Die Industrieökonomik. Marktökonomische Grundlagen des strategischen Wettbewerbs


Hausarbeit, 2014
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Gegenstand der Arbeit
1.2 Theoretische Grundlagen
1.3 Die Industrieökonomik: Eine Theorie im engeren Sinne?
1.4 Praktische Relevanz und unternehmerische Anwendungsgebiete

2 Kernaussagen der Industrieökonomik
2.1 Von der Traditionellen zur Modernen Industrieökonomik
2.2 Marktökonomische Rahmenbetrachtung
2.3 Der oligopolistische Wettbewerb
2.4 Strategisches Wettbewerbsverhalten

3 Differenzierung und Innovationsanreize
3.1 Zusammenhang zwischen Innovationen und Industrieökonomie
3.2 Forschungswettbewerb in der Industrieökonomik

4 Entwicklung eines Forschungsdesigns
4.1 Formulierung des Forschungsproblems
4.2 Mögliche Forschungsmethodik

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Structure-Conduct-Performance-Paradigm

Abbildung 2: Möglichkeiten des strategischen und nicht strategischen Handelns

Abbildung 3: Marktwirtschaftliche Folgen einer Prozessinnovation

Abbildung 4: Auswirkungen der F&E auf den Unternehmensgewinn

1 Einleitung

1.1 Gegenstand der Arbeit

„Ersinne Finten, um den Feind zu schlagen und gegen ihn zu manövrieren! Aber auch der Feind wird Listen ersinnen und gegen Dich manövrieren!“[1] Das strategische (von altgriechisch strategema, Feldherrntätigkeit, Kunstgriff des Heerführers) Handeln einer Organisation hat eine jahrtausendealte Tradition im Militärwesen.[2] Das zeigt auch das Zitat des obermesopotamischen Königs Šamši-Adad I., der den Einsatz von Finten als Teil einer Kriegsstrategie schon im 18. Jahrhundert v. Chr. proklamierte, um seinen Feinden überlegen zu sein. Gegner militärisch zu besiegen war und ist für Staaten eine Notwendigkeit, um das eigene Überleben zu gewährleisten, bestehende Erfolge zu sichern und zu expandieren.

Die betriebswirtschaftliche Strategie hat das Prinzip des systematischen strategischen Handels aus dem Militärwesen adaptiert. Obgleich es in einer wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtung nicht mehr um den Einsatz einer Phalanx oder einer Testudo geht, so bleibt die grundsätzliche Motivation einer Aktivität erhalten: der Drang nach Aufrechterhaltung der eigenen Existenz bzw. der Überlegenheit im Verhältnis zur Konkurrenz. Unterschiedliche Theorien und Bezugsrahmen nehmen sich des strategischen Handelns und angrenzender Managementfunktionen an.[3]

Den Rahmen einer möglichen Betrachtung von Allokationsmechanismen und dem Verhalten unterschiedlicher Akteure im marktwirtschaftlichen Wettbewerb bietet die Industrieökonomik.[4] Vor dem Hintergrund, dass die Abschätzbarkeit der Interaktion zwischen dem Markt und Unternehmen bzw. den Wirtschaftssubjekten untereinander einen strategischen Wettbewerbsvorteil darstellt, können Organisationen mit einer gezielten Betrachtung dieser industrieökonomischen Prozesse einen Wissensvorsprung erlangen.[5] Mit Hilfe dieses wettbewerbsökonomischen Wissens ist es Unternehmen möglich, ihr unternehmerisches Handeln so auszurichten, dass sich ein nachhaltiger Erfolg einstellt.

Diese Arbeit stellt eine wissenschaftliche Einführung in die Industrieökonomik dar und soll ihre wichtigsten Facetten herausstellen. Neben einer Herleitung des theoretischen Fundaments soll die praktische Relevanz in Bezug auf konkrete Anwendungsgebiete behandelt werden. Darüber hinaus wird neben einer Betrachtung der traditionellen sowie der modernen Elemente der Industrieökonomik auch ein Verweis auf den oligopolistischen Wettbewerb erfolgen. Im Zuge einer Schwerpunktbetrachtung des Einflusses der Industrieökonomik auf Innovationsprozesse soll untersucht werden, wie sich das Modell der Industrieökonomik auf Innovationen auswirkt. Mit der Entwicklung eines möglichen Forschungsdesigns, inkl. des Entwurfs einer Methodik zur Bearbeitung des genannten Problems, schließt die Arbeit ab.

1.2 Theoretische Grundlagen

Als theoretisches Fundament der Industrieökonomik kann die Mikroökonomik als Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre gelten.[6] Ihr Gegenstand ist die Analyse des Verhaltens einzelner Wirtschaftssubjekte. Insbesondere werden Entscheidungs- und Koordinationsprobleme von Haushalten und Unternehmen sowie Allokationsprozesse im Marktmechanismus untersucht. Als wegweisender Begründer der Mikroökonomik kann dabei Adam Smith gesehen werden, der sich in seinem Hauptwerk The Wealth of Nations mit Marktmechanismen und Prozessen der Arbeitsteilung beschäftigt hat.[7]

Die Erkenntnis, dass mikroökonomische Betrachtungsweisen, u.a. durch die Annahme eines vollkommenen Marktes, Potentiale hinsichtlich der praktischen Anwendung nicht nutzen können, führte zu diversen Weiterentwicklungen des Konzepts.[8] Aus empirischen Problemen der Wettbewerbspolitik heraus etablierte sich die Industrieökonomik daraufhin Anfang der 1950er Jahre als eigenständiges Forschungsgebiet.[9]

Als prägende Ausrichtung der industrieökonomischen Forschung sollte sich die Harvard School herausstellen.[10] Begründet und vertreten wurde dieses Programm u.a. durch die Arbeiten der beiden Ökonomen Edward Sagendorph Mason (1949) sowie Joe Bain (1951, 1956). Heute wird dieser Ansatz als Traditionelle Industrieökonomik bezeichnet, welchem das Structure-Conduct-Performance-Paradigm zugrunde liegt.[11]

Parallel zu diesen wissenschaftlichen Ursprüngen kann die Wettbewerbsökonomie als großer Einflussfaktor auf die Forschung der Industrieökonomik gelten. In Bezug auf die ersten Oligopolmodelle von Antoine-Augustin Cournot (1838) und Joseph Louis François Bertrand (1883) und andere Forschungen zur Preisbildung sowie der Produktdifferenzierung entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten die Neuere (Moderne) Industrieökonomik.[12] Im Gegensatz zur stark empirisch geprägten Traditionellen Industrieökonomik zeigt die Neuere Industrieökonomik eine umfassendere Theoriebildung. Ergänzt wird der neuere Ansatz durch die Adaption spieltheoretischer Ansätze zur Beschreibung der strategischen Interaktion von Wirtschaftssubjekten in Entscheidungssituationen und die Rolle von Interdependenzen.[13]

Die im Vordergrund der Industrieökonomik stehende Interaktion von Marktsubjekten untereinander und gegenüber dem Markt an sich, lässt sich durch weitere Sichtweisen ergänzen, welche die industrieökonomische Forschung an sich beeinflussen. Als Beispiel sei die Theorie der Unternehmung genannt.[14] Mit der Behandlung von Fragestellungen der betrieblichen Organisation sowie der Abgrenzung von Unternehmen und Markt eröffneten sich neue Forschungsfelder.

1.3 Die Industrieökonomik: Eine Theorie im engeren Sinne?

Die wissenschaftstheoretische Einordnung der Industrieökonomik kann durch eine Zuordnung dieser ökonomischen Disziplin in das Schema einer Theorie oder eines Bezugsrahmens bzw. eines Modells erfolgen.[15] Um als Theorie anerkannt zu werden, müssen von der Industrieökonomik einige Attribute erfüllt werden. Obgleich die zu erfüllenden Merkmale einer Theorie in der Wissenschaft unterschiedlich aufgefasst werden, lassen sich doch fünf wesentliche Attribute identifizieren, die auf die Industrieökonomik zutreffen müssen, um im wissenschaftstheoretischen Sinn als Theorie zu gelten. Zu diesen Kriterien gehören die Konsistenz der Aussagen, die Stärke der Argumente, die Nichtexistenz einer Zirkularität, die Klarheit sowie die Verifizierbarkeit bzw. Falsifizierbarkeit des Systems.[16]

Eine Theorie ist als eine Gesamtheit von konsistenten, also widerspruchfreien Aussagen definiert.[17] Einzelne Elemente der Industrieökonomik sowie das Gesamtsystem wurden durch eine Vielzahl von Studien sowohl a priori als auch a posteriori analysiert. Diese Untersuchungen haben keinen Anlass gegeben an der Widerspruchsfreiheit der Industrieökonomik zu zweifeln. Es liegt also nahe dieses Attribut als erfüllt anzusehen.[18]

Als stark bezeichnet man eine Theorie, wenn sie eine möglichst große Anzahl von Alternativen, wie sich ein Sachverhalt verhalten könnte, ausschließen kann. Sehr schwache bzw. triviale Zusammenhänge sind nicht von wissenschaftlichem Interesse.[19] Die Industrieökonomik stellt als grundsätzlich empirisch geprägtes Hypothesensystem sehr klare Kausalzusammenhänge her. Diese Aussagen schließen allerdings alternative Zusammenhänge aus und erlauben es, die Industrieökonomik als stark bezeichnen zu können.[20]

Eine Behauptung gilt als zirkulär, wenn sie das was sie aussagt bereits voraussetzt. Um als Theorie zu gelten darf ein System nicht zirkulär sein. Zirkuläre Argumentationen stellen keinen wissenschaftlichen Mehrwert dar, da sie nicht verständlich sind.[21] Die wissenschaftlichen Grundlagen der Industrieökonomik liegen in den Annahmen der Mikroökonomik. Diese werden unter Berücksichtigung bestimmter Interdependenzen zu eigenen wettbewerbstheoretischen Aussagen weiterentwickelt. Diese wiederum sind nicht vorausgesetzt, um den Übergang zwischen Mikroökonomik und der Industrieökonomik herzustellen. Das System ist also nicht-zirkulär.[22]

Um als Theorie zu gelten muss die Industrieökonomik klar sein. Dies bedeutet, dass sie weder zirkulär sein darf (ein bereits behandelter Aspekt), keine impliziten Annahmen sowie keine mangelhaft definierten Begriffe umfassen darf. Des Weiteren muss ersichtlich sein, was das System überhaupt aussagt. Soweit man die Gesamtheit von unklaren Aussagen nicht durch Definitionen etc. erweitern und somit klar machen kann, ist sie prinzipiell unklar, also nicht verständlich.[23] Eine für Menschen nicht verständliche Theorie wäre sinnlos. Die Industrieökonomik bedient sich nur eindeutiger Begriffe und verwendet keine impliziten Annahmen. Es scheint das Attribut der Klarheit erfüllt.[24]

[...]


[1] Šamši-Adad I. (18. Jh. v. Chr.), zitiert in: Blum, Müller & Weiske (2006), S. 1.

[2] Vgl. Raschke & Tils (2012), S. 43-46.

[3] Vgl. Camphausen (2013), S. 6f.

[4] Vgl. Bester (2012), S. 1f.

[5] Vgl. Blum, Müller & Weiske (2006), S. 2-6.

[6] Vgl. Bester (2012), S. 1f.

[7] Vgl. Wildmann (2010), S. 50f.

[8] Vgl. Piekenbrock & Hennig (2013), S. 184f.

[9] Vgl. Bester (2012), S. 2f.

[10] Vgl. Börner (2000), S. 31-33.

[11] Vgl. Bester (2012), S. 3.

[12] Vgl. Leininger (2009).

[13] Vgl. Schwalbe (2007).

[14] Vgl. Bester (2012), S. 5f.

[15] Vgl. Schülein & Reitze (2012), S. 24-30.

[16] Vgl. Paier (2010), S. 16f, vgl. Astleitner (2011), S. 25-28, vgl. Schuster (2004),
vgl. Lütge (2001), S. 97-100.

[17] Vgl. Hilbert & Ackermann (1928), S. 30f.

[18] Vgl. Bester (2012), S. 2-5.

[19] Vgl. Schuster (2004).

[20] Vgl. Leininger (2009).

[21] Vgl. Schuster (2004).

[22] Vgl. Bester (2012), S. 2f.

[23] Vgl. Schuster (2004).

[24] Vgl. Blum, Müller & Weiske (2006), S. 29-40.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Industrieökonomik. Marktökonomische Grundlagen des strategischen Wettbewerbs
Hochschule
EBS Universität für Wirtschaft und Recht
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V275100
ISBN (eBook)
9783656683841
ISBN (Buch)
9783656683780
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Industrieökonomik, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Innovationsmanagement, Wettbewerbspolitik, Strategischer Wettbewerb, Strategie, Ökonomie, Wissenschaftstheorie
Arbeit zitieren
Jonas Soluk (Autor), 2014, Die Industrieökonomik. Marktökonomische Grundlagen des strategischen Wettbewerbs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/275100

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