In Deutschland nehmen sich jährlich ca. 10.000 Menschen das Leben (Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e.V., 2007 A). Mit zunehmendem Alter steigen die Suizidziffern an, zum jetzigen Zeitpunkt wird schon fast jeder zweite Suizid von Frauen über 60 Jahren verübt (Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e.V., 2007 C). Bei älteren Menschen sind auch insgesamt immer mehr Suizidversuche zu verzeichnen, was einen besorgniserregenden Zustand darstellt. Diese Bachelorarbeit wurde geschrieben, um die Thematik Suizid im Alter näher zu beleuchten. Sie beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren für das suizidale Verhalten vieler alter Menschen ursächlich sind, wie suizidale Tendenzen erkannt werden und was die Gesellschaft präventiv leistet, um Selbstmorde im Vorfeld zu verhindern. Die Autorin erfasst Einzelergebnisse und wissenschaftlich begründete Behauptungen aus der Literatur, um ein nachvollziehbares Bild der Situation entstehen zu lassen. Persönlich durchgeführte Interviews sollen diese Ergebnisse ergänzen. Suizid im Alter betrifft auch in hohem Maße die Profession der sozialen Arbeit und Sozialarbeiter können in ihrer Arbeit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, suizidale Verhaltensweisen zu verhindern. Die Autorin stellt aus diesem Grund zusätzlich einen Bezug zur sozialen Arbeit her.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Aktuelle Lage und Begriffsklärung
2. Risikofaktoren Suizid
2.1 Körperliche Faktoren
2.2 Psychische Faktoren
2.2.1 Depressionen
2.2.2 Demenz
2.3 Soziale Faktoren
2.3.1 Familiensituation
2.3.2 Zwischenmenschliche Situation
2.3.3 Ausscheiden aus dem Erwerbsleben
2.3.4 Soziale Isolation und Einsamkeit
2.4 Exemplarisches Beispiel einer Studie
3. Vorboten und Signale einer Suizidgefährdung
4. Diagnostik Suizid
4.1 Gespräch
4.2 Abschätzung Suizidalität
5. Prävention
5.1 Primäre Prävention
5.1.1 Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention
5.1.2 Nationales Suizidpräventionsprogramm für Deutschland
5.1.3 Individuelle Vorbeugung des alten Menschen
5.2 Sekundäre Prävention
5.2.1 Suizidprävention durch den Hausarzt
5.2.2 Krisenintervention
5.2.3 Einweisung in psychiatrische Klinik
5.2.4 Behandlung suizidaler Personen im Krankenhaus
5.2.5 Regeln im Umgang mit suizidalen alten Menschen
5.3 Tertiäre Prävention
5.3.1 Medikamentöse Behandlung
5.3.2 Psychotherapie
5.3.3 Sozialarbeit
5.3.4 Hilfen für Hinterbliebene
6. Interviewteil
6.1 Allgemeine Informationen
6.2 Auswertung
6.2.1 Themenschwerpunkt Beziehung Einrichtung zu Suizid
6.2.2 Themenschwerpunkt Ursachen Suizid
6.2.3 Themenschwerpunkt Vorboten und Signale
6.2.4 Themenschwerpunkt Prävention
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Ursachen, die Erkennung und die Präventionsmöglichkeiten von Suizidalität bei alten Menschen. Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für suizidales Verhalten im Alter zu entwickeln und aufzuzeigen, welchen Beitrag die soziale Arbeit und andere Akteure zur Suizidprävention leisten können.
- Risikofaktoren für Suizidalität im Alter (körperlich, psychisch, sozial)
- Erkennung von Vorboten und Signalen einer suizidalen Gefährdung
- Methoden der ärztlichen und psychosozialen Diagnostik
- Präventionsstrategien (Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention)
- Praktische Einblicke durch Experteninterviews im Bereich der Altenhilfe
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Depressionen
Depressionen gehören zur Gruppe der affektiven Störungen. Bei einer affektiven Störung ist das emotionale Gleichgewicht gestört (Gerrig & Zimbardo, 2008, S. 565). Eine Depression lässt sich demnach wie folgt umschreiben: „Eine depressive Störung ist gekennzeichnet durch eine länger anhaltende (mindestens zwei Wochen) depressive Verstimmung oder Freudlosigkeit sowie eine Anzahl von Symptomen, die diese depressive Stimmung oder Freudlosigkeit begleiten.“ (Bronisch, 1995, S. 38)
Etwa jeder vierte Mensch über 65 Jahren erkrankt an einer Form der Depression. Ältere Menschen leiden dabei zu 14 Prozent an ernsthaften Depressionen und zu 33 Prozent an depressiven Symptomen bzw. leichteren Formen der Schwermut. Bei älteren Menschen, die in Heimen leben, zeigt sich ein prozentualer Anteil bis über 30 Prozent. Dabei erhöhen körperliche Erkrankungen das Risiko, eine Depression zu bekommen. Dann steigt der prozentuale Anteil schon über 40 Prozent (Hautzinger, 2006, S. 28 - 29).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik des Alterssuizids sowie Erläuterung der Relevanz für die Gesellschaft und die Profession der Sozialen Arbeit.
1. Aktuelle Lage und Begriffsklärung: Darstellung der statistischen Daten zur Suizidalität im Alter und Definition grundlegender Begriffe.
2. Risikofaktoren Suizid: Analyse der körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren, die bei älteren Menschen das Risiko für suizidales Verhalten erhöhen.
3. Vorboten und Signale einer Suizidgefährdung: Identifikation von Verhaltensweisen und Äußerungen, die auf eine suizidale Absicht hindeuten können.
4. Diagnostik Suizid: Beschreibung von Gesprächsführung und Testverfahren zur Einschätzung einer Suizidalität.
5. Prävention: Detaillierte Darstellung von Maßnahmen der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention sowie Hilfsangeboten für Hinterbliebene.
6. Interviewteil: Auswertung von Experteninterviews mit in der Altenhilfe tätigen Fachkräften zur praktischen Handhabung des Themas Suizid.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf notwendige Entwicklungen in der Suizidprävention für alte Menschen.
Schlüsselwörter
Alterssuizid, Suizidprävention, Depression im Alter, Demenz, Risikofaktoren, Krisenintervention, Soziale Arbeit, Altenhilfe, Suizidalität, psychosoziale Betreuung, Gesprächsführung, Hausarzt, Hinterbliebene, Suizidrisiko, Gerontopsychiatrie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik des Suizids im höheren Lebensalter unter Berücksichtigung von Ursachen, Erkennungsmöglichkeiten und präventiven Ansätzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Identifikation von Risikofaktoren, der diagnostischen Einschätzung durch Fachkräfte und der Darstellung von Präventionsmaßnahmen in drei Stufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das suizidale Verhalten älterer Menschen zu schaffen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie suizidale Krisen frühzeitig erkannt und bewältigt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse sowie auf die Auswertung persönlicher Experteninterviews mit Fachkräften aus der Altenhilfe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Risikofaktoren, die Diagnostik von Suizidalität, präventive Maßnahmen und die qualitative Auswertung von Praxisinterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Alterssuizid, Suizidprävention, Soziale Arbeit, Depression im Alter, Krisenintervention und Altenhilfe.
Welche Rolle spielt der Hausarzt in der Suizidprävention bei Senioren?
Der Hausarzt fungiert als zentrale Vertrauensperson und Koordinationsstelle, da er oft über Jahre hinweg engen Kontakt zu den Patienten hält und häufig die erste Anlaufstelle in Krisensituationen ist.
Inwiefern beeinflusst der Faktor "Demenz" das Suizidrisiko?
Demenz gilt als kritische Phase, insbesondere zu Beginn der Erkrankung, wenn die Betroffenen den Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten bemerken und unter dem Gefühl der Ohnmacht leiden.
Welchen Stellenwert nimmt die Sozialarbeit bei der Suizidverhütung im Alter ein?
Sozialarbeiter wirken als wichtiges Bindeglied zwischen medizinischer Versorgung und psychosozialer Unterstützung; sie bieten Einblicke in die Lebenswelt der Betroffenen und begleiten diese in ihren Krisen.
Warum ist die Arbeit mit Hinterbliebenen nach einem Suizid wichtig?
Hinterbliebene tragen selbst ein erhöhtes Risiko für psychosoziale Beschwerden und Depressionen, weshalb sie eine professionelle Unterstützung bei der Trauerverarbeitung und Krisenbewältigung benötigen.
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- Nicole Zeitler (Autor), 2010, Suizid im Alter. Ursachenforschung, Diagnostik und Möglichkeiten zur Vermeidung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274987