Die allgemeine Grundschule wurde in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführt. Von dieser Zeit an stellt die problemlose Einschulung möglichst aller Schulanfänger eine ganz besondere Herausforderung dar. In Europa gibt es bezüglich des Aufnahmealters und der Aufnahmebedingungen sowie bei der Gestaltung der Schuleingangsphase Unterschiede.
Auch innerhalb der Bundesrepublik Deutschland weichen die Einschulungspraktiken zum Teil stark voneinander ab. Grund hierfür ist zum einen, dass es bis heute keine allgemein gültige Vorstellung von Schulfähigkeit gibt. Zum anderen sind in den letzten Jahrzehnten zwar eine Fülle verschiedener Einschulungsverfahren entwickelt worden, jedoch gibt keines dieser Verfahren Sicherheit darüber, das Verhältnis zwischen dem Entwicklungsstand des Kindes und den Möglichkeiten der Schule verlässlich zu diagnostizieren.
Das Gelingen des Schulanfangs hat für fast jedes Kind prägende Auswirkungen auf die persönlichen Einstellungen und Haltungen zur Schule und zum Lernen. Deshalb muss Schule, insbesondere die Schulanfangshase, darauf ausgerichtet sein, allen Kindern von Anfang an Chancengleichheit zu ermöglichen.
Aus dem Inhalt:
- Gesetzliche Regelungen zur Einschulung;
- Von Schulreife zur Schulfähigkeit
- Die neue Schuleingangsphase
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesetzliche Regelungen zur Einschulung
3. Von Schulreife zur Schulfähigkeit
3.1 Schulreife auf Grundlage der Reifungstheorie
3.2 Schulfähigkeit auf Grundlage der Lerntheorie
3.3 Schulfähigkeit aus ökosystemischer Sicht
4. Die neue Schuleingangsphase – das Konzept für einen kindgerechten Schulanfang?
4.1 Idee des neuen Konzeptes
4. 2 Merkmale des neuen Konzeptes
4.3 Umsetzung der neuen Schuleingangsphase in NRW
4.4 Wie ist die Einführung des Konzeptes in NRW zu bewerten?
5. Zusammenfassung
6 Quellennachweis (inklusive weiterführender Literatur)
6.1 Abbildungsverzeichni
6.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung und die konzeptionellen Veränderungen des Schulanfangs, insbesondere den Übergang von der Schulreife zur Schulfähigkeit sowie die Einführung der neuen Schuleingangsphase in Nordrhein-Westfalen als Beitrag zu einem kindgerechten Schulanfang.
- Historische Betrachtung der Theorien von Schulreife und Schulfähigkeit.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Einschulungspraktiken.
- Evaluierung des Konzepts der neuen Schuleingangsphase.
- Diskussion über die Anforderungen an eine kindgerechte Unterrichtsgestaltung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Schulreife auf Grundlage der Reifungstheorie
Der Begriff Schulreife basiert auf dem Reifungskonzept des Heidelberger Professors Artur Kern (1902-1988). Der Hauptvertreter des Schulreifekonzeptes befasste sich 1951 in seinem Buch ‚Sitzenbleiberelend und Schulreife – ein psychologisch pädagogischer Beitrag zu einer inneren Reform Grundschule’ mit der schulischen Situation seiner Zeit. (vgl. Faust-Siehl 1999b, S. 94) Nach dem Krieg erreichten auffällig viele Schüler keinen Schulabschluss. Die meisten Kinder, die damals ein Schuljahr wiederholen mussten, wurden in den ersten zwei Schuljahren nicht versetzt. Nach Kern ist die hohe Zahl der Sitzenbleiber auf eine falsch organisierte Einschulung zurückzuführen und aus pädagogischer und psychologischer Sicht nicht mehr zu vertreten. (vgl. Kern 1958, S. 1ff) Die Hauptschuld beim Versagen in den ersten beiden Schuljahren tragen also nicht die Kinder, sondern das Schulsystem. Der Grund dafür liegt in der Einschulung von Kindern vor ihrem Erreichen der nötigen Reife. Die betroffenen Kinder sind also nicht weniger begabt, lediglich ihre Reife ist verzögert. Deshalb wird von Artur Kern eine Änderung in der Einschulungspraxis gefordert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen bei der Einschulung, die historische Varianz der Konzepte und die Notwendigkeit, Schule kindgerecht zu gestalten.
2. Gesetzliche Regelungen zur Einschulung: Dieses Kapitel erläutert die rechtliche Entwicklung der Einschulungskriterien und das variierende Schuleintrittsalter in Deutschland und Europa.
3. Von Schulreife zur Schulfähigkeit: Der Autor stellt die Entwicklung der theoretischen Konzepte von der reinen Reifungstheorie über lerntheoretische Ansätze bis hin zur ökosystemischen Sichtweise dar.
4. Die neue Schuleingangsphase – das Konzept für einen kindgerechten Schulanfang?: Das Hauptkapitel analysiert die Struktur, Merkmale und Umsetzung der flexiblen Schuleingangsphase in Nordrhein-Westfalen sowie deren kritische Bewertung.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass der Schulanfang kindgerechter geworden ist, mahnt jedoch Zeit und bessere Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Reformumsetzung in NRW an.
6 Quellennachweis (inklusive weiterführender Literatur): Dieser Abschnitt dokumentiert die verwendeten Quellen sowie das umfassende Literaturverzeichnis der Arbeit.
Schlüsselwörter
Schulanfang, Schuleingangsphase, Schulfähigkeit, Schulreife, Grundschule, Reifungstheorie, Lerntheorie, ökosystemisches Modell, Einschulung, NRW, Frühförderung, individuelle Förderung, Grundschulverband, Diagnostik, jahrgangsübergreifender Unterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geschichtlichen und konzeptionellen Entwicklung der Einschulung in Deutschland, wobei ein besonderer Fokus auf dem Wechsel von einer defizitorientierten Schulreifetheorie hin zu einem förderorientierten Verständnis von Schulfähigkeit liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen historische Reifungstheorien, lerntheoretische und systemische Konzepte der Schulfähigkeit sowie die spezifische Ausgestaltung und Evaluation der neuen Schuleingangsphase in Nordrhein-Westfalen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Entwicklung zum kindgerechten Schulanfang aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit das Konzept der neuen Schuleingangsphase in NRW diesem Anspruch unter den gegebenen Rahmenbedingungen gerecht wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgreifende Literaturanalyse, die theoretische Modelle sowie fachpolitische Stellungnahmen und Gesetzestexte aus den vergangenen Jahrzehnten kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Theorien (Reifung, Lernen, Ökosystemik) und eine detaillierte Untersuchung des aktuellen Strukturwandels in nordrhein-westfälischen Grundschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schulfähigkeit, Schuleingangsphase, individuelle Förderung, Systemtheorie des Lernens und die Gestaltung des Anfangsunterrichts.
Warum wird die klassische Reifungstheorie heute als überholt angesehen?
Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass Fähigkeiten wie die visuelle Gliederung durch gezielte Förderung und eine anregungsreiche Lernumgebung erheblich verbessert werden können, anstatt nur passiv auf eine biologische Reife zu warten.
Welche Kritik übt der Grundschulverband an der Einführung der neuen Schuleingangsphase in NRW?
Der Grundschulverband kritisiert primär das zu hohe Tempo der Umsetzung, die unzureichende Ausstattung mit Sozialpädagogen sowie die mangelnde Vorbereitung der Lehrkräfte und fordert stattdessen eine flächendeckende Unterstützung der bereits existierenden Schulversuche.
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- Julia van Risswick (Author), 2005, Schuleingangsentwicklung. Veränderungen für einen kindgerechten Schulanfang, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275048