Die hier besprochenen Bronzegefäße aus den vor-Han-zeitlichen Dynastien werden meist in drei Kategorien eingeteilt: Wein-, Wasser- und Speisegefäße. Dabei lässt sich noch zwischen Gefäßen unterscheiden, die zum Zubereiten bzw. Erhitzen von Speisen oder Flüssigkeiten dienten und denen, die man zur Aufbewahrung bzw. Darbietung benutzte, was sich in der Praxis jedoch nicht eindeutig nachweisen lässt. Hinweise auf die Verwendung gibt es nur selten so deutlich wie bei vielen Dings (s. Kapitel 321).
Diese Einteilung soll der Übersicht über die hier vorgestellten Objekte dienen, lässt sich jedoch nicht völlig absichern, denn die Bezeichnung archaischer chinesischer Bronzen birgt mehrere Probleme in sich. Uns stehen hierfür zwar mehrere Quellen zur Verfügung, jedoch kann keine davon eine Sicherung der Benennung bieten. Während einige Gefäße mit Inschriften versehen sind, die Hinweise auf ihre Bezeichnung und den Hersteller bzw. Produktionsort und –grund geben, ist die Mehrzahl von ihnen unbeschriftet. Historische Quellen sind dabei zwar genauer und vor allem umfangreicher, jedoch liegt ihr Problem hauptsächlich darin, Jahrhunderte nach der Produktion der beschriebenen Behälter verfasst worden zu sein. Dabei sind zum einen das Shuowen Jiezi von Xu Shen und zum anderen das Kaogu tu von Lü Dalin zu nennen. Ersteres ist das erste systematisierte chinesische Wörterbuch aus der östlichen Han-Dynastie um 121 n. Chr . Das Kaogu tu ist eine Art Katalog mit Illustrationen, Bezeichnungen, Maßen und teilweise auch Herkunftsorten von 211 Bronze- und 13 Jadegefäßen. Es wurde zur Zeit der nördlichen Song-Dynastie, im Jahre 1092 n. Chr., fertig gestellt . Da sich die aktuelle Forschung hauptsächlich auf die Arbeit der Song-Gelehrten stützt, sei an dieser Stelle noch das Xuanhe bogu tu aus dem Jahre 1111 n. Chr. erwähnt, das eine solche Übersicht über 836 Objekte in 20 Kategorien bietet . Der zeitliche Abstand zwischen Produktion und heute benutzter Benennung und Beschreibung altertümlicher chinesischer Bronzen beträgt also bis zu zweitausend Jahre. Das führt nicht nur zwangsläufig zu unsicheren Bezeichnungen, sondern auch zu unsicherer Kategorisierung. Meiner Meinung nach lässt sich auch nur einige Jahrhunderte später nicht genau beschreiben, wie und wofür bestimmte Gefäße eingesetzt wurden, wenn es keine präzise Überlieferung gibt. Dabei geht ohne eine solche besonders der Wandel im Gebrauch der Gegenstände unter.
Inhaltsverzeichnis
1. Chronologie der Shang- und Zhou-Dynastie
2. Kategorisierungs- und Bezeichnungsschwierigkeiten
3. Bronzegefäße
3.1 Weinbehälter
3.1.1 Jue 爵
3.1.2 Jia 斝
3.1.3 He 盉
3.1.4 You 卣
3.1.5 Pou 瓿
3.1.6 Lei 罍
3.1.7 Zun 尊
3.1.8 Gu 觚
3.1.9 Hu 壺
3.1.10 Fang Yi 方彝
3.1.11 Gong 觥
3.2 Wasserbehälter
3.2.1 Pan 盤
3.2.2 Jian 鑑
3.3 Speisegefäße
3.3.1 Ding 鼎
3.3.2 Li 鬲
3.3.3 Yu 盂
3.3.4 Gui 簋
3.3.5 Dou 豆
3.3.6 Fu 簠
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen fundierten Überblick über die wichtigsten Typen chinesischer Bronzegefäße aus der Shang- und Zhou-Dynastie und analysiert deren charakteristische Merkmale anhand ausgewählter Exponate. Ziel ist es, die Komplexität der Kategorisierung dieser archaischen Objekte unter Berücksichtigung historischer Quellen und typologischer Unterscheidungsmerkmale zu verdeutlichen.
- Chronologische Einordnung der Shang- und Zhou-Dynastie
- Methodische Problematik der Kategorisierung und Benennung antiker Bronzen
- Detaillierte Analyse von Weinbehältern (z.B. Jue, Jia, Zun)
- Untersuchung von Wasser- und Speisegefäßen (z.B. Pan, Jian, Ding, Gui)
- Diskussion über Form, Funktion und rituellen Nutzen der Artefakte
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Jue 爵
Das Jue (Abb. 1) besteht aus einem Korpus mit rundem Querschnitt und flachem oder rundem Boden. Nach oben hin wird seine Form oval und schmaler, da sie fließend in einen spitz zulaufenden Ausläufer auf der einen und einen Schnabel auf der gegenüberliegenden Seite übergeht. Am Schnittpunkt von Lippe und Schnabel des Gefäßes befindet sich eine Art Pfosten, der wiederum mit einer kegelförmigen, oben flachen Kappe bedeckt ist. An einer der Seitenwände ist ein Henkel angebracht. Die drei Beine sind im gleichen Abstand voneinander an der Unterseite des Bodens befestigt, während ein Bein stets unter dem Schnabel platziert ist. Sie laufen nach unten hinten spitz zu und sind dreieckigen Querschnitts.
Die Höhe des Jue reicht von ca. 15 – 40 cm und konnte somit aus praktischer Sicht je nach Größe wohl als Kanne verwendet werden, die auch zur Erhitzung von Flüssigkeiten diente. Speisenzubereitung erscheint mir aufgrund des tiefen Korpus als unpraktikabel und daher unwahrscheinlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Chronologie der Shang- und Zhou-Dynastie: Dieses Kapitel erläutert die historisch schwierige Datierung der frühen chinesischen Dynastien und entscheidet sich für die Nutzung der Bambusannalen als Referenzgrundlage.
2. Kategorisierungs- und Bezeichnungsschwierigkeiten: Hier werden die methodischen Hürden beim Umgang mit historischen Bezeichnungen und die Problematik der Einteilung in Wein-, Wasser- und Speisegefäße thematisiert.
3. Bronzegefäße: Das Hauptkapitel bietet eine detaillierte, typologische Bestandsaufnahme zahlreicher Gefäßtypen unter Einbeziehung ihrer spezifischen Formmerkmale und vermuteter Nutzungen.
Schlüsselwörter
Chinesische Bronzen, Shang-Dynastie, Zhou-Dynastie, Bronzegefäße, Archäologie, Typologie, Ritualobjekte, Gefäßformen, Kunstgeschichte, Weinbehälter, Wasserbehälter, Speisegefäße, Bambusannalen, Materialanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systematischen Darstellung und Analyse chinesischer Bronzegefäße aus der Shang- und Zhou-Dynastie hinsichtlich ihrer Formsprache und Typologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die chronologische Einordnung, die terminologischen Herausforderungen der Gefäßbenennung und die morphologische Untersuchung der Objekte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand repräsentativer Beispiele die charakteristischen Eigenschaften der wichtigsten Bronzetypen herauszuarbeiten und die Schwierigkeiten einer eindeutigen Kategorisierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse von Gefäßtypen unter Einbeziehung historischer Quellen (wie den Bambusannalen) und zeitgenössischer wissenschaftlicher Standardwerke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in Kategorien (Wein-, Wasser-, Speisegefäße) unterteilt und beschreibt detailliert Einzelobjekte wie Jue, Ding oder Gui anhand ihrer anatomischen Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Bronzegefäße, Shang- und Zhou-Dynastie, typologische Einordnung, rituelle Funktion und kunsthistorische Materialanalyse.
Welche Bedeutung haben Inschriften bei den untersuchten Bronzen?
Inschriften können zwar wichtige Hinweise auf Hersteller oder Ort geben, sind aber bei der Mehrheit der untersuchten Gefäße nicht vorhanden, was die historische Zuordnung erschwert.
Warum ist die Bestimmung der Funktion bei Gefäßen wie dem Dou schwierig?
Die Einordnung des Dou als Speisegefäß ist aufgrund der Ähnlichkeit zu westlichen Kelchen und der besonderen Deckelkonstruktion umstritten, da auch eine Nutzung als Flüssigkeitsbehälter denkbar wäre.
- Quote paper
- Tony Buchwald (Author), 2009, Chinesische Bronzen der Shang- und Zhou-Dynastie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275056