Der Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Pedro Almodóvar. Hysterie unter Frauen, Ästhetik und die Farbe Rot

Das frühe Kino der Attraktionen und das klassische Kino


Hausarbeit, 2014

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Inhalt und zentrale Themen von „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
2.1 Regie und Filmfakten zu „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
2.2 Inhaltsbeschreibung des Filmes
2.3 Zentrale Themen im Film

3 Komik und Lachen in "Frauen am Rande des
Nervenzusammenbruchs"
3.1 Gratwanderung zwischen Groteske, Slapstick- und Screwball-Komödie
3.2 Hysterie unter Frauen
3.3 Besonderheiten und anderweitige Handlung

4 Das filmische Erzählen von Pedro Almodóvar in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“
4.1 Die Ästhetik des frühen Kinos der Attraktionen
4.2 Die Farbe Rot und die Anlehnung an das klassische Kino
4.3 Das dramaturgische Potenzial des Telefons

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit dem Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ gelang Pedro Almodóvar im Jahre 1988 ein großer internationaler Erfolg, der für ihn damit verbunden war, dass er für den Oscar nominiert wurde. Der Film ist eine turbulente wortwitzige Komödie, die voller Situationskomik ist, aber auch als Sozialsatire verstanden werden kann. Wie Pedro Almodóvar oft selbst in Interviews betont hat, lehnt er es ab, dass seine Filme in bestimmte Genres eingeordnet werden können. Vielmehr geht es ihm darum, bestimmte Elemente für seine Filme zu verwenden und diese dann wie Bausteine zusammenzusetzen. Darauf entsteht dann ein typischer Film von Almodóvar, der sowohl Elemente des klassischen, aber auch des postmodernes Kinos verbindet. Deshalb lassen sich die Filme Almodóvars auch nicht unbedingt mit dem Begriff ‚postklassisches Kino’ verbinden. Zentral für Almodóvar ist dabei, interessante Geschichten zu erzählen (vgl. D’Lugo 1995, S. 125ff.).

Die typischen filmischen Elemente des Films „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ können anhand verschiedener charakteristischer Bestandteile aufgezeigt werden. Dabei geht es darum, einmal die für die Filmsprache dieses Films wesentlichen Inhalte darzustellen, aber auch die Elemente des klassischen Kinos aufzuzeigen. In dieser Arbeit geht es ferner darum, ebendiese beiden Elemente der Filmsprache des Films „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ zu erläutern. Dabei fokussiert die Arbeit neben einer kurzen Darstellung des Inhalts und der zentralen Themen vor allem die Betrachtung der Gratwanderung zwischen Groteske, Slapstick- und Screwball-Komödie. Zudem soll auf die Hysterie unter Frauen sowie die Herausstellung der Verbindung Hysterie und Medien genauer eingegangen werden. Bezeichnend sind dabei auch die Charaktere, die zusammen ein unvergleichbares Konstrukt überzogener Realität bilden sowie die drei Schwerpunkte des Kinos der Attraktionen, der Farbe Rot und der dramatischen Rolle des Telefons.

2 Inhalt und zentrale Themen von „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“

2.1 Regie und Filmfakten zu „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“

Unter dem Originaltitel „Mujeres al borde de un ataque de nervios” erschien der spanische Film “Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs” im Jahre 1988. Regie bei dieser Tragikomödie führte Pedro Almodóvar. Ebenfalls verfasste er das Drehbuch nach einem Skript des französischen Autors Jean Cocteau. Pedro Almodóvar ist unter starkem Einfluss katholischer Erziehung aufgewachsen. Sexualtität war stets als Tabuthema angesehen. Sein erster Film aus dem Jahre 1980, „Pepi, Luci, Bom und der Rest der Bande“ mit dem Originaltitel „Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón”, gilt als Befreiungsschlag aus den gemachten Erfahrungen in dieser katholischen Erziehung. Folge war eine ausführliche Thematisierung von Tabus, wie zum Beispiel Drogen, Sado-Maso und Sex. Almodóvar ist zudem der wohl bekannteste Vertreter der sogenannten “Movida Madrileña”, spanisch für Madrider Bewegung, in der die Unterdrückten endlich ihre wiedergewonnene Freiheit ausleben konnten. Die Madrider Jugend, „[...] die begreiflicherweise völlig enthemmt auf die Befreiung von der verlogenen moralischen Repressivität des Franco-Systems reagiert […]“ proklamiert „Lust als höchstes Gut und Bedingung für Glückseligkeit“ (Walter 2004, S. 736.).

Der Farbfilm dauert in der vorliegenden Version (vgl. 3sat, 02. Sept. 2012, 21:55h) 85 Minuten, produziert wurde er im Kinofilmformat 1:1,85 und auf 35mm Film entwickelt. Es handelt sich bei dem gewählten Filmformat um ein extremes Breitwandformat, dass lediglich an das US-amerikanischen Cinemascope angelehnt ist. Originalsprache ist Spanisch.

2.2 Inhaltsbeschreibung des Filmes

Hauptpersonen des Films sind Pepa und ihr Partner Iván, mit dem sie bereits seit vielen Jahren zusammen ist. Beide arbeiten als Synchronsprecher in Madrid. Als Iván sich für eine neue Geliebte entscheidet und die Beziehung mit Pepa mit einer Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter beendet, kommt es zu den ersten turbulenten Verwicklungen. Da Pepa ein Kind von Iván erwartet und deshalb einen weiteren Anruf von ihm erhofft, der aber ausbleibt, steht sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Im Synchronstudio fällt sie in Ohnmacht. Im Folgenden wird Pepas Wohnung zum Treffpunkt etlicher Menschen, die alle irgendwie mit Iván oder mit der von ihm beendeten Beziehung mit Pepa in Verbindung stehen. So z.B. Lucía, mit dem Iváns einmal verheiratet war, die Pepa aber auch nicht helfen kann, selbst aber psychisch labil ist aufgrund der beendeten Ehe mit Iván und einige Jahre in der Psychiatrie verbracht hat. Da ist außerdem noch Pepa nervige Freundin Candela, eine Hypochonderin. Sie glaubt, dass sie von der Polizei gesucht wird, weil sich ihr Geliebter als shiitischer Terrorist entpuppt hat. Mittlerweile hat Pepa bereits einen Immobilienmakler beauftragt, ihre Wohnung, in der sie fast alles an Iván erinnert, zu vermieten. Die ersten Interessenten sind Carlos und Marisa. Bei der Besichtigung zeigt sich, dass Iván und Lucía die Eltern von Carlos sind. Währenddessen bemüht sich Pepa intensiv, Iván zu finden, damit sie ihm von der Schwangerschaft erzählen kann, wobei sie hofft, dass er seine neue Geliebte verlässt und zu ihr zurückkehrt. Nach etlichen temporeichen Szenen und nervösen Konfrontationen kommt es zum Showdown am Flughafen, wo die rasende Lucía versucht, Iván zu töten, aber von Pepa daran gehindert wird. Als Iván feststellt, dass er dem Tod gerade entronnen ist, bietet er Pepa an, noch einmal miteinander zu reden. Doch gerade in diesem Augenblick fällt Pepa auf, dass sie Iván nicht braucht, um das Kind großzuziehen. Sie beschließt, das Kind ohne den Vater großzuziehen. Als Pepa in ihre Wohnung zurückkehrt, findet sie dort Marisa vor, die auf der Terrasse eingeschlafen ist. Sie hatte einen Schluck von der Gazpacho genommen, die Schlaftabletten von Pepa enthielten. Der Film endet damit, dass Pepa feststellt, dass sie mit Marisa eine neue Freundin gewonnen hat und nicht mehr aufgebracht darüber ist, Iván verloren zu haben. Pepa beschließt ihre Wohnung zu behalten (vgl. Almodóvar 1988, „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“).

2.3 Zentrale Themen im Film

Das zentrale Thema des Films „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ leitet sich aus dem Titel des Films ab. Der Zustand einer Frau kurz vor dem Nervenzusammenbruch entspricht einem Gefühlszustand hektischer Aufregung vor dem Hintergrund krisenhafter Lebensereignisse, immer verbunden mit einem Wunsch nach großen Gefühlen und Gesten großer Melodramatik, aus der sich aber auch eine gewisse Komik ergibt. Es geht aber auch in „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ wie in fast allen Filmen von Almodóvar um verstrickte Obsessionen (vgl. Rusegger 2008, S. 331.), bei denen es sich in diesem Fall um die großen Gefühle Pepas für Ivan handelt. Die Inszenierung dieser Obsession bildet den Hintergrund einer schrillen, bunten Geschichte voller Kitsch und Theatralik.

3 Komik und Lachen in "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs"

3.1 Gratwanderung zwischen Groteske, Slapstick- und Screwball-Komödie

Während des ganzen Filmes spielt Verfremdung eine zentrale Rolle, die Sinnbild für eine komische Verarbeitung der Gesellschaft sein soll. Das Groteske beherrscht die einzelnen Szenen. Aufgezeigt am Beispiel, in der Ohrringe in Form von Kaffeekannenohrringen in Nahaufnahme (vgl. Almodóvar 1988, z.B. 0:25:08-0:25:10), sowie Detailaufnahmen des Anrufbeantworters (vgl. ebd.: 0:30:17-0:30:19) bildkünstlerisch und in Form literarischer Darstellungsweisen, in denen Gegensätze wie Grauen und Komik, Lächerlichkeit und Bedrohung, Zierlichkeit und Monstrosität in eine Einheit gebracht werden. Abgeleitet vom italienischen grottesco zu grotta“Höhle” oder “Grotte” zeigt die, unter diesen verfremdeten Bedingungen auftretenden Protagonisten. Wesen, die in der Grotte Lebensraum haben, aber kein natürliches Aussehen vorweisen. Mit Groteske geht auch felsige Dunkelheit einher. Nicht nur in szenisch verwendeten Mitteln wird dies sichtbar. Deutlich wird Groteske auch in Verhaltensweisen. Ein bezeichnendes Beispiel sind Telefonate die verpasst werden (vgl. ebd.: z.B. 0:15:03-0:15:35). Hier wird deutlich, das Verfremdung medial versetzt in Entfremdung über geht.

[...]

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Details

Titel
Der Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Pedro Almodóvar. Hysterie unter Frauen, Ästhetik und die Farbe Rot
Untertitel
Das frühe Kino der Attraktionen und das klassische Kino
Hochschule
Universität Passau  (Philosophische Fakultät, Medien und Kommunikation)
Veranstaltung
Seminar: Medialitätsforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V274985
ISBN (eBook)
9783656678236
ISBN (Buch)
9783656678168
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Almodovar, Filmanalyse, Filmkomödie, Medienwissenschaften, Medialitätsforschung, Ästhetik, ästhetische Kommunikation, Nervenzusammenbruch, Mujeres al borde de un ataque de nervios, Oscar Verleihung, filmische Elemente, Groteske, Slapstick, Screwball, Komödie, Freud, Bergson, Lachen, Ritter, Kino, klassische, Farbe Rot, spanien, katholisch
Arbeit zitieren
Daniel Lorenzer (Autor), 2014, Der Film „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Pedro Almodóvar. Hysterie unter Frauen, Ästhetik und die Farbe Rot, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274985

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