[20] Der Designprozess hat immer das Ziel, ein Ergebnis zu erstellen, das vorher noch nicht bzw. nicht in derselben Form existierte.[21] Im Gegensatz dazu wird beim Redesign ein Objekt auf Basis von etwas Bestehendem und aufgrund von Verbesserungsanforderungen konstruiert.[22] Design übt unter Berücksichtigung der Umwelt eine Schnittstellenfunktion innerhalb von Unternehmen aus.[23] Dieser Sachverhalt wird anhand einer Diskussion des Designbegriffs im Unternehmensfeld und einer Abgrenzung des Produktdesigns im folgenden Kapitel genauer durchleuchtet. Danach werden in den weiteren Unterkapiteln der Zusammenhang von Design und Innovation, sowie der Nutzen von Design für Unternehmen untersucht. Abschließend wird der Bereich des Designmanagements durchleuchtet.

2.1 Abgrenzung des Produktdesigns

Neben der vorausgehend dargestellten Definitionsvielfalt haben sich in der Unternehmenspraxis viele Begriffe und Konzepte gebildet, die einen Zusammenhang mit Design aufweisen. Eine Übersicht des daraus entstandenen Begriffsumfelds wird in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Begriffsübersicht Design[24]

Design bildet den Oberbegriff für zahlreiche Bezugsfelder in Unternehmen.[25] Diese erstrecken sich von Styling, einer rein formalästhetischen Überarbeitung und Verschönerung von Produkten, bis zu Kunst.[26] Künstler erschaffen in kreativer Arbeit Einzelstücke, die auf das individuelle ästhetische Empfinden von Menschen abzielen.[27] Die Beziehung zwischen Design und Innovation wird in Kapitel 2.2 erläutert. Mit dem Konzept des Corporate Design wird ein wirtschaftlicher Bezug in die Betrachtung einbezogen. Corporate Design generiert ein einheitliches Erscheinungsbild des Unternehmens sowohl nach innen, als auch nach außen.[28] Die Gestaltungsmittel werden dafür vom Industrial-Design, Communication-Design und Environmental-Design bereitgestellt. Industrial Design betrifft speziell die Gestaltung von materiellen Produkten, Konzepten und Dienstleistungen.[29] Die strategische Entwicklung und operative Umsetzung von Design ist Aufgabe des Managements.[30] Nähere Erläuterungen zum Designmanagement folgen in Kapitel 2.4.

Um die komplexe Designthematik einzugrenzen, bildet Produktdesign den Schwerpunkt dieser Arbeit. Es kann, wie in zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen bereits geschehen, synonym zum vorangehend erwähnten Industrial-Design verwendet werden.[31] Diese Eingrenzung erscheint folgerichtig, weil das Gebiet des Produktdesigns als traditionelles Anwendungsgebiet von Design angesehen wird und sich verhältnismäßig gut von den Instrumenten der anderen Designkomponenten isolieren lässt.[32] Das industrielle Produkt als Träger des Produktdesigns kann in jedem Unternehmen eindeutig identifiziert und unabhängig von Marketingmaßnahmen wie Werbungs- und Verkaufsfördermaßnahmen betrachtet werden.[33]

Unter Produktdesign wird zum Zwecke dieser Arbeit der Prozess der Steigerung des Werts von Gebrauchsmuster, Aussehen und Herstellbarkeit eines Produktes verstanden.[34] Typischerweise führen professionelle Designer die Designarbeit für Unternehmen aus. Es können aber auch die Entscheidungen anderer Akteure, etwa die von Managern weitreichenden Einfluss auf das Design eines Produktes haben. In einem solchen Fall handelt es sich um Silent Design.[35] Im Zentrum der Absichten des Produktdesigns steht der Benutzer. Zu dessen Zufriedenstellung werden Funktionalität, Ästhetik, Ergonomie und andere Facetten physischer Produkte, die Kontaktpunkte zum Konsumenten aufweisen, herausgearbeitet.[36] Hierdurch wird die wahrnehmbare Qualität von Produkten gesteigert. Sie konzeptualisiert das Resultat subjektiver Wahrnehmung und die Bewertung durch den Konsumenten.[37] Es handelt sich um einen relativen Wert, der sich am Ausmaß der Deckung von Produkteigenschaften mit dem Anforderungsprofil der Verbraucher bemisst.[38] Das Produktdesign unterliegt bestimmten Gestaltungszielen und -beschränkungen. Neben Zielsetzungen ästhetischer Art hat es ferner verschiedene funktionale Anforderungen zu erfüllen. Dazu zählen u. a. Stabilität, Haltbarkeit, Transport-, sowie Lager- und Recyclingfähigkeit.[39] Restriktionen stammen aus unterschiedlichen Bereichen, wie etwa Ergonomie, Produktion, Controlling, Marketing, Gesetzgebung und dem Selbstverständnis des Designers.[40] Wichtige Gesetzmäßigkeiten beim Umgang mit Kombination und Umsetzung einzelner Designelemente treten in Form der Designprinzipien auf.[41] Sie werden in unterschiedlichem Ausmaß bei der Erschaffung von Produkten verwendet und umfassen z. B. Regeln zu Kontrast, Balance, Symmetrie, Harmonie oder Einheitlichkeit.[42] Produkte, deren Design diesen Prinzipien folgt, wurden letztendlich dafür gemacht potente Verbraucher zu gewinnen.[43]

Für eine Evaluation des Einflusses von Design auf die Wertschöpfung in Unternehmen und auf Kundenseite ist es hilfreich das Konzept von Design zu zerlegen. So können alle Aspekte in die Betrachtung integriert werden. Drei wesentliche Komponenten des Designs haben sich für eine Aufteilung in der Literatur durchgesetzt.[44] Trotz inhaltlicher Übereinstimmung liegt keine einheitliche Einteilung und Begriffsbestimmung vor.[45] In dieser Arbeit wird der begrifflichen Unterteilung Candis gefolgt und zwischen intuitivem Aspekt, funktionalem Aspekt und dem Erfahrungsbezogenen Aspekt unterschieden.[46] Intuitives Design spricht menschliche Urinstinkte an und unterliegt Grundsätzen, die sich konsistent für alle Menschen und Kulturen verhalten.[47] Funktionales Design schließt Nutzen, Eigenschaften und Leistung mit ein. Erfahrungsdesign betrifft hingegen die Erzeugung einer Reaktion bei einem Rezeptor – dem Kunden – durch Meldung, Symbole, Kultur, Bedeutung und emotionale sowie soziologische Aspekte eines Angebots.[48] Dieser Aspekt ist kulturellen Unterschieden, Modetrends und kontinuierlicher Veränderung ausgesetzt.[49] Es bietet sich an, Intuitives Design und Erfahrungsdesign unter ästhetischem Design zusammenzufassen.[50] Funktionales Design betrifft in erster Linie objektive Merkmale, während ästhetisches Design eher mit subjektiven Merkmalen verknüpft ist. Da die Terminologie des Produktdesigns üblicherweise primär dem Tangiblen zugeordnet wird, kann bei der Erfassung des immateriellen Charakters von Dienstleistungen die Verwendung des Begriffs ästhetisches Design hilfreicher sein.[51]

2.2 Design im Kontext von Innovationen

In der Forschung herrschen verschiedene Meinungen über den Zusammenhang von Design und Produktinnovation vor. Einige Autoren erkennen Design in seiner Erscheinung als Teil der Produktinnovation an.[52] Andere halten Design für einen eigenständigen Teil innovativer, visueller Gestaltung und sehen es als zentrale Determinante der Akzeptanz neuer Produkte auf dem Markt an.[53] Der Begriff Innovation kann ebenso als Prozess und als Ergebnis aufgefasst werden.[54] Innovationen handeln im Unternehmenskontext von etwas „Neuartigem“.[55] Ob und wie lange eine Innovation als neuwertig empfunden wird, ist abhängig von der Wahrnehmung des Käufers.[56] Produkte, Werkstoffe, Dienstleistungen oder Verfahren in Form von Produktions- oder Organisationsverfahren können z. B. Innovationen sein.[57] Werden Innovationen am Markt durchgesetzt, handelt es sich im Ergebnis um Produktinnovationen.[58] Grundlage für eine erfolgreiche Produktinnovation ist die Schaffung von Märkten und die Gewinnung von zahlungsbereiten Käufern.[59] Diese sind je nach Innovationsgrad, d. h. dem Grad ihrer Neuartigkeit, als radikale oder inkrementelle Innovation zu bezeichnen.[60] Wird Innovation als Prozess verstanden, zielt dies auf den gesamten Vorgang von der Invention, also der Erfindung von neuen Anlagen, Produkten, Prozessen oder Systemen, bis zum Zeitpunkt der ersten kommerziellen oder gesellschaftlichen Verwendung ab.[61] Ein einfacher Innovationsprozess wird in Abbildung 2 dargestellt. Am Anfang steht die Ideensammlung, deren Ergebnisse anschließend analysiert und bewertet werden. Im dritten Schritt erfolgt die Entwicklung. Nach einer erfolgreichen Testphase, in der die Innovation ihre Endgestalt annimmt, wird sie auf dem Markt eingeführt.

Ein anderer in diesem Zusammenhang verwendeter Begriff ist New Product Development (NPD). Er wird speziell in Managementkreisen häufig benutzt, um den Prozess der Transformation technischer Ideen oder Marktbedürfnissen und möglichkeiten in neue Produktlösungen auf dem Markt zu beschreiben. Der Unterschied ist, dass Veränderungen, die zu einer Neuheit des betroffenen Produktes führen, bereits schon durch Änderung der Form, von Komponenten, Materialien oder der Verpackung erreicht werden können. Im Gegensatz dazu müssen bei Innovationen Veränderungen der Arbeitsweise oder Technologie hervorgebracht werden.[62]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Einordnung der Designaktivitäten in den Innovationsprozess[63]

Abbildung 2 zeigt der eingangs erwähnten engeren Auffassung von Design als Teil der Produktinnovation folgend, einen möglichen Ort der Designaktivitäten auf. Dieser Ansicht nach können Design und Entwicklung als Kern des NPD- und Innovationsprozesses ausgemacht werden. Design hilft der Entwicklung, Ideen in Designkonzepte und dann in Prototypen zu verwandeln. Detaillierte Zeichnungen, technische Spezifikationen und andere Anweisungen benötigen Design, damit Unternehmen tatsächlich in der Lage sind neue Produkte herzustellen.[64] Entwicklung hingegen ist die Aktivität, in der Prototypen getestet und modifiziert werden, bis eine zufriedenstellende vorläufige Version des Produktes entstanden ist.[65] Im weiteren Verständnis steht Design als eigener Prozess neben der Innovation. Er wirkt sich erheblich auf den Erfolg von neuen Produkten aus. Da Produktinnovationen in Disziplinen entstehen, die für Kunden nicht besonders greifbar sind, wird Design und seine Fähigkeit, Innovationen zu visualisieren und zwischen Mensch und Technik zu vermitteln, benötigt.[66]

2.3 Strategischer Nutzen von Design

Design ist fundamental für Unternehmenserfolg und Wettbewerbsfähigkeit. Um Zugang zu neuen Märkten zu erhalten und um Marktanteile in den Weltmärkten zu bewahren oder zurückzugewinnen, ist es für Unternehmen von essentieller Bedeutung neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Diese Neuentwicklungen müssen von Verbrauchern gefordert werden bzw. diese müssen sich zu ihnen hingezogen fühlen.[67] Durch Investitionen in Design werden neue oder überarbeitete Produkte und Dienstleistungen, Verpackungen und Kommunikationsmaßnahmen gestaltet und somit zur Erreichung dieser Ziele beigetragen.[68] Produktdesign ist mit 62 Prozent die am häufigsten in Designprojekten verwendete Designkompetenz.[69] Der Wert von Produktdesign wird in zahlreichen Veröffentlichungen diskutiert und weit verbreitet als Hilfe zur Generierung von nachhaltigem Wettbewerbsvorteil angesehen.[70]

Design besitzt vier Kräfte. Diese können als Differentiator, als Integrator, als Transformator und als Good Business zum Unternehmenserfolg beitragen.[71] Als Differentiator bewirkt Design Wettbewerbsvorteile über Markenwert, Kundenbindung, mögliche Preisaufschläge und Kundenorientierung.[72] Gutes Design hilft Unternehmen dabei, sich und seine Produkte von der Masse abzuheben.[73] Es erhöht das akquisitorische Potential von Produkten, da z. B. die Produktqualität und ihre Nutzbarkeit durch Auswahl geeigneter Materialien, Formen und entsprechender Farbgebung besser kommuniziert werden kann.[74] Dementsprechend ordnen Konsumenten gut gestalteten Produkten einen größeren Wert zu und erfahren eine Erleichterung bei der Auswahl aus den angebotenen Produkten.[75] Darüber hinaus kann Design, durch die Erzeugung von Zusatznutzen, die Zahlungsbereitschaft für ein Produkt erhöhen.[76] Käufer entwickeln beispielsweise ein unmittelbares Verlangen, ästhetische Produkte zu besitzen.[77] Drei Möglichkeiten sind denkbar, die dazu verhelfen die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen. Die erste Möglichkeit ist die Erhöhung des funktionalen Nutzens mittels Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit.[78] Eine andere Chance besteht darin, Assoziationen zwischen Produkten bzw. Dienstleistungen und einer Marke oder etwas anderem, mit dem die Kunden vertraut sind zu erwecken.[79] Beide Mittel wirken vor allem dadurch, dass sie Unsicherheit vermeiden.[80] Die dritte Möglichkeit ist die Erzeugung von symbolischem oder emotionalem Wert für die Verbraucher. Design kann ein Produkt symbolisch aufladen, indem es z. B. Gedankenverknüpfungen mit ansonsten unerreichbaren Personen, Orten oder Idealen bewirkt.[81]

Als Integrator treibt Design die Entwicklung neuer Produkte voran.[82] Durch seinen Einsatz kann ein höherer Innovationsoutput und eine verbesserte Unternehmensleistung erreicht werden.[83] Eine Verkürzung der Time-to-Market und eine schnellere Konsensfindung der beim NPD-Prozess beteiligten Akteure sind durch die Visualisierungsmöglichkeiten von Design realisierbar.[84] Die Rolle eines Transformators erhält Design, da es neue Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen eröffnet. Design unterstützt die Unternehmen bei der Bewältigung von Veränderungen und hilft dabei, den Markt besser interpretieren zu können.[85] Design als Good Business bedeutet eine in betriebswirtschaftlichen Kennzahlen messbare positive Auswirkung von Design auf die Unternehmensleistung.[86] Neben ästhetischen wird Design vor allem aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingesetzt.[87]

[...]


[1] Vgl. Runia et al. (2011), S. 128

[2] Vgl. Linxweiler (2004), S. 287

[3] Vgl. Matthyssens und Vandenbempt (2008), S. 316f.

[4] Vgl. Rizk-Antonious (2002), S. 48ff.

[5] Vgl. Bloch (1995), S. 16

[6] Vgl. Scholz & Friends (2010), S. 17

[7] Vgl. ebenda

[8] Vgl. Zec und Jacob (2010), S. 57

[9] Vgl. ebenda

[10] Vgl. Homburg und Giering (1996), S. 6

[11] Vgl. Leitherer (1991), S. 15; Bergmann und Daub (2006), S. 58

[12] Vgl. Beverland (2005), S. 194f.

[13] Vgl. Mayer (1996), S. 15

[14] Vgl. Spies (1993), S. 14ff.; Leitherer (1991), S. 15; Mayer (1996), S. 15

[15] Vgl. Design Council (2007), S. 1

[16] Vgl. Zeh (2010), S. 15

[17] Vgl. Mayer (1996), S. 15

[18] Vgl. Walsh et al. (1992), S. 15

[19] Vgl. Design Council (2007), S. 1

[20] Vgl. Walsh et al. (1992), S. 14

[21] Vgl. Walsh et al. (1992), S. 14; Chlebek (2011), S. 161

[22] Vgl. Chlebek (2011), S. 161

[23] Vgl. Mayer (1996), S. 15

[24] Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an: Neibecker und Kohler (2009), S. 216

[25] Vgl. Kohler (2003), S. 8

[26] Vgl. Neibecker und Kohler (2009), S. 215

[27] Vgl. Leitherer (1991), S. 16ff.

[28] Vgl. Birkigt et al. (2002), S. 193ff.

[29] Vgl. Bergmann und Daub (2006), S. 58

[30] Vgl. Neibecker und Kohler (2009), S. 215

[31] Vgl. Vgl. Kohler (2003), S. 17; Mayer (1996), S. 18

[32] Vgl. Mayer (1996), S. 17f.

[33] Vgl. ebenda, S. 18

[34] Vgl. Veryzer (1995), S. 641

[35] Vgl. Riezebos et al. (2003), S. 128

[36] Vgl. Del Coates (2003), S. 34ff.

[37] Vgl. Koppelmann (2001), S. 476f.

[38] Vgl. Koppelmann (2001), S. 476f.

[39] Vgl. Ufelmann (2010), S. 27

[40] Vgl. Bloch (1995), S. 18f.

[41] Vgl. Noble und Kumar (2010), S. 645

[42] Vgl. ebenda

[43] Vgl. ebenda

[44] Vgl. Mayer (1996), S. 21f.; Candi (2006), S. 356f.

[45] Vgl. Mayer (1996), S. 21

[46] Vgl. Candi (2006), S. 357

[47] Vgl. Norman (2004), S. 65ff.

[48] Vgl. Pullman und Gross (2004), S. 551ff.

[49] Vgl. Norman (2004), S. 67

[50] Vgl. Candi und Saemundsson (2011), S. 538

[51] Vgl. ebenda, S. 537

[52] Vgl. Talke et al. (2009), S. 601

[53] Vgl. Radford und Bloch (2011), S. 208

[54] Vgl. Walsh et al. (1992), S. 15

[55] Vgl. Burr (2004), S. 21

[56] Vgl. Johannessen et al. (2001), S. 27f.

[57] Vgl. Grosse (2009), S. 34

[58] Vgl. Herrmann (2009), S. 17

[59] Vgl. Burr (2004), S. 23

[60] Vgl. ebenda, S. 24

[61] Vgl. Walsh et al. (1992), S. 16

[62] Vgl. ebenda, S. 16f.

[63] Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an: Trommsdorff (1990), S. 8ff.; Walsh et al. (1992), S.17

[64] Vgl. Walsh et al. (1992), S. 17f.

[65] Vgl. ebenda, S. 18

[66] Vgl. Mayer (1996), S. 26

[67] Vgl. Bruce und Daly (2007), S. 930

[68] Vgl. ebenda

[69] Vgl. Borja de Mazota (2003), S. 90

[70] Vgl. Hertenstein et al. (2005), S. 3

[71] Vgl. Borja de Mazota (2006), S. 45

[72] Vgl. ebenda

[73] Vgl. Bruce und Daly (2007), S. 930

[74] Vgl. Hamann (1975), S. 64; Bruce und Daly (2007), S. 930

[75] Vgl. Veryzer (1993), S. 225f.; Hamann (1975), S. 64

[76] Vgl. Brandenburger und Stuart (1996), S. 16

[77] Vgl. Norman (2004), S. 100

[78] Vgl. Verganti (2009), S. 29; Candi und Saemundsson (2011), S. 539

[79] Vgl. Candi und Saemundsson (2011), S. 539

[80] Vgl. Sharma und Patterson (1999), S. 161ff.

[81] Vgl. Beckert (2010), S. 44f.; Verganti (2009), S. 28; Candi und Saemundsson (2011), S. 539

[82] Vgl. Borja de Mazota (2006), S. 45

[83] Vgl. Love et al. (2011), S. 1445

[84] Vgl. Borja de Mazota (2006), S. 45

[85] Vgl. ebenda

[86] Vgl. Borja de Mazota (2006), S. 45

[87] Vgl. Scholz & Friends (2010), S. 6

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Design Value: Die Messung des Wertbeitrags von Design
Hochschule
Universität Stuttgart  (Betriebswirtschaftliches Institut)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
59
Katalognummer
V274590
ISBN (eBook)
9783656682363
ISBN (Buch)
9783656682356
Dateigröße
1475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Design, Wert, Designwert, Innovation, Marketing, BWL, Design Value, Designmanagement, Management, Hettich
Arbeit zitieren
Dominik Hettich (Autor), 2013, Design Value: Die Messung des Wertbeitrags von Design, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274590

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