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Die Verwendung zweier unterschiedlicher Demonstrativpronomina in gesprochenem Deutsch

Der/die/das vs. dieser/diese/dieses

Title: Die Verwendung zweier unterschiedlicher Demonstrativpronomina in gesprochenem Deutsch

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: David Horak (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Wenn man Leute auf der Straße ansprechen würde und sie fragen würde, was sie zum Thema "der/die/das" wissen, dann wären die meisten Antworten aller Wahrscheinlichkeit nach folgende: „Das ist der bestimmte Artikel.“ „Na, `n Artikel ist das…ja, und `n Relativpronomen.“ „Da kann man was näher mit bestimmen.“ Im Grunde hätten diese Leute mit ihren Aussagen nicht Unrecht, da der/die/das (im Folgenden auch der oder der-Pronomen) durchaus sowohl als Artikel als auch als Relativpronomen zum Einsatz kommen kann. Was viele aber vergessen – und diese Tatsache verleiht der vorliegenden Arbeit mehr oder minder ihre Daseinsberechtigung – ist, dass der, vor allem in Gesprächen, auch als Demonstrativum und als Demonstrativpronomen verwendet wird. Würde man die angesprochenen Passanten nun wiederum auf diese Tatsache aufmerksam machen und im Zuge dessen eventuell einige Beispiele präsentieren, so dürfte man mit folgender Reaktion rechnen: „Ja, Sie haben Recht! Aber ist das nicht total unhöflich, wenn man das so gebraucht?“ Ist es das? Zumindest wird dem der/die/das-Demonstrativpronomen eine spezielle Eigenschaft zugeschrieben, welche es insbesondere von dem formal sehr ähnlichen Personalpronomen der dritten Person abgrenzt: „Die Demonstrativpronomina dienen wie das Personalpronomen der 3. Person zur allgemeinen Bezeichnung des Besprochenen. Sie unterscheiden sich vom Personalpronomen jedoch durch ihren Hinweischarakter“ (Helbig/Buscha 2001: 113). Durch diese sprachliche „Zeigefunktion“ mag der in dem einen oder anderen Fall einen unhöflichen Eindruck machen. Vor allem, wenn man damit auf Personen referiert oder es eventuell im Kontext einer abfällig gemeinten Äußerung zu finden ist. Allerdings bleibt fraglich, ob das Demonstrativpronomen in letzteren Situationen tatsächlich semantisch zur negativen Referenz beiträgt oder ob es lediglich eine verweisende Funktion erfüllt. Auf den Höflichkeitsaspekt sowie die Funktionsweise des der/die/das-Pronomens werde ich in Kapitel 2.3.2 noch näher eingehen. Was hingegen als sicher erachtet wird, ist die hohe Frequenz von der in umgangssprachlichen Unterhaltungen:
[I]m umgangssprachlichen Bereich kommen der-Pronomina wirklich am häufigsten vor; hier treten sie in echte „Konkurrenz“ zu den er/sie/es-Pronomina. Daher rührt sehr wahrscheinlich auch das Vorurteil des „falschen Sprachgebrauchs“, was wohl zutreffender mit dem Urteil „nicht gehobenes Register“ bezeichnet würde. (Bethke 1990: 73) [Hervorhebungen im Original]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. der/die/das vs. dieser/diese/dieses

2.1. Arbeitsdefinitionen

2.2. der/die/das als Pronomen

2.2.1. Konstitution und Flexion

2.2.2. Funktionsweise und Semantik

2.3. dieser/diese/dieses als Pronomen

2.3.1. Konstitution und Flexion

2.3.2. Funktionsweise und Semantik

3. Gesprächsanalyse

3.1. Vorstellung der Korpora

3.2. Nähesprachliche Belege

3.3. Distanzsprachliche Belege

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionalen und formalen Unterschiede zwischen den Demonstrativpronomina "der/die/das" und "dieser/diese/dieses" im gesprochenen Deutsch, um zu klären, wie sich diese Pronomina in nähesprachlichen versus distanzsprachlichen Kontexten verhalten und ob sich Thesen zur stilistischen Höherwertigkeit von "dieser" gegenüber "der" empirisch belegen lassen.

  • Grammatische Kategorisierung und Terminologie von Demonstrativa
  • Formale Konstitution und Flexion der untersuchten Pronomina
  • Funktionsweise und semantische Aspekte der deiktischen Referenz
  • Empirische Gesprächsanalyse anhand von Transkripten des Korpus FOLK
  • Vergleich von nähesprachlichen und distanzsprachlichen Sprachniveaus

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Wenn man Leute auf der Straße ansprechen würde und sie fragen würde, was sie zum Thema der/die/das wissen, dann wären die meisten Antworten aller Wahrscheinlichkeit nach folgende: „Das ist der bestimmte Artikel.“ „Na, `n Artikel ist das…ja, und `n Relativpronomen.“ „Da kann man was näher mit bestimmen.“ Im Grunde hätten diese Leute mit ihren Aussagen nicht Unrecht, da der/die/das (im Folgenden auch der oder der-Pronomen) durchaus sowohl als Artikel als auch als Relativpronomen zum Einsatz kommen kann. Was viele aber vergessen – und diese Tatsache verleiht der vorliegenden Arbeit mehr oder minder ihre Daseinsberechtigung – ist, dass der, vor allem in Gesprächen, auch als Demonstrativum und als Demonstrativpronomen verwendet wird.

Würde man die angesprochenen Passanten nun wiederum auf diese Tatsache aufmerksam machen und im Zuge dessen eventuell einige Beispiele präsentieren, so dürfte man mit folgender Reaktion rechnen: „Ja, Sie haben Recht! Aber ist das nicht total unhöflich, wenn man das so gebraucht?“ Ist es das? Zumindest wird dem der/die/das-Demonstrativpronomen eine spezielle Eigenschaft zugeschrieben, welche es insbesondere von dem formal sehr ähnlichen Personalpronomen der dritten Person abgrenzt: „Die Demonstrativpronomina dienen wie das Personalpronomen der 3. Person zur allgemeinen Bezeichnung des Besprochenen. Sie unterscheiden sich vom Personalpronomen jedoch durch ihren Hinweischarakter“ (Helbig/Buscha 2001: 113).

Durch diese sprachliche „Zeigefunktion“ mag der in dem einen oder anderen Fall einen unhöflichen Eindruck machen. Vor allem, wenn man damit auf Personen referiert oder es eventuell im Kontext einer abfällig gemeinten Äußerung zu finden ist. Allerdings bleibt fraglich, ob das Demonstrativpronomen in letzteren Situationen tatsächlich semantisch zur negativen Referenz beiträgt oder ob es lediglich eine verweisende Funktion erfüllt. Auf den Höflichkeitsaspekt sowie die Funktionsweise des der/die/das Pronomens werde ich in Kapitel 2.3.2 noch näher eingehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Verwendung von "der/die/das" als Demonstrativum im Vergleich zu "dieser/diese/dieses" ein und stellt die zentrale Fragestellung sowie die Hypothesen zur stilistischen Verwendung vor.

2. der/die/das vs. dieser/diese/dieses: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen und grammatischen Grundlagen der Demonstrativpronomina, ihre Konstitution, Flexion sowie ihre spezifischen Funktionen im deutschen Sprachsystem.

3. Gesprächsanalyse: Der analytische Teil untersucht anhand konkreter Transkripte aus dem Korpus FOLK die tatsächliche Verwendung der Pronomina in nähesprachlichen und distanzsprachlichen Gesprächssituationen.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bewertet die anfänglichen Hypothesen zum Gebrauch der Demonstrativa auf den verschiedenen Sprachniveaus kritisch.

Schlüsselwörter

Demonstrativpronomen, der/die/das, dieser/diese/dieses, Sprachgebrauch, Nähesprache, Distanzsprache, Gesprächsanalyse, Korpuslinguistik, Deixis, Konstitution, Flexion, Pronominalisierung, Hinweischarakter, Referenz, Sprachregister

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die verschiedenen Verwendungsweisen und Funktionen der Pronomina "der/die/das" und "dieser/diese/dieses" in der gesprochenen deutschen Sprache.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die grammatische Kategorisierung, die deiktische Funktion (Zeigefunktion), der stilistische Wert sowie das Auftreten dieser Wörter im Kontext von Nähe- und Distanzsprache.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob und wie sich die Verwendungshäufigkeit und Funktion dieser Demonstrativpronomina zwischen alltäglichen Gesprächen und formellen Prüfungsgesprächen unterscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Aufarbeitung grammatischer Ansätze mit einer empirischen Korpusanalyse basierend auf dem "Forschungs- und Lehrkorpus gesprochenes Deutsch" (FOLK).

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der formalen und funktionalen Unterschiede der Pronomina sowie eine praktische Gesprächsanalyse ausgewählter Korpusbelege.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Demonstrativpronomen, Deixis, Nähesprache, Distanzsprache, Referenz, Korpusanalyse und Flexionsformen.

Inwiefern beeinflusst das Sprachregister die Wahl des Demonstrativpronomens?

Die Analyse zeigt, dass in distanzsprachlichen Kontexten "dieser" häufiger vorkommt, während in nähesprachlichen Konversationen das "der-Pronomen" dominiert.

Wird das "der-Pronomen" in der gesprochenen Sprache tatsächlich als unhöflich wahrgenommen?

Die Arbeit stellt fest, dass das "der-Pronomen" zwar oft als unhöflich gilt, dies aber primär auf seine hohe Frequenz und nicht auf den Inhalt zurückzuführen ist; es kann je nach Kontext sogar honorativ verwendet werden.

Welche Rolle spielt die "Zeigegeste" bei der Verwendung dieser Pronomina?

Zeigegesten und Adverbien unterstützen die Referenzbildung, wobei das "der-Pronomen" aufgrund seiner schwächeren deiktischen Markierung häufiger auf solche Hilfsmittel angewiesen ist als "dieser".

Bestätigen die Ergebnisse die These zur Überlegenheit von "dieser"?

Die empirischen Ergebnisse untermauern die These zur stilistischen Überlegenheit von "dieser" nur bedingt, da die tatsächliche pronominale Verwendung sehr gering ist und der adnominale Gebrauch stärker in die Betrachtung einbezogen werden muss.

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Details

Title
Die Verwendung zweier unterschiedlicher Demonstrativpronomina in gesprochenem Deutsch
Subtitle
Der/die/das vs. dieser/diese/dieses
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Institut für Germanistik)
Course
Text und Pronomen
Grade
1,0
Author
David Horak (Author)
Publication Year
2013
Pages
24
Catalog Number
V274635
ISBN (eBook)
9783656673170
ISBN (Book)
9783656673156
Language
German
Tags
Pronomen Demonstrativpronomen Demonstrativa Gesprächsanalyse Textlinguistik der die das dieser diese dieses
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Horak (Author), 2013, Die Verwendung zweier unterschiedlicher Demonstrativpronomina in gesprochenem Deutsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274635
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