Chinesische Bronzen der Shang- und Zhou-Dynastie

Gefäßformen und -typen


Hausarbeit, 2009
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Chronologie der Shang- und Zhou-Dynastie

2. Kategorisierungs- und Bezeichnungsschwierigkeiten

3. Bronzegefäße
3.1 Weinbehälter
3.1.1 Jue 爵
3.1.2 Jia 斝
3.1.3 He 盉
3.1.4 You 卣
3.1.5 Pou 瓿
3.1.6 Lei 罍
3.1.7 Zun 尊
3.1.8 Gu 觚
3.1.9 Hu 壺
3.1.10 Fang Yi 方彝
3.1.11 Gong 觥
3.2 Wasserbehälter
3.2.1 Pan 盤
3.2.2 Jian 鑑
3.3 Speisegefäße
3.3.1 Ding 鼎
3.3.2 Li 鬲
3.3.3 Yu 盂
3.3.4 Gui 簋
3.3.5 Dou 豆
3.3.6 Fu 簠

Abbildungen

Bibliographie

Abbildungsnachweis

1. Chronologie der Shang- und Zhou-Dynastie

Die Datierung der Shang- und beginnenden Zhou-Dynastie ist ein Thema, das noch nicht vollends geklärt ist. Aufgrund verschiedener Quellen entstanden unterschiedliche Meinungen zu den genauen Eckdaten vor allem der Shang-Dynastie[1]. So haben sich zwei grobe Richtungen etabliert, nach denen unterschieden wird. Die traditionelle Chronologie bezieht sich auf die Aufzeichnungen von Gelehrten der Han-Dynastie, die wiederum auf einem Kalender basieren, der erst nach 105 v. Chr. Aufgezeichnet wurde[2]. Aufgrund des enormen Abstands zwischen den Aufzeichnungen und den beschriebenen geschichtlichen Vorgängen von mehreren Jahrhunderten liegt die Vermutung nahe, dass diese nicht exakt sein können. Die andere Methode der Einordnung, welche auch hier verwendet wird, beruht auf den Bambusannalen (Zhu shu ji nian竹書紀年) aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert. Diese können aufgrund anderer Berechnungen, die sich z.B. aus dem Shiji (史記) ableiten lassen und auf der Regierungsdauer mehrerer nachfolgender Feudalherren basieren, annäherungsweise bestätigt werden und werden daher gemeinhin als sicherer gesehen bzw. eher verwendet[3]. Ebenfalls aus dem Shiji ergibt sich die Datierung der Anyang-Periode, wobei die Benennung dieser Zeiten jeweils aufgrund der damaligen Hauptstadt erfolgte und durch die chemische Analyse der Patina[4] auf gefundenen Bronzestücken grob bestätigt werden kann. Also ist letztendlich keine Datierung als gesichert anzusehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Kategorisierungs- und Bezeichnungsschwierigkeiten

Die hier besprochenen Bronzegefäße aus den vor-Han-zeitlichen Dynastien werden meist in drei Kategorien eingeteilt[5]: Wein-, Wasser- und Speisegefäße. Dabei lässt sich noch zwischen Gefäßen unterscheiden, die zum Zubereiten bzw. Erhitzen von Speisen oder Flüssigkeiten dienten und denen, die man zur Aufbewahrung bzw. Darbietung benutzte, was sich in der Praxis jedoch nicht eindeutig nachweisen lässt. Hinweise auf die Verwendung gibt es nur selten so deutlich wie bei vielen Dings (s. Kapitel 321).

Diese Einteilung soll der Übersicht über die hier vorgestellten Objekte dienen, lässt sich jedoch nicht völlig absichern, denn die Bezeichnung archaischer chinesischer Bronzen birgt mehrere Probleme in sich. Uns stehen hierfür zwar mehrere Quellen zur Verfügung, jedoch kann keine davon eine Sicherung der Benennung bieten. Während einige Gefäße mit Inschriften versehen sind, die Hinweise auf ihre Bezeichnung und den Hersteller bzw. Produktionsort und –grund geben, ist die Mehrzahl von ihnen unbeschriftet. Historische Quellen sind dabei zwar genauer und vor allem umfangreicher, jedoch liegt ihr Problem hauptsächlich darin, Jahrhunderte nach der Produktion der beschriebenen Behälter verfasst worden zu sein. Dabei sind zum einen das Shuowen Jiezi (說文解字) von Xu Shen (許慎) und zum anderen das Kaogu tu (考古圖) von Lü Dalin (呂大臨) zu nennen. Ersteres ist das erste systematisierte chinesische Wörterbuch aus der östlichen Han-Dynastie um 121 n. Chr[6]. Das Kaogu tu ist eine Art Katalog mit Illustrationen, Bezeichnungen, Maßen und teilweise auch Herkunftsorten von 211 Bronze- und 13 Jadegefäßen. Es wurde zur Zeit der nördlichen Song-Dynastie, im Jahre 1092 n. Chr., fertig gestellt[7]. Da sich die aktuelle Forschung hauptsächlich auf die Arbeit der Song-Gelehrten stützt, sei an dieser Stelle noch das Xuanhe bogu tu

(宣和博古圖) aus dem Jahre 1111 n. Chr. erwähnt, das eine solche Übersicht über 836 Objekte in 20 Kategorien bietet[8]. Der zeitliche Abstand zwischen Produktion und heute benutzter Benennung und Beschreibung altertümlicher chinesischer Bronzen beträgt also bis zu zweitausend Jahre. Das führt nicht nur zwangsläufig zu unsicheren Bezeichnungen, sondern auch zu unsicherer Kategorisierung. Meiner Meinung nach lässt sich auch nur einige Jahrhunderte später nicht genau beschreiben, wie und wofür bestimmte Gefäße eingesetzt wurden, wenn es keine präzise Überlieferung gibt. Dabei geht ohne eine solche besonders der Wandel im Gebrauch der Gegenstände unter. Also muss ich darauf hinweisen, dass ich die Bezeichnungen und vor allem die Kategorisierung der nachfolgend besprochenen Bronzetypen nicht sichern kann. Da diese Arbeit jedoch einen kurzen Überblick über die wichtigsten Typen chinesischer Bronzegefäße geben soll, halte ich mich an die mir zur Verfügung stehenden Quellen bzw. an die zurzeit allgemein anerkannte Einordnung und Benennung.

Die Namen der Objekte verursachen ein weiteres Problem, da sie in keine westliche Sprache übersetzbar sind und uns somit stets fremd bleiben. Es ist nicht möglich, jedes Gefäß mit einem deutschen Wort zu benennen, da die chinesischen Bezeichnungen stets zu einem speziellen Gefäßtyp gehören, den es in der Geschichte der westlichen Kunst nie gegeben hat. Zudem gestaltet sich die Beschreibung äußerst schwierig, da gewisse Typen zwar unterschiedliche Bezeichnungen tragen, jedoch nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Meiner Meinung nach kann dies darauf hindeuten, dass es Veränderungen im Gebrauch der Gegenstände im Alltag gab und somit auch die Bezeichnungen einem Wandel unterlagen. Aufgrund der beschriebenen Quellengrundlage lässt sich das aber nicht direkt nachweisen.

Ich werde nun ein spezielles Gefäß jedes Typen auswählen und anhand dieses Beispieles jeweils die charakteristischen Eigenschaften herausarbeiten. Da die Übergänge zwischen einigen Gefäßtypen mitunter fließend sind, es aber den Umfang dieser Arbeit sprengen würde, auf jede Unregelmäßigkeit einzugehen, ist jedes Objekt nur als Stellvertreter für eine Masse von immer wieder leicht unterschiedlichen Objekten derselben Bezeichnung zu sehen.

3. Bronzegefäße

3.1 Weinbehälter

3.1.1 Jue 爵

Das Jue (Abb. 1) besteht aus einem Korpus mit rundem Querschnitt und flachem oder rundem Boden. Nach oben hin wird seine Form oval und schmaler, da sie fließend in einen spitz zulaufenden Ausläufer auf der einen und einen Schnabel auf der gegenüberliegenden Seite übergeht. Am Schnittpunkt von Lippe und Schnabel des Gefäßes befindet sich eine Art Pfosten, der wiederum mit einer kegelförmigen, oben flachen Kappe bedeckt ist. An einer der Seitenwände ist ein Henkel angebracht. Die drei Beine sind im gleichen Abstand voneinander an der Unterseite des Bodens befestigt, während ein Bein stets unter dem Schnabel platziert ist. Sie laufen nach unten hinten spitz zu und sind dreieckigen Querschnitts.

Die Höhe des Jue reicht von ca. 15 – 40 cm[9] und konnte somit aus praktischer Sicht je nach Größe wohl als Kanne verwendet werden, die auch zur Erhitzung von Flüssigkeiten diente. Speisenzubereitung erscheint mir aufgrund des tiefen Korpus als unpraktikabel und daher unwahrscheinlich.

3.1.2 Jia 斝

Wie das Jue besteht das Jia (Abb. 2) aus drei spitz zulaufenden Beinen mit dreieckigem Grundriss und einem runden Korpus, der höher als breit ist und dem Behälter somit eine eher schlanke Form verleiht. Jedoch findet man hier weder einen schnabelförmigen Ausguss noch einen spitzen Ausläufer, wodurch es von oben gesehen kreisrund ist. Auf der Lippe stehen sich zwei viereckige Pfeiler mit aufgesetzten Kappen gegenüber, die an den Pfosten des Jue erinnern. Im Unterschied dazu wirkt es jedoch trotz seiner vertikal ausgerichteten Form massiver und breiter. Mit einer Höhe von ca. 40 – 70 cm (hier: 54 cm)[10] ist es in der Regel größer als sein Verwandter. Im Unterschied zu diesem fällt auf, dass aufgrund des fehlenden Ausgusses hier wohl eine andere Verwendung stattfand. Drei Beine zeigen sich auch im Ding (Kap. 3.3.1). Durch die Ähnlichkeit würde ich hier auch eine ähnliche Nutzung vermuten, also z.B. die Erhitzung des Inhalts.

3.1.3 He 盉

Der Korpus dieses Gefäßes (Abb. 3) geht fließend in die drei zum Boden hin dünner werdenden Beine über, wodurch der Eindruck entsteht, es bestünde nur aus Beinen und Mündung. Über einem der Beine befindet sich ein Henkel, dem gegenüber eine Tülle am Korpus angebracht ist. Im Gegensatz zu Jia und Jue ist das He mit einem Deckel versehen, der meist lose auf der Mündung aufliegt. In diesem Fall ist er zusätzlich mit einem Verbindungsstück durch zwei Ösen mit dem Korpus verbunden.

[...]


[1] Bagley, Robert W.: The Great Bronze Age Of China, S. xv,

[2] Bagley, Robert W.: The Great Bronze Age Of China, S. xv

[3] Bagley, Robert W.: The Great Bronze Age Of China, S. xv; Ma Chengyuan: Ancient Chinese Bronzes, S. viii

[4] Brinker, Helmut: Bronzen aus dem alten China, S. 21

[5] Ma Chengyuan: Ancient Chinese Bronzes, S. 187; Deydier, Christian: Chinesische Bronzen, S. 197

[6] Brinker, Helmut: Bronzen aus dem alten China, S. 21/22

[7] Bagley, Robert W.: The Great Bronze Age Of China, S. 20

[8] Bagley, Robert W.: The Great Bronze Age Of China, S. 20

[9] Rawson, Jessica: Chinese Bronzes, S. 60; Ma Chengyuan: Ancient Chinese Bronzes, S. 98/99

[10] Bagley, Robert W.: The Great Bronze Age Of China, S. 141

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Chinesische Bronzen der Shang- und Zhou-Dynastie
Untertitel
Gefäßformen und -typen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Kunstgeschichte Ostasiens)
Veranstaltung
Chinesische Bronzen
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V275056
ISBN (eBook)
9783656674795
ISBN (Buch)
9783656674764
Dateigröße
4955 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China, Chinesisch, Kunst, Bronze, Bronzeguss, Skulptur, Gegenstände, Weingefäße, Speisegefäße, Bronzezeit, Zhou, Chou, Shang
Arbeit zitieren
Tony Buchwald (Autor), 2009, Chinesische Bronzen der Shang- und Zhou-Dynastie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275056

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